Puerto Nariño
8.–10. jun. 2024, Colombia ⋅ ⛅ 29 °C
Samstagmorgen machen Kashi und ich uns auf den Rückweg zum Anleger, wo wir mit Don Julio verabredet sind. Er bringt uns dorthin, wo die Boote der Strecke Leticia - Puerto Nariño anhalten. Kashi möchte zurück nach Leticia, in vernünftigem Internet ihren Flug aus Leticia raus buchen und ein paar entspannte Tage dort im Hostel verbringen. Ich möchte weiter nach Puerto Nariño. Nachdem Kashi abgefahren ist, sitze ich mit Don Julio im "Hafen" und er erklärt mir, dass das Boot nach Puerto Nariño nur anhält, wenn hier wer aussteigen möchte. Ansonsten fährt es einfach auf der anderen Seite einer kleinen Insel im Fluss vorbei und wird mich von dort aus nicht sehen. Aber er hat eine Lösung parat: Sollte das Boot vorbeifahren, bringt er mich mit seinem Peke Peke zum Boot. Es kommt aber alles ganz einfach und das Boot hält direkt vor unserer Nase. Ich steige ein, Don Julio befördert die ausgestiegenen Passagiere in sein Peke Peke und weiter nach Mocagua.
Kurze Zeit später stehe ich schon in Puerto Nariño an Land. Das Dorf ist auf den ersten Blick recht schön, penibel quadratisch angelegt und es gibt keine Autos oder Motorräder (auch keine Tuk-Tuks). Ich laufe zum Hostel Maikü, das hat Laura mir empfohlen, begleitet von einem lokalen Guide, der mir unbedingt sein Tourangebot vorstellen will. Ich würde diesen Weg lieber alleine gehen und mir dabei schonmal ein bisschen das Dorf angucken! Ein wenig genervt komme ich beim Hostel an. Dort bin ich, mal wieder, der Einzige. Wie mache ich das nur immer? Das Hostel hat eine wunderschöne Dachterrasse (die allerdings auch überdacht ist), mit Hängesesseln, einem gespannten Netz zum drauf Sitzen oder Liegen und ein paar Büchern.
Ohne Guide kommt man hier nicht weit, da man, um an interessante Orte zu kommen oder Tiere und Pflanzen zu sehen entweder ein Boot braucht oder querfeldein in den Dschungel gehen muss. Ich bin ziemlich schlecht darin, mir eine Tour bzw. Guides zu suchen, da ich eigentlich lieber auf eigene Faust unterwegs bin und kein Geld für Touren ausgeben möchte. Der Hosteleigner kennt zwei Guides, die er gleich anruft, einer der Beiden steht kurze Zeit später vor der Tür. Ich vereinbare mit ihm eine Nachtwanderung für heute Abend, er ist auch nur halb so teuer wie der nervige Typ, der mich zum Hostel begleitet hat.
Vorher habe ich aber noch ein bisschen Zeit und probiere einen Wanderweg durch den Dschungel aus, den ich auf der Karte gesehen habe. Der Weg ist fast so groß wie eine Straße und führt zu einem Ort namens "Reserva Wochine", wo man Pirarucú (eine der größten Fischarten im Amazonas) und Kaimane sehen kann. Die Tiere werden angelockt, gefüttert... Schon recht beeindruckend, aber ein wenig künstlich. Auf meine Frage hin, warum die Tiere genau hier sind antwortet mir eine Frau, die anscheinend dort arbeitet, dass sie eingefangen und hierher gebracht wurden, um sie zu füttern. That's bullshit, denke ich, hier wird Geld verdient, sonst gar nix. Und die Tiere sind eingesperrt, damit sie nicht abhauen können. Dafür muss ich nicht bis zum Amazonas reisen!
Die Nachtwanderung mit Brandon, dem Guide, ist sehr interessant. Wir gehen erst ein Stück auf dem Wanderweg, dann biegen wir links ab, geradewegs in den Dschungel rein. Mit Stirnlampe bewaffnet finden wir ein paar große Grillen, Stabinsekten und einige große Spinnen. Eine sitzt auf einem riesigen Farnblatt direkt über unseren Köpfen. Als Brandon sie entdeckt, sagt er ganz gelassen: "Schau her, das ist eine der giftigsten Spinnen, die es hier gibt." Zum Schluss machen wir für den nächsten Tag eine kleine Kayaktour ab, bei der wir auf die Suche nach Faultieren gehen wollen.
Also stehe ich am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder am Hafen, Brandon ist schon da. Wir fahren mit einem Kayak quer über den Fluss in einen kleinen See und von da aus weiter in einen kleinen Wald. Da hier alles überschwemmt ist, können wir einfach durch den Wald paddeln. Wir müssen uns nur ab und zu durch einen dichten Teppich aus Seerosen oder so kämpfen. Im Wald finden wir tatsächlich zwei Faultiere! Sie sitzen sehr hoch oben in den Baumkronen, daher kann ich sie mit dem Handy leider nicht fotografieren. Aber Brandon hat ein Fernglas dabei, durch das wir sie beobachten können. Eines ist ganz nass, wahrscheinlich hat es heute ein Morgenbad genommen. 🦥 Langsam, ganz langsam klettert es am Baum entlang. Danach fahren wir aus dem Wald wieder raus auf den offenen See, wo wir ziemlich große (Kamungo) und kleine, laute Vögel (Tiki tiki) sehen. Außerdem gehe ich hier wieder baden. Ob die Piranhas hier wohl auch Vegetarier sind? Brandon lacht und meint, die sind zwar keine Vegetarier, essen aber keine Menschen.
Kurz vor Sonnenuntergang gehe ich aus dem Ort raus zu dem Hostel "Cabañas alto del aguila". Dort kann man abends die Affen aus dem Dschungel mit Bananen füttern. Das ist zwar keine rein natürliche Art die Affen zu beobachten, aber wenigstens sind sie hier nicht eingesperrt sondern kommen nur, wenn sie wollen. Ein Mitarbeiter ruft mehrmals "monkey, monkey!" und bald kommen mehrere Affen aus dem Dschungel, schälen die Banane in meiner Hand, brechen ein großes Stück ab und verschwinden damit auf dem Dach um in Ruhe zu essen. Später kommen noch mehr Menschen dorthin, unter Anderen auch die Frau von den Nationalparks, die mir in Mocagua verzweifelt ein Bier andrehen wollte. Jetzt bekommen die Affen langsam Spaß an der Sache und klettern eifrig auf uns herum. Zum Abschluss probieren wir alle noch Chuchuhuasi, einen Schnaps, der mit Stückchen der Rinde eines Baumes hergestellt wird.
Am nächsten Tag fahre ich mittags mit dem Boot zurück nach Leticia. Dort startet meine Weiterreise nach Peru, dort muss ich meinen Reisepass stempeln lassen und dort muss ich noch meine letzte Wäsche bezahlen. Das habe ich vergessen 🤔Læs mere











