Zwischen Sturm und Frühling - Alcossebre
February 13 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C
Nachdem wir unseren traumhaften Stellplatz bei Cartagena verlassen hatten, ging es weiter nordwärts - wie immer mit dieser leisen Spannung im Gepäck: War die Wahl dieses Ortes ein Glücksgriff? Oder haben die Fotos im Internet wieder einmal mehr versprochen als die Realität halten kann?
Zwischen Valencia und Tarragona, in der Nähe von Peñiscola, sind wir nun auf einem grossen Campingplatz gelandet, der sich als sauber, praktisch und erfreulich unkompliziert erweist. Keine falschen Versprechen - einfach solide spanische Camping-Realität. Wobei "solide" hier durchaus mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Es gibt tatsächlich einen geheizten, gedeckten Pool mit Aussenbecken - was bei stürmischem Wetter Gold wert ist. Und dann wäre da noch das Ambiente: Über den ganzen Platz verteilt stehen weissleuchtende Statuen von nackten, oder sehr leicht bekleideten Meerjungfrauen und Nackedeien, die besonders abends eine fast mystisch-kitschige Atmosphäre erzeugen.
Der dazugehörige Supermercado entpuppt sich als wahres Labyrinth. Wer nur schnell Brot holen will, sollte besser Proviant mitnehmen. Doch wer sich durch die Gänge schlängelt, wird belohnt: ein erstaunlich grosses Sortiment, das von der Tortilla bis zur Camping-Ersatzschraube gefühlt alles bereithält.
Am Eingang empfängt uns ein etwas melancholischer Papagei. Je nach Tagesform begrüsst er die Gäste mit einem krächzenden "Hallo" - oder etwas, das sehr danach klingt. An weniger guten Tagen sitzt er zitternd in seinem Pappkarton und verweigert die soziale Interaktion. Ein kleines Sinnbild für die Wetterlage der letzten Wochen vielleicht. Armer Vogel.
Unsere Fahrräder kommen hier ausgiebig zum Einsatz. 3,5 Kilometer bis ins nächste Dorf - eine ideale Aufwärmstrecke für Peter, für mich ein Training. 😀 Ziel: Alcossebre.
Alcossebre gehört zur Gemeinde Alcalà de Xivert und hat sich seinen entspannten Charakter bewahrt. Kein Bettenburger-Monster, sondern ein gewachsener Küstenort mit mehreren naturbelassenen Buchten und langen Sandstränden. Fischerboote schaukeln im Hafen, Cafés servieren Tapas, und das Leben verläuft angenehm unaufgeregt.
Fährt man vom Campingplatz in die andere Richtung, ungefähr 6 Kilometer, erreicht man Torrenostra, den Küstenort von Torreblanca.
Hier wird es spürbar ursprünglicher. Gleich hinter dem Strand beginnt der Parque Natural del Prat de Cabanes-Torreblanca, ein geschütztes Feuchtgebiet mit Lagunen, Dünenlandschaften und einer beeindruckenden Vogelwelt. Flamingos sollen hier zeitweise Rast machen - wir haben sie (noch) nicht gesehen, aber allein die Weite der Landschaft wirkt wie ein Versprechen.
Die Küste zeigt sich naturbelassen, breit und offen. Nach den heftigen Stürmen der letzten Wochen hat sich das Meer kurzerhand bis auf das Küstensträsschen ausgedehnt und dabei Sand und Kies grosszügig neu verteilt. Die Natur kennt keine Strassenplanung - sie macht ihr Ding.
Für mich hatten die Stürme ihr Gutes: Zwischen Muscheln, Kies und Sand wurde ich fündig. Wunderschön geformtes Schwemmholz - glatt geschliffen, sonnengebleicht. Was genau daraus wird, weiss ich noch nicht. Aber Ideen wachsen bekanntlich mit dem Frühling.
Torrenostra selbst bleibt ruhig, fast verschlafen und wartet auf die grosse Horde Sommerfrischler. Ein paar Bars, Apartmenthäuser, viel Himmel und noch mehr Meer.
Etwas weiter im Landesinnern, aber gut mit dem Fahrrad erreichbar, liegt Torreblanca. Hier wird es traditioneller. Keine Strandkulisse, sondern Dorfplätze, schlichte Häuserfassaden und das alltägliche spanische Leben.
Historisch war die Region landwirtschaftlich geprägt - und das sieht man noch heute. Rund um Torreblanca erstrecken sich Felder mit Artischocken, Zitrusbäumen und Mandelhainen. Die Pfarrkirche im Ortskern, die Iglesia Parroquial de San Bartalomé, stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht sinnbildlich für die lange Geschichte des Ortes, der maurische, christliche und landwirtschaftliche Einflüsse in sich trägt.
Hier kauft man Brot beim Bäcker an der Ecke, beobachtet ältere Herren beim Kartenspiel und merkt schnell: Das hier ist kein Ferienort. Das ist Alltag. Und genau das macht den Reiz aus.
Die Natur rund um uns erwacht sichtbar. Mandel- und Obstbäume blühen um die Wette, Artischocken recken selbstbewusst ihre Köpfe der Sonne entgegen. Auf der Strandpromenade von Torrenostra liegen vereinzelt reife Datteln am Boden, während oben in den Palmen noch goldglänzend die unreifen Früchte hängen.
Unsere Tage füllen sich mit kleinen Fahrradtouren, Erkundungen, viel Lesen und Schreiben - und dem bewährten "Dolce far niente". Ein Clara (Bier mit Fanta Limón), warme Sonnenstrahlen im Gesicht und das leise Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Langsam schleicht sich der Gedanke an Regen, Schnee und Kälte wieder ins Bewusstsein. Aber noch sind die Temperaturen mild, der Himmel blau, und wir hoffen, dass uns Sturmtief Nils verschont....die Hoffnung sinkt: Soeben durchbrach ein vertrautes Geräusch die Stille: Dieses schrille, bedrohlich laute Alert-Signal auf dem Handy - jenes, das wir noch gut aus Andalusien kennen. Windböen bis zu 130 kmh sind angesagt. Wir haben unsere Habseligkeiten gut verstaut.Read more
Cartagena bei Sturmwind
February 5 in Spain ⋅ 🌬 19 °C
Der heutige Tag begann mit einer Taxifahrt nach Cartagena. Die Wetterprognose versprach stürmische Winde, dafür Sonne satt - eine Mischung, die sich als erstaunlich treffend erweisen sollte. Der Taxifahrer setzte uns direkt im Hafen ab, einem der grössten natürlichen Häfen des Mittelmeers. Schon die Römer wussten diesen geschützten Ort zu schätzen und machten Carthago Nova zu einem der wichtigsten Seehäfen ihres Reiches. Heute liegt der Hafen weitläufig und offen da, eingerahmt von Hügeln, Geschichte und moderner Architektur.
