• Es kam, wie es kommen musste

    April 26, 2025 in the United States ⋅ ⛅ 26 °C

    Manche Tage beginnen nicht ganz optimal und setzen wich dann so fort. Ich hatte vergessen, mein Handy über Nacht zu laden und instinktiv wusste ich, dass das noch schwierig werden würde.
    Zunächst brachen wir früh auf, konnten sogar noch einen Besuch bei 11 Bakery einschieben, um zwei krapfenähnliche, mit Vanille und Zimt gefüllte Süßigkeiten zu erstehen. Vincent kaufte mir sogar einen Kaffee, aber eben einen normalen und der macht mich eher nervös.
    Vom Ende der zweiten Bushaltestelle mussten wir bis zum Beginn des w noch entlang des freeways und durch einen ganzen Vorort laufen, angesetzt dafür waren 70 Minuten. Vor den Garagen der typisch amerikanischen Häuser standen viele kaputte Wägen mit flat tyres oder anderen Schäden. Seltsam. Nach 45 Minuten waren wir auf dem Spielplatz, wo der Trail begann. Die Gespräche trieben uns voran. Es gibt viel um die Vergangenheit, Monika, Situationen damals, eigene Erkenntnisse über mich. Seltsam für mich, dass ich für andere eher stur oder voller klarer Vorstellungen wirke. Ich höre es ja von vielen. In mir ist das gar nicht so, lasse ich mich eher von äußeren Einflüssen leiten, entscheide ich mich spät, aber dann wieder denke ich, dass doch etwas Wahres dran ist. Auch zu wenig am Ende zu sprechen. Ich sage es so, weil in meinem Gefühl habe ich doch alles andere schon x-mal vorher besprochen.
    An einem ausgetrockneten Flussbett fand Vincent in hohen Gräsern und bei genauer Lektüre der Karte den Trail nach oben. Moanalua Valley und Tripler Ridge Trail. Nach wenigen Minuten Anstieg fühlte ich, dass ich zum einen nie Vincents Geschwindigkeit mithalten konnte und zum anderen einfach nicht fit war. Ich ließ ihn vorlaufen, spürte aber mehr und mehr und trotz Pausen, dass mir die Energien ausgingen. Trotz einer Banane und einem Liter Wasser fühlte ich mich der Sonne ausgesetzt. Dennoch setzte ich mir das Ziel, wenigstens den ersten Aussichtspunkt zu schaffen. Der Trail war steil und rutschig, dann wieder sehr stark ausgetreten und vor allem diesesmal kaum im Schatten. Kurz vor Erreichen meines Ziels kam mir Vincent schon wieder entgegen. Er hatte es inzwischen bis ganz oben und zu frei weiteren Gipfeln geschafft. In weniger als einer Stunde...tja, bewundernswert. Zusammen kämpften wir uns zu meinem Ziel. Ich keuchte. Dann stiegen wir ab. Ich rutschte aus, ich glitt weg, ich konnte einfach nicht mehr. Hatte Durst. Keine Energie. Der arme Vincent. Er wartete, versuchte aufzumuntern. Irgendwie schaffte ich es herunter, hatte aber vergessen, das Handy wieder auszuschalten. Dadurch hatte es gar keinen Akku mehr. Wir hatten gehofft, ein Taxi zu bestellen, konnten es aber nicht mehr, da Vincent kein Internet hatte.
    Der Weg führte erst einmal weiter. Über mehrere ausgetrocknete Flüsse vorbei an dieser Pflanzenpracht und einem Stein, der mit seinen Steinzeichnungen vom Leben vor Tausenden von Jahren kündete. Ich dachte an die Steineinkerbungen in Kambodscha irgendwo im Dschungel nach einem kleinen Anstieg. Mit Lorin ging ich noch den Fluss hinunter, eine Frau betete vom Gefühl eine der alten Göttinnen an, ich kehrte erst um, als ich mich an die Gefahr der Landminen erinnerte.
    Vincent erzählte die Geschichte, die er seinen Kindern erzählt hatte. Von dem Bild, in das man hineinspringen könnte und in dessen Welt man dann wäre. Wie bei Mary Poppins. Ich dachte an eine Zwei-Tages-Tour zum Krottenkopf mit Katharina. Die ganze Zeit musste ich eine Geschichte erzählen, um sie bei Laune zu halten.
    Wir erreichten den Spielplatz, hielten kurz an, überlegten, was wir tun könnten. Es gab keine andere Wahl. Zurückgehen, durch den Vorort, entlang des freeways. Keiner erzählte mir dabei Geschichten. Habe ich schon erzählt, dass ich eine Stunde vorher schon fix und fertig war? Wir gingen und gingen, versuchten der Alternativlosigkeit Positives abzugewinnen. Daran sind wir Deutschen ja auch Weltmeister.
    Ohne Handy weiß man auch nicht den Ort des Bushaltestelle. Vincent besorgte erst einmal in einem Militärhospital auf der Kuppe eines weiteren Hügels Wasser
    Ein Autofahrer wies uns den Weg zur Bushaltestelle, wir hatten kein Wechselgeld, doch Vincent in seiner sonnigen, Zutrauen schaffenden Art gelang es, mit dem Busfahrer einen Deal auszuhandeln und für zwei Fahrten zu bezahlen. Der nächste Busfahrer - Linie 2 nach Waikiki - lachte, als er den Zettel sah, der ihm das beschrieb und fragte, ob wir ihn in der Schule gefälscht hätten. Natürlich ließ er uns durch. Ich war nur noch müde und durstig, imaginierte Dusche und Fruchtsaft. Wir kamen in den abendlichen Stoßverkehr. Zu Fuß wären wir schneller als der Bus. Wir stiegen also aus. Ich kaufte einen Fruchtsaft. Dann ging ich die letzten Kilometer zum Hotel. Die Dusche wartete. Sagte ich schon, dass ich bereits vier Stunden vorher am Ende war und keine Kraft mehr hatte?
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