• Fahrt in den Norden

    March 27 in Spain ⋅ 🌬 19 °C

    Wir wachen bei schönstem Sonnenschein und stürmischen Wellengang auf. Endlich können wir unsere Dachterrasse mit traumhaftem Blick und dem rhythmischen Klang der Wellen ausgiebig genießen.
    Mit der Zeit verfällt man in einen meditativen Zustand, bei dem man (trotz eingehender Mails 😁) den Alltag hinter sich lässt.
    Wir beobachten die Fischer, die stundenlang an ihren alten, verrosteten Booten und Reusen herumwerkeln, ohne dass wir einen merklichen Unterschied feststellen können. Das liegt sicher an unseren fehlenden seemännischen Kenntnissen und unserer deutschen Arbeitseinstellung 😁

    Nach einem frischen, selbst gepressten Orangensaft, an den wir uns sehr schnell gewöhnt haben, geht es los in den Norden der Insel. Aufgrund der überschaubaren Dimensionen der Inseln ist man in einer Stunde schon am Ziel. Der Norden ist gebirgiger. Erkennbar sind drei große, gut erhaltene Vulkankegel. Die Weinkultur mit den Kratern und Mauern sind hier kleinteiliger und in die steilen Berghänge eingegraben. Die Vegetation dazwischen ist üppiger, was auf eine fruchtbare Deckschicht schließen lässt. Auf einem der Hügel sehen wir einen erhabenen Landsitz, mit weitem Blick über die Weinberge, bis hin zum Meer. Kleine Dörfer reihen sich entlang der Straße- bis wir fast zum Ende der Insel kommen- eine hohe Kuppe, von Steinmauern gefasst, ist unser Zielpunkt, der berühmte Mirardor del Rio. Dies ist der schönste und berühmteste Aussichtspunkt auf der Insel, gekrönt und inszeniert von einem ikonischen Gebäude - von wem wohl? Natürlich von Cesar Manrique, der hier wieder mit genialem Händchen ein Meisterwerk geschaffen hat.
    Ein zweigeschossiges Gebäude ist so in den Berg integriert, dass es wie natürlich gewachsen erscheint. Im einen Geschoss befindet sich ein Café mit halbrundem durchgehenden Panoramafenster- und einer vorgelagerten Aussichtsplattform. Im oberen Geschoss darüber ein kleiner Laden und eine weitere Aussichtsplattform. Das klingt banal, beschreibt aber nicht annähernd was hier geschaffen wurde. Selbst nach mehr als 50 Jahren (Baujahr 1973) zieht das Bauwerk wie ein Magnet die Besucher an. Geschwungene Kuppel-Räume, Sitznischen, Tresen, gewundene Treppen und dazwischen immer wieder Pflanzen, und natürlich nicht zu vergessen der grandiose Ausblick. Fast 500 Meter fallen die Bergflanken steil bis zum tiefblauen Meer.
    Dann folgt die malerische Kulisse der Insel La Graciosa, mit wüstenartigen Flächen, Vulkanhügel, einer blendendweissen Siedlung und einem Hafen.
    Sonne, Wolken, ein leicht bewegtes Meer und einige wenige Boote … Ein perfektes Setting.
    Es gab schon in den 1950ern die Idee zu einem Aussichtspunkt an dieser Stelle, aber es brauchte Cesar Manrique und seinen Elan, um dies umzusetzen.
    Zu bedienen, was die Menschen sehen wollen, dies gestalterisch zu optimieren und das Ganze zu einem wirtschaftlich profitablen Unternehmen zu entwickeln war die besondere Gabe des charismatisch Künstlers, der noch immer das äußere Erscheinungsbild der Insel prägt.

    Soviel vergleichbare Menschen dieser Art gibt es nicht mehr, und auch nicht die zugehörigen Politiker und Investoren, die das mittragen und möglich machen….
    Der Ausklang des Tages erfolgt in der Jameos de Agua, einem weiteren besonderen Highlight. Ich muss jetzt nicht sagen, wer es gestaltet hat?!
    Es handelt sich um eine magische Vulkanhöhlenlandschaft mit Wasserfläche.
    In der größten Höhle befindet sich ein einzigartiges Restaurant… Das Ganze wird abgerundet durch eine Hotelanlage/ Veranstaltungsort sowie großen Gartenanlagen und einem Schwimmbecken.
    Meisterhaft sind die unterschiedlichen Erlebnisebenen mit Treppen, Sitznischen, Bars, Tanzbereichen und Liegebereichen verbunden. Dies lässt sich nur schwer beschreiben und nur durch die beiliegenden Fotos ansatzweise vermitteln.
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