• Frühling an der Costa Brava

    February 21 in Spain ⋅ 🌙 11 °C

    Seit fast einer Woche sind wir wieder in L'Escala auf unserem "Stammcampingplatz" Lacus - ein echtes Kleinod für Nostalgieliebhaber. Die Sanitäranlagen sind blitzsauber, aber noch richtig retro, mit dem Charme vergangener Campingzeiten. Kein Luxus, aber alles, was man braucht. Nur ein Katzensprung bis zum Strand, zum Eurospar, diversen Restaurants und Souvenirshops entlang der hübschen Strandpromenade. Unser Giotti parkt direkt am Estany de Pomel, einer kleinen Lagune, die früher von Fischern zur Salzgewinnung genutzt wurde. Heute ist sie ein geschütztes Feuchtgebiet: Reiher, Enten und seltene Pflanzen fühlen sich hier wohl - ein kleines Naturparadies mitten in Riells.
    Mit dem Fahrrad erreichen wir in wenigen Minuten das Zentrum von L'Escala. Die schmalen Gassen, kleinen Cafés und Tapas-Bars laden zum Flanieren ein.
    Die lange Tradition der Fischerei besteht hier seit der Antike.
    Rund um L'Escala stehen drei historische Wachtürme: der Torre de Montgó auf dem Hügel Richtung Süden, der Torre del Montgri auf dem Massiv selbst und der Torre de Pedro näher am Strand in Richtung Empúries. Sie wurden zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert gebaut, um die Küste vor Piratenangriffen zu schützen. Im Notfall konnten die Wächter jede Stunde Rauch- oder Feuersignale an den nächsten Turm senden - ein frühes "Notfallnetzwerk" der Costa Brava.
    Entlang der Küste kommt man nach Sant Marty d'Empúries,ein kleines Fischerdorf, dessen Ursprünge bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Die kleine Kirche aus dem 16. Jahrhundert mit ihrem charakteristischen Glockenturm erzählt von der mittelalterlichen Spiritualität des Ortes. Gleich davor liegen die Ausgrabungen von Empúries, eine griechische und römische Siedlung, die zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Kataloniens zählt. Hier verschmelzen antike Strassen, Tempelreste und Mosaiken - man kann regelrecht die Lebensweise der Griechen und Römer spüren. Empúries ist heute ein Freilichtmuseum, das Geschichtsbegeisterte fasziniert.
    Heute haben wir mit meiner Schwester Renata und ihrem Mann Urs eine wunderschöne Velotour unternommen - durch den duftenden Wald nach L'Estartit. Die Rückfahrt nahmen wir dann über Toroella de Montgrí unter die Räder, über Stock und Stein und weiten Feldern. Das Gebiet rund um das Montgrí-Massiv ist nicht nur landschaftlich beeindruckend: Bereits im Mittelalter diente das Massiv als Orientierungspunkt für Händler und als Schutzwall gegen Eindringlinge. Heute ziehen die Naturpfade, die kleinen Dörfer und die Küste Radler und Wanderer gleichermassen an - perfekte Kombination aus Natur und Geschichte. Im Sommer belagern vorallem Sonnenanbeter, Wasserratten und Wassersportler die kleinen Dörfer und Campingplätze.
    Nicht weit von L'Estartit liegen die Medes-Inseln, ein kleines Archipel aus sieben Inseln und zahlreichen Felsen. Sie waren früher Zufluchtsort für Piraten und Schmuggler, heute sind sie ein geschütztes Meeresreservat, bekannt für ihre unglaubliche Unterwasserwelt: bunte Fische, Meeresschildkröten, Seesterne und seltene Algenarten. Tauch- und Schnorchelbegeisterte kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Inseln sind ein Paradebeispiel für die einzigartige Verbindung von Küstengeschichte und ökologischer Vielfalt der Costa Brava.
    Die Küste rund um L'Escala, L'Estartit und die Bucht von Roses ist einfach fantastisch: Klare Buchten, felsige Landzungen, einsame Strände und kleine Fischerorte wechseln sich ab. Historisch gesehen sicherte diese Küste schon den Handel zwischen Katalonien, den Balearen und Nordafrika - und heute lockt sie Naturliebhaber, Wanderer und Radfahrer gleichermassen.
    Der Frühling zeigt sich überall: Es sprießt und blüht, die Sonne wärmt angenehm. Auch zu Hause soll das Wetter bald frühlingshafte Tage bringen - bald kehren wir zurück - dem Winterblues sind wir erfolgreich entkommen.
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