• Lima

    22.–26. jun. 2024, Peru ⋅ ⛅ 16 °C

    Ich sitze in Iquitos am Flughafen und freue mich auf Lima. So langsam sind die zufälligen Wiedersehen vorbei. Von Ria abgesehen habe ich seit mehreren Wochen keine Leute mehr getroffen, die ich aus irgendwelchen anderen Orten kenne. Außerdem bin ich, trotz der entspannten letzten Tage, gerade sehr reisemüde. Ich möchte einfach nur noch ein paar Wollpullover kaufen, in irgendein Dorf am Strand fahren, vielleicht ein bisschen surfen und danach diese Reise in den USA zu Ende bringen.
    Zwei Stuhlreihen vor mir läuft eine Frau vorbei, die meiner Mitbewohnerin im Fatima Hostel in Bogotá ein wenig ähnlich sieht. Ich versuche, mich an ihren Namen zu erinnern, komme aber nicht drauf. Ihre beste Freundin hieß Christina, die Beiden waren zusammen unterwegs, ich habe sie später in Capurganá nochmal wiedergetroffen. Dann entdecke ich etwas weiter entfernt plötzlich Christina und falle fast vom Stuhl. Kann das wirklich wahr sein? Dass ich die Beiden drei Monate später hier, mitten im Amazonasregenwald, am Flughafen wiedertreffe? Ich lasse mir eine halbe Stunde Zeit, dann gehe ich rüber und spreche sie an. Sie sind es wirklich! Und wir sind sogar auf demselben Flug nach Lima.
    Im Hostel lerne ich natürlich gleich wieder drei neue Leute kennen, darunter auch einen Anton, der in zwei Tagen zurück nach Deutschland fliegt. Ich komme in einem Zwölferzimmer unter, das ist die höchste Anzahl Betten, die ich bisher im Dorm hatte. Kurz nach Mitternacht, ich versuche gerade einzuschlafen, höre ich folgendes Gespräch:

    "Anton?"
    Stille, dann ein leises, grummelndes "jaa?"
    "Mir ist langweilig. Was machst du gerade?"
    Wieder grummelnd: "Einschlafen."

    Ich lache fast laut los, schaffe es aber gerade noch, mein Gesicht ins Kissen zu drücken. Solche Momente helfen auf jeden Fall gegen Reisemüdigkeit!

    Am nächsten Morgen mache ich mich in Lima auf die Suche nach Klamotten aus Alpacawolle. In den ersten beiden Läden gibt es keine reinen Wollpullover (auch wenn die Verkäufer das steif und fest behaupten 😉), dann lande ich in einem Laden, in dem mir sehr ehrlich erklärt wird, welche Pullover aus Wolle und welche aus anderen Materialien sind. Es ist zwar auch mit Abstand der teuerste Laden, aber hier kaufe ich einen Pullover.
    Danach mache ich mich auf den Weg zum Mercado de Indios, wo es angeblich auch viel aus Alpacawolle gibt. Die Verhandlungen in den vielen kleinen, offenen Läden verlaufen schleppend: Nachdem sie anfangs behaupten, dass alles 100% Alpaca ist, geben die meisten Verkäuferinnen und Verkäufer nach wenigen Sätzen zu, dass es eigentlich Materialmischungen sind. Welche Materialien zu welchen Anteilen gemischt werden hängt dabei ganz davon ab, wen ich frage. Eine Frau ist hartnäckiger: Bei einem Poncho, der sich sehr nach Baumwolle anfühlt, behauptet sie fünf Minuten lang, dass der aus reiner Alpacawolle ist. Irgendwann ändert sie ihre Meinung und sagt: "Sí, es una mezcla!". Den Alpacaanteil gibt sie mit 50% an, korrigiert aber sofort auf 70%. Ich streiche noch einmal mit der Hand über den Baumwollponcho um ganz sicher zu sein, dann verlasse ich ein wenig frustriert den Laden. Verhandeln auf Spanisch ist immer noch nicht meine Stärke. Den Rest des Tages verbringe ich an der Steilküste. Hier gibt es sogar einen kleinen Startplatz für Paraglider! Es ist ein wenig neblig, aber sie fliegen trotzdem.

    Am Montag nehme ich meine Suche nach Wollklamotten wieder auf und suche nebenbei nach gutem Kaffee, den ich mit nach Deutschland bringen möchte. Das erste Café, das ich aufsuche, existiert nicht, im zweiten Café gibt es sehr guten Kaffee, aber leider verkaufen die dort kein Pulver oder Bohnen. Im dritten Café gibt es das alles, aber der Kaffee schmeckt irgendwie nicht so gut. Ich, der normalerweise keinen Kaffee trinkt, bin inzwischen sehr hibbelig...
    Nach einigen Läden, Cafés, Bankautomaten und einem zwischengeschobenen, dreistündigen Anruf nach Deutschland (wie das passiert ist, verstehe ich selber nicht so ganz) fahre ich mit einer sehr vollen, sehr gut riechenden Tüte zurück zum Hostel. Am Abend lerne ich wieder ein paar neue Leute kennen und wir sitzen noch eine Weile zusammen auf der Dachterrasse vom Hostel. Das Zwölferzimmer ist jetzt sehr leer und sehr Deutsch: Außer mir sind alle ausgezogen, dafür sind Alix und Lea neu dazugekommen.

    Dienstagmorgen machen wir uns zu dritt auf die Suche nach Mate. Danach gehe ich mit Alix in ein Gedenkmuseum und wir verbringen den Rest des Tages am Pazifik. Abends erzählt sie von ihren Wanderplänen in Huaraz und ich erzähle von meinem Plan, den Rest der Zeit am Strand zu chillen. Spontan entscheiden wir, dass wir einfach zusammen in Huaraz wandern gehen und danach weiter an den Strand fahren.
    So mache ich mich am nächsten Abend (Mittwoch) schließlich auf den Weg, nicht an den Strand sondern ins 3000 Meter höher gelegene Huaraz.
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