Bandproben BAF
Sep 16–28, 2024 in Malawi ⋅ ☀️ 29 °C
BAF meint Blantyre Arts Festival, das es seit 2009 gibt, immer mit erheblicher Unterstützung des Kulturbüro Hannover. Die hiesige Finanzierung gestaltet sich als besonders schwierig, da der Regionalzuschuss aufgrund der Inflationskrise abgesagt wurde und Sponsoren wie UNESCO zögern. Bei einem Fundraising in Deutschland sind unsere Freunde und Familien quasi die einzigen Spender*innen. DAAAAANKE Euch!!
Lust auf Musikmachen haben wir alle und so geht es trotz der unsicheren Rahmenbedingungen los: Herzstück der Band von malawischer Seite ist der weit über Blantyre hinaus bekannte Singersongwriter Agorosso. Hör mal rein: https://www.youtube.com/watch?v=kuaZ0_Qf8DU&…. Es ist für uns einerseits Ehre mit ihm zu musizieren und andererseits ist er als Autodidakt sehr in seinem Stil zu Haus, so dass für ihn unsere beiden typisch deutschen Rockpopsongs eine große Herausforderung darstellen "Blaue Augen" (Annette Humpe/Ideal -Danke Stephan für den Tipp!) und natürlich "Mensch" vom Herbert G. Die Songs entpuppen sich rhythmisch und strukturell komplexer, als man beim nichtanalytischen Hören ahnt aber eben solche Formabweichungen und Polyrhythmik machen Hits von damals unsterblich. "Unsere" Band ist hochmotiviert, wissbegierig und instrumental sehr geübt. Mit Blick auf die hiesigen Möglichkeiten zur musikalischen Bildung zollen wir höchsten Respekt vor diesen Leistungen und doch sind die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Musiker sehr unterschiedlich. Gut, dass wir, nach einigem Druck auf den Oberorganisator Thom, nun 11 Proben á 3 Std. vor uns haben.
Der Weg zum Probenraum ist steinig und lang: von unserer Unterkunft (Kabula Hill) über Limbe (dort Buswechel) zum Stadtteil Bangwe, wo höchste Armut und Kriminalität den Alltag bestimmen, sind es eigentlich 18km, aber die benötigen manchmal 2 Stunden und fordern von uns volle Konzentration, beachtliche Höhenunterschied zu Fuß und Gelassenheit. Sich in einem Toyotabus, der für 14 Passagiere gedacht ist, sich mit 23 Körpern zu arragieren ist physisch wie psychische Arbeit. Damals bei der Auswahl der Schutzimpfungen wurden wir nach der Nähe zur einheimischen Bevölkerung gefragt. Wenn wir das so genau gewusst hätten... Die Blantyer tragen alles mit unglaublicher Unaufgeregtheit. Anders ein Huhn, das auf dem Schoß neben uns auch mitfahren muss.
Die nächsten Bilder zeigen den täglichen Weg durch Bangwe und dann die Atmo im Probenraum. Das Wohnzimmer, gemietet für 5€ täglich inklusive Mixer und Boxen, kann die Familie nicht nutzen, da wir uns breitmachen. Von links im Bild: Aaron am Bass, Dannil an der Leadgitarre, der Techniker Madalitso, Annette an der Querflöte, Antonio mit Percussion, Moritz an den Keys und Agorooso Rhythmusgitarre. Und singen tun wir alle. Sogar so sehr, dass wir es wagen den Kanon "Nach dieser Erde" in der Fassung von Gerd Kern zu singen, Thema des Festivals ist schließlich Nachhaltigkeit/Klimawandel und Co.
Auf dem Zettel nach dem Video der ersten Probe des alten Liedes kannst du sehen, wie sich die Malawier die Aussprache des sperrigen dt. Textes sehr erfolgreich in ihre Lautschrift übertragen. Geplagt sind wir von längeren Stromausfällen, für e-Bass und Keyboard doof, aber der Eimer gibt ein wenig Resonanz. 😉
Ohne Geld für die Busfahrten können die Musiker nicht kommen, also schießen wir das vor, weil Orga-Thom die zweckgebunden Zuwendungen aus Hannover für andere Dinge ausgegeben hat, was uns sehr ärgert und zu etlichen Diskussionen führt. Eine Minimalversorgung der Band mit Getränken und Ingwerteigteilen übernehmen wir hingegen sehr gern.
Ab dem 3. Tag kennt uns der Stadtteil, statt skeptischer Blicke und Betteln werden wir in den Läden und auf der Straße begrüßt und insbesondere die Schulkinder laufen uns hinterher, wir müssen hunderte "Highfive" geben. Die Marktauswahl ist saisonal stark beschränkt, heute gibt's halt Tomaten...
Nach einem Probenvormittag müssen wir, zurück an der Hauptstraße, nur noch das richtige Verkehrsmittel mit dem richtigen Ziel finden!
Das eigentliche Ziel ist natürlich die Festivalbühne am 6.10. , wir beiden empfinden uns ja eher als Pädagog*innen und weniger als Rampensäue, freuen uns aber darauf und besonders darüber, dass die intensive Arbeit mit Musik Freundschaften wachsen lässt.Read more





















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