Phnom Penh
Jan 14–16, 2025 in Cambodia ⋅ ☁️ 30 °C
Go Cambodia! Die Megahauptstadt Phnom Penh gefällt uns, alles entwickelt sich gerade rasant, auch der Tourismus. Wenn man der französischen Kolonialzeit irgendwas Positives abgewinnen möchte, dann städtplanerisch. Zwischen den mehrspurigen Straßen im Citybereich gibt es GRÜNSTREIFEN, mit Platz für FUSSGÄNGER*INNEN!
Wir reisen per Bus aus dem Jungle an, verabschieden uns von den Französinnen und schlendern am Fluß in den Mondaufgang hinein. Ein paar Eindrücke siehst du auf den ersten 6 Fotos, der Verlust der Kamera schmerzt beim Handyzoomen!
Wo die überladenen Fähren ablegen, vereinigt sich der Fluss "Tonle Sap" (jener vom Hippie-Hostel in Kampot) mit dem Mekong.
Tonle Sap gehört zu weltweit wenigen Flüssen, die ihre Strömungsrichtung mehrmals jährlich umkehren. Am Ufer besuchen überwiegend Einheimische im Sekundentakt Buddha, jeden Abend ein Volksauflauf mit Opfergaben, entsprechend presto spielen die Musiker.
Die traditionellen Gebäude und Anbetungsstätten werden von protzigen Hochhäusern überragt, häufig gebaut von chinesischen Investor*innen, wodurch die Marktpreise für Wohnen und Restaurants zu hoch getrieben werden.
Es ist soooviel zerstört worden: Menschen, Kulturgüter, Vertrauen.
Nach 90-jähriger französischer Kolonialherrschaft, 5 Jahre Indochinakrieg und 4 Jahren brutalstes kommunistischen Regime der "Roten Khmer" mit 2 Mio. Opfern, wurde erst 1989 mit Hilfe der UN eine staatliche Monarchie eingeführt.
Unser Besuch des Foltergefängnisses S-21 und vielleicht auch der folgende Text darüber ist wichtig, um das Weltgedächtnis solcher Gräueltaten zu erhalten und vor Widerholung zu zu schützen. Wenn du unsere erdrückenden Eindrücke von der Gedenkstätte nicht lesen möchtest, endet dieser Footprint jetzt, betrifft auch die letzten 3 Bilder. Es sind persönliche Ausschnitte ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Wir haben in den Vietnamberichten wenig Faktenwissen über die Besetzungen und Gräueltaten beschrieben, niemand hat "Agent Orange" in der Schule verpasst. Dass die USA jedoch auch auf Kambodscha mehr Bomben abgeworfen hat als im gesamten 2. Weltkrieg, war uns zumindest nicht klar. Und welche kruden Bauernstaatfantasien das Regime der "Roten Khmer" 1974 bis 79 hatte und welche bestialischen Methoden zu dessen Durchsetzung angewendet wurden, ist erstaunlich unpräsent.
Wir nehmen uns also einen halben Tag, um exemplarisch die Verbrechen im S-21 zu verstehen. Es ist mitten in Phnom Penh und war das größte von 167 sogenannten "Sicherheitszentren" im Land, errichtet in einem Schulgelände. Es wurde im direkten Auftrag des "Zentralkommittees der kommunistischen Partei Kamputscheas" geführt unter absoluter Geheimhaltung. Obwohl fast alle Einwohner bereits aus der Hauptstadt vertrieben waren, galt striktes Verbot für die Gefangenen, bei der Folter zu schreien, um nichts nach Außen dringen zu lassen. Wir haben unzählige Orte und Originalfotos von brutalsten Misshandlungen, sowie die Zellen (Schlafplätze mit Ketten auf nacktem Steinboden) und Folterwerkzeuge gesehen und schwer ertragen.
Ankar (= 'die Organisation') selbst nannte S-21 "Der Ort, den Menschen betreten und ihn nicht mehr verlassen".
Sie alle galten als Feinde der Revolution: Regierungsmitglieder, Diplomaten, Intellektuelle... sie wurden ermordet. Sogar Stadtmenschen allgemein und Mönche zählten zum "neuen Volk", das zugunsten des "alten Volkes", vernichtet werden sollte. Kein Terrorstaat hat prozentual mehr Menschen im eigenen Land auf dem Gewissen: ein unfassbares Viertel! Tatsächlich sehen wir heute, 45 Jahre später, in Kambodscha wenige Senioren: die Hälfte der Bevölkerung ist derzeit unter 25 Jahre - klingt nach einem Rententraum, aber leider bleibt nur Trauma. Die vertriebenen Stadtmenschen mussten Zwangsarbeit auf dem Feld bis zu 19 Std. pro Tag leisten, ca. 3 Mio. starben dabei.
Die oben benannten "Feinde" bzw. das "neues Volk" wurden in "Sicherheitszentren" mit genau einem Ziel verschleppt: 3x täglich Folter, bis der Gefangene eine "Schuld", meist Landesverrat, gestanden und unterschrieben hatte, um die Verhafteten dann konsequent zu ermorden, indem "Rote Khmer" Soldaten sie außerhalb der Stadt niederschlugen und in den Gruben direkt ihre Kehlen durchtrennten. Erschießen wäre zu laut... In bisher entdeckten 343 Massengräbern werden Opfer noch bis heute gefunden.
Allein in dem S-21 wurden über 20.000 Menschen verhört, gefoltert und getötet. Auch wurden Gefangenen das gesamte Blut als "Spende" für Kämpfer entnommen, es gab Extrafolter (Elektroschocks, Abkneifen von Fingern/Brustwarzen) wenn sich im Schlaf bewegt wurde und so die Kette hörbar war, und Fäkalien mussten als "Strafe" vom Boden geleckt werden, um einige Beispiele der Entmenschlichung zu benennen.
Dieser Terror dauerte an, bis 1979 die vietnamesische Armee einrückte.
Im Jahr 2012 wurde der S-21 Gefängnisdirektor Deuch nach 3-jährigem Prozess endlich zu lebenslänglich Haft verurteilt.
"Danke, dass du dies gehört hast, du bist damit Teil des Weltgedächtnis" - so endete die Audio-Führung in der ehemaligen Schule und heutiger Gedenkstätte.Read more




















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