Tag 65: Back to Wellington
2 hours ago in New Zealand ⋅ ☁️ 15 °C
Eigentlich haben wir heute fast nichts gemacht. Also wirklich nichts. So wenig, dass ich beim Schreiben Angst habe, dass die Leser schon beim ersten Satz in einen Tiefschlaf fallen, aus dem sie nur ein Erdbeben der Stufe 7 wieder herausholt.
Aber der Reihe nach: Heute geht’s zurück auf die Nordinsel. Time is running, wie man so schön sagt, wenn man keine Zeit hat, aber trotzdem noch alles Mögliche erledigen will.
---
🏃♀️ Parkrun Saturday – Die liturgische Morgenmesse
Wie immer sollte es um 8 Uhr starten. Wie immer tat es das nicht.
Denn zuerst kommt die Neuseeland-typische Einführung für Firsties – also jene, die zum ersten Mal mitmachen und noch nicht wissen, dass man hier grundsätzlich alles erklärt, was sich nicht wehrt.
Dann wird gefragt, ob es Besucher hat. Und ja, man kann tatsächlich die Hand heben und vor der gesamten Versammlung sagen, woher man kommt. Lisa hat das heute übernommen. Ich war beeindruckt. Sie steht nicht gerne im Mittelpunkt, aber offenbar war das heute nötig für das richtige Mindset: Personal PB + Alterskategorie-Sieg.
Eine Siegerehrung gab es keine. Die findet heute im Airbnb statt. Also bei uns. Wir haben uns das mal gegönnt – jetzt schauen wir, ob wir überhaupt Airbnb‑tauglich sind oder ob wir nach einer Nacht schon eine schlechte Bewertung wegen „zu viel Lärm“ bekommen.
---
🛒 Pack’n’Save – Die Pampa-Edition
Vor dem Einzug ins neue Häuschen ging’s noch einkaufen. Schliesslich haben wir bald einen 200‑Liter‑Kühlschrank. Das ist in etwa die Grösse eines durchschnittlichen neuseeländischen Hotelzimmers.
Unser Airbnb liegt irgendwo zwischen „direkt am Meer“ und „wir hoffen, dass Google Maps uns nicht verarscht“. Die Wegbeschreibung war länger als meine Masterarbeit. Inhaltlich spannender war sie auch.
---
☕ Fähre verspätet – dafür neue Bekanntschaften
Jetzt warten wir auf die verspätete Fähre.
Beim Kaffee habe ich Caroline kennengelernt. Sie ist Schwedin, verheiratet mit einem Schweizer, und ihr Schweizerdeutsch ist besser als meins.
Ehrlich gesagt habe ich langsam das Gefühl, dass meine Muttersprachkompetenzen proportional zu jedem neuen englischen Wort abnehmen. Schon bald spreche ich in Klammern. Wenn ich zurückkomme, bitte etwas Verständnis und einfach fragen:
„Habe du gut? Ich gut sein heute.“
---
🛒📺 Das TV-Wägeli – Physikunterricht im Supermarkt
Die Jungs haben im Pack’n’Save ein Einkaufswägeli mit eingebautem Fernseher gefunden.
Unten drin ein Bildschirm, hinten dran ein Motorengeräusch. Ein Wohlfühlpaket für Kinder und Väter, die sich für fünf Minuten wie Ingenieure fühlen wollen.
Mit etwas Fantasie kann man sogar die Wurfparabel berechnen, um den Wagen zu treffen. Falls die Wassermelone daneben geht: kein Problem. Einfach zurücklegen. Hier wird zermatschtes Gemüse teilweise so drapiert, als wäre es frisch vom Feld.
Ich rege mich ja schon im Migros über Leute auf, die jeden Apfel drücken müssen. Die schlimmsten sind die Avocado-Quetscher. Dank ihnen muss man zuhause immer erst mal 40 Prozent braunes Fruchtfleisch wegschneiden.
Wenn ich im Migros arbeiten würde, hätte ich eine lange Bambusstange wie früher in der Schule. Jeder, der drückt, bekommt einen kleinen Klaps. Pädagogisch wertvoll.
---
🧦 Fusskontrolle & T-Shirt-Status
Unsere Fähre hat Verspätung.
Ich habe meine Füsse gecheckt: safe.
Das T‑Shirt darf nach dem Parkrun offiziell wieder angezogen werden.
Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.Read more
Tag 64: Quak to Pita
February 13 in New Zealand ⋅ ☁️ 23 °C
Zur Abwechslung ging es heute wieder einmal ins Schwimmbad. Das Wetter war… sagen wir: nicht ganz so gut wie bestellt. Zum Glück waren wir gestern noch outdoor‑mässig aktiv. Ich habe aber langsam das Gefühl, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Wetter und Kinderstimmung gibt. Bei Hochdruck herrscht Frieden, sobald das Barometer fällt, verwandeln sich unsere Kinder in Frösche. Einige quaken, andere springen, wieder andere klettern die Leiter rauf und runter. Namen darf ich keine mehr nennen – das Bundesamt für stürmende Kinder hat mich verwarnt. Nach 63 Tagen könnt ihr euch aber vorstellen, wer welche Geräusche produziert.
---
🚓 Die Securitas‑Dame vor dem Aquatic Center
Im Schwimmbad angekommen, stand sie da: die freundliche Securitas‑Dame, die gerade mit Kreide unser Fahrzeug markierte. Sie sah exakt so aus, wie eine Securitas‑Dame aussieht. Haare totgefärbt in einem Grün, das eigentlich Rot hätte sein sollen. Alter Ü60. Gesichtsausdruck: gezeichnet. Das winzige Lächeln, das sie noch besitzt, erscheint nur beim Schreiben eines Zettelchens. Die Uniform war übrigens dieselbe wie bei uns in der Schweiz. Und ja – ich gebe es zu: Ich bin ein regelmässiger Sammler von Parkscheinen. Irgendjemand muss ja die Steuern bezahlen, sonst bekommen die armen Polizisten noch ein Burnout, wenn sie Ende Jahr das Budget reinholen müssen. Natürlich alles nur für die nationale Sicherheit.
---
👦 Maxime, der Quallen‑Philosoph
Im Moment sitze ich mit Maxime im Camper. Er stellt Fragen, die selbst ein Meeresbiologiestudium nicht abdecken würde. Die Quallen, die wir gestern im Hafen gesehen und angefasst haben, beschäftigen ihn noch immer. Auch das Fischen ist ein Dauerbrenner. Wenn er nicht genügend gefordert wird, fordert er einfach alle anderen. Sobald wir zurück sind, kann er mit Äti fischen gehen und ihn fragen, warum man Quallen nicht fischen kann, was sie fressen, warum sie sich so bewegen, warum sie durchsichtig sind und warum einige giftig sind und andere nicht. Ich wünsche Äti jetzt schon viel Vergnügen.
---
🚧 Strassensanierung für Fortgeschrittene
Jetzt geht es wieder zurück Richtung Picton. Natürlich der Baustelle entlang, mit 30 Minuten Bonus für den Verkehr. Sie sanieren Strassen – und ja, es ist nötig. Aber wenn man sieht, wie sie das machen, denkt man automatisch, dass sie definitiv auf die Zukunft und fliegende Autos warten. Asphaltiert wird hier nicht wie bei uns. Nein. Es läuft so: Kies drauf, verdichten, Bitumen drüberspritzen, ein paar Kieselsteine oben drauf – fertig. Vermutlich wird nicht pro Laufmeter abgerechnet, sondern pro Anzahl verwendeter Hütchen. Und davon gibt es viele. So viele, dass man sich fühlt wie ein Rind auf dem Weg zum Schlachthof. Bei der Ampel sitzt dann einer, der sie von Rot auf Grün schaltet. Gesichtsausdruck: identisch zur Securitas‑Dame.
---
🌯 Pita Pita und fünf Minuten Frieden
Wir waren wieder einmal auswärts essen – seit Dunedin das erste Mal. Die Kinder sind jetzt für fünf Minuten ruhig, bis der Burrito verschlungen ist. In zwanzig Minuten schreit der erste wieder „Ich habe Hunger“, und ich tue so, als wäre es mir egal.Read more
Tag 63: BTW....bring Cash
February 12 in New Zealand ⋅ ☀️ 24 °C
Übernachtet haben wir irgendwo zwischen Blenheim und Picton, in einer Gegend, die man am besten als „ländlich‑funktional“ oder "4G ein Strich" beschreibt. Für die nächsten drei Tage ist das unser Zuhause.
Und für alle, die sich fragen, ob ich bald Scheren schleife, Küchensets verkaufe oder sonstige Haustürgeschäfte mache, um über die Runden zu kommen:
Nein, so weit ist es noch nicht.
Noch nicht.
---
📦 Die China‑Phase – oder: Wie viele schwarze Plastiksäcke passen in einen Briefkasten?
Kurz nach Covid war ich der festen Überzeugung, dass man in China legendäre Schnäppchen machen kann.
Zeitweise kamen wöchentlich schwarz‑graue Plastiksäcke in den Briefkasten.
Einige davon enthielten tatsächlich brauchbare Dinge — zum Beispiel Verbände und Pflästerli.
Der Rest war eher:
„Direkt in den Müll“ oder „funktioniert eine Woche, so wie die Radpumpe fürs Auto“.
Heute musste ich daran denken, als ich die China‑Schweiz‑Neuseeland‑Weltreise‑Pflästerli auspackte, um die Sandfly‑Wunden zu verarzten.
Globalisierung, aber auf die harte Tour.
---
🎒 Schule in Neuseeland: Ein administrativer Hindernislauf
Das mit der Schule funktioniert jetzt doch nicht.
Mindestens 10 Wochen müssten es sein.
Wir haben uns wund geschrieben, diverse Schulen angeschrieben — sogar ganz fromme christliche Schulen.
So nach dem Motto:
„Ein paar Wochen beten kann nicht schaden.“
Jetzt prüfen wir, ob wir wenigstens für eine Woche einen Privatlehrer finden.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie hustet schon ein bisschen.
Die Englischlehrerin meinte heute schlicht: „Bring cash.“
Kein Kontext, keine Erklärung.
---
🌊 Picton bekommt seine Chance
Heute ging es das erste Mal bewusst nach Picton.
Wenn man auf der Südinsel ankommt, ist das normalerweise nicht der Ort, an dem man bleibt.
Aber wir haben Zeit.
Also bekommt Picton jetzt drei Tage Aufmerksamkeit.
Man gönnt sich ja sonst nichts.
Kaum im Zentrum angekommen, sind die Kinder direkt mit den Stingrays geschwommen.
Den Schwanz sollte man nicht anfassen — aber in Französisch‑Polynesien darf man sie füttern, streicheln und wahrscheinlich auch zum Kindergeburtstag mieten.
Ich bin froh, dass die Kinder das Plakat „Mit Delfinen schwimmen“ noch nicht gesehen haben.
Das findet nur zweimal pro Woche statt, und am Samstag sitzen wir schon wieder auf der Fähre.
---
🛏️ Airbnb oder: Sind wir noch kompatibel mit einem Haus?
Heute habe ich mit Lisa die Option Airbnb besprochen.
Ein paar Tage nicht‑nomadisches Leben, einfach um zu testen, ob wir noch kompatibel sind mit einem Wohnort, der nicht rollt.
Lisa hat Angst, dass danach niemand mehr in den Camper zurück will.
Ich halte das für ein realistisches Risiko.
Ich habe dem Host mal geschrieben, um zu fragen, was für ihn „sauber“ bedeutet.
Bei Airbnb ist Reputation wichtiger als Erfolg im Leben.
Und nur um ein paar Nächte in einem Bett zu schlafen, will ich meine Bewertung nicht ruinieren — schon gar nicht wegen unserer vier Kinder.Read more
Tag 62: St. Arnaud Range Track
February 11 in New Zealand ⋅ 🌙 16 °C
Heute Morgen sind wir losgefahren, und ich musste ernsthaft fünf Minuten überlegen, wo wir geschlafen hatten. Nicht weil es so schlimm war. Sondern weil der Ort sich schlicht geweigert hat, irgendeine Form von Bedeutung zu entwickeln. Ein Platz, der im Gedächtnis nicht einmal als Fussnote durchgeht.
---
🧺 Waschhaus der Zeitgeschichte
Im Waschhaus fühlte ich mich kurz wie in einem Museum.
Die Waschmaschine lief mit Coins – charmant retro. Als ich dann sah, dass sie ungefähr meinen Jahrgang hatte, verliess ich das Gebäude reflexartig und liess Lisa allein waschen.
Jahrgänger‑Treffen sind selten gut für die Stimmung und das Selbstvertrauen.
---
☕ Kaffee, Pandas & Überwachung
Im Dorf holte ich einen Kaffee. Der Besitzer wirkte überrascht, dass ein Kunde sein Geschäft betrat – vielleicht ein saisonales Ereignis. Drinnen war ich dann froh, nichts zu essen bestellt zu haben.
Der Kaffee brauchte 15 Minuten, weil die Maschine „noch aufwärmen“ müsse. Vermutlich ein Gerät, das schon warm war, als Neuseeland noch eine Kolonie war.
Während ich wartete, entdeckte ich eine Armee von Plüschpandas und etwa zehn Überwachungskameras. Wofür genau – unklar. Vielleicht zur Panda‑Sicherung. Vielleicht zur Kundenabschreckung.
Ich trank den ersten Schluck jedenfalls mit Vorsicht. Man weiss ja nie, welche Pandas nachts nachtragend sind.
---
🚰 Wasserdrama in drei Akten
Zurück am Campingplatz kam mir Maxime mit einer Wasserflasche entgegen: „Ob ich Durst habe.“
Ich sagte nein.
Ein Camper‑Nachbar sagte: „Trink das besser nicht.“
Die Flasche war falsch abgefüllt. „Do not drink from this tap.“
Unsere Rasselbande kann zwar kein Englisch, aber sie glauben, Zuschauen reiche für alles. Ich hielt eine kurze Standpauke, weil ich Angst hatte, jemand hätte davon getrunken.