Die gepflegte Hafenanlage mit ihren Promenaden und die imposanten Bauwerke im Hintergrund machten sofort Lust auf Entdeckungen. Nach ein paar Tagen Natur pur tat es gut, wieder Zivilisation zu spüren. Die Schiffe hier wirken allerdings deutlich bodenständiger als die schwimmenden Statussymbole in Puerto Banús oder Marbella. Ein altes Segelboot stand sogar zum Verkauf - wie lange es schon dort vor sich hin altert, bleibt ein Rätsel. Die ehemaligen Passagiere schienen jedenfalls nur noch als Skelette an Bord zu sein... Piratenromantik inklusive.
Nach einem kleinen Rundgang entlang des Wasses folgten wir der alten Befestigungsmauer in Richtung Altstadt. Cartagena ist ein echtes Geschichtsbuch unter freiem Himmel: Phönizier, Römer, Mauren - sie alle haben hier ihre Spuren hinterlassen. Das römische Theater aus dem 1. Jahrhundert v.Chr., wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, zählt heute mit seinem Museum zu den Highlights der Stadt. Gleich daneben erhebt sich die Ruine der Catedral de Santa María la Vieja, zerfallen, offen zum Himmel, und gerade deshalb von besonderer Würde.
Wir schlenderten über Plätze wie die Plaza del Ayuntamiento mit ihrem prachtvollen Jugendstil-Rathaus und vorbei am Arqua, dem Nationalmuseum für Unterwasserarchäologie - passend für eine Stadt, deren Geschichte so eng mit dem Meer verknüpft ist. Immer wieder blieb mein Blick an Fassadengemälden hängen: auch Cartagena überrascht mit Street Art zwischen Antike und Moderne.
Auf der Plaza del San Francisco legten wir eine Pause ein. Sandwiches, Sonne - und immer heftigere Windböen. Die riesigen Ficus-Bäume auf dem Platz boten etwas Schutz, doch die eigentliche Gefahr kam von hinten: Plötzlich flogen schwere Metallstühle der umliegenden Cafés über den Platz. Uns wurde mulmig. Wir hatten noch unsere Campingtische vor dem Wohnmobil stehen. Wenn die auch Flügel bekommen sollten... und die Nachbarfahrzeuge waren Liner der Upper-upperclass. Ob unsere Versicherung wohl "fliegende Campingtische" abdeckt?
So traten wir früher als geplant den Rückweg an, wieder per Taxi, zurück in unsere Bucht. Dort tobte das Meer. Wellen brachen über die Mauer - zum Glück nicht bis zu unserem Giotti. Die Campingtische standen noch immer felsenfest an Ort und Stelle. Langsam beruhigten sich das Meer und Wind, die Böen liessen nach.
Einer ruhigen letzten Nacht an diesem idyllischen Ort steht nun nichts mehr im Weg.Read more
Der Küste langsam wieder hoch
February 3 in Spain ⋅ ☁️ 13 °C
Früh am Sonntagmorgen verliessen wir den Campingplatz Bella Vista in Manilva mit dem Ziel Bolnuevo bei Mazzarón. Ein prachtvoller Sonnenaufgang begleitete uns der Küste entlang, inklusive die Sichtung in Mijas von Gaby und Rolf ihrem Mietwagen vor einem Fitnessstudio: Der Herr hatte bereits auf Morgengymnastik in Form von Krafttraining gesetzt. Es war kurz nach 8 Uhr. So kann der Tag auch beginnen. 😉
Gegen 13.30 Uhr erreichten wir unser eigentliches Ziel. Doch Mazzarón - genauer gesagt die Küste rund um Bolnuevo - hatte offenbar denselben Gedanken wie halb Europa: Hier überwintern! Die Campingplätze waren restlos ausgebucht. Besonders viele Babyboomer hatten ihre rollenden Zuhause an die Mittelmeerküste gelenkt, nachdem Sturm- und Regenprognosen über Nordafrika und der iberischen Halbinsel sie zur Routenänderung gezwungen hatten. Auch wir passten unsere Pläne an - ein Hoch auf mobiles Internet.
So fanden wir schliesslich einen wunderbar gelegenen Campingplatz bei El Portús, etwas westlich von Cartagena, eingebettet in eine traumhafte Bucht. Kurz sorgte die Info auf der Abrechnung "Naturist Camp" für Skepsis, doch diese erwies sich als unbegründet. Der ehemalige FKK- Campingplatz wurde vor zwei Jahren von der TAIGA-Kette übernommen und wird modernisiert. Nach einem eher speziellen Nachbarn konnten wir glücklicherweise den Standort wechseln und stehen nun direkt am Strand, mit türkisblauem Meer vor uns und Brandung als Einschlafmusik. Draussen kreuzen Frachtschiffe auf dem Weg nach Cartagena, einer geschichtsträchtigen Hafenstadt mit römischen Wurzeln.
Zwischen Costa Tropical und Costa Cálida zeigt sich diese Region von ihrer schönsten Seite: mildes Klima,
wilde Küstenlandschaften und Buchten, die zum Entdecken einladen - zu Fuss, per Rad oder im Sommer auch im Wasser. Etwas Kondition und Trittsicherheit ist jedoch auf den Wanderwegen und den steilen Klippenstrassen von Vorteil.Read more
Zwischen Cala Mijas und Cabopino
January 30 in Spain ⋅ 🌬 16 °C
Das Wetter lachte uns heute Morgen freudig entgegen - also nichts wie los. Gemeinsam mit Gaby und Rolf machten wir uns auf den Weg nach Cala Mijas, unserem Ziel für diesen sonnigen Tag. Die beiden übernahmen routiniert die Rolle als lokale Reiseguides, schliesslich hatten sie den vergangenen Winter bereits ausgiebig am Strand, in den Gassen und in diversen Stärkungsstätten verbracht - reine Erfahrungssache also. Begleitet wurden wir von Labradoodle-Dame Jamie, die den Ausflug mit Gelassenheit unterstützte.
