• Fahrt nach Senja

    9 luglio 2025, Norvegia ⋅ ☁️ 11 °C

    Die Zeit rinnt uns wie Sand durch die Finger. Um noch ein möglichst schönes und intensives Erlebnis als krönenden Abschluss einzubauen, entschließen wir uns nach Senja zu fahren.
    Der Reiseführer preist die Insel Senja als eine der schönsten und wildesten Orte weltweit, die gut und gerne mit Neuseeland mithalten könnte. So, das wollen wir testen. Das bedeutet aber auch um kurz nach sechs loszufahren, mit der ersten Fähre von Stangnes nach Soerrollnes überzusetzen und ca. 300 Kilometer auf teilweise ‚verwegenen‘ Straßen unterwegs zu sein. Das Abenteuer dauert insgesamt 15 Stunden…
    Zuerst die Frage: hat es sich gelohnt? Ja das hat es - es war nochmals ein ganz besonderes, sehr eindrückliches Erlebnis!

    Nach dem Übersetzen mit der Fähre (dank Edith waren wir mit weitem Abstand die ersten am Fährableger 😁) ging es über zwei Inseln hinüber zum Festland.
    Beide Inseln, Rolla und Andorja sind relativ klein und bestehen aus riesigen, steilen Bergen von 900 m bis 1.200m. Vom Meeresspiegel aus betrachtet ist dies sehr beeindruckend. Die Straße verläuft auf der Ostseite, eingeschnitten, oder besser gesagt hineingesprengt in steil abfallende Berghänge. Das Wasser fällt teilweise als Sturzbach direkt an der Straße hinunter. Wie aufgrund dieser Rahmenbedingungen zu erwarten ist die Straße mehrheitlich einspurig und abenteuerlich geschwungen. Einziger Vorteil - die Straße ist eine Sackgasse, die an der Fähre endet. Entlädt die Fähre, dann bewegt sich eine Karawane an Fahrzeugen in eine Richtung…. Einziges Handicap sind mögliche Bauarbeiten. Wie zu erwarten war dies natürlich der Fall, da die ständig notwendigen Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten nur in den Schnee- und frostfreien Sommermonaten erfolgen können ☹️. Dennoch ist die Strecke einzigartig hinsichtlich der vielfältigen Ausblicke über den Astafjorde und die beiden abgehenden Fjorde Gratangen und Lavangem. Dazu kommen die kleinen Ansiedlung, die entlang der Straße verteilt auftauchen… Die Frage, was die Menschen machen, oder von was sie leben (Fisch, Fisch , Fisch und etwas Landwirtschaft) hatten wir schon einmal.
    Für die ca. 30 Kilometer haben wir 1 1/2 Stunden gebraucht …
    Die Verbindung der Inseln untereinander bzw. Mit dem Festland erfolgt über Tunnel (sehr steiler Schlund!) und Brücken (absolut dramatischer Ausblick!).
    So hatten wir schon ein sehr frühes Aha-Erlebnis.
    Danach ging es auf dem Festland über einen Pass mit Hochebene, auf der der Skoevatnet-See malerisch liegt. Die umgebende Vegetation mit Krüppelbirken und Moorwäldern begeistert jeden Naturfreund.
    Eine kurze Kaffeepause am See beglückt die Reisenden zusätzlich. Zur Info, es gibt in den Einkaufsläden, Iskaffee von Tine in 4 Kaffeestärken, mit einer Qualität, die jeden Kaffeetrinker ins Schwärmen geraten lässt. Es gibt schon Überlegungen zu einer kontinuierlichen Importorder nach Berlin😁.
    Nach dem Pass windet sich die Straße am Übergang des Solbergefjord in den Gisundet Fjord entlang. Von hier aus sieht man in der Ferne die größte Siedlung Finnsnes, vor einer Kulisse an schneebedeckten Bergen. Es ist übrigens 11 Grad ‚warm‘ später auf den Inseln bis zu 15 Grad😄.
    In Finnsness quert eine Brücke den Fjord an seiner engsten Stelle. Nach insgesamt ca. 2 1/2 Stunden sind wir auf der Insel Senja angekommen.
    Die Insel ist für ihre dramatische Bergkulisse bekannt (bis zu 1.200m), die auf der Westseite steil in den Atlantik abfällt. Dazwischen traumhaft schöne Buchten und Strände…
    Weiterhin liegen im inneren der Insel diverse Seen und Wasserläufe. Ein Eldorado für Fischer. Wir waren waren spaßeshalber in einem Angelladen. Was es dort zu kaufen gab, ist unvorstellbar. Allein das Sortiment zur Herstellung von Ködern für Fliegenfischer übertrifft alles, was ich je gesehen habe…