Wasser ist kein Experimentierfeld. Ich erklärte ihnen, dass man nur dort trinkt, wo ausdrücklich steht, dass man darf. Nicht dort, wo nichts steht.
---
🚐 Anfängerfehler deluxe
Beim Dumpen sagte mir jemand, mein Dachfenster sei offen.
Wir wirkten wie jene Camper, die zum ersten Mal einen Camper sehen.
Ein Ensemble aus Unwissen, Improvisation und stillem Optimismus.
---
⛰️ St. Arnaud – Wahrheit in Dosen
Weiter ging es Richtung Picton, mit Pause in St. Arnaud. Schöner See, unendlich viele Hikes.
Meine Garmin spuckte Höhenmeter und Kilometer aus, aber die ganze Wahrheit von Anfang an zu erzählen, hemmt die Stimmung der Wandergruppe. Also dosierte ich die Informationen wie ein Apotheker.
Am Ende erreichten alle den Summit. Einige schubsten morsche Bäume um, andere zitierten Weisheiten wie „Go fast, go alone; go far, go together“.
Ironischerweise gingen wir weder fast noch alone.
---
👥 Gruppenlogik in freier Wildbahn
Heute hatte ich tatsächlich das Gefühl, mit einer Gruppe unterwegs zu sein – nicht nur mit Individuen, die zufällig denselben Weg gehen.
Wenn einer meckert, leidet die ganze Gruppe.
Wenn einer die Regeln ignoriert, tragen alle die Konsequenzen.
Gesellschaft funktioniert nicht anders.
Man kann sich nicht ausklinken, ohne dass es die anderen trifft.
Ein stilles, aber hartnäckiges Gesetz.
---
🐍 Aal‑Trauma als Gruppenerlebnis
Und seit Lake Brunner wissen die Kinder, wie Aale aussehen – jetzt traut sich niemand mehr ins Wasser oder schreit sofort los, als hätten sie einen Süsswasserhai gesehen.
Lustigerweise hat Lisa beim Loop‑Schwimmtrack keine einzige Aal‑Sichtung gemeldet.
Für sie war die Wandergruppe „Vogellisi“ schlicht zu langsam, also musste sie noch schwimmen gehen.
Manche Menschen lösen Gruppendynamik eben nicht im Gespräch, sondern im Kraulstil.
Ich bin gespannt auf den morgigen Feedback‑Loop.
Bei unserer Truppe reicht das Spektrum erfahrungsgemäss von „Das war der beste Tag meines Lebens“ bis „Warum hast du uns in ein Aal‑verseuchtes Gebiet geführt“.
Beides ist realistisch.
Beides ist gruppentypisch.Read more
Tag 61: Go for Gold Nuggets
February 10 in New Zealand ⋅ ⛅ 21 °C
Lisa und ich haben uns gestern so wund gedacht, dass Google schon Mitleid hatte.
Wir haben diskutiert, philosophiert – und dann trotzdem keine Plan für die nächsten Tage gehabt.
Heute Morgen war’s wieder gleich weit.
Ich habe dann gesagt: „Jetzt fahren wir.“
Und wenn mein innerer Geist sagt „Wir fahren“, dann ist fertig lustig.
Egal, ob jemand noch auf dem WC sitzt, die Socken über dem Spiegel hängen oder ein Kind gerade versucht, die Zahnbürste in die Lüftung zu stopfen.
---
🐌 50 km/h Richtung Nelson – nicht aus Müdigkeit
Die Strasse war in einem Zustand, den man diplomatisch als „historisch“ bezeichnen könnte.
Also tuckerten wir mit 50 km/h Richtung Nelson, während Maximux bereits nach 30 Minuten wieder Sandwiches bestellte.
---
🌉 Die Hängebrücke – 12 Dollar Schmerz, 50 Cent Hoffnung
Kurz vor Murchison tauchte eine Hängebrücke auf.
Ich dachte: „Nur rasch rüber.“
Dann sah ich den Preis: 12 Dollar pro Person.
Ein absoluter Abriss.
Aber für 50 Cent mehr gab’s Schürfpfannen zum Goldwaschen.
Und da war ich natürlich sofort dabei – schliesslich bin ich mental längst Teilzeit‑Mitarbeiter bei Parker Schnabel.
Die Frau am Eingang meinte, wir sollen uns „sandfly‑konform“ anziehen.
Auf den Fotos sieht man gut, wie unterschiedlich man das interpretieren kann.
---
🧥 Fashion Week Murchison – die Kollektion „Survival Chic“
Lisa hat ihre schönen Hosen angezogen – vermutlich ein asiatisches Tarnkostüm.
Vielleicht hat sie TikTok‑Videos gemacht, ich habe mich nicht getraut zu fragen.
Sanna in Schwarz, die neuste Modefarbe in Paris, Haare dank Mama heute besonders schön.
Liina sah aus wie ein Vagabund, der gerade die Wäsche im Fluss wäscht.
Etienne wie ein Biker, der sich verfahren hat.
Und Maximux hat gedacht: Scheisse auf Sandflys, oben ohne, 30 Grad gefühlt, Wasser 25 Grad – rein da.
---
🏺 Goldfieber – oder: Wie man in 2 Stunden zum Seehund mutiert
Die Frau meinte, es gebe „viel Gold“ und „nicht weit eine kommerzielle Operation“.
Ich habe innerlich schon meinen Rücktritt aus dem Arbeitsleben vorbereitet.
Die Kinder waren sofort im Goldrausch – offenbar muss ich beim Wandern künftig einfach sagen, es gebe Gold.
Dann rennen sie wie olympische Athleten.
Ich begann ganz bedacht, wie ein Profi.
Nach 20 Minuten war ich bereits auf allen Vieren im Sand, halb Mensch, halb Seehund.
Lisa fand, der Moment der öffentlichen Demütigung sei erreicht, als ich mit dem Gesicht im Bach lag und „Ich spüre Nuggets!“ murmelte.
---
✨ Das Resultat – 50% Gold, 50% Enttäuschung
Als wir die Pfanne abgaben, meinte die Frau:
„Nicht schlecht fürs erste Mal.“
50% davon war aber Katzengold.
Also doch weiterarbeiten.
---
🏃♂️ Nachschwitzen und ein neuer Freund
Nach dem Schürfen sind Lisa und ich noch rennen gegangen – quasi der Belpberg von Murchison.
Und meinen Vertrag mit dem Häsli habe ich auch eingelöst.
Es ist ein Weka.
Er heisst Lapi.Read more
Tag 60: Pancake- Rocks & Cantaps
February 9 in New Zealand ⋅ 🌙 16 °C
Heute war ich müde. Nicht das normale Müde, bei dem man einfach ein bisschen gähnt und weiterlebt.
Nein, ein fortgeschrittenes Müde, das man sonst nur aus Dokumentationen über Zugvögel kennt. Aber es geht hier ja nicht um mich.
Trotzdem eine kurze, völlig objektive und selbstverständlich wissenschaftlich fundierte Analyse:
💤 1. Der Powernap, der keiner war
Ich war überzeugt, ich hätte nur kurz gedöst.
Lisa behauptet, ich hätte geschnarcht.
Ich habe beschlossen, dass wir beide recht haben:
Sie, weil sie es sagt.
Ich, weil ich keine Energie für Gegenbeweise habe.
📚 2. Literaturversuche unter Erschöpfung
Ich habe dann ein neues Buch begonnen.
Man muss wissen: Ich bin keiner, der gerne Bücher liest.
Ich lese News, Artikel, Dinge, die in drei Absätzen sagen, was Sache ist.
Kurz, knapp, effizient.
Aus purer Langeweile habe ich ein Kiwi‑Buch über Alltagsgegenstände angefangen.
Nach der Hälfte musste ich aufhören.
Es war so langweilig, dass ich mich gefragt habe, ob es vielleicht ein Test war, um die Geduld der Leser zu messen.
Danach habe ich einen Krimi begonnen.
Der ist so breit erklärt, dass ich manchmal denke:
„So, chum jetzt, ufe Punkt. Es isch doch egal, wie genau das Opfer usgseht…“
Aber dann ist er wieder so fesselnd, dass ich nach der Hälfte nicht mehr aufhören werde.
Konsequenz ist ja auch eine Form von Charakterstärke.
Unsere Kinder kommen, was das Lesen angeht, eher nach mir.
Wenn Lisa hingegen ein Buch beginnt, frisst sie es.
Ausser die finnischen Harry‑Potter‑Bücher, die wir vor Jahren gekauft haben.
Die liegen vermutlich noch heute irgendwo in einer Kiste.
Ich wage zu behaupten: ungelesen und ohne Zukunft.
---
🦗 Zikaden, Kiwis & andere nächtliche Feinde der Ruhe
Die Zikaden haben bis zur Dunkelheit durchgezogen.
Es klingt wie Grillen – nur lauter, näher und mit einer gewissen Grundaggressivität.
Kaum waren die Zikaden fertig, haben die Kiwis übernommen.
Lisa hat mir ein YouTube‑Video vorgespielt, damit ich weiss, was ich da höre.
Ich hätte es auch ohne Video geglaubt.
Es gibt nicht viele Tiere, die nachts klingen wie unsere Kinder wenn sie etwas wollen.
---
🥇 Olympia um 4 Uhr morgens
Ich habe kurz überlegt, um 3:50 rennen zu gehen.
Dann habe ich mich dagegen entschieden – ich kenne mich.
Als Lisa um 4 Uhr auch wach war, habe ich ihr die Aufgabe gegeben, die Olympia-Abfahrt zu prüfen.
Sie ist heimlicher Lindsey‑Vonn‑Fan.
Für mich bleibt sie Lindsey Mittelpunkt.
Ich wünsche ihr alles Gute auf dem Genesungsweg, aber ein Hauch Schadenfreude gehört zum Sport.
Vor allem, wenn Österreicher oder Fräulein Mittelpunkt beteiligt sind.
---
🗺️ Greymouth – das Déjà-vu der Mittelmässigkeit
Ich bin heute etwas langsamer gefahren. Müdigkeit, Vernunft oder einfach die Strasse.
Greymouth ist vermutlich die unspektakulärste Stadt Neuseelands.
Der Zug hält dort ungefähr einmal am Tag, vermutlich aus Höflichkeit.
Und trotzdem: Ich habe mich an alles erinnert.
Jeden Laden, jede Ecke.
Ohne Navi.
Mein Gehirn vergisst Geburtstage, aber Greymouth speichert es wie ein UNESCO‑Kulturerbe.
Beunruhigend.
---
🌊 Westküste – Steine, Wellen, Flip‑Flops
Die Küste war eindrücklich.
Wir haben Fotos gemacht, wie es die Pflicht verlangt.
Dann haben wir Steine gesammelt.
Ich wollte zuerst nicht – wir haben zuhause genug.
Am Ende hatte ich die Taschen voll.
So läuft das.
Liina hat einen Flip‑Flop verloren.
Die Jagd danach hätte eine eigene Reality‑Show verdient.
Étienne war garde am Steine sammeln und hatte keine Zeit zum Filmen.
---
🗑️ Alternative Bildung: Müllpädagogik
Währenddessen betreiben die Kinder ihre eigene Form von Weiterbildung.
Sie wühlen im Müll und suchen nach den Verschlüssen von Aludosen.
Ja, richtig gehört.
Wie Obdachlose gehen sie bei jedem NZMCA‑Container schauen, ob es noch Deckel hat.
Scheinbar kann man die für einen guten Zweck sammeln.
Ich weiss noch nicht genau, was ich davon halten soll.
Glas‑halbvoll‑Version:
Wenn sie nach dem Trip in der Schule nichts gelernt haben,
dann wissen sie zumindest schon, wie man im Müll wühlt.
Auch eine Kompetenz.
Die Cantaps werden gesammelt für Kinder, die auf Dialyse angewiesen sind – ein kleiner Beitrag von uns, der für sie eine grosse Wirkung hat.Read more
Tag 59: Welcome to the jungle
February 8 in New Zealand ⋅ ☁️ 17 °C
Gestern nach Redaktionsschluss wollten Lisa und ich die Zeit bis Mitternacht überbrücken, um die Abfahrt zu schauen.
Die Idee: Hütten‑Geschichten auf SRF.
Die Realität: Wir sind eingeschlafen, bevor die Hüttenwärte überhaupt die Kaffeemaschine angeworfen hatten.
---
🏔️ Die Hüttenwärte: authentisch. Die Moderation: weniger.
Ich mag das Format. Wirklich. Diesmal das Format Spezial.
Die Hüttenwärte sind authentisch, direkt, manchmal unbeabsichtigt philosophisch.
Gestern beschwerte sich einer über Hobby‑Vegetarier und die Intoleranzen der Gäste.
Einfach gesagt, aber präzise.
Was mich zunehmend irritiert, sind die Moderatoren.
Früher war es Nik Hartmann. Schon bei ihm fragte ich mich gelegentlich, was er in den Bergen macht.
Wenn es mehr als einen Bergführer braucht, ist es für niemanden gut.
In der neuen Staffel ist nun ein Pausenclown unterwegs, der für andere Formate sicher funktioniert, aber nicht für dieses.
Man sieht ihm an, dass er keine Skitourenerfahrung hat — sowohl beim Aufstieg als auch bei der Abfahrt.
Es wirkt, als würde er die Berge zum ersten Mal in HD sehen.
---
🎤 Die Endgegnerin
Neu dabei ist eine ehemalige Glanz & Gloria‑Moderatorin.
Sie sieht gut aus, das kann man sagen.
Outdoor‑Erfahrung: unklar.
Skitouren‑Erfahrung: nicht vorhanden.
SRF scheint das inzwischen auch gemerkt zu haben und fliegt sie nun per Gondel, Helikopter oder neuerdings Flugzeug auf die Gletscher.
Was man damit bezwecken will, weiss ich nicht.
Vielleicht soll es modern wirken.
Vielleicht soll es niemand merken.
Vielleicht ein Grund weshalb niemand mehr Billag bezahlen wil.