Cala Mijas, einst ein kleines Fischerdorf, gehört heute zur Gemeinde Mijas mit rund 90.000 Einwohnern. Der Küstenort selbst zählt etwa 12.000 bis 15.000 Bewohner, im Winter deutlich mehr. Dann treffen hier Einheimische auf Überwinterer aus ganz Nordeuropa, die milde Temperaturen und Sonnenstunden schätzen.
Nach einem Spaziergang stärkten wir uns mit Tapas, bevor es zurück zum Mietwagen ging. Shopping war nicht geplant, höchstens ein kurzer Blick auf die Immobilienangebote, die auch hier zuverlässlich dafür sorgen, dass man kurz über ein Zweitleben am Meer nachdenkt.
Kaffee und Kuchen gönnten wir uns später im Hafen von Cabopino, einem der kleineren, charmanten Yachthäfen der Costa del Sol mit rund 170 Liegeplätzen. Direkt daneben liegen die geschützten Dunas de Artola, eines der letzten natürlichen Dünengebiete der Region - ein seltener Beweis, dass Natur hier noch eine Stimme hat.
Hier verabschiedeten und verabredeten wir uns fürs Frühjahr in der Schweiz. Gaby und Rolf werden die kommenden Wochen Cabopino und Umgebung " unsicher" machen, für uns gilt ab Sonntag der langsame Rückweg in Richtung Norden. Da die Wetterprognosen für die kommende Woche eher durchzogen sind - mit weiteren starken Regenfällen und teils heftigen Winden - bleiben wir nicht wie ursprünglich geplant noch ein paar Nächte in Cabopino. Stattdessen ziehen wir die Küste weiter hinauf. Flexibilität gehört schliesslich zur Grundausstattung jedes Reisenden, besonders dann, wenn der Himmel andere Pläne hat.
Was nicht ist, kann bekanntlich noch werden. Und weil Vorfreude eine der zuverlässigsten Formen von Sonnenschein ist, haben wir unseren Stellplatz für den nächsten Winter bereits in Manilva reserviert. Man denkt hier eben langfristig - vor allem, wenn es sich so wunderbar leben lässt in Südspanien.Read more
Puerto de Sotogrande im Gegenwind
January 29 in Spain ⋅ 🌬 16 °C
Puerto de Sotogrande ist kein Ort, der laut um Aufmerksamkeit buhlt. Er liegt einfach da, geschniegelt, gelassen und mit dem Selbstbewusstsein eines Menschen, der nie gelernt hat, über Geld zu sprechen - weil es immer da war. Gegründet in den 1960er Jahren als exklusives Gegenmodell zu den aufkommenden Bettenburgen der Costa del Sol, war Sotogrande von Anfang an für jene gedacht, die Privatsphäre schätzen. Und genau das spürt man bis heute.
Wir erreichten den Hafen bei Wetter, das man nur mit wohlwollender Fantasie als "durchwachsen" bezeichnen kann. Heftige Böen zerrten an unseren Jacken, während ein feiner Regen fiel, der weniger an Dauerregen erinnerte als an eine besonders hartnäckige Dusche, die man eigentlich schon lange abgestellt glaubte. Die gute Laune liessen wir uns aber nicht abwaschen. Inzwischen sind wir ziemlich sturmerprobt seit uns Harry, Joseph und Kristin in den vergangenen Tagen mit bis zu 150 km/h und heftigen Regenfällen besucht haben.
Der Hafen präsentierte sich entsprechend leer. Kaum Menschen, kaum Geräusche, nur das Klirren der Masten im Wind und das tiefe, zufriedene Schweigen eines Ortes, der weiss, dass er auch bei Sturm nichts beweisen muss. Vielleicht gefiel er uns gerade deshalb so gut. Ohne Sonnenschein, ohne Aperol, ohne Instagram-Filter wirkte Puerto de Sotogrande fast ehrlicher. Ruhig und unaufgeregt. In sich selbst ruhend.
Den Café con leche und das Stück Kuchen liessen wir uns nicht nehmen. Vor einer wunderbar wilden Hafenkulisse schmeckte beides erstaunlich gut, während sich die Palmen und Segelmasten einen stillen Wettkampf lieferten: Wer würde dem Wind wohl länger standhalten? Die Palmen mit aristokratischer Gelassenheit, die Masten mit metallischem Knarren - ein Unentschieden, zumindest an diesem Nachmittag.
In der Werft dann ein kleines Highlight für Freunde morbider Ästhetik: eine ausgebrannte Yacht, deren Rumpf ein Loch von beeindruckendem Ausmass zierte. Ein maritimes Mahnmal dafür, dass auch sehr teure Dinge gelegentlich einen schlechten Tag haben. Man konnte sich lebhaft vorstellen, dass dieses Boot nun zu einem ausgesprochen attraktiven Preis zu haben wäre - ideal für Optimisten oder Bastler.
Entspannt scheint man hier generell zu sein, zumindest wenn es ums Geld geht. Wohnungen und Villen in Puerto de Sotogrande sind alles - nur keine Schnäppchen. Gleichzeitig stehen derzeit erstaunlich futuristische Immobilienangebote im Raum. Klare Linien, viel Glas, minimalistische Architektur. Preise? Zwischen 2,5 bis 10 Mio Euro aufwärts. Dafür bekommt man allerdings "wirklich was Feines", wie man hier vermutlich sagen würde.
