• Hà Nôi

    Dec 7–11, 2024 in Vietnam ⋅ 🌙 19 °C

    Kontinentwechsel! Der Flug von Joburg über Doha (Qatar) zur Hauptstadt Viêt Nams dauert 2x 6 Stunden. Die nächsten Tage kämpfen wir morgens mit dem halben Tag Vorverlegung und wundern uns, dass der Tag so schnell vorbei ist.

    Hanoi ist quirlig-geschäftig, hupend, blinkend aus allen LED's und trotzdem voller anmutender Tempel und Pagoden, wo zwar auch viel los ist, aber immerhin kein Straßenverkehr. Rot symbolisiert Glück, entsprechend dominant ist die Deko. Zu Neujahr (29.1.) in 2025 wird das ganz andere Dimensionen haben.

    Es ist herrlich 3x täglich warm und günstig zu essen, alles so leckerschmecker und -neben Fleisch und Fisch, mit viel Gemüse. Das haben wir vermisst!
    Und noch was anderes: sich im Dunkeln frei und zu Fuß risikolos zu bewegen. Wir latschen uns in der Innenstadt die Füße platt, gewöhnen uns gern an den kräftigen Kaffee mit Kondensmilchsirup und haben schon am ersten Tag Nudelsuppe, Shopping, Tempel und trad. Ganzkörpermassage abgehakt.

    Neugierig folgen wir Bahngleisen und Glitzerlicht, doch plötzlich sind die Kellner ganz aufgeregt, weisen mit den hier üblichen, autoritär wirkenden Gesten die Passanten und Cafêgäste an, sich zu setzen und die Knie anzuziehen. Der Zug käme gleich. Ha, ha, denken wir, Touristenverarsche, damit wir was bestellen. Aber denkste, siehe Video.

    Es ist dunstig und grau, sobald man sich dem künstlichen Lichtermeer abwendet.
    In der Confuzius oder auch Literatur-Pagode hinter dem Tor zur Weisheit steht ein Altar: ein Kranich, der auf einer Schildkröte steht, symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, dazwischen ist der Mensch mit seinen Taten, also Du. Im Buddhismus ist jede für das eigene und das Glück der Nächsten Verantwortlich, so ist für alle gesorgt, ohne Märtyrerverehrung. Schuld abladen verboten. Wir haben auch Glück, denn jährlich (und zwar heute) werden die Examinant*innen zeremoniell geehrt. Natürlich nur die der teuren Privatschulen.

    Gegen seinen letzten Wille gibt es aber doch Märtyrerverehrung: Ho, ho, Hó Chí Minh ihm sein Leichnam lockt täglich tausende Besucher an, im Dezember macht er immer Kur in Russland, damit er zu Neujahr hübsch aufbereitet ist. Das hatte er sich anders vorgestellt, aber wir schreiben hier ja keinen Reiseführer...

    Wir bleiben im Modus des Kulturnachholens und genießen abends spitzen Modernjazz, fast Hannover-Niveau oder das Wasserpuppentheater, was es sonst nirgends auf der Welt gibt, nicht einmal Hannover. Die Geschichten sind einfach, der Sinn dieser Technik tief, das Wasser flach und die neun Musiker*innen, insbesondere der Glissando-Monochord, fantastisch.

    Wir gönnen uns zwischendurch einen voll durchorganisierten Trip zur bedeutensten Pagode des Landes, das gibt 'n Extrafußabdruck...
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