---
🧀 Das Walliser Plättli, das nie kam
Zum Abschluss hat mir Lisa gestern noch etwas Speck ums Maul gestrichen.
Sie meinte plötzlich:
„Du, ein Walliser Plättli wäre jetzt super.“
Mir lief das Wasser im Mund zusammen.
Ich sagte: „Ja, gerne.“
Passiert ist nichts.
---
🏔️ Weiterfahrt über die optimistische Infrastruktur (Arthur Pass)
Am nächsten Morgen fuhren wir Richtung Westen. Die Strasse wirkte wie ein Kompromiss zwischen Naturgewalt und menschlichem Vertrauen.
Brücken, die hoffentlich noch ein Auto tragen. Hänge, die hoffentlich noch stehen.
Der wöchentliche Ghüdertransport muss hier mit einer gewissen Grundgelassenheit unterwegs sein.
Wir kamen durch. Die Bremsen waren dankbar.
---
🌿 Mount Te Kinga: Zoologische Zwischenformen
Am Lake Brunner gingen wir auf den Mount Te Kinga. Vier Stunden Urwald.
Wir verwandelten uns unterwegs in verschiedene zoologische Kategorien: Affen, Faultiere, Übergangsformen.
Lisa hingegen entwickelte einen inneren Lindsey‑Vonn‑Modus.
Sie suchte die Falllinie, obwohl es keine gab.
Wir anderen versuchten mitzuhalten, scheiterten aber an der Realität des Gefälles und an Lisas Tempo.
Ich bin gespannt auf die Abfahrt. Vermutlich schlafe ich ein und erfahre das Resultat morgen.Read more
Tag 58: Saturday is parkrun day
February 7 in New Zealand ⋅ ⛅ 14 °C
Immer noch dieselben 5 km, immer noch dasselbe Vorgehen – nur der Park wechselt. Und jedes Mal staune ich, wie gut das Volunteering in Neuseeland funktioniert. Menschen, die freiwillig früh aufstehen, freundlich sind und nichts dafür wollen. Ein Konzept, das bei uns in der Schweiz langsam in die Kategorie Mythen & Sagen fällt.
---
🏒 Erinnerungen an die Randsport-Ära
Ich denke oft an meinen ersten Inlinehockey-Club zurück. Eine Sportart so weit am Rand, dass man sie eigentlich schon hätte einpacken können. Dort halfen alle mit Begeisterung – bis man merkte, dass es immer dieselben waren, die den Karren zogen. Und irgendwann war dann eben Schluss.
Von 14 bis 25 habe ich in diversen Vereinen geholfen und mir damals geschworen: Ich trainiere nie meine eigenen Kinder. Nicht wegen den Kindern – wegen den Eltern. Der Ehrgeiz mancher Mütter und Väter war ein Lehrstück in pädagogischer Fehlinterpretation. Der Tiefpunkt: U9-Eltern, die pro Tor fünf Franken auszahlten. Ein Bonusprogramm für Minderjährige.
---
💼 Verein oder Businessmodell – die Schweizer Frage
Heute sind unsere Kinder in mehreren Vereinen, und die Trainer machen einen hervorragenden Job. Trotzdem spürt man in der Schweiz die Tendenz Richtung „Verein als Business“. Helferstunden an Festivals für 20 Franken die Stunde abarbeiten – ein Witz für alle Beteiligten.
Ich weiss noch nicht, ob ich bei diesem Thema eher SVP oder SP wählen soll. Die Grünen sind seit dem Rundflug jedenfalls aus dem Spiel.
---
🥇 Parkrun-Rekorde und kleine Wunder
Zurück zum Wesentlichen: Parkrun-Rekorde.
Liina lief heute eine 21:33 und war mir dicht auf den Fersen. Laut Parkrun-Mail wäre das in Neuseeland bereits nationales Kaderniveau für Mädchen 11–14. Und das, obwohl sie in keinem Leichtathletikverein ist.
Sie hat Talent, sie hat Freude – jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich ihr beibringe, dass Sprachen Türen öffnen. Dani Vauqin sagte mal: Eine Fremdsprache ist wie ein Beruf – drei Jahre investieren, und du hast etwas fürs Leben.
---
🏄♂️ Surfen & Waschmaschinen-Feeling
Nach dem Lauf ging’s an den Strand. Ein perfekter Samstagmorgen: ein paar Kiwis, ein paar Wellen, ein paar Gespräche. Ich habe Lisa später das Waschmaschinen-Feeling beschrieben. Sie meinte, sie müsse das unbedingt auch noch ausprobieren.
Wie ich Lisa kenne, nimmt sie dann die Liquid-Laundromat-Karte gleich mit aufs Surfbrett.
---
🐄 Etienne und die Rückreise-Frage
Etienne fragt immer öfter, wann wir zurückfahren. Die Anfangseuphorie hat etwas nachgelassen. Ausser er sieht Kühe oder einen John Deere – dann schreit er auf, als hätte ich gerade einen Radfahrer überfahren.
---
💣 Maxime – die menschliche Tischbombe
Maxime ist bald mit dem Schulstoff durch und emotional wie kognitiv unterfordert. Er trainiert nun intensiv daran, seine Geschwister noch effizienter zu provozieren.
Stellt euch eine Tischbombe vor. Jetzt stellt euch vor, jemand kürzt die Zündschnur. Das ist Maxime.
---
🔥 Sanna – 14 Jahre alt, 28 Jahre Energie
Sanna wird langsam ruhiger und vernünftiger – also für eine 14-Jährige. Ihre Strähl-Kompetenzen sind jedenfalls auf nationalem Niveau.
Aber wehe, am Morgen berührt das falsche Bein den heiligen Camperboden. Dann heisst es: run fast if you can.
Vielleicht ist das Liinas Geheimnis: einmal von Maxime gezündet, dann von Sanna verfolgt – das gibt schnelle Beine.
---
🧘♀️ Lisa – Fitness & Chill-Faktor
Lisa arbeitet am Fitnesslevel und sorgt für den Chill-Faktor. Bald ist sie wohl im nationalen Kader diverser Sportarten: Radeln, Running, Swimming – und neu auch Dumpen und Waschen.Read more
Tag 57: Waitangi Day
February 6 in New Zealand ⋅ ☀️ 24 °C
Heute haben wir unseren ersten Waitangi Day erlebt. Quasi der 1. August von Neuseeland – einfach ohne Cervelat, ohne Höhenfeuer und ohne Bundesräte, die ihre Rede von 40 Seiten Karteikarten ablesen, während sie mit einer Mimik auftreten, die «frisch gebotoxt» aussieht.
Hier übernimmt stattdessen die Stadträtin – die aber mehrfach betont, dass es keine politische Veranstaltung sei.
Der Tag soll das «Gemeinsame» stärken. Gemeint ist die britische Kolonie und das Urvolk der Māori.
Und offenbar auch die chinesische Community, die ebenfalls eine Bühne bekam.
Ein schönes Zeichen – auch wenn jede Kultur ihre eigene Show abspulte, wie drei parallele Netflix-Serien, die zufällig am selben Ort gedreht wurden.
---
💃 Kinder-Show: Stepdance oder doch Hobby-Dogging?
Die Veranstaltung startete mit einer Rede.
Wäre ich wie die meisten im Gras gelegen, hätte ich vermutlich sofort eingeschlafen.
Dann kamen die Kinder. Stepdance im Glanzkostüm.
Als Vater wäre ich sicher stolz gewesen.
Als Zuschauer sah es eher nach «Hobby» oder «Dog Horsing oder Hobby Dogging oder egal» aus – also dieser Moment, in dem man nicht sicher ist, ob das Kind tanzt oder gerade von einer Biene gestochen wurde.
Ich musste schmunzeln.
Nicht aus Schadenfreude, sondern weil ich genau weiss, dass ich selbst aussehen würde wie ein verletzter Flamingo.
---
👵 Chinesische Ü70-Formation – Nagano 98 lässt grüssen
Dann traten die chinesischen Ü70-Damen auf.
Ihr Tanz wirkte so einstudiert, als hätten sie ihn seit den Olympischen Winterspielen in Nagano 98 geprobt.
Nach gefühlten 45 Minuten und mindestens 12-mal «Geit das no lang?» von Etu und Mäxu wechselten sie für die zweite Nummer sogar noch die Kleider.
Zum Glück.
Sonst hätte ich den Unterschied in der Choreografie nicht bemerkt.
Die Musik war anders – der Rest war Copy-Paste.
Gefilmt wurde das Ganze vom einzigen Menschen im Umkreis von 500 Kilometern, der noch FFP2 trägt.
Sicherheit geht vor. Man weiss ja nie, was so ein Tanz an Aerosolen freisetzt.
---
🗣️ Mehr Reden, mehr Bla Bla – und dann endlich Haka
Nach weiteren Reden über Zusammenhalt, Einheit und «wir sitzen alle im selben Kanu» (tun wir nicht), war ich kurz davor, selber zu jammern.
Dann endlich: der Haka.
Die Schüler verschiedener Klassen traten auf – und plötzlich war die Energie im Raum.
Der Tanz ist wirklich eindrücklich und die Jungs gingen voll rein.
Die blauen Flecken morgen sind garantiert. (Siehe Video)
---
🧿 Basar: Firlefanz, Hanftropfen & Klangschalen gegen Kinderlärm
Nach dem kulturellen Teil ging es durch den Basar.
Praktisch der gleiche Firlefanz wie bei uns – einfach mit mehr Hanfprodukten.
Für Schlafprobleme gab es Hanftropfen.
Ich hätte fast ein Fläschli gekauft.
Nicht für mich – für die Kinder.
Aber ich wollte nicht riskieren, dass sie plötzlich zu entspannt werden und wir sie nie mehr vom Boden kriegen.
Dann gab es noch Arnika-Kügeli, Klangtherapie und Breathwork.
Hilft sicher – aber nicht bei unserer Rasselbande.
Heute Morgen haben zwei Rentner-Nachbarn sogar ihren Stellplatz gewechselt, weil es zu laut war.
Beim nächsten Mal sage ich einfach:
«Die Jungs üben für den Haka und die Girls fürs Hobby-Dogging.»
Dann nicken alle verständnisvoll und fühlen sich kulturell bereichert.Read more
Tag 56: M.& E. Jordan and Friends
February 5 in New Zealand ⋅ 🌙 17 °C
Der Tag begann um 6 Uhr.
Nicht aus freiem Willen, sondern weil eines unserer Kinder fand, ein Wecker um 6 sei eine gute Idee. (Vermutlich wollten sie noch einmal auf Airsafari.)
Ich liebe das fast so sehr wie ihre Spotify‑Playlists, die inzwischen drei kleine Mitbenutzer beherbergen.
Ein Family‑Abo wäre die Lösung, aber ganz ehrlich: Ich zahle doch nicht dafür, dass ich noch effizienter genervt werde.
---
📱 Social Media – der stille Abschied
Wenn es dann darum geht, meinen WhatsApp‑Kanal zu teilen, hört die Liebe endgültig auf.
Facebook und Instagram habe ich schon hinter mir gelassen. LinkedIn steht auf der Abschussliste.
Social Media ist super, solange es Messenger bleibt.
Sobald die Algorithmen anfangen, dir Schrott unterzujubeln, damit du länger scrollst und mehr kaufst, wird’s absurd.
Und irgendwann wird’s der KI egal sein.
Dann hat sie so viele Daten von uns, dass wir gar nicht mehr wegkommen.
Vielleicht hören dann wenigstens die LinkedIn‑Bäuchlistreichli‑Posts auf, in denen jeder sein Abendkurs‑Zertifikat feiert, als wäre es ein PhD.
---
🧒 Der mutige Camper‑Nachbarsjunge
Der Nachbarsjunge kam rüber zum Spielen.
Ich dachte zuerst: mutig.
Er heisst Xandel, etwa zwölf, und spricht Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch.
Bei Portugiesisch und Spanisch musste ich passen.
Ich hätte Lisa fast gebeten, ihm noch schnell Finnisch beizubringen – die Sprache, die 14 Fälle hat und sich weigert, auswendig gelernt zu werden.
Er reist seit er fünf ist auf den Weltmeeren herum. Homeschooling.
Er sagt, er liebe Schule.
Er liebe Sprachen.
Je mehr Sprachen er spreche, desto mehr Freunde habe er.
Ich habe kurz überlegt, ob ich meinen Kindern deutschsprachige Freunde verbieten soll.
Aber das hätte einen Tam‑Tam ausgelöst, der ungefähr so artgerecht wäre wie ein Leben zwischen fünf und zwölf Jahren auf einem Boot mit nur den Eltern.
---
🌍 Die Eltern – Weltbürger im Camper
Lisa und ich haben dann über eine Stunde mit seinen Eltern gesprochen.
Er ist Kiwi, sie ursprünglich aus GB.
Sie sind gerade im Camper, weil es seiner Mutter nicht gut ging. Jetzt geht’s ihr besser, und sie suchen ein Haus in Neuseeland.
Christchurch mögen sie genauso wie wir.
Sie meinten, sie hätten schon lange nicht mehr so viel Platz gehabt.
Der Camper sei riesig im Vergleich zum Boot.
Ich musste schmunzeln und mich fast entschuldigen, dass ich mich über unseren Platz beschwert habe.
Vielleicht müssen wir einfach ein paar Jahre auf einem Boot leben, bis die Kinder den Camper zu schätzen wissen.
Ich werde das beim nächsten Streit androhen.
---
💼 LinkedIn auf hoher See
Ich habe ihn dann gefragt, wie man das einkommensmässig macht.
Er macht maritime Expertisen und fliegt für Jobs rein und raus.
Ich habe mich gefragt, was wohl auf seinem LinkedIn‑Profil steht.
Und wie man in der Szene der Weltenbummler zu Meilensteinen gratuliert.
„Congrats on 10 years of not sinking“ vielleicht.
---
🍷 Der alkoholfreie Rosé und das Abendprogramm
Jetzt sitze ich mit Lisa im Camper, nach einer ganzen Flasche alkoholfreiem Rosé.
