Landpartie mit Wow-Momenten
May 10 in Czech Republic ⋅ ☀️ 20 °C
Heute ging es bewusst anders weiter: raus aus dem Camping Sokol Praha und über Land statt Autobahn. Und was sollen wir sagen - genau die richtige Entscheidung. Maienluft, kaum Verkehr, kleine Dörfer ohne Hektik. Das Navi auf "like a local" gestellt und einfach treiben lassen.
Nach rund 70 Kilometern tauchte Kutná Hora auf. Und gleich die erste Überraschung: diese Stadt hat Charakter. Früh am Morgen waren die Gassen noch ruhig, nur ein paar Blumenläden hatten schon geöffnet - Muttertag lag in der Luft. Wir sind einfach losgelaufen, ohne Plan, und standen plötzlich mitten in Geschichte.
Kutná Hora war im Mittelalter eine der reichsten Städte Europas - dank ihrer Silberminen. Und genau das spürt man heute noch. Prächtige Gebäude, Kirchen, die eher Statements sind als nur Gotteshäuser.
Besonders eindrücklich muss Sedlec-Ossarium sein - eine Kapelle, die mit Tausenden (40'000) menschlichen Knochen geschmückt ist. Ungewöhnlich, leicht schaurig... aber wahrscheinlich auch faszinierend. Für uns, auf beinahe nüchternen Magen, doch etwas zu makaber...:)) .
Besonders die St.-Barbara-Kathedrale, ein imposantes Bauwerk, das den Reichtum der Bergleute widerspiegelt hat uns stark imponiert. Sicher einen Besuch wert, aber wir hatten ja noch einen weiten Weg vor uns.
Nach diesem Morgenspaziergang mit Gänsehaut ging es weiter. Noch einmal 108 Kilometer durch Mähren - vorbei an leuchtend gelben Rapsfeldern, durch Wälder, über Hügel, immer wieder dieses sanfte Auf und Ab.
Gegen Mittag erreichten wir Telč. Giotti brav so abgestellt, dass sicher niemand etwas zu meckern hat - man lernt ja dazu. Zu Fuss ging' s in Richtung Zentrum.
Und dann dieser Moment:
Der erste Blick auf den Zacharias-von-Neuhaus-Platz.
Uns blieb kurz die Luft weg.
Ein riesiger, langgezogener Platz - einer der schönsten und grössten Renaissance-Marktplätze des Landes. Gesäumt von pastellfarbenen Häusern, jedes ein bisschen anders, aber zusammen wie ein perfekt komponiertes Bild. Der italienische Einfluss ist unverkennbar. Kein Zufall: Damals wurden tatsächlich italienische Baumeister engagiert - und so kam ein Stück Süden nach Böhmen.
Wir sind einmal gemütlich rund um den Platz geschlendert, haben Details entdeckt, Fassaden bestaunt - und uns dann in ein kleines Café in die Sonne gesetzt. Cola, ein kleiner Happen, und einfach nur schauen. Mehr Programm braucht es manchmal nicht.
Lange geblieben sind wir trotzdem nicht. Unser Tagesziel wartete noch: Olmütz, etwa 140 Kilometer entfernt.
Die letzte Etappe teilten wir uns dann mit einigen Sonntagsausflüglern auf der Autobahn. Nach all der Ruhe fast schon wieder ungewohnt - aber gut machbar.
Am Stadtrand von Olmütz, schön im Grünen, haben wir uns auf dem Camping Olomouc für zwei Nächte eingerichtet.
Jetzt stehen wir hier, lassen den Tag langsam ausklingen und sortieren die Eindrücke.
Morgen gehört die Bühne Olmütz - wir sind gespannt.Read more
























