Rapido Ochoa nach Medellín
May 27, 2023 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C
Jetzt sitzen wir schon wieder im Bus. Vor 24 Stunden waren wir noch im Wald, wandern seit 3 Stunden.
Die Wanderung durch den Jungel zur Ciudad Perdida war wirklich toll. Man kann es absolut nicht vergleichen, aber ich würde sagen, dass es genau so intensiv war, wie der Segelturn. Aber natürlich viel anstrengender und einfach ganz ganz anders.
Die Gruppe hat uns fast ein bisschen besser gefallen. Laura und ich haben so so viel gelacht und gesungen und waren ganz ganz albern. Die Leones (am Anfang der Wanderung mussten wir uns einen Namen geben) bzw. Peresosos (so hat uns einer der Guides dann umgenannt, weil wir immer so langsam gepackt haben) haben sich ein bisschen zwischen Pärchen und Singles bzw. Partnerin oder Partner zu Hause gelassen, geteilt. Wir sind ja eh mit David und Thibo vom Boot angereist, es hat sich dann noch ein Deutscher namens Andi und eine französisch-Schweizerin Melissa dazugesellt.. Die waren beide noch ganz jung und sehr nett. Melissa war irgendwie so richtig französisch. Mit ihrer Aussprache und wie sie so breitbeinig ihre Hühnchenkeule gegessen hat. Andi war hingegen sehr wohlerzogen (glaube ich), hatte ein mit seinen Haustieren bedrucktes Kartendeck dabei, macht grad ein FSJ in Mexiko und will danach Medizin studieren. Dann war da noch Olek, der eigentlich aus der Ukraine kommt aber in den USA lebt und etwas sonderlich aber so herzlich war. Laura hat die Vermutung, dass er autist ist. Er hat alles immer so ungefiltert gesagt, wie er es gerade dachte. Und mir hat er gesagt, dass er seine Social Skills üben möchte. Thibo denkt, dass er vielleicht einfach etwas ZU schlau ist. Es war auf jeden Fall sehr witzig mit ihm.
Vielleicht kann Laura ja noch was ergänzen zu den Leuten? 🦥🦁
Laura schreibt….
Andi und Melissa hätte ich nicht besser beschreiben können. Oleg hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Besonders am vorletzten Tag hat er mich gefragt, ob er meine Meinung hören könnte: “ I think the others are picking on me. What do you think?” Eine sehr direkte Frage… die anderen haben ihn nur noch “Machete” genannt, weil er sich am ersten Tag eine gekauft hatte und damit durch den Dschungel fuchtelte (I Need to practice my skills). Einmal bin ich auch davon gelaufen, weil ich Angst hatte beim nächsten gefallen Bambus fällt mir ne Schlange auf den Kopf 😅 selbst die guides Sprachen untereinander über ihn und auch im anderen Gruppen kannte man schon das “pollo loco” (verrücktes Huhn). Aber ohne Oleg wäre der Trip auch nur halb so schön gewesen, da er so viel reden konnte und so einen anderen Blick auf die Dinge hatte. Während Wilson (der altere der beiden Guides) bspw den Vortrag in der Ciudad Perdidad hielt, lief Oleg herum und beschaute sich fasziniert die Käfer, säbelte mit seiner Machete und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger geschäftig das Kinn. Zurück zu seiner Frage, ich war ganz unvorbereitet darauf und konnte es natürlich voll verstehen. Danach war ich ganz nachdenklich und hab ihn jedes Mal zu uns an den Tisch geholt. Denn unser irisches Paar (Sharon und Andre) waren schon ein wenig genervt… mit den beiden bin ich immer die Berge hoch. André ist sehr ehrgeizig und wollte immer erster oben sein, weil dann die Pausen länger sind. Sharon konnte eigentlich viel besser schritt halten, aber das haben Sharon und ich für uns behalten :D Also schritten wir zügig die Hügel hoch und machten Tiergeräusche nach. André wurden irgendwann auch nur noch Gato (Kater) von Mono (der andere jüngere Guide) genannt. Tomke und ich waren übrigens Tortugas. Weil das ein Satz aus Duolingo ist und ich das mal zu Mono sagte : Tu eres una Tortuga (du bist eine Schildkröte). Aus Spaß. In der zweiten Nacht, also tomke und ich so viel lachen mussten und ganz vorne lagen. Davor mussten wir nämlich unsere Betten wechseln und ich darüber genervt war. Die neuen Betten waren aber halt eigentlich viel cooler und ganz vorne.