Ja, richtig gehört: Seit Reisebeginn trinken wir nur noch alkoholfreie Apéros.
Heute hat es sich trotzdem etwas komisch angefühlt, Rosé ohne Alkohol zu trinken.
Geschmack überraschend gut.
Schlaf vermutlich besser.
Morgen definitiv weckfreier.
Die Kids spielen draussen Basketball.
Xandel hat es ihnen beigebracht.
Das mit oben ohne und Brasilien – keine Ahnung, woher das kommt.
Von mir sicher nicht.
Also bleibt nur Lisa.Read more
Tag 55: Air Safari
February 4 in New Zealand ⋅ ☀️ 8 °C
Heute Morgen ging es bei drei Grad Aussentemperatur los – also genau dieser Temperatur, bei der man sich fragt, ob man eigentlich Ferien macht oder ob der neuseeländische Winter eingebrochen ist.
Wir wollten noch schnell den Fotografie‑Hotspot am Lake Tekapo ablichten. Ein idyllischer Moment, bis die ersten Gäste aus den asiatischen Mietwagen ausstiegen. Ein Naturphänomen: Kaum öffnet sich die Schiebetür, setzt bei uns der Fluchtinstinkt ein. Wir sind dann in Richtung Air Safari davongezogen – elegant, aber bestimmt.
---
🇨🇭 Schweizer Präzision am Check‑in
Dort angekommen waren wir natürlich die überpünktlichen Schweizer. Nicht einfach pünktlich, sondern so pünktlich, dass das Flugzeug noch nicht auf dem Runway stand.
Kurz darauf tauchten vier weitere Schweizer auf. Man erkennt sie sofort:
Nicht am Dialekt – den kann man noch ignorieren – sondern an der Uniform. Patagonia oben, Ortovox unten. Und dann dieser Pärchenlook. Nicht einfach „wir tragen beide eine Jacke“, sondern „wir haben uns bewusst dafür entschieden, identisch auszusehen“.
Wenn das die letzte Gemeinsamkeit einer Beziehung ist, dann hilft auch der Hund nicht mehr. Das ist der modische Vorbote des Untergangs.
---
🛩️ Air Safari: Der 50‑Minuten‑Gletscher‑Crashkurs
Dann ging es auf die Safari. Weitsicht wie selten, keine Wolken, die Berge leicht eingezuckert wie ein Dessert, das man eigentlich nicht bestellt hat, aber trotzdem isst.
Die Bilder erspare ich euch – die Kamera hat das besser gemacht als ich.
Der Flug dauerte 50 Minuten. Der Pilot begann enthusiastisch, verschoss aber bereits nach fünf Minuten sein gesamtes Wissen über Gletscher. Danach wiederholte er im Fünf‑Minuten‑Takt dieselben drei Fakten:
Warum der See hellblau ist, wie der höchste Berg heisst, und wie die Moräne geformt wurde.
Ich habe zuerst alles mitgeschrieben, weil ich nicht sicher war, ob am Ende ein Test kommt. Als ich es dann auswendig konnte, versuchte ich, die Infos den Kindern einzubläuen. Nach drei Versuchen habe ich aufgegeben und nur noch Strichli gemacht.
---
📊 Business Case über den Wolken
Am Schluss fragte ich den Piloten, wie viel Treibstoff der Flieger pro Stunde braucht. Nicht ganz 60 Liter.
Und da beginnt bei mir der Spass: Fixkosten, variable Kosten, EBITDA – das volle Programm.
Für einen kurzen Moment sah ich eine Marktlücke: Alpenflüge ab Bern‑Belp für asiatische Touristen.
Aber dann erinnerte ich mich an zwei Dinge:
1. Die Investitionskosten.
2. Das Schweizer Wetter, das zuverlässig unzuverlässig ist.
An der Kaufkraft liegt es sicher nicht. Die Tickets fürs Jungfraujoch kosten ein Vermögen, und man braucht gefühlt drei Tage, bis man oben ist. Mit einem Flug könnte man das Berner Oberland in einer Stunde abhaken und gleich weiter nach Zermatt und Italien durchreichen.
---
🌤️ Weiter Richtung Christchurch
Nach der Business‑Analyse ging es weiter Richtung Christchurch. Wärmeres Wetter, ein Hauch von Strandgefühl – also zumindest so viel Strandgefühl, wie man nach einem halben Tag Analysearbeit noch zulässt.
---
🚴♀️ Lisa vs. Gegenwind: Das Duell
Unterwegs haben wir Lisa zum Radeln rausgelassen und wollten zum Taylor Mistake Beach. Die Fahrt dorthin war… sagen wir: abwechslungsreich.
Wenn meine Kopilotin hinten nicht nach rechts schaut und vorne nicht navigiert, dann steigt der Schwierigkeitsgrad des Fahrens um drei Klassen. Enge Strassen, Brücken, Schlaglöcher – und das Schlimmste: wenn man sich auf Google Maps verlässt und die Tankstelle gerade umgebaut wird.
Kurz vor dem Ziel mussten wir wegen eines Erdrutsches noch eine Umfahrung nehmen. Diese beiden Ereignisse – plus der steile Hügel – hätten mich fast noch zum Beat‑Hefti‑Anschieber gemacht.
Lisa war jedenfalls beeindruckt, dass sie nach 80 Kilometern Gegenwind nur ein paar Hundertstel verloren hat.
Ich war beeindruckt, dass wir überhaupt angekommen sind.Read more
Tag 54: Hoping for snow
February 3 in New Zealand ⋅ ☁️ 8 °C
Ich weiss, ich habe schon genug über das Wetter geschrieben. Aber dieses Land provoziert es regelrecht. Gestern noch T‑Shirt, Sonnencreme, Lebensfreude. Heute: 7 Grad, Regen. Ich bin gespannt, wie viel Schnee in den Bergen liegt. Vielleicht wird morgen ein epischer Tag. Wir machen nämlich etwas, das wir noch nie gemacht haben: einen Alpenrundflug ab Lake Tekapo in einem Kleinflieger. 50 Minuten. In der Schweiz wäre das völlig unnötig, weil man dort die Alpen ja quasi mit dem ÖV, der Gondel, der Kuh oder dem Hüttenwart persönlich geliefert bekommt.
Hier gibt es zwar auch Hütten, aber die sind unbewirtschaftet. Und wir haben keine Schlafsäcke dabei. Oder Ausrüstung. Oder Motivation, 40 Kilo Material zu schleppen. Das wäre aber sicher noch ein Punkt für später.
Heli‑ und Glacier‑Hikes gäbe es auch. Aber ganz ehrlich: Wenn nach sechs Minuten die Frage kommt „Wie lang geits no“, dann ist der Preis pro Minute einfach zu hoch. Darüber habe ich ja schon genug berichtet.
Was allerdings wirklich traumhaft wäre: Skitouren, bei denen man mit dem Helikopter abgesetzt wird und dann tagelang von Hütte zu Hütte unterwegs ist. Dort gibt es dann wirklich nichts. Keine Menschen, kein Empfang, keine Ablenkung. Nur Berge, Schnee und die Erkenntnis, dass man ohne Schoggi und Trockenfrüchte eigentlich nicht lebensfähig ist.
Das war schon in den Lofoten so. Einmal machten wir eine Skitour, bei der wir mit dem Boot in einen Fjord gefahren wurden, der so abgelegen war, dass selbst Google Maps aufgegeben hätte. Kein Handyempfang. Zu Fuss wären es drei Tage über Berge gewesen. Dort merkt man, wie wichtig Abmachungen und zuverlässige Menschen sind. Und dass man besser nicht mit Leuten unterwegs ist, die beim Aufstieg plötzlich „Ich glaub, ich dreh um“ sagen.
---
☔ Soziale Kontakte: schwierig bei Regen
An solchen regnerischen Tagen hat man hier wenig Kontakt zur Aussenwelt. An der Kasse gibt es die höfliche Frage:
„How are you today“
Man muss mit „good“ oder „very good“ antworten. Alles andere überfordert das System. Wenn du „not bad“ sagst, geraten sie in Panik und holen vermutlich bald einen Manager.
Auch beim Wandern sagt man nicht „Grüezi“, sondern:
„Heyya man, how are ya“
oder
„ Heya man ..What’s going on“ ya...
– obwohl die Antwort meistens „Regen“ wäre.
Heute habe ich mit niemandem gesprochen ausser ein paar Fremden in der Sauna. In einer Sauna sprechen – das würde man in Finnland nie. Meine erste Saunaerfahrung war mit 13 bei einem Quartierkollegen. In der Nacht bekam ich solche Bauchschmerzen, dass ich nach Hause musste und am nächsten Tag den Blinddarm operiert bekam. Akute Blinddarmentzündung. Operiert hat quasi der Nachbar. Er war zwar Arzt, aber wenn man die Narbe heute sieht, könnte man meinen, ich hätte einen Bombenangriff überlebt. Seitdem gehe ich nur noch zum Tierarzt. Dort gibt es immer zwei Assistenten, die einem den Nacken kraulen und am Schluss bekommt man ein Gudeli.
---
🔥 Sauna – der Ort, an dem die Welt verrückt wird
Ich liebe die Sauna. Ruhe, Kreislauf, Gesundheit. Und ja, Eisbaden gehört dazu.
In der neuseeländischen Sauna sind die Gespräche aber… speziell. Heute wurde unser Schweizerdeutsch von zwei Franzosen aus Holländisch bewertet. Dann wurde das „Eiswasser“ besprochen, das 18 Grad warm war. 18 Grad. Das ist kein Eiswasser. Das ist die Aare im Juni -einfach viel zu warm.
Die nächsten Destinationen wie Dunedin wurden diskutiert. Ich dachte nur „five seasons per day- Viel Spass dort“ und bin duschen gegangen.
Es war ein richtig langweiliger Tag.
---
🏊♀️ Das Highlight des Tages
Eine Frau, die im Thermalbad im Wetsuit ihre Runden geschwommen ist.
So weit sind wir schon.
---
🌍 Klimaschutz
Und für alle Klimaaktivisten:
Ich werde die nächsten zehn Tage Plastiksäckli auswaschen, meinen Patagonia‑Pullover tragen und nur noch einmal im Monat mit der Spardüse duschen.
Bitte gern geschehen.
Ach ja – Lisa hat noch mit einer Familie aus der Schweiz gesprochen. Ich stand daneben und habe zugehört. Im EMBA haben wir ja gelernt: Reden ist Silber, Zuhören ist Gold. Ich halte mich daran. Streng. Fast schon professionell.
Ihre beiden Kinder waren so alt wie unsere zwei Kleinen vor sieben Jahren. Ich war ehrlich froh, dass mich das nicht mehr betrifft. Die Familie war erstaunt, wie wir zu sechst im Camper überleben. Langsam begreife ich unseren Effort auch. Es ist weniger Ferien und mehr ein Langzeitprojekt in angewandter Krisenresilienz.
Lisa und ich werden im Anschluss ein Buch schreiben:
„How to Survive in a Campervan 90 Days with 4 Kids“
Ich bin sicher, Mr. Beast würde eine Milliarde darauf setzen. Mindestens.
Ich dachte nur: Ihr werdet schon sehen, wie es wird, wenn die Kinder mehr Bedürfnisse haben, und lächelte freundlich. Dieses Lächeln, das sagt: „Ich wünsche euch viel Glück. Wirklich.“
Lisa hat dann übernommen und mit einer Branchenkollegin über das Daily Business gesprochen. Da sieht man das Funkeln in ihren Augen, wenn sie über Radfahren oder Arbeiten sprechen kann — ein Funkeln, das zeigt, dass sie in beiden Disziplinen deutlich mehr Energie hat als unser Camper je liefern wird.Read more
Tag 53: Cold Water, Clear Thoughts
February 2 in New Zealand ⋅ ☁️ 17 °C
Der Tag stand unter dem Motto: „Es könnte regnen, also fahren wir mal sicherheitshalber 200 Kilometer.“
Wir verliessen Wanaka in der festen Überzeugung, dass der Himmel gleich aufreisst – im negativen Sinn.
Tat er aber nicht.
Ich ging noch tanken und dann in den New World einkaufen. Lisa und ich hatten dort etwas, das man im Familienalltag nur noch aus alten Dokumentarfilmen kennt: Quality Time.
Was im Camper währenddessen passierte, war uns egal.
Vermutlich ein Mix aus Gemotze, Ungerechtigkeitsdebatten und einer Wunschliste, die länger war als die Quittung vom New World.
🥕 New World – das Disneyland der Lebensmittel
Der New World ist ein Erlebnis.
Jedes Rüebli wird dort behandelt wie ein VIP‑Gast an den Filmfestspielen von Cannes.
Jeder Apfel glänzt, als hätte er eine eigene Social‑Media‑Managerin.
Das Brot sieht aus wie beim Beck – nur dass es hier fünfmal so viel Personal hat, das im T‑Shirt herumläuft und so tut, als wäre es völlig normal, dass die Kühlschränke auf arktische -200 Grad eingestellt sind.
Ich bin Eisbaden gewohnt, aber dort im T‑Shirt zu arbeiten?
Nach zwei Stunden wäre ich ein eingefrorenes Rüebli, bereit für die Tiefkühlabteilung.
An der Kasse wird einem dann alles eingepackt.
Das letzte Mal habe ich das in Mexiko erlebt – und in Teneriffa.
Schon damals dachte ich:
„Das ist so ineffizient, das muss für dekadente Kunden sein.“
Und jetzt stehe ich da, dekadent wie ein König, und darf nicht einmal helfen.
Lisa und ich standen daneben wie zwei Praktikanten im falschen Film und warteten darauf, dass uns jemand eine Aufgabe gibt.
Am Schluss durfte ich immerhin die Karte hinhalten.
Ein kleiner Moment der Selbstwirksamkeit.
🌧️ Zwischen Wolken und Zukunftsfragen
Heute war ein Tag zum Nachdenken.
Nicht, weil ich wollte – sondern weil die Strasse lang war und die Kinder laut.
Neuseeland als neues Zuhause?
Für die Kinder eher nein.
