• Waimea Canyon

    April 29, 2025 in the United States ⋅ ☀️ 24 °C

    Am Ende wird eine gute Geschichte wirklich gut oder lohnt sich eine ganze Fahrt. Nachdem dem eher deprimierenden Regentag öffnete sich der Himmel und blieb blau, später zwar bewölkt, aber mit weiter Sicht. Der Hyundai Tucson brachte mich nach Waimea durch eine immer grüner werdende weite Landschaft, die an sich schon das Herz öffnete. Saftiges helles Grün, manchmal durchsetzt von einem Weg mit rotbrauner Erde. Nach einem längeren Gespräch mit Michael Pfaff auf seiner Autofahrt nach Köln bog ich auf die Straße zum Waimea Canyon und damit zweifellos dem Höhepunkt der Reise entgegen.

    Manchmal lässt sich Natur schwer in Worte fassen. In ihrer überwältigenden, jahrtausendelangen Ausformung erstaunt sie unser Auge. Klar kennen wir den Grand Canyon und ja, ich war da auch schon mal, und er war größer und steiler und vor allem in vielen je nach der Tageszeit changierenden Farbe leuchtend, aber dieser Waimea Canyon brachte, zumindest am Anfang noch etwas hinzu - Ruhe und einen grünen Wald- und Buschteppich über der eigenartigen roten Erde, aber auch den Kissingen, graugelben Abbrüchen.

    Am Anfang, vielleicht durch das Gespräch mit Michael, wandte ich mich der Landschaft zu, die sich von der Kante der Schlucht zum Meer hin senkte. Ein Hahn krähte und ein Traktor tuckerte verborgen im hohen Gras. Ich musste an die Rhön denken, 8 Uhr morgens auf Kauaii Island.

    Etwas später, an einem weiteren Aussichtspunkt, war leider die Ruhe weg und zwar vor allem durch die Hubschrauberflüge. Das Geschäft schien gut zu laufen, manchmal waren bis zu vier der Touristenhubschrauber in der Luft und bestimmten fortan den Klangteppich. Durch eine weitere Erinnerung von zuhause- Angela Helwig fragte, ob sie am Wochenende vorbeikommen könnte - kam. Ich wieder auf die Idee, die Reisen der Anna Schulze, meiner Urgroßmutter Ende des 19. Jahrhunderts - mit den mir bekannten Reisegeschichten anderer Generationen zu verbinden. Fast 150 Jahre waren seitdem vergangen. Inzwischen fuhr ich mit einem für mich schon mit all seinen Gadgets kaum mehr verständlichen Mietauto zu einem fernen Canyon auf der anderen Seite der Welt, gelenkt von Google Maps mit Erklärungen aus dem Internet - und schaue den Hubschraubern zu, die die Touristen noch näher, noch spektakulärer an die Höhepunkte des Landes bringen.

    Am nächsten Aussichtspunkt begann der Black Pipe Trail Loop. Ich zögerte. Hatte kein Wasser dabei. Schaute in der App mach. Der erste Teil war leicht, nur sehr glitschig. Meine Schuhe waren nicht die richtigen. Und ich hatte kein Wasser dabei. Der weitere Trail sollte steil sein, mit sehr glitschigen Stellen. Hmmmm, ich hatte kein Wasser, na gut, trotzdem, ein bisschen- und am Ende sollte es einen Wasserfall geben, also Wasser. So ging ich los, der Weg ging steil, aber machbar, Vincent würde sagen, ein Spaziergang hinunter, Wand sich am Canyon in breiten völlig ausgewaschenen wegen entlang und landete schließlich wirklich an einem kleinen Wasserfall, 300 Meter unter der Kante des Canyons. Ein Hahn empfing mich auch hier, dazu ein paar Touristen, weswegen ich erst nicht wagte, was zu trinken. Musste aber sein, wusste ich. Also aus der hohlen Hand geschöpft und wieder zurück. Der Aufstieg gelang überraschend gut und stärkte damit ein wenig das nach dem Disaster vom Samstag entstandene Selbstbewusstsein.

    Die Beine und Schuhe völlig verdreckt gelangte ich am Auto an und fuhr weiter in den Park hinein, gelangte an ein Museum und ein Kiosk, in dem wirklich ein Sängerpaar Countrysongs intonierte. Er trug einen Hut, sie ein langes Kleid mit Rüschen, einen Sommerhut und darunter eine Nickelbrolle, wie aus den 70er Jahren gefallen. Mit heller klarer Stimme intonierte sie wunderschön die bekannten Songs.

    Everybody s got a hungry heart....
    Everybody needs a place to rest
    Everybody wants to have a home
    Don’t make no difference what nobody says

    Dann kam der schon lange erwartete Regen und alles verschwand Weißgrau der Wolken. Die Hähne und Hennen streunten aber weiter unbeeindruckt über die Wiesen und durch die Wälder.
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