Der Tag begann nicht etwa mit fröhlichem Sonnenschein oder der verheißungsvollen Frische eines Neubeginns, sondern mit einem dumpfen, polternden Kopfschmerz, der mir im Schädel thronte wie ein schlecht gelaunter König. Dietmar, unerschütterlich wie ein mechanischer Samowar, ließ den Wasserkessel niemals ruhen und verwandelte unsere Unterkunft in eine Art improvisiertes Dampfbad von durchaus rustikalem Charme.
So schlängelte ich mich, halb Mensch, halb Schatten meiner selbst, durch die Morgenstunden, bis wir schließlich in jenes charmante Kleinod fuhren, das sich selbstbewusst „das kleine Venedig Frankreichs“ nennt: Annecy. Dort kaufte ich mir mit der Anmut eines gebrochenen Helden, die dringend benötigten Schmerzmittel und fand im anschließenden Schlummer ein Stück weit jene Würde zurück, die mir der pochende Schädel bis dahin streitig gemacht hatte.
Gestärkt – oder zumindest nicht völlig kampfunfähig – machte ich mich daran, die Stadt zu erkunden: ihre Wasseradern, ihre engen Gassen, ihre pittoresken Fassaden, die sich wie kokette Schauspielerinnen um die Gunst des Betrachters bemühen. Doch schon bald offenbarte mir mein Körper, dass er nicht in der Verfassung war, diesen theatralischen Auftritt lange zu ertragen. Ermattet suchte ich den Bus auf, wo ich, leicht pathetisch, Dietmars Rückkehr harrte.
Und dennoch: Trotz des bleischweren Hauptes, trotz des schwindenden Elans – die Begegnung mit dieser Stadt war wie ein kurzes, funkelndes Kapitel im Roman der Reise. Ein Erlebnis, das selbst im Nebel der Migräne seinen Platz behauptet.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Hauterives auf einen Campingplatz.Read more
Traveler😂 der Kopfschmerz lässt deine heutige Erzählung sehr dramatisch ausfallen.... Schön, dass du es wenigstens kurz raus geschafft hast!