Für mich… der Traum ist nicht weg, aber er hat jetzt ein paar Dellen.
Christchurch für ein oder zwei Jahre?
Das könnten wir uns vorstellen.
Work‑Life‑Balance, Sportförderung, Outdoor ohne Ende – alles da.
Aber unser Ehrgeiz und der Kiwi‑Chillfaktor passen ungefähr so gut zusammen wie Flipflops und Schneeschaufeln.
Dazu kommen die Lebenshaltungskosten, die selbst Schweizer Preise erröten lassen.
Und unternehmerisch gäbe es hier zwar Chancen – aber die brauchen Zeit.
Mehr als zwei Jahre.
Eher fünf.
Und Geduld ist nicht gerade meine Kernkompetenz.
🇨🇭 Und die Schweiz?
Zurück in ein Angestelltenverhältnis?
Ich weiss, dass ich dort früher oder später unglücklich wäre.
Zurück in dieselben Projektdienstleistungen?
Monetär attraktiv, aber seelisch… meh.
Hobbys?
Bäume zeichnen?
Gitarre spielen?
Spitzensport?
Mein Körper lacht schon beim Gedanken daran.
Und jeden Tag Skifahren klingt nur so lange gut, bis man es wirklich macht.
Ich weiss ziemlich genau, was ich nicht will.
Das Problem ist: Das weiss ich schon lange.
Ich habe einfach weitergemacht, weil ich nicht wusste, was ich stattdessen tun soll.
💭 Und jetzt?
53 Tage Neuseeland.
53 Tage Natur, Chaos, Familie, Sandflies, Camperleben.
Und ich bin nicht wirklich weiter.
Vielleicht habe ich gehofft, dass irgendwo zwischen Cape Reinga und Invercargill eine Tür aufgeht.
Eine Idee.
Ein Ziel.
Ein Funke.
Stattdessen habe ich gemerkt, dass ich die Kinder zu sehr verwöhne.
Dass ich ihnen Dinge ermögliche, die für mich als Kind unvorstellbar gewesen wären.
Meine Mutter hat im Restaurant oft nichts gegessen, weil es zu teuer war – nicht weil sie keinen Hunger hatte.
Vielleicht will man unbewusst etwas gutmachen, das man selbst erlebt hat.
Vielleicht macht man es damit aber nicht unbedingt besser.
Und vielleicht werde ich nach diesem Trip mehr Fragezeichen haben als Antworten.
Aber vielleicht ist genau das der Anfang von etwas Neuem.
Etwas, das noch keinen Namen hat.
Etwas, das erst entstehen kann, wenn man sich eingesteht, dass man gerade nicht weiss, wohin.
Manchmal beginnt Klarheit genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet.
Eisbaden hat gutgetan. Für einen kurzen Moment war alles klar.Read more

TravelerOh wow, ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht. Zusammen zu reisen ist eine sehr tiefgreifende Erfahrung, man kann sich nicht so leicht ablenken wie im All-Tag. Es öffnet aber auch den Horizont und wer weiss, was daraus entsteht 😉
Tag 52: Tiktok wir kommen
February 1 in New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C
Der Tag stand unter der Sonne. Oder vielleicht unter etwas zu viel Sonne. Die Sorte Sonne, bei der man merkt, dass die eigene Sonnencreme nur noch aus Höflichkeit auf der Haut bleibt.
Wir waren am Strand.
Die Girls schwammen, wir Jungs standen daneben und spielten Aufsicht. Realistisch betrachtet hätten wir niemanden retten können – aber wir wären immerhin als Zeitzeugen aufgetaucht. Auch eine Rolle.
---
📸 Der Baum im Wasser und die internationale Diplomatie
Am Strand herrschte das übliche Gedränge um den berühmten Baum im Wasser. Ein Baum, der aussieht wie ein Baum, einfach… im Wasser. Offenbar reicht das, um Menschen aus aller Welt in eine Art fotografischen Ausnahmezustand zu versetzen.
---
🕺 TikToker – eine eigene Spezies
Zwischen den Menschen schwebten Drohnen, gesteuert von Leuten, die gleichzeitig tanzten, filmten und vermutlich noch ihre Schritte zählten. TikToker. Hartnäckiger als Sandfliegen, nur dass man sie nicht einfach wegwedeln kann.
Manchmal denke ich: Wir könnten uns auch einmal öffentlich zum Affen machen. Der Unterschied wäre bloss, dass wir es nicht auf TikTok laden würden, sondern auf Crazy Penguin. Dort verirrt sich niemand hin.
Zum Video:
Wir haben wirklich unser Bestes gegeben und die Choreografie stundenlang einstudiert. Am Kostüm arbeiten wir noch – da besteht eindeutig Optimierungspotenzial.
.
---
🥾 Das Programm der Jungs
Der Tag war zweigeteilt. Die Jungs kamen mit mir wandern und Eis essen. Ein Programm, das wir besser nicht zu laut erwähnen – sonst gibt es schlechte Stimmung im Camper und fragen zum Choreographen.
---
🚴♀️ Das Programm der Girls (angeblich)
Die Girls hatten ihr eigenes Programm. Was genau, weiss niemand so richtig. Anhand der Fotos war mindestens eine von ihnen auf dem Velo. Die anderen beiden hatten angeblich Schule. Ich lasse das so stehen. „Schule“ ist inzwischen ein dehnbarer Begriff.
---
😶🌫️ Liinas täglicher Systemneustart
Als wir zurückkamen, waren immerhin alle wieder da.
Liina begrüsste uns mit ihrem täglichen Ritual: ein kurzer emotionaler Reset. Nicht aus Traurigkeit – eher wie ein System, das einmal pro Tag neu gestartet werden muss, damit es stabil läuft.
---
🧭 Die Diskussion über das Weiterreisen
Später dann die Diskussion mit Lisa: Wie geht’s weiter.
Ich sage ihr jeweils einfach, was mein digitaler Berater – Herr AI – aus meinen Inputs macht. Er formuliert das so vernünftig, dass Lisa am Ende nickt. Ich stehe daneben und tue so, als hätte ich das alles selbst durchdacht.
---
🌧️ Der Regen kommt – und ich werde zum Meteorologen wider Willen
Also fahren wir morgen Richtung Norden.
Der Regen kommt, und ich sitze schon wieder über der Isobarenkarte und subtrahiere Drücke, als wäre ich Meteorologe.
Wenn die Linien enger werden als meine Badehose , weiss ich: Wir werden eine Weile im Camper verbringen.Read more
Tag 51: Maxime and the Fish
January 31 in New Zealand ⋅ ☀️ 19 °C
Heute war einer dieser Tage, an denen man schon beim Aufstehen merkt:"Hüt geits um d Wurst"
---
Parkrun – die Familien-Edition 🏃♀️
Wir am Start, die Jungs und Sanna im Tiefschlaf.
Bei Sanna brachte das Ausschlafen ungefähr so viel wie ein Regenschirm im Föhnsturm.
Badekleid falsch, Haare im Widerstandsmodus, Laune irgendwo zwischen „Unwetterwarnung“ und „ich mag euch alle nicht“.
Liina lief wie immer, als hätte sie eine stille Abmachung mit der Zeitmessung: 23 Minuten, Overall Frauen zweite, und das auf einem Lauf, der flacher ist als ein A4-Blatt.( Sie mag Bergläufe)
Lisa kam kurz danach rein, super Zeit, aber selbstverständlich kommentierte sie sich selbst wie eine Sportmoderatorin, die ihren eigenen Verein nicht mag.
---
Der vermisste Strähl – eine Unterwasserexpedition 🌊
Nach dem Lauf ging’s zum See, um herauszufinden, ob der Strähl am Boden liegt oder ob gestern ein Fisch Sanna schief angeschaut hat und damit die heutige Oper ausgelöst hat.
Lisa schwamm voraus, Sanna hinterher, ich später.
Nach 50 Metern wusste ich: Ich eigne mich hervorragend als Beispiel dafür, wie man nicht schwimmt.
Hinter uns filmten TikToker mit Drohne, Choreo und maximalem Aufwand.
Einer trug eine Maske, vermutlich damit das Handy ihn nicht erkennt.
Gleiche Kategorie wie Leute, die die Laptopkamera abkleben, aber gleichzeitig auf Instagram live gehen.
---
Fischen – oder: Pädagogik am Limit 🎣
Dann Maxime zuliebe zum Fischteich.
Ich schaute Instruktionsvideos – nicht weil ich’s nicht kann, sondern weil unsere früheren Methoden heute vermutlich als „historisch interessant, aber bitte nie wieder“ gelten würden.
Kaum schaute ich noch, begann der Wettkampf:
Vier Kinder, zwei Ruten, ein Teich.
Die Aufmerksamkeit der Umstehenden war sofort bei uns.
Vermutlich dachten sie, wir drehen eine Reality-Show.
Maxime fing seinen Fisch, grosser Jubel.
Sanna fing… na ja, sie war der grösste Fang des Tages.
Ich brach die Übung ab, bevor jemand noch eine Forelle taufen wollte.
---
Hook Restaurant – die Kiwi-Definition von Öffnungszeiten 🍽️
Um 19:00 mussten wir gehen.
Nicht weil wir wollten – sondern weil das Restaurant Feierabend machte.
Sommer, Seelage, Hochsaison… und sie schliessen, als würden sie morgen früh die Schafe impfen müssen.
Auf dem Rückweg sahen wir das Festival.
Öffnungszeiten: 11:00 bis 18:30.
Also quasi „wir machen Musik, aber bitte nicht zu spät, wir haben morgen Termine“.
Stellt euch das am Gurtenfestival vor:
18:30 – Band hört auf, Publikum klappt Campingstuhl zusammen, alle gehen heim.
Keine Zugabe, nur geordneter Rückzug.Read more
Tag 50: Tri, Two GO GO...
January 30 in New Zealand ⋅ 🌙 15 °C
Die trockene, warme Luft hat uns endgültig verführt – Wanaka bekommt von uns zwei zusätzliche Tage. Wir bleiben also.
Etienne ist ebenfalls zufrieden. Er weiss zwar nicht genau warum, aber er ist grundsätzlich immer für Verlängerungen, solange niemand „Nomen, Verb, Adjektiv “ sagt.
---
Fanggarantie & Hasenjagd 🎣
Maxime hat noch eine Fanggarantie beim Fischzüchter offen. Vielleicht lösen wir sie morgen ein.
Apropos Versprechen: Zu Weihnachten habe ich den Kindern Häsli zugesichert, falls sie einen Monat lang nicht zusammenstürmen.
Ein Monat.
Mit vier Kindern.
Ich weiss nicht, was mich damals geritten hat – vermutlich ein akuter Sauerstoffmangel.Denn wenn sie etwas wollen dann gibt es keine Grenzen.
Jetzt muss ich wohl auf Hasenjagd. Zum Glück steht im Vertrag nicht, ob die Häsli tot oder lebendig sein müssen. Entlang der Strasse findet man hier Exemplare in allen Verwesungsstufen. Vielleicht kann ich das als „naturnahe Bildung“ verkaufen.
---
Schneckentempo & Familienlogistik 🐌
Heute Morgen hat uns Lisa aus dem Bett gescheucht, als hätten wir bis Mittag geschlafen.
Danach ging es im Schneckentempo Richtung Esplanade.
Langsam laufen ist für mich eine persönliche Folter. Entweder man läuft – oder man sitzt. Aber dieses Mondschritt-Pinguin-im-Kreis-Gewatschel macht mich wahnsinnig.
Ich versuche dann jeweils, die Herde von hinten anzuschieben oder vorne wegzuziehen.
Heute: keine Chance.
---
Vom Sportladen zum Immobilienbüro 🏡
Wir haben es dann doch bis nach vorne geschafft und im Sportgeschäft nach einem Artikel gesucht, der offenbar seltener ist als ein Tag ohne Wind in Wanaka.
Über Umwege landeten wir schliesslich bei Freddy, der Homepages programmiert, Wetsuits verkauft und vermutlich auch noch Cappuccino macht, wenn man nett fragt.
Wir wollten aber keine Wetsuits, sondern Trisuits.
Immerhin: Die Neuseeländer sind unglaublich hilfsbereit.
Und man erkennt den Unterschied zwischen einem echten Kiwi und einem eingebürgerten Europäer sofort.
Nicht am Akzent – am Verhalten.
Suzanne, die Immobilienverkäuferin aus Schottland, war freundlich und hilfsbereit, aber man merkte: Sie arbeitet.
Der Kiwi hingegen ist entspannt, bis er merkt, dass er 15 Minuten zu spät zum nächsten Termin ist.
Dann entschuldigt er sich kurz – und bleibt entspannt und erzählt noch 15min weiter.
Ich glaube, die Uhrzeit ist hier eher ein Vorschlag als eine Information.
---
Open Water Chaos & Delfin-Speed 🏊
Die Termine hier sind sowieso eher Richtwerte.
Beim Parkrun war es schon so, und heute beim Open-Water-Swim von Sanna und Lisa wieder.
Start: 18:00.
Realität: 18:15 – und noch niemand im Wasser.
Die Zeitmessung? Auch so ungefähr.
Alle schwimmen wie Delfine, aber die Zeit gibt man beim Zeitnehmer quasi selbst an.
„Wie schnell warst du?“ – „Äh… 12 Minuten?“ – „Ja passt, schreib ich so auf.“
Für die ehrgeizige Familie Allemann natürlich ein innerer Kampf.
Liina, die Jungs und ich schauten von aussen zu und gaben ungefragt Tipps.
Sanna machte ein paar Extra-Meter, weil es keine Linien am Boden gab.
Lisa degustierte den See.
Beide haben es super gemacht – trotz Chaos, Strömung und familiärer Live-Kommentare.
---
Morgen: Parkrun – oder etwas, das so ähnlich aussieht 🏃
Morgen geht’s zum Parkrun.
Die Startliste ist noch nicht gesetzt – aber das scheint hier niemanden zu stressen.
Uns wahrscheinlich auch nicht mehr lange.
