• Poesia Café

    April 17, 2025 in the United States ⋅ ☁️ 13 °C

    Breiter, oft benutzter, fleckiger Holztisch, es ist kalt, zwei Männer am Nebentisch, unterhalten sich über Politik, immerhin, ein Tisch weiter ein Mann mit Kopfhörern, vor sich ein Tabletten, draußen an zwei Stehtischchen, schwarz, zwei Frauen, im Hintergrund an einer Wand ein Eureka-Lounge-Banner, unweit des Rainbow Walks in Castro, Striche in Regenbogenfarben über allen vier Fußgänger Überquerungen, sonst noch leere Bürgersteige, es dauert immer, bis die Stadt erwacht.

    In der Metro eine Frau, blond, könnte sogar gut aussehen, kaum zu erkennen aber unter schwarzem Parka, mit vor Kälte wohl geröteten Händen einen Rollkoffer mit großer Aufschrift PAPPAS BEER umklammernd, in der anderen noch eine Plastiktüte, zur Seite kippend, dass ich schon aufspringen wollte, dann sich haltend, wegdösend und erstaunlicherweise die nächste Station CHURCH erahnend, hinauswankend. Es macht mich immer betroffen, vielleicht auch unsicher, gewahr, wie schnell eventuell der Schutz meines Passes, meiner Kreditkarte hinweggerissen werfen kann.

    Felicita, Amore, Azzurro sanft aus den Lautsprecherboxen, nicht ganz passend zu zugeknöpftem Anorak, Mütze.
    Wieder ein anderes Viertel, nicht explizit spanisch-mexikanisch, scheint mir. Different vielleicht.
    Gestern noch der Ausflug zur Golden Gate Bridge. Wie wohl an jedem Tag klart es hier ab Mittag aus. Die Sonne strahlt am durchgehend blauen Himmel. Der Bus führte mich über die Hügel in ein sonnendurchflutetes Strandviertel, mich an die Stimmung von REIFEPRÜFUNG erinnern, als Benjamin im Café sitzt und hofft, Elaine wieder zu treffen. Viele Restaurants, Bars, Strandhäuser, dann die breite Promenade, der Yachthafen, ich stieg aus, zog die Schuhe aus, spürte den Sand, während Kitesegler vor der Kulisse der Alcatraz Insel ihre Segel spannten, auf Finnschwertern dann dahinradren, über die Bay hinweg. Langsam näherte ich mich der berühmten Brücke, vorbei an Crissy Fields, einem ehemaligen Militärstützpunkt, vorbei an weiß getünchten Holzhäusern aus der Zeit, immer im Blick die roten Stahlaufbauten und die Stelle, an der James Stewart in VERTIGO Kim Nowak aus dem Pazifik fischte. Ich dachte an die anderen San-Francisco-Filme und stellte mir die Frage, ob ich mal wieder eine Filmreihe machen sollte. Aber wie lange will ich das Kino überhaupt noch machen?
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