Denn Sotogrande ist kein Ort des Protzens. Eher "old money" als Neureichtum, eher Understatement als Show. Man fährt dezente Autos, trägt unauffällige Kleidung und weiss sehr genau: Über Geld spricht man nicht. Man hat es.Read more
Mijas Pueblo - berechtigter Hotspot
January 26 in Spain ⋅ 🌧 14 °C
Nach einem ziemlich feuchten Tag gestern - wir entwickelten spontan die Disziplin "Spaziergänge zwischen zwei Regenfronten" - war für heute tatsächlich besseres Wetter angesagt. Dieses Versprechen nahmen wir ernst und nutzten es, um die rund 61 Kilometer nach Cabopino zurückzulegen, wo wir Gaby und Rolf auf ihrem Campingplatz besuchten.
Schon bald wurde klar: Unsere Ferienlocation liegt etwas zu nahe am Atlantik. In Kombination mit dem Gebirge im Hinterland von Manilva, der Sierra de la Utrera, entstehen offenbar ideale Bedingungen für atmosphärische Grossentleerungen. Das zerklüftete Kalksteingebirge funktioniert wie ein natürlicher Regenmagnet: Wolken rein, Wasser raus. Cabopino, das zu Marbella beziehungsweise Mijas gehört, scheint dagegen wettertechnisch eindeutig auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
Mein ausdrücklicher Wunsch für diesen Tag war der Besuch des berühmten weissen Bergdorfs Mijas Pueblo. Gaby chauffierte uns alle sicher im Mietwagen die steile Strecke hinauf - hinein in einen der bekanntesten Hotspots der Costa del Sol. Ja, touristisch ist es. Aber eben auch aus gutem Grund.
Mijas Pueblo liegt auf 430 Metern Höhe am Hang der Sierra de Mijas und blickt majestätisch über das Mittelmeer. Die Geschichte reicht von iberischen Ursprüngen über römische Zeiten bis zur maurischen Prägung, was man dem Ort bis heute ansieht. Weisse Häuser, enge Gassen, Blumentöpfe - und eine Aussicht, wie aus der Perspektive eines Adlers.
Besonders eindrucksvoll ist die Höhlenkirche Eremita de la Virgen de la Peña, direkt in den Fels geschlagen. Kühl, still und angenehm unaufgeregt.
Danach verloren wir uns in den steilen Gassen, die meisten über Treppen erschlossen. Wer hier wohnt, braucht weder Fitnessstudio noch Knieprobleme vom Joggen - die kommen gratis.
Die zahlreichen Läden bieten alles von Souvenirs über Keramik bis zu Lederwaren. Sehr viele Lederwaren. Die VerkäuferInnen sind freundlich, engagiert und teilweise so anhänglich, dass man sich fragt, ob ein kurzer Blickkontakt bereits als Kaufabsicht gilt. Die Konkurrenz ist hier jedenfalls nicht nur gross, sondern gnadenlos.
Zwischendurch begegnet man den berühmten Eseltaxis, historisch gewachsen und touristisch beliebt. Die Esel wirkten allerdings eher apathisch und blickten mit der Ruhe von Wesen, die alles schon gesehen haben - was wahrscheinlich auch so ist.
Nach all den Eindrücken war es schliesslich Zeit, sich bei einem feinen späten Mittagessen zu stärken. Die Zeit verging im Flug. Die Sonne verabschiedete sich leise, bevor wir es richtig realisiert hatten.
Auf dem Rückweg legten wir noch einen Halt in einem riesigen Chinesenshop ein, einem Ort, an dem man theoretisch alles findet, praktisch aber nie das, was man ursprünglich gesucht hat. Rolf benötigte dringend ein Werkzeug, um seine Zeltheringe angesichts der angekündigten stürmischen Tage sicher im Boden zu verankern - ein durchaus nachvollziehbares Anliegen. Er wurde sogar fündig!
Währenddessen meldete sich Gabys Blase mit zunehmender Dringlichkeit. Die Toilette war vorhanden, der Eintritt problemlos. Der Ausgang hingegen erforderte ein telefonisches Notsignal. Dank Teamarbeit konnte auch dieses Problem gelöst werden.
Am Ende kehrten wir alle glücklich, leicht erschöpft und um einige Geschichten reicher zu unseren Wohnmobilen zurück. Mijas Pueblo hatte geliefert: Kultur, Geschichte, Geografie, gutes Essen - und genug Stoff für trockenen Humor.Read more
Marbella - Sun, Fun & Meeresluft
January 24 in Spain ⋅ 🌙 10 °C
Nach einer ausgesprochen wilden Nacht mit stürmischem Wind, Hagel und kräftigem Regen versprach der Wetterbericht für heute endlich Besserung. Also nichts wie raus - die Wetter-App zeigte für Marbella strahlenden Sonnenschein an. Diese Einladung konnten wir unmöglich ausschlagen.
Nach dem Frühstück fuhren wir die rund 34 Kilometer auf der A7 Richtung Osten. Schon unterwegs bot sich ein überraschender Anblick: Auf den Gipfeln der Sierra Blanca, zwischen Manilva und Marbella lag tatsächlich Neuschnee - ein faszinierender Kontrast zur milden Küstenluft.
Unser Navi führte uns direkt unterhalb der historischen Stadtmauern des ehemaligen Castillo von Marbella in die Altstadt. Und dort ist man sofort mittendrin im südlich- mediterranen Lebensgefühl: verwinkelte, teils sehr enge Gassen, weiss getünchte Häuser, überall blühende Pflanzen in Töpfen und leuchtende Bougainvillea, die sich an den Fassaden emporranken. Die Altstadt ist überschaubar, eher dörflich, aber gerade das macht ihren Charme aus.
Kaum verlässt man dieses Gassengewirr, steht man plötzlich auf der belebten Haupteinkaufsstrasse Avenida Ricardo Soriano - perfekt für einen ausgedehnten Bummel. Uns zog es jedoch weiter in Richtung Meer, hinunter zum Quai und zum Sporthafen von Marbella.
Palmen säumen die Promenade, Tapasbars und Chiringuitos reihen sich aneinander, dahinter Hochhäuser mit Wohnungen, die hoffentlich alle Meerblick für sonnenhungrige Nordländer bieten. Dazu die allgegenwärtigen fliegenden Händler, die ihr Angebot flexibel an Wetter, Tageszeit und Publikum anpassen.
