• Prag im Menschenmeer

    May 9 in Czech Republic ⋅ ☀️ 15 °C

    Für heute hiess es: zügig raus aus den Federn. Schliesslich stand eine Stadtbesichtigung auf dem Programm - und zwar nicht irgendeine... sondern Prag.

    Tja. Die Idee hatten wir leider nicht exklusiv.
    Gefühlt waren ein paar Millionen andere ebenfalls unterwegs. Zwischendurch hatte ich kurz das Gefühl, ich sei wieder irgendwo in China gelandet -
    Menschentrauben wohin man schaut. Nun aber schön der Reihe nach:
    Ganz entspannt haben wir den Gratis Camping-Shuttle bis zur Bahnstation genommen und sind von dort direkt ins Herz der Stadt gefahren. Und ja - kleiner Luxus am Rande: Ü65 reist sich's in Prag ziemlich komfortabel, kein einziges Kronenstück für den ÖV nötig. Das gefällt.
    Erster Eindruck: Wow... und gleichzeitig "wo sind all die Leute hergekommen?!"
    Vom Bahnhof aus ging es Richtung Altstadt, vorbei an der Jüdischen Synagoge im Josefov (Jüdisches Viertel) - ein stiller, eindrücklicher Ort mit viel Geschichte.
    Weiter zur prachtvollen Prager Staatsoper. Gleich daneben haben wir uns in der dazugehörigen "Kavárina Obecní dúm" bei Cappuccino und Croissant gestärkt - gute Entscheidung, denn hungrig durch Prag zu laufen ist keine Option.
    Dann aber ging's richtig los: durch eines der grossen Stadttore - den Pulverturm (Prašná brána) - hinein in die Altstadt. Und plötzlich öffnete sich alles:
    der Altstädter Ring (Staromêstské námêstí): Ein riesiger Platz, umgeben von prachtvollen Gebäuden, Kirchen und Geschichte an jeder Ecke.
    Hier spürt man auch ein Stück Zeitgeschichte. Der Begriff "Prager Frühling" steht für die Reformbewegung von 1968 - der Versuch, mehr Freiheit in der damaligen Tschechoslowakei zu schaffen. Kurz darauf wurde sie niedergeschlagen. Heute wirkt die Stadt frei, lebendig und offen - ein spannender Kontrast.
    Weiter ging's zur berühmten Karlsbrücke (Karlūv Most) über die Moldau. Ja, sie war voll. Sehr voll. Aber eben auch beeindruckend - mit ihren Figuren, Musikern und dieser besonderen Atmosphäre.
    Auf der anderen Seite machten wir einen kurzen Abstecher in die St.-Nikolaus-Kirche (Malá Strana) - barock, prachtvoll und wohltuend ruhig im Vergleich zum Trubel draussen.
    Für die Mittagspause entschieden wir uns zu Gulaschsuppe im Brot - deftig, heiss und genau das Richtige. Direkt danach wurden wir bei unserem "Verdauungsspaziergang" weiter durch die Menschenmengen geschoben.
    Später teilten wir uns als süsses Highlight "Trdelnik" (von uns "Kamincornet" genannt), das mit Apfel und Rahm gefüllt war - eine typische Prager Streetfood-Leckerei. Kalorien? Zählten wir heute nicht...
    Irgendwann waren wir dann doch ziemlich platt. Also zurück mit der Metro und dem Bus in Richtung Camping. Natürlich sind wir mehrere Stationen zu früh ausgestiegen - warum einfach, wenn's auch sportlich geht.
    Bonusprogramm: 3,5 km Fussmarsch als Cooldown.
    Jetzt sitzen wir hier, hundemüde, leicht erschlagen von Eindrücken - aber auch ziemlich begeistert.
    Prag ist intensiv.
    Laut.
    Voll.
    Aber auch unglaublich schön.
    Und definitiv ein Erlebnis.
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