• Tag 8 – Mangamuka Gorge

    19 dicembre 2025, Nuova Zelanda ⋅ ☁️ 19 °C

    🌧️ Regenstufe: „Bucheli hat den Schlauch vergessen abzustellen“
    Der Tag begann damit, dass der Wind unser Camper so durchgeknetet hat, als würde er testen, ob wir für die Südinsel geeignet sind.
    Es regnete so heftig, dass ich kurz dachte: Aha, Neuseeland macht jetzt ernst. Das ist nicht Wetter, das ist ein Bewerbungsgespräch für die Sintflut 2.0.
    Unsere britisch‑australische Nachbarin mit Zelt und Rucksack war auch noch da. Ich habe rausgeschaut, ob sie schon irgendwo als Drachen im Wind hängt. Wenn ja, wäre sie vermutlich die erste Person, die fliegend Australien ohne Flugzeug erreicht — und das auch noch CO₂‑neutral.

    🌬️ Hazard – der Sturm, der klingt wie ein Versicherungsformular
    Der Sturm heisst hier „Hazard“. Das ist wenigstens ehrlich.
    In der Schweiz würde er „leichter Westwind“ heissen, und die Hälfte der Bevölkerung würde trotzdem behaupten, sie hätten Migräne.
    Hazard kam, blies uns fast in die Südinsel und verschwand wieder, als hätte er gemerkt, dass wir unsere Camping Gebühr bezahlt haben.
    Ich habe dann angefangen, Bäume zu fotografieren, die aussehen, als hätten sie eine Scheidung hinter sich. Damit es nicht nach „Fotokurs für Baby-Boomer“ aussieht, habe ich unten noch einen Mehlsack drangehängt.

    🌀 Mangamuka Gorge – die Strasse, die von einem betrunkenen Aal geplant wurde
    374 m ü. M. klingt harmlos.
    Aber die Strasse hat mehr Kurven als die Schweizer Politik vor einer Abstimmung.
    Nach 50 Kurven hat mein Magen gesagt: „Ich kündige.“
    Nach 100 Kurven hat Lisa den Kopf nach vorne gedreht und nach Luft geschnappt wie ein Goldfisch, der merkt, dass das Aquarium leer ist.
    Nach 150 Kurven habe ich beschlossen, dass wir beim nächsten Lookout stoppen, bevor wir anfangen, in Zungen zu sprechen.
    Die Locals fahren den Pass übrigens, als wäre es die A1 um 03:00 Uhr morgens. Ich weiss nicht, ob sie genetisch mit Bergziegen verwandt sind oder ob sie einfach schon so lange hier leben, dass ihnen schwindlig sein egal ist.

    🚰 Dumping Station – Schweizer trifft auf Kiwi‑Improvisation
    Die Dumping Station zu finden war schwieriger als ein Parkplatz im Inselspital Bern.
    Beim Dumpen musste ich warten, bis der Gemeindearbeiter seinen Tank mit Chemikalien gefüllt hat. Ohne Handschuhe. Ohne Maske. Ohne irgendwas.
    Ich habe ihn angeschaut wie ein Schweizer, der zum ersten Mal sieht, wie jemand ohne Helm Ski fährt.
    Er erzählte mir, dass er die Insel noch nie verlassen hat. Verständlich: Wenn man Wüste, Urwald, Strand und Berge alles in einem hat, muss man nicht nach Europa, um dort auf geraden und eingezäunten Autobahnen zu fahren.

    🍺 Liquor Stores – die wahren Kathedralen des Nordens
    Er warnte mich vor der Kriminalität.
    Ich habe schon gemerkt: In vielen Dörfern gibt’s mehr Liquor Stores als Zukunftsperspektiven.
    Bier und Wein gibt’s überall, härteren Alkohol im Liquor Store.
    In der Schweiz wäre das so, als hätte jedes Dorf eine Bäckerei, aber niemand Brot isst.
    Und trotzdem stehen alle Schlange.

    🐗 Jagd auf Neuseeländisch – nichts für den Schweizer Tierschutz
    Er erklärte mir auch die Jagd:
    Wildschweine werden hier nicht geschossen, sondern mit Hunden gejagt, bis sie müde sind, und dann mit dem Messer erledigt.
    Ich habe kurz überlegt, ob ich ihm von der Schweizer Jagd erzähle… aber ich wollte nicht, dass er mich auslacht.
    Wie sie die weissen Haie erlegen, weiss ich noch nicht. Aber sobald ich Zeitzeuge werde, gehe ich mit. Mischpaket per WhatsApp🤗

    🛣️ Weiter Richtung Süden – Fahrer im Standby‑Modus
    Nach dem Motto „Schnell weg hier“ ging’s weiter.
    Der Fahrer war heute etwas müde. Also ich.
    Darum kommen wir erst morgen bei den Kauri Trees an.
    Immerhin kein weiterer Pass, der uns durchschüttelt wie ein Schwinger nach dem Morgenkaffee.

    📚 Homeschooling – der wahre Endgegner
    Am Abend bereiten Lisa und ich noch die NMG‑Stunden vor.
    Lisa korrigiert gerade das Diktat von Liina und Sanna.
    Ihr Gesichtsausdruck erinnert mich stark an die Mangamuka‑Gorge:
    leicht grünlich, leicht verzweifelt, aber irgendwie stolz, dass sie’s überlebt hat.

    🎉 Stadt‑Land‑Tod
    Zur Feier des Tages spielten wir Stadt‑Land‑Tod.
    Lisa natürlich mit klarem Vorsprung — sie spielt das, als wäre das Spiel bei der IPS‑Weiterbildung nebst dem Respi-Modul das Hauptfach gewesen.

    Die Kinder und ich lieferten Vorschläge, die irgendwo zwischen Genie und amtlicher Verwirrung liegen:
    Hobbys: Giraffen züchten, Zigaretten rauchen.
    Staaten: Kreta. Neu anerkannt. Von uns.

    Das Verrückte:
    Mit solchen Antworten konnte man immer noch gewinnen.
    Das Level war so hoch, dass ich mich gefühlt habe wie eine prima Ballerina am Stadttheater, die plötzlich merkt, dass sie nur wegen eines administrativen Fehlers auf der Bühne steht — und das Publikum trotzdem klatscht, weil es denkt, es sei moderne Kunst.
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