Überall sassen Menschen mit Sonnenbrille und Drink in der Hand, genossen Fisch, Meeresfrüchte oder Fast-food - Sun, Fun and nothing to do. Da die Wetterprognosen für morgen weniger prickelnd aussehen, mussten auch wir heute dringend unseren Vitamin-D-Speicher auffüllen. Und Marbella war dafür genau der richtige Ort.Read more
Málaga, lebendig, unbeschwert, schön
January 20 in Spain ⋅ ⛅ 11 °C
Málaga empfing uns bei strahlendem Himmel und starkem Wind mit einer entspannten Leichtigkeit, die sofort ansteckt. Die Stadt an der Costa del Sol blickt auf eine über 2.800 Jahre alte Geschichte zurück: gegründet von den Phöniziern, geprägt von Römern und Mauren, bis heute sichtbar in der Alcazaba und den Ruinen des römischen Theaters. Gleichzeitig ist Málaga quicklebendig und modern - mit rund 580.000 Einwohnern gehört sie zu den grössten Städten Andalusiens und wirkt dabei doch angenehm überschaubar.
Besonders schön ist der Mix aus Natur, Stadtleben und Meer. Málaga mit seinen wunderbaren Parks, der stylischen Hafenanlage Muelle Uno mit den gigantischen Yachten, der schönen Altstadt, den interessanten Geschäften sowie den hübschen Cafeterias, Patisserien und Tapasbaren ist einfach ein Muss, wenn man sich in Andalusien aufhält. Zwischen Palmen im Parque de Málaga spazieren, durch die verwinkelten Gassen der Altstadt schlendern oder bei einem Café con leche das Treiben beobachten - all das fühlt sich herrlich leicht und selbstverständlich an. Einmal mehr ein Besuch und sicher nicht der Letzte.
Kulturell hat Málaga ebenfalls einiges vorzuweisen. Die Stadt ist stolz auf ihre berühmten "Kinder", allen voran Pablo Picasso, der hier geboren wurde und dem gleich mehrere Museen gewidmet sind. Auch Schauspieler Antonio Banderas stammt aus Málaga und ist bis heute eng mit der Stadt verbunden. Diese Mischung aus Geschichte, Kultur und mediterraner Lebensfreude macht Málaga zu einem Ort, der nicht laut beeindrucken muss - sondern leise begeistert.Read more
Tarifa zwischen zwei Kontinenten
January 19 in Spain ⋅ 🌙 10 °C
Heute stand das 60 Kilometer entfernte Tarifa auf unserem Tagesprogramm. Bereits vor fünf Jahren hatte uns diese authentische spanische Stadt imponiert - doch wir hatten damals längst nicht alles gesehen.
Tarifa, die südlichste Stadt Europas, hat uns sofort gepackt - mit ihrer Geschichte, ihrer Lage zwischen zwei Meeren und diesem besonderen Gefühl, am Rand eines Kontinents zu stehen. Schon Phönizier, Römer und Mauren nutzten diesen Ort als strategisches Tor zwischen Europa und Afrika, und bis heute spürt man diese Vergangenheit in der charmanten Altstadt mit ihren engen Gassen und weiss getünchten Häusern.
Am Hafen wurde Geschichte plötzlich ganz aktuell: Eine grössere Gruppe von Migranten aus Nordafrika kam an, stieg in Busse um und reiste weiter in Richtung Rumänien. Das gesamte Gepäck wanderte gesammelt in einem Lastwagen - ruhig organisiert, fast beiläufig, und doch eindrücklich. Der Hafen ist hier immer noch das, was er seit Jahrhunderten war: ein Ort des Übergangs.
Was uns wirklich überrascht hat, war, wie sehr uns Tarifa insgesamt gefallen hat. Die Altstadt ist lebendig, ohne laut zu sein, und der Park vor dem Rathaus bot eine wunderbar entspannte Pause. Und dann dieser Blick Richtung Süden - so nah, dass Afrika nicht mehr weit weg wirkt, sondern fast zum Greifen nah.
Am Steg dieses Gefühl perfekt eingefangen: rechts der weite Atlantik, links das Mittelmeer und die mittelalterlichen Mauern der Stadt.
Obwohl Tarifa als Hotspot gilt, waren heute erstaunlich wenige Touristen unterwegs. Dafür glitten ein paar unerschrockene Kitesurfer bei kaltem, starken Wind übers stahlblaue Meer - lässig, elegant und irgendwie genau passend zu diesem besonderen Ort.Read more
Zwischen Yachten, Jetset und Chiringuito
January 17 in Spain ⋅ ☁️ 8 °C
Das Wetter zeigte sich heute von seiner heiteren Seite, was uns für einen Ausflug in die Nachbarorte Puerto Banús und Marbella animierte.
Puerto Banús ist einer dieser Orte, bei denen man unweigerlich langsamer geht - nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es einfach zu viel zu schauen gibt. Vorerst legten wir im ruhigeren, aber sicher nicht weniger exklusiven Teil dieses Hafenortes eine kleine Mahlzeit ein, ganz entspannt, mit wunderbarem Blick aufs offene Meer. Allein diese Kulisse hätte schon gereicht, um glücklich zu sein. Doch Puerto Banús legt bekanntlich noch ein paar Schippen Glamour obendrauf.
Kaum hebt man den Blick vom Teller, bleiben einem fast die Spucke und der Atem weg: Riesige Yachten liegen geschniegelt im Hafen, daneben Luxusautos, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt wissen, wie sich eine normale Strasse anfühlt. Kein Wunder, dass sich hier regelmässig internationale Prominenz zeigt. Stars wie Antonio Banderas ( der aus Málaga stammt), Rod Stewart, Simon Cowell, Cristiano Ronaldo oder Mitglieder europäischer Königshäuser wurden hier gesichtet.
Historisch ist Puerto Banús eng mit Don Juan Carlos I., dem ehemaligen König von Spanien, verbunden. Er gehörte zu den schillernden Persönlichkeiten, die den Ort in den 1970er- und 1980er Jahren regelmässig besuchten. Don Juan Carlos war nicht nur Gast, sondern ein wichtiger gesellschaftlicher Türöffner: Seine Präsenz machte Puerto Banús endgültig salonfähig für den internationalen Jetset. Wo der König auftauchte, folgten Aristokraten, Industrielle und Prominente - und der Hafen wurde zur mondänen Bühne Europas.
