Mocagua
7.–8. jun. 2024, Colombia ⋅ ☁️ 29 °C
Am Freitag mache ich mich mit Kashi, die ich in Leticia kennengelernt habe, per Boot auf den Weg nach Mocagua. Das Boot fährt ca. zweieinhalb Stunden und hält dann an einem kleinen Unterstand an. Von dort aus geht es mit Don Julio in einem Peke Peke weiter zu einem zweiten, kleineren Anleger direkt am Ort.
Wir sind nur mit den nötigsten Informationen gewappnet (Mocagua, ja da gibt es ein Hostel! Beim Museo Etnográfico!) und daher ganz froh, dass es direkt am Anleger einen Informationspunkt für Touristen und Besucher gibt. Von dort aus werden wir zu einem Gebäude geführt, dass ein Drittel Wohnhaus, ein Drittel Hostel und ein Drittel Einkaufsladen ist und werden gleich von ein paar fröhlichen, Bier trinkenden Kolumbianer*innen empfangen. Sie fragen uns auf Spanisch und Englisch aus und erklären, dass sie für die Nationalparks arbeiten. Ich glaube ihr Job ist so ähnlich, wie der der National Park Ranger in den USA. Dass ich gerade kein Bier trinken möchte (es ist 11 Uhr morgens) können sie nicht verstehen. Sicherheitshalber übersetzen sie die Frage noch ins Englische, das wiederum verstehe ich kaum, vermutlich wegen des alkoholischen Akzents.
Wir sitzen noch eine Weile ein wenig verloren herum, weil wir nicht so richtig verstanden haben, wo wir unsere Rucksäcke lagern dürfen. Kurze Zeit später kommt eine Frau auf uns zu, die anscheinend gerade ein Zimmer fertig gemacht hat und führt uns dort hin. Außerdem werden wir gefragt wo wir Mittag essen wollen, es gäbe drei Restaurants, von denen zwei geschlossen haben. Eine Antwort erübrigt sich also. Die Frau, die uns zum Hostel geführt hat, ruft gleich beim Restaurant an und bestellt unser Mittagessen, dann verschwindet sie mit dem Kommentar: "Ich hole euch in einer Stunde hier ab". Ich fühle mich ein wenig meiner Bewegungsfreiheit beraubt. Darf ich denn hier nirgendwo selber hingehen?
Die Wartezeit nutzen wir, um die Umgebung ein bisschen anzuschauen.
Nach dem Mittagessen im Restaurant (mein bisher teuerstes Mittag in Kolumbien) wollen wir zurück zum Hostel gehen, verlaufen uns dabei aber ("learned helplessness" nennt Kashi das).
Nachmittags treffen wir uns am Hostel mit einer Frau von der Fundación Maikuchiga, einer Affenauffangstation. Mit ihr zusammen gehen wir zur Auffangstation und können einige Affen beobachten. Darauf habe ich mich die ganze Zeit gefreut, endlich Affen zu sehen! Auf dem Hinweg sehen wir einige wilde Leoncitos, das sind ganz kleine Äffchen, die bequem auf eine Handfläche passen würden. Sie werden nur ca. 20 cm groß und wiegen unter 200 Gramm. Super süß! In den Bäumen an der Auffangstation turnen einige Affen herum, deren Namen ich leider vergessen habe. Als sie uns entdecken, kommen sie näher, beobachten uns, streiten sich, zupfen uns an den Hosenbeinen und versuchen, an uns hochzuklettern. Dabei werden sie immer wieder energisch von einem Mitarbeiter der Fundación zurechtgewiesen und heruntergeschubst: Sie sollen sich nicht zu sehr an Menschen gewöhnen, damit sie problemlos wieder in die Wildnis entlassen werden können.
Abends können wir mit der Familie, die das Hostel betreibt, zusammen essen, es gibt Fisch und der schmeckt sehr gut. Dabei geht mir durch den Kopf, dass ich hier, wenn auch nur für eine Nacht, bei Menschen wohne, die ich so nur aus Büchern kenne: Sie sind gewissermaßen ein Flussvolk, sie leben am Fluss, essen aus dem Fluss, der Fluss ist ihr einziger Transportweg und bestimmt den Rhythmus des Lebens.Læs mere