Ich gehe heute Nacht noch mit den Jungs Linien auf den Boden zeichnen, damit morgen alle gerade laufen.
Beim Start geben wir dann ungefragt Tipps zum Ein- und Ausatmen, damit niemand Luft schluckt.
Die Kiwis werden uns lieben.Read more
Tag 49: Back to Wanaka
January 29 in New Zealand ⋅ ☀️ 20 °C
Wir fahren wieder nach Wanaka. Nicht, weil wir uns verfahren hätten – wir sind ja nicht die Familie, die mit Google Maps kämpft.
Nein, wir haben uns bewusst gegen die Küste entschieden. Diese feuchte, kalte Luft, die einem ins Gesicht schlägt reicht uns.
Und die Sandflys… Die haben uns inzwischen so oft degustiert, dass ich mich frage, ob wir bald als „Limited Edition Protein Snack“ im Regal stehen.
Die Stiche aus Invercargill jucken immer noch, die Wunden an den Füssen sind so tief, dass man darin problemlos ein kleines Airbnb eröffnen könnte.
Kein Influencer spricht darüber, weil man Sandfly‑Narben nicht als Rabattcodes verkaufen kann.
---
🚐 Drei Stunden Fahrt – und Etienne kurz vor dem Fluxkompensator
Die Fahrt nach Wanaka dauerte drei Stunden. Das Gemotze auf den billigsten Plätzen war erstaunlich erträglich, vielleicht weil sie innerlich schon aufgegeben hatten.
Etienne fragt ständig: «Gehen wir jetzt wieder zurück?»
Wohin?
Zurück in die Schweiz?
Zurück auf den Campingplatz?
Zurück ins Jahr 1985?
Der Junge hat den Film nie gesehen, aber ich bin überzeugt, er könnte eine Zeitmaschine bauen.
Material:
- 1 Legoschiff
- 1 Gummiband
- 1 Müesliriegel, der seit drei Wochen in der Hosentasche fermentiert
- 1 Etienne‑Gehirn im Overdrive
---
🎧 Podcasts am Pistenrand – oder: Wie man freiwillig ins Koma fällt
Lisa und ich hörten zuerst einen First‑Class‑Podcast, dann den FIS‑Podcast mit Meillard, Odermatt und Sofia Goggia.
Der Podcast war so langweilig, dass ich kurz dachte, unser Handy sei abgestürzt.
Englisch ist halt nicht ihre Muttersprache, und wenn man dann nur noch Standardsätze wie «Oh yes, I overskied that part» oder «So on bla bla» rauslässt, wird’s schwierig.
Mein Englisch ist inzwischen so gut wie mein Französisch – also solide, aber mit eingebautem Chaos.
Besonders, wenn der Ford‑ oder Velohändler plötzlich im lokalen Slang loslegt:
«Ha h hui schau dh hua.»
Ich: «Sorry?»
Er: «Ha h hui schau dh hua.»
Lisa: Schulterzucken.
Ich: «Yes.»
Oder «No thanks.»
Irgendwann erklären sie es dann auf normalem Englisch – und plötzlich macht es klick.
Danke, Woody und Jeffery, für diese spirituelle Erfahrung.
---
🌄 Wanaka bei Sonne – und die Kunst, vier Megaphone zu domestizieren
Yes, Wānaka.
Bei schönem Wetter wirklich traumhaft. Und wir haben langsam ein Rezept, wie man vier Megaphone in Menschenform halbwegs kontrolliert:
- Weichkochen im Public Pool – funktioniert besser als jede Erziehungstheorie.
- Love‑Language‑gerechte Begrenzungen – klingt pädagogisch, ist aber eigentlich Bestechung.
- Essen kochen, das sie mögen – Nudeln. Immer Nudeln.
- Campingplatz mit Jumping Pillow und TV‑Room – sonst droht Revolution.
- Real Fruit Ice Cream in Gehdistanz – sonst droht Bürgerkrieg.
- WLAN – sonst droht Apokalypse.
Die grössten WLAN‑Probleme:
1. Passwort länger als 123
2. Signal schwächer als ein Schweizer Politiker vor einer Abstimmung
3. Router steht irgendwo hinter drei Containern und einem Schaf
Wir arbeiten noch am perfekten Mischverhältnis.
Denn falsch gemischt ist die Kombi genauso explosiv wie gar nichts davon.
Und das willst du nicht erleben. Nicht mal als Satire.Read more
Tag 48: Moeraki Boulders
January 28 in New Zealand ⋅ ☁️ 17 °C
Der Tag begann heute ungewohnt gemütlich. Nicht weil wir ausgeschlafen hätten, sondern weil die FIS‑Weltcuprennen dank Zeitverschiebung so liegen, dass wir uns wie dekadente Ski‑Adlige fühlen: ausschlafen, Kaffee, Gipfeli, und dann beim Frühstück zuschauen, wie sich andere den Hang runterstürzen.
Für die Kinder ist das die einzige TV‑Zeit neben Mr. Beast – also quasi Bildungsfernsehen.
---
🍫 Mr. Beast – der pädagogische Untergang, aber mit Schokolade
Man muss kein Mitleid haben: Unsere Kinder haben jede einzelne Folge von Mr. Beast gesehen. Jede. Auch die, die noch gar nicht gedreht wurden.
Sie sind so süchtig, dass sie seine Schokolade kaufen, obwohl sie schmeckt wie ein Kakaopulver‑Unfall aus der Migros‑Restpostenkiste.
Aber hey: Wenn der grösste YouTuber der Welt sagt, man soll sie essen, dann isst man sie. Gehirnwäsche, aber mit Marketingbudget.
---
💅 Lucas Pinheiro Braathen Beauty‑Salon und die Frage, wer hier eigentlich Rennen fährt
Nach Loïc Meillards Erfolg bin ich überzeugt: Würde Braathen weniger Zeit im Beauty‑Salon verbringen und sich nicht täglich die Fingernägel polieren lassen, wäre er ein echter Gegner für Odermatt.
Aber nein – der Mann glänzt an den Händen mehr als seine Ski auf der Piste.
Wenn ich ihn mal treffe, während ich meine Nägel rosa lackieren lasse, gibt’s ein Selfie. Versprochen.
---
🏥 Lisas Spital‑Ausflug: Instabil? Perfekt!
Nach dem Skifahren ging’s ins Spital. Keine Sorge: Körperlich geht’s uns gut, mental… na ja, wir haben vier Kinder.
Lisa vermisst das Arbeiten – aber nicht so sehr, dass sie vor dem Spital Schilder hochhält: „Suche instabile Patienten – bitte melden“.
Für sie gilt: Je instabiler, desto spannender. Das erklärt auch, warum sie drei Monate mit uns im Camper aushält.
Dank Nicole durfte sie die Intensivstation in Dunedin anschauen. Dort gibt’s die „Flying Nurses“ – die fliegen wirklich. Nicht metaphorisch.
Lisa war begeistert. Wir mussten weiterfahren, bevor sie spontan mit Nicole auf einen Transportflug ging.
Stellt euch mich allein mit vier Kindern im Camper vor. Das gäbe so viel Schreibstoff, dass jede KI sofort Burnout hätte.
---
📸 Moeraki Boulders – wo Asiatische Influencer brüten wie Pinguine
Zum Tagesabschluss ging’s zu den Moeraki Boulders. Man erkennt Hotspots immer an den asiatischen Paparazzi‑Kolonien.
Die Szenerie liegt maximal 500 m vom Auto entfernt – perfekt, denn Outdoor‑Kleidung wird erst ab 501 m Gehdistanz aktiviert.
Er fotografiert sie.
Sie trägt ein Outfit, als würde sie gleich auf einer Hochzeit auftreten.
Die Haut so weiss gepudert, dass selbst das neuseeländische Wetter kapituliert.
Er schwarz gekleidet wie für eine Beerdigung – aber nein, er beerdigt nur seine Würde, während er sie in jedem Winkel inszeniert.
Sie kann nicht einfach sitzen und lächeln.
Nein.
Sie räkelt sich, als würde Heidi Klum persönlich hinter einem Boulder stehen und „More energy, Baby!“ schreien.
Ich pfiff die Kinder zusammen und wir flohen zum NZMCA‑Campingplatz unseres Vertrauens.Read more
Tag 47: Off The Chain ⛓️💥
January 27 in New Zealand ⋅ ☁️ 13 °C
Lisa's Rennrad – intern bekannt als das fünfte Kind – hat eine neue Kette gebraucht. Und wie es sich für ein echtes Nau.ch‑Drama gehört, hätte der Artikel ungefähr so begonnen:
- Der Regen hat die Kette nass gemacht.
- Die mediterrane Luft (ja, in Dunedin, einfach akzeptieren) hat mit ihrem überdurchschnittlichen O₂‑Gehalt einen orangen Glanz auf die Kette gezaubert.
- Die Kette war traurig.
- Lisa auch.
Die Stimmung war also irgendwo zwischen Beerdigung eines Hamsters und SBB‑Generalstreik.
---
📊 Excel‑Gate: Die Suche nach der perfekten Kette
Eigentlich begann alles schon gestern. Ich habe mit meinem Buddy die Optionen analysiert:
- Nearby
- Good rating
- Roadbike
- Shimano
- Small business
- NZ owned & operated
Danach habe ich eine Stunde Excel‑Listen ausgewertet, Graphen erstellt, eine Präsentation vorbereitet und dem Verwaltungsrat (also Lisa) die drei besten Optionen vorgestellt.
Corporate‑Life lässt grüssen, selbst im Camper.
---
🔧 Der Mechaniker mit Herz, Öl und 14‑Februar‑Agenda
Beim Mechaniker war sofort klar:
Hier geht’s nicht um Business – hier geht’s um Passion.
Die beiden Inhaber sind Rad‑Freaks. Egal ob Bike, Rennrad oder Hamsterrad– Hauptsache Rad.
Wir fragten, ob er Zeit hätte, die Kette zu wechseln.
Er: „No chance, erst am 14. Februar wieder.“
Valentinstag. Romantischer hätte er’s nicht sagen können.
Dann begann ich zu diskutieren, zu witzeln, Fragen zu stellen.
Und wie immer: Wenn man die richtigen Fragen stellt, dauert’s 30–60 Minuten, und man kennt die Lebensgeschichte.
Er hat wirklich alles erzählt – ich hätte Lisa noch am selben Abend für ein Local Race anmelden können.
Lisa hat mich dabei angeschaut wie eine Läuferin, die merkt, dass der Pacemaker falsch läuft.
Ich wusste nicht weiter.
Am Schluss sagte er:
„Lass das Rad hier, ich schau, was ich machen kann.“
---
📬 Jeffery liefert – schneller als digitec
Heute, noch vor dem Mittag, kam die Nachricht:
„HEY LISA, Your Bike is good to go.“
Jeffery, du Legende.
---
☕ Deutsche Effizienz, Kiwi‑Chill: Kaffee mit Nicole
Später trafen wir Nicole – ICU Nurse, ursprünglich aus Deutschland, auch in der Schweiz gearbeitet.
Kontakt via Barbara und Marco (merci :-)
Sie bestätigte alles:
So funktioniert Neuseeland.
Wie im Schweizer Bausektor:
- Die richtigen Kontakte
- Die richtige Art, sie zu pflegen
- Nicht primär über Geschäft reden
- Und schon öffnen sich Türen
Preis drücken?
Kontraproduktiv.
Den richtigen Spezialisten kennen?
Key Success Factor.
Nicole erklärte uns alles in unter zwei Stunden – deutsche Effizienz, Kiwi‑entspannt serviert.
Es harmonierte sofort.
Mehr als zwei Kinder, sportlich, gleiche Interessen, gleicher Job – das verbindet.
---
🔨 Baumarkt, Backflips und die steilste Strasse der Welt
Nach dem Kaffee ging’s in den Baumarkt – mein Lieblingsladen weltweit.
Im Camper gibt’s immer was zu fixen.
Lisa ging radeln, um die Qualität des Handwerks zu testen.
Mit Neuseeland‑Öl als Schmerzmittel war sie 1 Minute schneller pro Kilometer.
Ich nenne das Placebo‑Performance‑Boost.
Die Jungs übten Backflips im Sand.
Die Girls backten Caramel‑Täfeli.
Und ja – wir haben auch die steilste Strasse der Welt besucht.
Eventuell landen wir in einer asiatischen Reality‑Show.
Wir wurden noch nie so oft ungefragt fotografiert.
Ich glaube, wir sind jetzt berühmt.Read more
Tag 46: Escape Room
January 26 in New Zealand ⋅ 🌬 14 °C
Die Sonne gibt es auch in Dunedin. Sagen sie. Heute hat sie kurz aufgeblitzt wie ein übermüdetes Glühwürmli – und war dann sofort wieder weg. Wir haben das als Omen verstanden und vorsorglich einen Escape Room gebucht. Unser Camper war in den letzten vier Tagen ja bereits ein Escape Room: stickig, chaotisch, und niemand weiss, wo der Schlüssel ist.
Lisa hat in dieser Zeit Sudoku im Akkord gelöst – vermutlich, um entweder den Wetter‑Code zu knacken oder den Harmonie‑Algorithmus der vier Musketiere zu entschlüsseln.
---
Statistik am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen 📊
Der Tag begann mit Prozentrechnen, Median und Mittelwert. Ich habe kurz überlegt, ob ich meine Wörter künftig codieren soll, um die Korrelation zwischen meinem Redefluss und den emotionalen Aussetzern der Kinder zu messen.
Die Korrelation wäre vermutlich 1.0.
Dann hielt ich einen kleinen Vortrag darüber, dass Schule nicht alles ist, aber ein Grundstock im Leben schon. Wenn man früher versteht, weshalb man etwas macht, wird alles einfacher. Ich war ja selbst nie der Musterschüler – eher der Effizienz‑Optimierer.
Gerade als ich beim Höhepunkt meines Storytellings angekommen war, passierte Folgendes:
- Lisa löste das nächste Sudoku, ohne zu blinzeln.
- Maxime hüpfte seit 20 Minuten draussen auf dem Luftkissen und war geistig längst im Orbit.