Die Schönen und Reichen geben sich hier die Klinke in die Hand - wobei "schön" definitiv im Auge des Betrachters liegt. Reich hingegen scheinen einige ganz sicher zu sein. Puerto Banús war und ist eine Bühne, auf der gesehen werden zum guten Ton gehört.
Am Hafen selbst spielt sich ein fast schon folkloristisches Schauspiel ab: Zahlreiche nordafrikanische Händler bieten mit grosser Überzeugungskraft "Louis Vuitton ", "Yves Saint Laurent" & Co an. Ob echt oder nicht, sei dahingestellt - erfolgreich scheinen sie jedenfalls zu sein. Auch das gehört zu Puerto Banús: ein bisschen Show, ein bisschen Illusion und sehr viel Selbstbewusstsein. 😉
Marbella wiederum haben wir heute von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Abseits der bekannten Klischees überrascht die Stadt mit einer angenehmen Mischung aus Eleganz, Gelassenheit und mediterranem Lebensgefühl. Seit den 1950er - Jahren zieht Marbella Künstler, Aristokraten und internationale Stars an - Audrey Hepburn, Brigitte Bardot, Günther Sachs oder Sean Connery gehörten einst zu den Stammgästen.
Besonders der Abschnitt zwischen Puerto Banús und dem Zentrum von Marbella ist schlicht wunderbar: prächtige Anlagen, liebevoll gepflegt, ziehen sich direkt entlang des schönen Strandes. Dazwischen laden charmante Chiringuitos zum Verweilen ein. Hier trifft Luxus auf Leichtigkeit - und genau das macht den Reiz aus.
Historisch gesehen war Marbella einst ein beschauliches Fischerdorf, bevor es zur Bühne der High Society wurde. Heute verbinden sich Geschichte, Glamour und ganz alltägliche Urlaubsmomente auf überraschend harmonische Weise.
Fazit des Tages: Wir sind ziemlich ins Staunen geraten. Nicht alles hier ist unser Stil - aber vieles hat uns überrascht. Und genau das macht das Reisen so wertvoll.Read more
Kurzer Abstecher nach Estepona
January 15 in Spain ⋅ ☁️ 12 °C
Der Himmel zeigte sich gestern eher trüb und grau, also entschieden wir uns spontan für einen kurzen Ausflug in den nur 15 Kilometer entfernten Nachbarort Estepona. Perfekt, für einen halben Tag - und überraschend vielseitig. Besonders die Altstadt hatte es uns angetan.
Am Plaza del Torre del Reloj herrschte reges Treiben: lachende Schüler, die sich nach Schulschluss über den Platz verteilten, sorgten für eine wunderbar lebendige Atmosphäre. Der markante Uhrturm ist dabei mehr als nur ein Fotomotiv. Er ist der letzte Überrest einer Kirche, die beim verheerenden Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 zerstört wurde. Nun befindet sich an der Stelle wo einst die Kirche stand eine Schulanlage hinter neuen Mauern. Der Turm blieb stehen - und ist heute eines der historischen Wahrzeichen der Stadt.
Nur wenige Schritte entfernt stehen die Überresten der alten Burg San Luis. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und erinnert daran, dass Estepona einst strategisch wichtig war, um die Küste gegen Piraten zu schützen.
Kulturell Interessierte kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Das Museo Arqueológico gibt einen kompakten Einblick in die römische und maurische Vergangenheit der Region. Wer moderne Kunst bevorzugt , sollte das Orquidario und die wechselnden Ausstellungen im Centro Cultural Mirador del Carmen im Blick behalten - weniger überlaufen als in Marbella, aber durchaus sehenswert. Vielleicht verirren wir uns noch in nächster Zeit hierher...
Estepona war früher tatsächlich ein klassisches Fischerdorf. Heute zählt die Stadt rund 75.000 Einwohner und hat sich in den letzten Jahren bewusst als gepflegte, authentische Alternative zu den mondäneren Nachbarn positioniert. Die Nähe zu Marbella (ca 25 km) und Málaga (knapp 80 km) macht Estepona zu einem idealen Ausgangspunkt, ohne selbst überlaufen zu wirken.
Ein Spaziergang entlang der Promenade rundet den Besuch ab. Sie zieht sich kilometerlang dem Meer entlang, gesäumt von modernen Neubauten, in denen viele Touristen untergebracht sind. Dahinter blitzt immer wieder das ursprüngliche Andalusien hervor - genau diese Mischung macht Estepona so sympathisch.
Zum Abschluss gönnten wir uns noch eine kleine Pause: einen Kaffee und einen Apfelkrapfen im verkehrsfreien, modernen Einkaufsviertel der Stadt. Zwischen Boutiquen, Cafés und entspannt flanierenden Besuchern liess sich der Nachmittag wunderbar ausklingen. Genau diese ruhigen, alltäglichen Momente machen einen Ort oft besonders sympathisch.
Gestärkt und zufrieden machten wir uns schliesslich wieder auf den Rückweg nach Puerto de la Duquesa - mit dem Gefühl, dass sich selbst ein kurzer Abstecher nach Estepona lohnt, ganz besonders an Tagen, an denen sich das Wetter nicht nach unseren Wünschen verhält. 😉Read more
Von Manilva nach Ronda: Durch die Berge
January 12 in Spain ⋅ 🌙 13 °C
Da wir nun ja zusätzlich motorisiert sind, wollen wir uns die umliegenden Schönheiten Andalusiens natürlich nicht entgehen lassen. So zog es uns gleich nach dem Frühstück in das rund 74 Kilometer entfernte Ronda. Zunächst ging es ein Stück gemütlich auf der A7 beziehungsweise der mautpflichtigen AP7 in Richtung Málaga, vorbei an Estepona, bevor uns das Navi abrupt aus dem Küstentrubel heraus und hinein in die Berge lotste.
