Tag 28: Der Haka fürs Ferienalbum
January 8 in New Zealand ⋅ ☁️ 19 °C
Heute haben wir Christchurch zum ersten Mal so richtig entdeckt – und ich muss sagen: die Stadt ist wirklich toll. Lisa, unser hauseigener Reiseführer mit militärischer Präzision und pädagogischem Durchhaltewillen, hat ein Mammutprogramm zusammengestellt, das vermutlich sogar für eine Woche reichen würde. Wir haben aber nur drei Tage. Realistisch gesehen werden wir unseren Stay wohl noch etwas extenden, wie man als moderner Globetrotter so sagt.
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📚 Die Bibliothek – unser Familien-Indoor-Freizeitpark
Wir haben in der Bibliothek angefangen. Nicht wegen Büchern — bitte, wir sind doch realistisch.
Es war schlicht der perfekte Ort, weil:
- Sanna und Liina legölä konnten,
- Maxime gamen durfte (20 Minuten, dann war Schluss, Government Restrictions),
- und am Schluss vier von sechs Familienmitgliedern in der Lobby miteinander gepuzzelt haben,
- während die restlichen zwei Schach spielten wie 80-jährige Rentner im Kurpark.
Bildung? Nein.
Für den Reiseführer ? Ja.
Bibliothek Reiseführer: must do
Journalist: ok but couch cold be better for a good nap
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🎨 Streetart-Walk – Kultur, aber bitte schnell
Danach ging’s auf einen Walk durch die City. Überall Streetart. Wunderschön.
So schön, dass ich kurz dachte, wir seien in Boston — einfach ohne Schnee, ohne Sirenen und ohne Leute, die einem ungefragt erklären, warum ihre Meinung die einzig richtige ist.
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💈 Der Coiffeur – ein Kapitel für sich
Dann kam mein persönliches Abenteuer: der Coiffeur.
Ich bin ja jemand, der seinen Barber nicht gerne wechselt. Aus Prinzip. Aus Loyalität. Und weil mein Barber zuhause genau weiss, was „Standard“ bedeutet.
Unsere Gespräche laufen so:
- „Hallo, wie geht’s?“
- „Gut. Dir?“
- „Gut.“
- „Heiss heute.“
- „Ja.“
- Arabischer Rap übernimmt für 20 Minuten.
Mehr braucht es nicht.
Nach sieben Jahren reicht sein Deutsch zwar immer noch nicht für den Schweizer Pass, aber für meine Frisur reicht’s locker.
Hier in Neuseeland gibt’s viele Barber, aber es muss halt funken.
Im ersten Laden hat’s zu süss gerochen, und die beiden Jungs hätten mir vermutlich einen „schnuggligen“ Haarschnitt verpasst, der mich wie einen übermotivierten TikTok-Influencer aussehen lässt.
Also wurde es Simon.
Christchurch born and raised.
Seit einem Jahr Barber, davor 20 Jahre Barkeeper.
Er hatte noch nie einen Schweizer im Stuhl — was man spätestens nach 45 Minuten gemerkt hat, als ich die komplette Stadtgeschichte serviert bekam.
Ich weiss jetzt:
- wo man trinken soll,
- wo man nicht trinken soll,
- wo man essen kann,
- wo man auf keinen Fall essen darf,
- und wie man sich bei einem Erdbeben richtig verhalten soll.( Das ist hier wirklich sehr ernst zu nehmen)
Er war vermutlich froh, als ich endlich wieder gegangen bin.
Ich auch — aber die Haare sind jetzt schön.
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🛝 Familienrückführung – oder: Wo sind sie jetzt schon wieder?
Nach dem Coiffeur bin ich Lisa und die Kids auf dem riesigen Spielplatz suchen gegangen.
Ich war ehrlich erleichtert, dass sie nicht davongefahren sind.
Man weiss ja nie — 5 Wochen Familienreise können Spuren hinterlassen.
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🪘 Der Haka-Moment – Touristen in freier Wildbahn
Als ich am Fluss ankam, hörte ich plötzlich Haka-Rufe.
Ich dachte schon, eine Rugby-Mannschaft wärmt sich auf und ich müsse gleich zur Seite springen, um nicht überrannt zu werden.
Aber nein.
Es waren Touristen.
Touristen, die ALLES mitmachen, sobald irgendwo ein Maori steht.
Oder auch nur in der Nähe.
Schaut euch das Video an — und alle, die dort schon einmal im Takt gerudert haben, sollen bitte kurz an mich denken. Es reicht ein Moment, genau bis ihr merkt, dass ihr gerade an einer kulturellen Massenbespassung teilgenommen habt, die für Touristen erfunden wurde, die ‚Authentizität‘ mit Gruppengymnastik verwechseln.Read more









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