• San Francisco. Westwärts 1&2

    April 16, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 24 °C

    Ich stehe in der Warteschlange der Passkontrolle am Flughafen von San Francisco. Es wird noch eine Weile dauern. 12 Stunden Flug liegen hinter mir, Essen über Reykjavik, ein Snack über Grönland, dann noch einer über der kanadischen Tundra. Namen, die ich in der Jugendzeit für meine Romane verwandte, nun flaches grünes oder von den Gletschern glatt geschrubbtes Felsland auf einem kleinen Bildschirm. Die kurz vor der Reise gekaufte Biographie über Rolf Dieter Brinkmann begleitet mich. Auch sie wirft mich zurück in die Jugendzeit. Rom. Blicke. Westwärts 1&2. Wie habe ich diese Bücher aufgesogen, in meinen Schreibstil einbezogen, mich davon beeinflussen lassen, wohl auch noch, als ich mit Werner und Heinz die große USA/Kanada-Tour unternahm, 1981 wahrscheinlich, und keine Ahnung hatte, wohin mich das Leben führen würde, keine Ahnung von 2025 hatte, keine Vorstellung.
    Wo haben wir uns damals getroffen? Wie? Es gab noch kein Internet, kein social media. Ich erinnere mich vage an ein Telefongespräch und daran, dass sie Licht wohl im Yosemite Park abgeholt haben. Vielleicht werde ich in der nächsten Woche ein paar Erinnerungen auffrischen.
    Kurz vor der Abreise haben wir gestern BLADE RUNNER angesehen unter anderem eine Zukunftsvision von 2017. Überhaupt nicht wurden die social media Kanäle vorausgesehen. Man hat es sich nicht vorstellen können oder es nicht für wichtig befunden. Die Kommunikation schien wohl in Ordnung unter den Menschen. Es besuchte nicht mehr.
    Während des Fluges sah ich auf die Reihen von angeschalteten Monitoren vor den Fluggästen in ihren engen Sitzen. Auf den Bildschirmen die Bilder der Serien, Filme, Ereignisse aus aller Welt in allen Sprachen. Was wohl Brinkmann dazu gesagt hätte?
    Nach zwei Stunden Warten konnte ich die Kontrolle passieren, ganz ohne Probleme, sogar mit einem Lächeln der dunkelhäutigen Beamtin verabschiedet. Fahrt mit der Bahn in die Innenstadt. Vororthäuser aus Holz, farbig gestrichen, zweistöckigen mit Flachdach, großes Auto vor der Garage, ein Kalifornier wusch es gerade mit seinem Schlauch. Das Hotel hässlich, unpersönlich, zu weiträumig, steril, das Zimmer klein, 19. Stock, Zimmer auf die Innenstadt. Kein Adapter für europäische Kabelanschlüsse, ich machte mich auf den Weg. Es war kalt, ich trug meinen Anorak, die Straßen eher leer, irgendwie Armut, Obdachlose. Ich suchte nach einem Restaurant, falafel taco und Wasser, der Himmel grau.
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