Und was für Berge das sind! Wir fuhren hinein in die Serranía de Ronda, ein beeindruckendes Mittelgebirge, das sich wie eine natürliche Bastion zwischen Küste und Hinterland erhebt. Der erste Anstieg führt durch die Sierra Bermeja, bekannt für ihr rötliches Gestein und ihre ungewöhnlich eisenhaltigen Böden. Hier erreichen die Höhenzüge rund 1.200 bis 1.450 Meter, während weiter nördlich die Sierra de las Nieves mit dem Torrecilla sogar fast 1.920 Meter misst - eines der höchsten Massive Andalusiens. Kein Wunder also, dass sich die Landschaft mit jeder Kurve spürbar verändert.
Wir fuhren durch ausgedehnte Pinien- und Korkeichenwälder, vorbei an tiefen Schluchten und immer wieder öffneten sich Ausblicke wie gemalt: In der Ferne lagen sie da wie aufgereihte Perlen - die berühmten weissen Dörfer Andalusiens, hoch oben an die Berghänge geschmiegt. Sobald wir eines dieser Dörfer durchquerten, wurde klar: Abgeschieden heisst hier keineswegs verlassen. Die Bars waren geöffnet, Menschen standen plaudernd auf den Plätzen, Kinder spielten - diese Dörfer leben, und wie.
In Ronda angekommen, parkten wir unseren Clio in einem zentral gelegenen Parkhaus. Kaum wieder auf der Strasse, standen wir bereits mitten in der Fussgängerzone. Geschäfte reihen sich hier aneinander, viele mit Souvenirs, Lederwaren und regionalen Produkten. Auch an Restaurants mangelt es nicht. Erstaunlich war jedoch, wie wenig internationale Touristen unterwegs waren - die meisten Passanten schienen Spanier zu sein. Vielleicht ein Geschenk der Nebensaison.
Ronda gehört zu den ältesten Städten Spaniens. Bereits die Kelten siedelten hier, später folgten die Römer, die die Stadt "Arunda" nannten. Ihre heutige Prägung erhielt Ronda jedoch vor allem während der maurischen Zeit, als sie eine wichtige Festungsstadt war. Die spektakuläre Lage auf einem Hochplateau, das durch die bis 120 Meter tiefe Tajo-Schlucht geteilt wird, machte sie nahezu uneinnehmbar. Die berühmte Puente Nuevo, die "neue Brücke", ist übrigens alles andere als neu: Ihr Bau begann im 18. Jahrhundert und dauerte über 40 Jahre - ein echtes Ingenieurswunder der Zeit.
Ronda kannten wir bereits von einem Besuch vor fünf Jahren, daher wussten wir genau, wo sich die schönsten Aussichtspunkte befinden. Natürlich durfte auch der Lieblingspark von Ernest Hemingway nicht fehlen. Der Schriftsteller liebte Ronda und liess sich hier zu Werken wie " Wem die Stunde schlägt" inspirieren. Direkt davor liegt die legendäre Plaza de Toros, eine der ältesten Stierkampfarenen Spaniens.
Der spanische Stierkampf (Corrida) ist tief in der Geschichte und Kultur des Landes verwurzelt, aber heute stark umstritten. In vielen Regionen - etwa in Katalonien - ist er verboten. In Andalusien hingegen wird er noch praktiziert, allerdings mit deutlich weniger Veranstaltungen als früher. In Ronda finden Corridas meist nur noch zu besonderen Anlässen statt, etwa während der traditionellen Feria Goyesca, bei der die Toreros historische Kostüme tragen.
Bei feinen Gitarren- und Violinklängen liessen wir den Blick schweifen, genossen die grandiose Aussicht über eine scheinbar endlose Weite aus Bergen, Feldern, Wäldern und vereinzelter Höfen. Ein Panorama, das demütig macht und zugleich tief entspannt.
Für den Heimweg wählten wir eine andere Route, die uns direkt zurück nach Manilva führte - über gut 70 Kilometer kurvenreicher Bergstrassen. Die Aussicht war erneut fantastisch, das flaue Gefühl im Magen ebenfalls...
Der Ausflug hat sich zweifelsohne gelohnt, doch eines ist sicher: Ronda zum dritten Mal braucht es nicht mehr. Manche Orte darf man einfach als wunderschöne Erinnerung im Herzen behalten.Read more
Hafen, Küste und britisches Flair
January 10 in Spain ⋅ 🌙 11 °C
Schnell lebten wir uns auf dem Campingplatz Bella Vista nahe dem Puerto de la Duquesa ein. Überwinterer prägen hier das Bild: vor allem Engländer und Deutsche, die dank milder Temperaturen und überschaubarer Lebenshaltungskosten dem Winter ein Schnippchen schlagen. Eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft mit viel Zeit - und viel Sonne.
Zu Fuss erkundeten wir unsere nähere Umgebung entlang der Meerespromenade. Puerto de la Duquesa, einst ein eher beschaulicher Fischerhafen mit dem Castello de la Duquesa, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem lebendigen Ferienort entwickelt. Kulinarisch ist die Auswahl beachtlich: britische, spanische, indische und amerikanische Bistros und Pubs reihen sich rund um den Hafen aneinander. Darben muss hier niemand. Die Lokale stehen dicht gedrängt wie Hühnerställe, auf den "Stangen" sitzen die Touristen und lechzen nach Sonne und Wärme. Wenn der Wind einmal nicht tobt, wird es in der Sonne richtig angenehm.
Die typischen Chiringuitos, kleine Strandbeizchen mit viel Tradition, sind zu dieser Jahreszeit allerdings meist geschlossen. Offenbar können es sich viele Spanier leisten, nach der lukrativen Hochsaison selbst etwas kürzerzutreten. Das zusätzliche Einkommen der Überwinterer scheint nicht zwingend nötig zu sein.
Natürlich sind auch unsere Fahrräder im Einsatz - der Aktionsradius vergrössert sich damit deutlich. Entlang der Küste fuhren wir am Torre de la Sal (Casares) vorbei bis in Richtung Estepona. Dieser Küstenabschnitt ist gesäumt von gepflegten Urbanisationen. Kein Wunder: Die BBC-Sendung " A place in the Sun" warb früher regelmässig für Immobilien genau hier. Mit dem passenden Budget könnte man da durchaus ins Grübeln kommen.