Dann gab es noch das holländische Pärchen und da hab ich erst gedacht, dass das Bruder und Schwester wären. Die waren beide sehr ruhig aber trotzdem herzlich. Dann gab es noch zwei Britinnen, Mutter und Tochter. Die Tochter konnte auch kein Gluten essen und ist Grundschullehrerin, die Mutter wirklich schon älter und hat so gut mit uns mitgehalten. Fand ich wirklich erstaunlich und beindruckend. Michael und seine Frau reisen seit fast 4 Monaten und dennoch hat sie sich den Magen am ersten Abend verdorben und konnte alles nicht so richtig genießen. Michael hat daher immer für sie gesorgt und auch noch ihr Gepäck getragen, am letzten Morgen sah er so müde aus, dass man ihn am liebsten in den Arm genommen hätte.
Wen gab es es, das kolumbianische Paar, die etwas alter waren als der Rest und zurückhaltend aber super freundlich waren. Und natürlich unsere Guides. Der eine war für die seguridad zuständig, hat dabei aber nichts anbrennen lassen. Schließlich sei er ja seit vier Monaten Single, wie er mir direkt am ersten Tag erzählt hat. Dann musste ich mich immer Tomatita hermosa nennen lassen und zum Glück hab ich das meiste nicht verstanden, weil der kein Englisch gesprochen hat 😅 Und Mono (eigentlich José ), dem David nichts mehr glaubt, weil er immer gescherzt hat, dabei aber so ernst blieb, das man ganz verwirrt war :D immerhin durfte ich am letzten Tag mit ihm auf dem Motorrad wieder zurück fahren, anstatt im Auto. Dabei haben wir einen richtig großen Papagei 🦜 gesehen. Dann gab es noch Eli, die Übersetzerin, die super viel erzählt hat, von Stein Pyramiden unter der Vegetation und die Tyronas (indigene Bevölkerung) ihre Töchter zum Schamanen für 2 Monate schicken, wenn sie ihre Tage bekommen, damit sie sexuell vorbereitet werden. Immerhin den Mann können sie sich danach selbst aussuchen … Schwere Kost und Diskussionsstoff am letzten Abend, aber inwiefern sind wir dazu in der Lage darüber zu urteilen ….
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Und die Wanderung war zwischendurch wirklich anstrengend. Es ging viel bergauf und teilweise bergab. An Tag 2 hats ja nachmittags geregnet und danach war der Boden oft schlammig und rutschig. Aber die Natur war einfach atemberaubend schön.. Manchmal ging es über einen. Bergkamm und links und rechts vom Weg ging es bergab ins Grüne und um uns herum nichts weiter als grüne Berge. So viele Wasserfälle und Flüsse! Jeden Tag konnten wir irgendwo schwimmen gehen. Am ersten Tag mussten wir dafür einen Wasserfall herunterspringen, danach konnten wir uns vom Wasser den Rücken massieren lassen.
Uh und wenn wir Abends müde im jeweiligen Camp angekommen sind, gab es Kakao und Popcorn. Und für uns dann noch ein Bier oder zwei. Aber nach dem Essen sind wir immer direkt in unsere Betten gefallen, wir mussten ja immer um 5 Uhr aufstehen.
Nur am letzten Abend haben wir es (nach einem französisch - deutschen Konflikt über die Spielregeln) Arschloch (bzw. Asshole) gespielt und danach noch mit Cerveza beisammen gesessen. Unsere Übersetzerin war auch dabei, die hat spannende Geschichten über andere Touren erzählt. Reisende, die sich vier Tage nicht duschen oder ein attraktiver junger Canadier, der sie mitten in der Nacht vor den Toiletten küsst. Vielleicht kommt sie ja irgendwann mal nach Europa, das ist nämlich ihr größter Wunsch.Read more






