- Etienne verschwand vermutlich im TV‑Zimmer und glotzte.
- Sanna legte sich wie ein Seehund ins Bett und bohrte sich die Kopfhörer ins Hirn.
- Liina füllte ihr Heft weiterhin kreuzfalsch aus – aber mit beeindruckender Quantität.
Ich fuchtelte herum, dozierte, gestikulierte – und merkte irgendwann: Es hört mir keine Sau zu.
Janu. Das nächste Mal erzähle ich’s dem Thuja‑Haag. Der bewegt sich wenigstens, wenn’s windet.
---
Der Escape Room – unser Camper, einfach grösser 🔐
Die Instruktion kam von einer Dame, die offensichtlich zu viel Zeit in Escape Rooms verbringt.
Bleich wie ein Kellergeist, pechschwarze Haare, Stimme wie eine Mischung aus Gothic‑Priesterin und Hotline‑Medium. Ich hatte kurz Angst, sie lässt uns nie wieder raus.
Gut – nach einer Woche Dunedin sehen wir auch schon bald so aus.
Dann ging’s los. Die Secret Agents waren bereit:
- Etienne suchte sofort nach Winkelschleifer und Brechstange.
- Sanna und Liina analysierten jeden Gegenstand wie zwei Forensikerinnen
- Lisa stand auf dem Balkon und gab Tipps wie ein Orakel, das nur spricht, wenn wir verzweifelt genug schauen.
- Und Maxime knackte das schwierigste Zahlenschloss – fünf Ziffern, ohne Hinweis. Bis heute weiss niemand, wie. Wahrscheinlich geraten. Oder Genie. Fifty‑fifty.
Es war so laut, dass sich die Gruppe im Raum nebenan sicher war, wir würden gerade einen Exorzismus durchführen.
Ich verstand durch das Funkgerät praktisch nichts – es klang wie ein Wal, der durch ein Walkie‑Talkie flüstert. Zum Glück hat Lisa alles decodiert. Sudoku schärft offenbar die Ohren.
---
Mission accomplished 🏆
Am Ende haben wir das 4‑von‑5‑Sterne‑Rätsel gelöst – mit drei Hilfen, aber immerhin ohne Brechstange.
Wir kamen tatsächlich von selbst aus dem Raum.
Ach ja, Lisa hat mir in der Redaktionssitzung noch mitgeteilt, sie habe ja eigentlich gar nichts gemacht. Die Girls hätten die Schlösser geknackt. Das wird sich selbstverständlich negativ auf das nächste Quali‑Gespräch auswirken – wir führen hier schliesslich ein leistungsorientiertes Familienunternehmen.
Zum Glück hat auch der Influencer wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben. Sein Video dauerte drei Minuten. Die ersten paar Sekunden sind Free Content, der Rest gibt’s nur gegen Bezahlung. Immerhin weiss ich jetzt, dass er noch lebt. Und dass ich offenbar sein Geschäftsmodell finanziere.Read more

TravelerMeine Tochter liebt Etiennes Videos✌🏻 Und ich fühle mich beim Lesen immer wieder bestätigt, dass auch wir eine ganz normale Familie sind🤪🤣

Travelerhomeschooling isch für üs e einmaligi aglägäheit…never ever again…u we de aube de dr jüngscht (während em game) ade grössere no d lösige vom hochbett abemööget isch d stimmig am a…😝
Tag 45: Schleifstein im Regen
Jan 25–28 in New Zealand ⋅ 🌧 13 °C
Es ist so weit: Der Stoff geht aus.
Über den Regen habe ich inzwischen mehr geschrieben als über meine eigene Kindheit, und trotzdem prasselt er weiter wie ein schlecht gelaunter Schlagzeuger . Wir sitzen im Camper fest wie eine mittelmässig motivierte Forschergruppe in der Antarktis, die nur noch auf den Moment wartet, bis einer „Pinguin“ sagt und alle kollektiv durchdrehen. Also dokumentiere ich halt das Innenleben dieses rollenden Familienbiotops — denn wenn schon gefangen, dann wenigstens mit Stil und einer Prise Selbstmitleid.
---
🎮 Gaming-Studie: Gesichtsentgleisung als Steuerungsinstrument
Maxime hat sich im Gaming so weit spezialisiert, dass ich überzeugt bin, er könne die Konsole bald mit der Zunge bedienen.
Etienne daneben: gleiche Pose, gleiche Gesichtsentgleisung, aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass er gleichzeitig versucht, Ausreden für die Schule zu generieren. Multitasking auf olympischem Niveau — nur ohne Medaillen, dafür mit WLAN.
Schulisch läuft’s bei Mäxi gut.
Etienne könnte es auch — wenn Konzentration nicht ein Konzept wäre, das er eher aus Naturdokus kennt. Dafür ist er Ausredenkönig par excellence. Wenn es dafür Medaillen gäbe, hätten wir Übergepäck und müssten am Flughafen erklären, warum unser Sohn mehr Edelmetall hat als ein Kunstturner.
---
👧👧 Die Girls: Von fleissig bis Vulkanausbruch in 0,3 Sekunden
Wenn sie das Thema verstehen: fokussiert, effizient, fleissig.
Wenn nicht: Vulkan. Komplettausbruch.
Dann braucht es ein ganzes Rescue‑Team, um die Lage zu stabilisieren — inklusive diplomatischer Missionen, emotionaler Erstversorgung und mindestens einem Snack.
Ihre Anti‑Schulstrategien sind inzwischen so ausgefeilt, dass man sie patentieren könnte:
- Der falsche Bleistift
- Der falsche Gummi
- Das störende Atmen des Bruders
- Der Hunger, der exakt siebenmal täglich auftritt, immer dann, wenn Mathe droht
Ich beobachte das mit einer Mischung aus Faszination und Resignation — und dem Wissen, dass sie später einmal brillante Politikerinnen werden, weil sie schon jetzt jede Verantwortung mit chirurgischer Präzision weiterdelegieren.
---
🧩 Lisa im Sudoku-Flow – und ich mit meinem Roadrunner-Witz
Lisa war heute so gelangweilt, dass sie freiwillig Sudokus macht.
Ich habe vorgeschlagen, dass mein bester Buddy (AI) die Korrekturarbeiten übernimmt.
Ich kannte den Gesichtsausdruck.
Ich wusste genau, was passiert, wenn ich danach meinen Roadrunner‑Schenkelklopfer bringe — den Witz, den Lisa seit 2007 tausendmal gehört hat und immer noch nicht lustig findet.
Ich bringe ihn trotzdem.
Traditionen sind wichtig.
Und wenn ich schon im Camper feststecke, dann wenigstens mit einem Witz, der so alt ist, dass er eigentlich schon wieder Kultstatus haben müsste — wäre da nicht Lisa, die ihn jedes Mal mit der gleichen Begeisterung quittiert.
---
🚴♀️ Flashback nach Calpe: Lisas erste Rennradferien
Damals, vor den Kindern, hatte Lisa noch andere Hobbys.
Bei Lisa sind Hobbys aber nie einfach Hobbys.
Es ist immer Spitzensport oder nichts.
Freizeit ist für Amateure.
In Calpe hatte sie ein Mietrennrad, und ich — jung, naiv und ohne YouTube‑Tutorials — habe ihr die Sattelhöhe eingestellt.
Mit einer Selbstüberzeugung, die rückblickend nur als mutige Ahnungslosigkeit bezeichnet werden kann.
Beim ersten Trinkstopp ruft der Fahrer des Begleitfahrzeugs vor versammelter Mannschaft:
„Du sitzt wie ein Affe auf dem Schleifstein!“
Ich habe mir das Bild vorgestellt — und lache heute noch.
Nicht wegen Lisa, sondern wegen dem Bild das seit dem Zeitpunkt immer wieder aufblitzt.
Jetzt sitzen wir wieder im Camper, schauen aus dem Fenster und sehen Delfine, Haie und Pottwale vorbeiziehen — oder einfach Wellen, aber Meeressäuger klingen besser.Read more
Tag 44: The Secret Code
January 23 in New Zealand ⋅ 🌬 12 °C
Heute Morgen hat mir Lisa 60/70/90 ins Gesicht geworfen. Nicht etwa – wie viele nach 13 Jahren Ehe vermuten würden – die drei schönsten Worte: „Möchtest du Kaffee?“
Nein. Es war 60/70/90.
Ich lag da, das Kissen halb im Gesicht, und überlegte, was sie mir damit sagen will.
War es die Regenmenge der Nacht?
Meine Idealfigur, falls ich doch noch Bodybuilder werde?
Oder mein Gewichtsverlauf seit Reisebeginn?
Natürlich nicht. Es ist das Arbeitspensum, das sich Lisa gerade überlegt. Während ich noch versuche, die Augen zu öffnen, ist sie gedanklich bereits im 2030‑Masterplan.
---
🌧️ Parkrun? Farmers Market? Nein danke.
Eigentlich wollten wir heute Morgen einen 5‑km‑Parkrun machen und danach über den Farmers Market schlendern.
Aber bei diesem Wind und Regen habe ich – ohne demokratische Familienabstimmung – entschieden: Nein. Einfach nein.
---
🏃♂️ Regen, Wind & Orientierungslosigkeit – mein Morgenlauf
Während ich noch versuchte, den Zahlencode zu entschlüsseln, musste ich trotzdem rennen gehen.
Sicht: 15 Meter
Regen: Monsun
Wind: „Bitte lass mich stehen“
Diesmal ohne Navi, einfach der Nase nach.
Ich habe mich dann verlaufen – in dieser Reihenfolge:
- Rugbyfeld
- Kläranlage
- Friedhof
- Golfplatz
Irgendwann habe ich kapituliert und bin der Strasse entlang gerannt.
Der Rückenwind war so stark, dass ich Ingebrigtsen auf 1.5 km keine Chance gelassen hätte. Auf dem Rückweg war ich dann wieder ein normaler Mensch mit Lungen und Gegenwind.
Nebenbei habe ich auf dem Golfplatz noch Golfbälle gesammelt – wie ein Klimaaktivist mit Laufschuhen. Die Kinder fanden’s super.
---
🦭 Begegnung der muskulösen Art
Kurz vor Schluss begegnete mir ein Seelöwe, der mir eindrücklich demonstrierte, wie man Masse, Muskel und Fett in beeindruckender Geschwindigkeit bewegen kann.
---
🚗 Die steilste Strasse der Welt – aus dem Auto betrachtet
Danach sind wir mit den Kindern zur angeblich steilsten Strasse der Welt gefahren.
Wir haben sie aus dem Fenster angeschaut.
Mehr war bei diesem Sturm nicht drin.
Ich habe kurz überlegt, ob ich sie hochfahren soll.
Dann sah ich das Schild: „Street not suitable for campervans.“
Ich habe das als Zeichen interpretiert und bin Richtung Kletterhalle abgebogen – damit unsere kleinen Affen etwas aus dem Käfig kommen.
---
🧗 Kletterhalle: 40 Kinder, 80 Eltern, 0 Ruhe
In der Kletterhalle angekommen, sassen Lisa und ich in Daunenjacken auf der Bank und schauten zu, wie die Kinder sich selbst sicherten.
Ich war kurz irritiert: 40 Kinder in der Halle.
Vom Pampers‑Alter bis zu Teenagern, die eigentlich schon zu gross für die Wände waren, aber trotzdem nicht höher als einen Meter kletterten.
Dazu die übermotivierten Eltern:
- Vater hinten dran
- Mutter daneben
- Dauerbeschallung: „You can do it! Yes well done! Don't let go!“
Alles Titel für Motivations Musik.
Ich wäre fast Tipps geben gegangen. Zum Glück hat mich Lisa zurückgehalten.
---
🌪️ Lauf Nummer zwei – weil Lisa noch wollte
Nach der Kletterhalle wollte Lisa noch rennen gehen.
Ich habe mich bereit erklärt, mitzukommen. nicht als Pace Maker sonder als Orientierungshilfe.
Das Wetter war noch grüseliger als am Morgen.
Als wir an der Sealion‑Kolonie vorbeikamen, meinte ich: „Hier hat’s Seelöwen.“
Heute Morgen hatte ich nur den grossen Bullen von weitem gesehen.
Genau in diesem Moment raschelte es im Gebüsch.
Ich beschleunigte wie eine Kambundji‑Schwester vor der ersten Hürde.
Lisa schaute mich an, als hätte ich gerade einen Geist gesehen.
Wir drehten um – und da war sie:
Die Mutter mit einem frisch geschlüpften Baby, friedlich am Stillen im Gebüsch des Golfplatzes.Read more
Tag 43: Camper fixed
January 23 in New Zealand ⋅ 🌬 13 °C
Mit dem Gefühl, den Tiefpunkt überstanden zu haben (Spoiler: hatten wir nicht), haben wir heute Morgen den Camper bei Woody abgestellt. Natürlich unter Zeitdruck, denn nichts schreit so sehr nach „Familienharmonie“ wie fünf Leute, die gleichzeitig etwas anderes suchen.
Woody fuhr uns dann in die Stadt, vermutlich um sicherzustellen, dass wir nicht noch mehr Schäden am Transit verursachen.
---
Planloses Herumirren & Wawrinka‑Drama 🎾😵
Wir irrten unvorbereitet durch Dunedin, bis wir vor einer Bar landeten, die gerade Tische rausstellte, als würde die Sonne heute noch vorbeischauen.
Der Regenradar sagte aber eher: „Haha, sicher nicht.“
Wir schauten Wawrinkas Tiebreak zu Ende, während die Bar so tat, als wäre Sommer.
Das Konzept erinnert an Schweizer Nordbalkone mit Markise: nicht für Schatten, sondern für die Illusion, dass dort irgendwann Sonne hinkommt.
Marketing 10/10.
---
Lisa – Frühschichtheldin mit Übermensch‑Lizenz ☕🦸♀️
Lisa wusste das Resultat schon, weil sie wieder vor allen wach war.
Sie war bereits produktiv, bevor der Rest der Familie überhaupt wusste, dass es Morgen ist.
