• Zwischen Bier, Blaulicht und Busslogik - Pilsen

    May 8 in Czech Republic ⋅ ☁️ 14 °C

    Die erste Nacht von unserem neuen Roadtrip haben wir ruhig in Nürnberg bei den Wildgänsen verbracht. Schön eingemummelt zwischen ungefähr zwanzig anderen Wohnmobilen und PW's - fast ein kleines Dorf auf Zeit. Leises Schnattern, ein bisschen Rascheln, ansonsten erstaunlich friedlich... Genau so stellt man sich einen gelungenen Start vor.
    Heute Morgen ging es weiter Richtung Tschechien. Gleich nach der Grenze an der ersten Raststätte haben wir die Autobahnvignette für zehn Tage gelöst - erstaunlich unkompliziert. Und dann begann das kleine Kopftraining:
    Tschechische Kronen. Mal vier, dann ein- zwei Kommastellen verschieben... irgendwann kommt man rein. Oder man glaubt es zumindest.
    Während der Fahrt noch schnell online zwei Eintritte inklusive deutscher Führung für die Pilsner Urquell Brauerei gebucht - hat reibungslos funktioniert.
    Vor Ort war die Brauerei dann auch problemlos zu finden. Parken hingegen... sagen wir mal: sportlich.
    Grund war ein Laufanlass - vermutlich ein Stadtlauf oder Halbmarathon, überall Absperrungen, Läufer und Zuschauer.
    Direkt bei der Brauerei keine Chance unser 7,4m langes Gefährt hinzustellen. Also ein Stück weiter einen öffentlichen Parkplatz entdeckt, eigentlich für PW's und Busse. Zwei andere Wohnmobile standen schon da. Perfekt. Wir also daneben gestellt - der Platz war zwar mit "Bus" markiert... aber wir haben ja quasi einen halben Bus. Meine Logik zumindest.
    Peter war etwas skeptischer, aber ich konnte ihn überzeugen.
    Also los - zügigen Schrittes durch die Läuferströme Richtung Brauerei. Noch kurz das sportliche Treiben beobachtet, dann ging's zur Führung.
    Gemeinsam mit etwa 30 anderen Teilnehmern wurden wir rund 100 Minuten lang von einer jungen, sehr engagierten Guide durch das Gelände geführt. Die Pilsner Urquell Brauerei gilt als Geburtsort des weltweit ersten goldenen Pilsbiers (seit 1842) und ist heute eine der bekanntesten Braustätten überhaupt.
    Die Anlage ist beeindruckend gross - sowohl oberirdisch mit modernen Abfüllanlagen als auch unterirdisch mit kilometerlangen Kellern. Wir bekamen Einblicke in den gesamten Brauprozess: von der Gerstenmaische über die Zugabe von Hopfen bis hin zu den riesigen Sudkesseln. Besonders spannend war die Kombination aus moderner Technik und traditioneller Herstellung.
    Ein echtes Highlight waren die historischen Kelleranlagen - fast katakombenartig, kühl, feucht und voller Geschichte. Dort lagert das Bier noch teilweise in Holzfässern zur Reifung.
    Und dann natürlich die Verkostung: naturtrübes, unfiltriertes Pilsner direkt aus dem Fass, mit etwa 4,4% Alkohol. Frisch, mild, ganz anders als aus der Flasche - definitiv ein Erlebnis.
    Im Souvenirshop durften dann noch zwei doppelwandige Stahlbierbecher mit - für Giotti. Robust, männlicher Abwasch tauglich und garantiert bruchsicher.
    Zurück ging's wieder durch die Läufermenge - leicht beschwingt mit guter Laune. Doch die war schlagartig weg, als wir bei Giotti ankamen: eine hübsche "Fessel" am Rad und auf beiden Seiten ein netter Aufkleber mit Grüssen der tschechischen Verkehrspolizei.
    Ich bekenne mich hiermit schuldig.
    Also Polizei angerufen. Sehr freundlich übrigens - aber auch sehr konsequent. Nach etwa zehn Minuten kam die "Rettung" mit Blaulicht. Gegen 1500 CZK (ca. CHf 56.60) wurde Giotti wieder befreit. Lehrgeld bezahlt. Und ja - scheint ein funktionierendes Geschäftsmodell zu sein. Im Kofferraum des Polizeiwagens lagen Dutzende von Krallen, die noch ihren Zweck erfüllen wollen...
    Nebenbei erwähnt: In Tschechien gelten 0,0 Promille... wenn man sich hinters Steuer setzt...
    Eigentlich wollten wir nach der Führung Pilsen anschauen, aber die Lust war etwas verflogen. Also weiter Richtung Prag, wo wir bereits im Vorfeld für zwei Nächte auf einem kleinen Campingplatz einen Platz gebucht haben. Der Platz liegt etwas ausserhalb in der Nähe eines kleinen Sees mit schönem Park. Genau das Richtige nach so einem Tag.
    Zum Abschluss gabs dann ein wunderbares Nachtessen in einem typischen kleinen Restaurant mit lokaler Küche. Die Portionen - eher ziemlich üppig. Mein Fleischrest wanderte in einen Doggybag mit zurück zu Giotti.
    Wenn wir morgen nach der Stadtbesichtigung von Prag zurückkehren, werden wir sicher noch gerne dieses Häppchen vertilgen.
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