Ein weiteres Ziel war Manilva, welches hoch über der Küste thront. Peter schwärmte von der angeblich besten Pizza weit und breit. Nach einem steilen Aufstieg - unsere Fahrräder machten fast " das Männchen" - die Ernüchterung: Das hochgelobte Lokal öffnet erst um 19.00 Uhr. Die verbrannten Kalorien vom Aufstieg ersetzten wir später pragmatisch im Hafen von Duquesa bei einem sehr guten Chili con carne.
Heute Samstag holten wir unseren Mietwagen ab. Dieser musste extra aus Málaga nach Duquesa gebracht werden, da der lokale Verleih ausgebucht war. Offenbar geht es vielen Gästen ähnlich wie uns. Ohne Fahrzeug muss die A7 (Autostrasse /4 Spuren/ 80km/h) zu Fuss überquert werden, um zu einem Supermercado zu gelangen. Ein lebensgefährliches Unterfangen. Ein kleiner Wermutstropfen dieser ansonsten angenehmen Ferienlocation.
Mit dem Auto sind wir nun frei. Unser erster Ausflug führte uns heute ins 34 Km entfernte Gibraltar. Die britische Enklave hat eine lange, bewegte Geschichte und war strategisch schon für Römer, Mauren und später das British Empire von grosser Bedeutung. Berühmt wurde Gibraltar auch durch Admiral Horatio Nelson, der den Felsen mehrmals als Stützpunkt nutzte. Nach der Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 wurde sein tödlich verwundeter Körper hierher zurückgebracht, bevor er nach England überführt wurde - Gibraltar spielte damit sogar eine Rolle in der britischen Nationalgeschichte.
Vor drei Jahren wollten wir mit der Seilbahn auf den berühmten Felsen fahren - damals war sie in Revision. Beim erneuten Versuch erlebten wir exakt dasselbe Szenario. Die Affen mussten also wieder warten. Stattdessen bummelten wir durch die Altstadt, die gleichzeitig als Shoppingmeile dient. Zum Abschluss gab es standesgemäss Fish and Chips. Das musste sein - typisch British.Read more
Von Frost und Überraschung
January 4 in Spain ⋅ 🌧 14 °C
Am Samstag, 27.12.25, ging es früh los in Richtung Aix-les-Bains. Der Ort liegt am Lac du Bourget - Frankreichs grösstem natürlichen See. Wir wurden mit eisigem Wind - aber strahlend blauem Himmel begrüsst. Ein Spaziergang am See tat gut, auch wenn das "Beachrestaurant" seinem Namen wettertechnisch nicht ganz gerecht wurde und der Kellner wohl lieber Winterschlaf gehalten hätte.
Am Sonntag führte uns die Route nochmals bewusst abseits der Autobahn weiter, bis nach Aramon, einem kleinen historischen Städtchen unweit von Avignon. Die Landschaft wurde zunehmend mediterran, Pinien und Olivenbäume ersetzten graue Winterfarben. Aramon selbst lag ruhig und verschlafen da, mit alten Gassen, und südfranzösischem Charme. Besonders interessant das Geburtshaus von Henri de Pitot, dem französischen Wasserbauingenieur und Wissenschaftler, der im 18. Jahrhundert das nach ihm benannte Pitotrohr entwickelte und maßgeblich zur Hydraulikforschung beitrug. Die historische Bausubstanz erinnert daran, dass Aramon einst ein bedeutender Handels- und Hafenort an der Rhône war.
Am Montag erreichten wir das festlich gestimmte L'Escala an der Costa Brava. Hier fühlten wir uns sofort wieder wie zu Hause. Das lebendige Küstenstädtchen, bekannt für seine Sardellen und seine entspannte Atmosphäre, lud zu einem feinen Nachtessen ein.
Die nächste Etappe führte uns nach L'Ampolla, wo wir zwei Nächte auf einem Campingplatz verbrachten. Der kleine Ort am Rand des Ebrodeltas lebt vom Fischfang - das spürt man besonders im Hafen. Bei einem Clara (Bier mit Fanta Limon) genossen wir den Sonnenuntergang mit Blick auf die Boote. Für unfreiwillige Abendunterhaltung sorgten unsere feierfreudigen Nachbarn, deren Silvesterprogramm reichlich Rum, Musik und Drama beinhaltete.
Nach diesen zwei intensiven Nächten wechselten wir an einen ruhigen Campingplatz am Mar Menor bei Los Alcázares. Der Ort ist vor allem bei deutschen und englischen Überwinterern beliebt und lässt sich wunderbar per Fahrrad erkunden. Besonders gefallen hat uns der lebhafte Wochenmarkt mit frischem Obst und Gemüse.
Die Weiterfahrt Richtung Manilva führte uns am sogenannten "Mare Plastico" vorbei - dem Gemüse- und Obstgarten Europas. Plastikgewächshäuser, soweit das Auge reicht, ein ebenso beeindruckender wie nachdenklich stimmender Anblick. Wettertechnisch wurde es anspruchsvoll: Regen, Sturm und ab Málaga sogar Alarmstufe Rot. Trotzdem erreichten wir unbeschadet am Nachmittag unseren Campingplatz für die nächsten 28 Nächte - freundlich empfangen und mit einer schönen Überraschung: Ein Drittel der Übernachtungskosten wurde uns erlassen.
Der Winter wird nun hier verkürzt - ganz ohne Winterblues oder Ähnliches.Read more









































































































































































































































































Traveler
Guet bewaffnet chames wage?
Traveler😅👍