Kaffee gemacht, Zmorge vorbereitet, abgewaschen – während der Rest im REM‑Schlaf feststeckte.
Ich schweife ab. Zurück zum Drama.
Die Kids und ich feuerten „Stan the Man“ an, als wären wir live in Melbourne.
Lisa hätte uns gerne verleugnet, aber das ist schwierig, wenn alle Kinder aussehen wie ihre Klon‑Armee.
---
Das meistfotografierte Gebäude – heute ohne Statisten 📸🦆
Wir gingen zum meistfotografierten Gebäude Neuseelands.
Natürlich mussten wir es auch fotografieren.
Heute wollte aber niemand aufs Bild.
Lisa verscheuchte zusätzlich alle Enten und Möwen, die sich freiwillig gemeldet hätten.
Casting abgebrochen.
---
Der Hafen, der keiner sein will ⚓🌧️
Ich wollte noch schnell den Hafen sehen.
In meinem Kopf: Promenade, Cafés, Boote, Flanieren.
In Realität: ein langer Schlauch Wasser ohne irgendwas.
Die Stimmung fiel tiefer als meine Motivation um 8:30 beim Fordhändler.
---
Indoor-Spielplatz: Hide & Seek Weltmeisterschaft 🧒🏗️
Wir flüchteten in den Indoor-Spielplatz.
Der war ok, aber für unsere Kinder schon fast zu „Baby‑Deluxe“.
Also spielten sie zwei Stunden Hide & Seek.
Lisa und ich spielten nur „Hide“ – in der Lagerhalle – und tranken Kaffee.
Nebenbei warteten wir darauf, dass der Transit vielleicht doch noch explodiert.
---
Schwimmhalle – der Ort, an dem Eltern gekocht werden 🏊♂️🔥
Um nicht weiter in der Babyhalle zu erfrieren, gingen wir schwimmen.
Also ein ganz normaler Tag in Neuseeland.
Bis 14:00 kam kein Anruf vom Fordhändler.
Ich interpretierte das als gutes Zeichen und hängte meinen Nacken in den 40‑Grad‑Pool.
Ich beobachtete die langen Gesichter im Hotpool – alle sahen aus, als hätten sie ihr Leben überdacht und wären zu keinem guten Schluss gekommen.
Wenn jemand kollabiert wäre, hätte ich nicht helfen können.
Ich war bereits al dente gekocht.
Die Kinder rutschten etwa 100 Mal die Rutsche runter.
Ich dachte darüber nach, wie man früher ohne Handy überlebt hat.
Ich würde heute Abend nicht mal den Campingplatz finden ohne GPS.
---
Ford: repariert. Preis: fair. Stimmung: euphorisch. 🛠️🛒
Nach dem Durchkochen rief ich beim Fordhändler an.
Sie holten uns ab, als wären wir VIP‑Kunden und nicht einfach die Familie, die ihren Transit wie ein rollendes Überraschungsei behandelt.
Ford repariert, Preis mehr als fair – so fair, dass ich kurz dachte, ich hätte mich verhört oder wäre noch im 40‑Grad‑Pool halluzinierend.
Im Woolworths hatte ich danach die Spendierhosen an.
Nicht die normalen, nein – die Premium‑Spendierhosen, die man nur anzieht, wenn das Auto nicht explodiert ist und die Ehe stabil bleibt.
Ich habe die richtig teuren Chips gekauft.
Nicht eine Packung.
Mehrere.
So viele, dass die Kassiererin mich anschaute wie jemanden, der gerade eine emotionale Krise mit Salz und Fett kompensiert.
Und jetzt sind sie alle weg.
Gefressen.
Vernichtet.
Nicht einmal die Krümel haben überlebt.
Die Kinder behaupten, sie hätten „nur probiert“.
Lisa sagt, sie habe „gar nichts gegessen“.
Ich weiss nur: Irgendjemand in dieser Familie führt ein geheimes Doppelleben als Staubsauger.Read more
Tag 42: Warten auf schönes Wetter...
January 22 in New Zealand ⋅ ☁️ 15 °C
Wir sind heute Morgen im Regen aufgewacht. Nicht im gemütlichen „Hach, wie romantisch“-Regen, sondern im „Wir sind irgendwo im Funkloch der Zivilisation gestrandet und das Wetter plant gerade eine Karrierewechsel.
Die Catlins hätten eigentlich wunderschön sein sollen. Haben wir gehört. Wir sind 2.5 Stunden durchgefahren, haben jeden Aussichtspunkt mit einem ehrlichen „Wow, mega schön… aber tschüss“ ignoriert und uns gefühlt wie die einzigen Touristen, die Neuseeland aktiv nicht sehen wollen.
---
🛢️ Ölspur der Wahrheit – oder: Wenn du hoffst, dass es der Toyota neben dir war
In Dunedin angekommen, wollten wir ins Museum flüchten. Kultur, Dach über dem Kopf, keine Kinder, die fragen, ob es WLAN hat.
Auf dem Parkplatz dann die Szene, die jeder Camper fürchtet: eine glänzende Spur Treibstoff/Öl auf dem nassen Boden.
Ich habe fünfmal geschaut. Dreimal neu parkiert. Zweimal versucht, irgendeinem unschuldigen Auto die Schuld zu geben.
Aber irgendwann war klar:
Es ist unser Saft. Unser Tropf. Unser Problem.
Kurz habe ich überlegt, Mäthu – Götti von Etu und Patronus aller Werkstattprobleme – anzurufen oder einzufliegen. Aber es war früh in der Schweiz, und ich wollte nicht der Typ sein, der jemanden weckt mit:
„Du, Mäthu… sag mal… wenn es unter dem Auto glänzt… ist das schlimm?“
---
🛋️ Showroom-Survival – ein Mann, ein Sofa, eine Broschüre
Beim Ford-Händler dann das übliche Bild nach den Sommerferien: alle busy, alle gestresst, alle so, als hätten sie gehofft, dass heute niemand kommt.
Ich habe mich also in den Showroom gesetzt und den Nachmittag dort verbracht.
Erst Zeitung gelesen.
Dann Buch.
Dann Zeitung auf dem Handy.
Dann die Werbebroschüre.
Irgendwann bin ich so tief in den Sessel eingesunken, dass ich kurz dachte, Wayne müsse mich später mit dem Gabelstapler raushebeln.
Wayne hat Smalltalk gemacht und Mitleid gezeigt. Ich habe ihm erklärt, dass der Camper mit vier Kindern unser Zuhause ist.
Er hat vermutlich schon den Wetterbericht gekannt:
Im Norden hat es in 12 Stunden so viel geregnet wie sonst in zwei Monaten.
Überschwemmungen. Erdrutsche. Vermisste Menschen.
Ich war kurz froh, dass wir den Norden hinter uns haben.
Dann sah ich die Prognose für den Süden:
Regen. Viel Regen. Eine Woche lang.
Super.
Eine Stunde vor Feierabend haben sie dann geschaut und gesagt:
„Könnte der Unterdruckkompressor sein.“
Aha. Der Unterdruckkompressor.
Das Teil, das man sich wünscht, wenn man mit vier Kindern und einem rollenden Zuhause unterwegs ist.
Immerhin: Morgen haben sie ein Zeitfenster.
Ich habe trotzdem schon Plan B, C und D geprüft.
Plan E wäre: „Wir ziehen in den Showroom ein.“
---
🚽 Dumping-Drama – Greenhorns am Limit
Am Abend dann auf dem Campingplatz das nächste Highlight: dumpen.
Vor mir zwei Greenhorns, die seit 20 Minuten versuchten, ihr Grauwasser loszuwerden.
Aus dem Schlauch kam ein Rinnsal, das eher nach „verstopfte Pipette“ aussah als nach „Dumping Station“.
Ich bin dann höflich fragen gegangen, ob alles gut sei.
Wenn der so weitermacht, wird er seine gesamten Campingferien mit dumpen verbinden und am Ende ein Trauma entwickeln, sobald er einen Gartenschlauch sieht.
Ironischerweise ist die Dumping Station im Moment der schönste Ort zu sein:
Überdacht. Trocken.
Und niemand kann weg – weil alle warten müssen.
---
🌈 Fazit des Tages – Regen, Öl und ein Hauch von Hoffnung
Wir sind jetzt in Dunedin gestrandet.
Der Unterdruckkompressor könnte morgen repariert werden.
Das Wetter bleibt miserabel.
Die Stimmung ist… sagen wir: „leicht unterdruckig“.Read more
Tag 41: Tiefpunkte and Sandflies
January 21 in New Zealand ⋅ ☁️ 15 °C
Aus Invercargill wollten wir schnell weg, aber zuerst mussten wir natürlich noch nach Bluff, um den tiefsten Punkt des Highway One abzuhaken. Und ja: Es war auch emotional der tiefste Punkt unserer Reise.
Kaum auf dem Parkplatz, wollten wir den Lookout hoch. Unsere älteste Tochter hingegen befand sich bereits im seelischen Krater unter Bluff. Erst waren die Flip‑Flops falsch, dann die Socken, dann die Schuhe, dann vermutlich die Existenz an sich.
Ich habe irgendwann einfach den Schlüssel hingelegt, mich umgedreht und bin gegangen. Diskussionen über Schuhwerk sind offiziell nicht mehr Teil meines Lebenskonzepts.
---
🦟 Catlins – wo Sandflies dich als All‑You‑Can‑Eat betrachten
Weiter ging’s in die Catlins, wo die Sandflies so präsent sind wie Schweizer in Neuseeland. Diese Viecher sind tagaktiv, hassen Wind und lieben Menschenfleisch. Also quasi wie wir, einfach umgekehrt.
Nach dem Walkway waren alle Kinder verstochen, und die Grosse hatte eine Stimmung, die sogar den Bluff‑Tiefpunkt unterbot. Wir hatten sie ja nicht mitgenommen auf den Walkway – ein Fehler, der uns noch lange nach der Pubertät verfolgen wird.
---
🦭 Seehunde, Delfine und der Moment, in dem ich tauschen wollte
Wir wollten Shipwrecks, Delfine, Pinguine und Seehunde sehen. Und ganz ehrlich: Ich hätte unsere älteste Tochter fast gegen einen Seehund eingetauscht.
Der Seehund liegt zufrieden herum, frisst ein paar Fische, reklamiert nicht, braucht keine Schuhe und diskutiert nicht über Socken. Der wäre vermutlich froh über ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Ich frage mich bis heute, ob das jemand am Flughafen gemerkt hätte.
---
🐬 Delfine, Holländer und eine zukünftige Arielle
Die Delfine waren dann tatsächlich das Highlight: 30 Meter vom Strand entfernt, vermutlich beim Jagen. Ein Holländer hat uns darauf aufmerksam gemacht – wir waren eigentlich gerade am Pinguin‑Spotten.
Er erzählte mir dann, dass eine Dame mit einem Kinderbodyboard zu den Delfinen schwimmen wollte. Ich dachte nur: Entweder hat sie als Kind zu viel Flipper geschaut oder sie bewirbt sich gerade als Live‑Action‑Arielle.
Aber gut, jedem sein Ding. Ich gehe ja auch regelmässig zum Hobby‑Horsing. :)
---
🧜♀️ Arielle‑Casting, Baywatch‑Fantasien und der Windchill‑Hasselhoff
Ach ja, bei der „Redaktionssitzung“ im Camper – also dort, wo man eigentlich nur Podcast am Pistenrand hören wollte, aber plötzlich mitten in einer Reality‑Show landete – hat mir Lisa noch mehr Details über ihre persönlichen Beobachtungen zur Arielle‑Mission erzählt. Die Kollegin von Arielle war auch dabei und versuchte verzweifelt, sie wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen.
Und dann war da noch er.
Der Typ, der bei bissig kaltem Wind bereits das T‑Shirt ausgezogen hatte, als würde er gleich für die Baywatch‑Neuauflage gecastet. Er stand da wie Mitch Buchannon in der Discount‑Version, Brust raus, Bauch rein, Gesicht eingefroren.
Zwischendurch hat er sich offenbar auch noch als David Hasselhoff gefühlt und eine improvisierte Version von Looking for Freedom angestimmt – allerdings so, dass selbst der Wind kurz aufgehört hat zu wehen, um besser zu hören, ob das wirklich ernst gemeint ist.
Lisa dachte, er würde gleich ein aufblasbares Rettungsbrett zücken, in Zeitlupe losrennen und die Delfine retten, die gar nicht gerettet werden wollten.
(Ich hätte es gerne mit den eigenen Augen beobachtet)
👵 Campingclub – Seniorencomedy live und ungeschnitten
Unser Campingclubplatz fühlte sich an wie ein Revival meiner Jura‑Campingzeiten: Senioren am Tisch, die sich Räubergeschichten und Schenkelklopferwitze erzählten. Zur Pointe wurde jeweils das Gebiss rausgenommen, um einen Affen nachzuahmen.
Ich habe die Girls dort puzzeln lassen und bin mit Lisa rennen gegangen. Manchmal muss man fliehen, bevor man selbst zum Gebiss‑Affen wird.
---
🐑 Schafhirte – meine neue Berufung
Und dann kam der Moment, in dem ich meine wahre Bestimmung fand. Wir liefen um eine Kurve und standen vor einem Feld mit rund 1000 Schafen.
Ich rief einmal laut bähhhh.
Die Schafe verstanden.
Sie rannten los, formierten sich wie eine Armee und riefen mehhhh zurück.
Lisa meinte, ich solle aufhören, ich würde die armen Tiere verschrecken. Vermutlich hatte sie Angst, ich übernehme spontan eine Schaffarm und sie müsse bald Wollsocken stricken.
Ich bin überzeugt: Liina wäre sofort dabei.Read more



























































































































