Taiwan per Fahrrad
Jan 20–27, 2025 in Taiwan ⋅ ☁️ 17 °C
Radfahren an der Ostküste Taiwans - eines der wenigen Dinge, die wir schon vor Beginn unseres Auszeitjahres entschieden hatten, jetzt freuen wir uns darauf und haben einiges zu organisieren. Nach den Hauptstädten in Kambodscha und Vietnam, Phnom Penh und Saigon, nutzen wir die Megametropole Taipeh im Norden Taiwans nur zum Landen und Weiterreisen.
Wir müssen uns an das hohe Niveau der Kommunikationstechnologie anpassen, ohne Web geht hier nix, in 2 Std. Taiwan nutzen wir so viele mobile Daten wie in den letzten 2 Wochen. Auch am Hoteltresen oder im Bus läuft alles digital, ein Papierticket oder ein physischer Schlüssel wären uns teilweise lieber, so alt sind wir schon. 🙃
Nach einer kalten Nacht (Draußen und im Hotelzimmer 15°C) reisen wir per Bus im Tunnel nach Luodong, bestellen und zahlen - im Radladen sitzend! - online die Räder, um sie leider erst am nächsten Morgen abholen zu können. Die Weltmarke Giant ist taiwanesisch, es gibt Mietstationen auf der ganzen Insel und wir bekommen an die Gravelbikes sogar Gepäckträger und Satteltaschen, lassen gut die Hälfte unserer Klamotten im Laden, zu dem wir später per Zug zurückfahren werden. Auch die Camera geben wir, trotz Feiertage, zur Reparatur in Luodong.
Jaaa und dann endlich mal wieder auf dem Sattel sein! Auch die Taiwaner*innen lieben Radeln, Volkssport ist einmal um die Insel in 2 Wochen. Wir fahren nur von Nord nach Süd in 8 Tagen, anfangs teilweise auf großen Straßen an der Steilküste, es geht nicht anders. Die berühmte Tarokoschlucht lassen wir links liegen, das Erdbeben (Richtskala 7,2!) vom letzten April hat viel zerstört und natürlich hat die Wiederherstellung der Infrastruktur Vorrang vor der Reparatur von Wanderwegen im Nationalpark.
Also nehmen wir eine einsame Nebenstraße durch die Berge, doch- trotz anderslautender Textur der Karte - teilweise ohne Asphalt. Ja, lächel ruhig darüber Schwesterherz! 😉 Die schicken Räder und wir halten gerade so durch aber in Hualin holt sich Moritz eine neue Hinterachse. Ab hier fahren wir im Rift die ruhige 193er bis Ruisui mit Höhenketten beiderseits des Tals und heißen Quellen - Dank an eurasisch und philippinisches Plattendrücken dafür.
Das morgendliche 42°C Eisenbad macht die Beine etwas müde und wir benötigen viel Wille wieder die Ostküste zu erreichen: die Berge sind so steil, dass die Hänge an der Straße absurd aufwändig zubetoniert werden und es regnet in Strömen, glücklicherweise nur diesen halben Tag in der Weise.
Es bleibt muckelig bei 18° die nächsten Tage, wir nehmen diverse Tourispots mit, Höhlen mit aggressiven Affen (OK, wir hatten Bananenschalen), Wasser, das bergan fließt, Felseninsel und natürlich diverse Tempel.
Ein Beben im Bett ist weniger romantisch als beunruhigend, das Warnsystem funktioniert tadellos und alle bleiben entspannt. Apropos Naturgewalt: Bürger sind aufgerufen, die Strände vom Treibholz des letzten Taifuns vor 6 Wochen zu befreien, eine Künstlergruppe nutzt das Material kreativ für Skulpturen, die meterhohe Eule gefällt uns am besten.
Überall stehen die Zeichen auf TET, üblich ist für 3 Tage vorzukochen, damit wirklich alle in Neujahresfeierstimmung kommen. Wir denken statt ans große Fressen, wie gut uns die Leibesübungen tun, denn durch dauernde Hotels und Restaurants waren wir etwas träge geworden - um mal auf hohem Niveau zu klagen.
Taiwan ist vorbildlich inklusiv aufgestellt: Stillräume, Rampen, Wickelplätze (auch in den Herren-WC!) der meisten öffentlichen Plätze, Notfallknöpfe und QR-Codes, über die Bürger Reparaturbedarf melden können, aufmerksames Personal, Blindenschrift etc. ist Standard und wir sehen häufig öffentliche Werbung für sexuelle Selbstbestimmung und Gewaltfreiheit gegen Frauen. Möge diese Demokratie halten, die Menschen sind, anders als es gerade in Deutschland scheint, stolz auf diese Werte.
Es gibt nur selten nichtasiatische Touristen und manchmal wünschen wir uns englische Untertitel, denn Nachfragen ist schwierig. In den Dörfern sprechen die allerwenigsten Englisch und Googleübersetzungen aus dem Chinesischen sind echte Glückssache! Hier mal ein Bsp. vom Hotelbuchen:
"Bevor Sie eine Reservierung vornehmen, bestätigen Sie bitte, dass Ihre Familie damit einverstanden ist. Bitte schämen Sie sich nicht, die Reisestimmung Ihrer mitreisenden Mitglieder zu beeinträchtigen." OK!
Nur selten werden die chinesischen Schriftzeichen in Pidgin-Mandarin, also vereinfachtes Chinesisch mit lateinischen Buchstaben geschrieben, so dass wir zumindest die Ortsnamen im Kartenmaterial oder eine Haltestelle oder eine Speisekarte oder Bedienknöpfe der Klimaanlage erahnen könnten - englische Übersetzung schon gar nicht. Das ist meist lustig, manchmal nervig, führt zu Missverständnissen aber auch zu besonderen, z.B. kulinarischen Erfahrungen, und auch immer zu Kommunikation mit den echten Menschen statt mit virtueller Assistenz.
Und anders als in Vietnam, ist die Hilfsbereitschaft selbstverständlich, wir sind überall sehr willkommen und für "we come from Germany" gibt's immer einen Daumen hoch oder wildes Händschütteln - nicht selbstverständlich, finden wir!
Am Zielort Taitung radeln wir durch einen Park mit Eintritt und auf einer alten Gleisstrecke durch den Nieselregen zum Hotelzimmer, das quasi ein Snoozelraum ist 🤩.
Mit etwas Wehmut geben wir Räder und leere Satteltaschen ab, natürlich per Scan. Schön war das und damit beginnt Taiwan Teil 2, per Bus und Bahn.Read more
























Traveler
Das erste Schriftzeichen der oberen beiden Schilder bedeutet sicherlich etwas mit Haus.
TravelerImmer bestes Fortbewegungsmittel🚲, aber wem sage ich das