    Es gibt eine wunderschöne Rundtour um Senja, diese dauert jedoch mindestens 4 Stunden ( reine Fahrtzeit).
    Wir überqueren das Inselzentrum mit der Straße von Silsamd nach Saetra. Die Hochebene mit den Birkenwäldern, Seen und Hochmooren sowie den schneebedeckten Bergen übertrifft alle unsere Erwartungen. Auch die Siedlungen, d. H. Die Architektur der Gebäude und Stallanlagen/ Schuppen unterscheidet sich von den bisherig gesehen Typologien auf den Vesterålen.
    Dann kommen wir auf die Westküste. Diese hält die im Reiseführer versprochene Schönheit und Dramatik. Es gibt steile Küstenabschnitte mit hohen Bergen, tief eingeschnittenen Buchten, aber auch weiche, weite Täler mit Sandstränden und türkisem Wasser. Davor erstreckt sich im offenen Atlantik eine Vielzahl kleiner Inseln.
    Auf Senja ist auf der Hauptstraße eine Fahrradroute ausgewiesen und wir treffen auf eine Vielzahl an Fahrradfahrern (davon etliche Pärchen an ‚Bestagern‘, Ende 60 …).
    An einem wunderschönen, einsamen Sandstrand machen wir Halt und nehmen einen stärkenden Imbiss, bei bester Aussicht und wunderschönem Wetter ein.
    Dann geht es weiter. Bei Hamm liegt eine kleine Naturbucht. Hier befindet sich eine aus kleinen Einzel- und Reihenhäusern zusammengesetzte Hotel-Anlage im Hochpreissegment. Sie hat eine eigene Fischzucht, ein Edelrestaurant und bietet alle Möglichkeiten des Wassersports. Weiterhin werden diverse Aussichtsplattformen, -Pavillons angeboten, die auch im Winter für das Beobachten der Polarlichter nutzbar sind.
    Wir sehen uns die Anlage und die Aussichtspunkte an und genießen den Blick auf die Vielzahl an vorgelagerten kleinen Inseln.
    Wir fahren weiter zu dem kleinen Örtchen Gryllefjord, von wo aus eine Fähre nach Andoy übersetzt. Dort, auf Anfoy, waren wir vor zwei Tagen und hatten noch nicht alle Teile gesehen. Die Fähre würde uns ca. 2 Stunden Fahrzeit auf den beiden wilden Insel einsparen.
    So dachten wir besonders schlau zu sein und machten uns schnell auf dem Weg, um 1 Stunde vor Abfahrt der Fähre vor Ort zu sein.
    Tja, wir hatten die Rechnung ohne die Camper gemacht. Als wir eine Stunde vorher ankamen, gab es bereits eine endlos lange Schlange von mehr 45 Fahrzeugen vor uns-mehrheitlich Camper. Auf die Fähre passen aber voraussichtlich nur 35-40.
    Die nächste Fähre fährt erst 4 Stunden später, … weiterhin zeigte sich hier die Moral und Einstellung der unterschiedlichen Menschentypen und Nationalitäten. Die Norweger und ein Großteil der Deutschen stellte sich brav in der Schlange hintenan. Franzosen, Tschechen und einige Deutsche überholten trotz Proteste der Wartenden frech die Schlange, um sich vorne reinzudrängeln. Auf dieses Spiel wollten wir uns nicht einlasse und kehrten um. Für die Camper ist es kein Problem in der Schlange am Straßenrand zu übernachte - sie haben viel Zeit. Das Deutscher Rentner-Ehepaar hinter uns meinte treuherzig: Ja, bis September sollten wir wieder zu Hause sein …

    Ich dachte mir, der Weg zurück bietet uns bestimmt noch ein besonderes Erlebnis, nach dem Frust an der Fähre. Genau so war es auch; kaum waren wir auf der Hochebene, als wir dicht vor uns auf der Straße unseren ersten Elch beobachten konnten. Dieses Erlebnis fehlte uns noch.
    Als letztes haben wir noch einen sehr schönen Abendspaziergang in Soerllness, vor unser letzten Fährüberfahrt gemacht. Wir wurden mit Trollen, Vögeln und schönen Aublicken bei Abendlicht belohnt.
    Ein sehr langer, aber schöner Tag geht damit zu Ende.
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