• Tag 29: Knusprig gebraten

    January 9 in New Zealand ⋅ ☀️ 26 °C

    Der Reiseführer hat heute grosszügig hiking auf den Tisch geworfen, als wäre das eine Überraschung und nicht einfach ein anderes Wort für „Familienmarsch mit Jammergarantie“. Also ging es in den Bikepark von Christchurch, wo the „view“ über die Stadt angeblich awesome sein soll. Der Esel (ich) trug die Verpflegung, drei grosse und zwei kleine Wasserflaschen, und fühlte mich wie ein Volontier am Berner Berglaufcup. Wobei: Vater von vier Kindern sein ist eigentlich ein unbefristetes Volontariat ohne Pausenregelung.

    🔥 Die Hitze, die Beschwerden und der Kühlschrank, den ich nicht habe
    Nach fünf Minuten kam die erste Beschwerde: „Es isch sooo heiss…“ Nach zehnmaligem Sprung in der Platte gab ich die Spitzenposition ab. Jeder, der mich überholte, flüsterte mir ins Ohr, als wäre ich der offizielle Beschwerdebriefkasten: „Es isch sooo heiss…“ Offenbar erwarteten alle, dass ich einen Kühlschrank im Rucksack dabeihabe. Ich hatte aber nur Bananen. Und die waren warm.

    🚶‍♂️ Die Reiseleitung und das geheime Membership-Programm
    Ich liess mich zurückfallen zur Reiseleitung, die von hinten die Gruppe vorantrieb wie ein Bergführer mit Bonusprogramm. Wir müssen ja immer mindestens doppelt so schnell sein wie die Angaben auf dem Wanderschild, sonst verliert man die Membership. Niemand weiss, was passiert, wenn man sie verliert, aber alle scheinen panische Angst davor zu haben.

    🥪 Gipfelglück, Sandwichpreise und Doppelmayr-Luxus
    Oben angekommen wurden die Preise verteilt: Sandwiches und Bananen. Die Bilder fürs Album wurden geschossen, alle lächelten wie Influencer, die so tun, als hätten sie Spass. Danach ging es mit dem Chairlift von Doppelmayr ins Tal. Endlich ein Moment, in dem man nicht schwitzen musste. Ein Wunder.

    💨 Lisa, der Gegenwind und mein kleiner Rachekurs
    Lisa wollte danach noch velölen gehen. Also habe ich den Kurs so gelegt, dass sie garantiert Gegenwind bekommt. Wer nach 1h3min „gring ache u secklä“ noch freiwillig radelt, darf ruhig noch etwas Backcountry-Höhenmeter fressen. Ich nenne das: pädagogisch wertvolle Streckenplanung.

    🌉 New Brighton, die Offenbarung und meine Französisch-Traumata
    Die Zieleinfahrt führte direkt zum New Brighton Pier. Dort hat Lisa mit 12 Jahren ganz alleine einen Englisch-Austausch gemacht. Das weiss ich seit einer Woche. Jetzt verstehe ich auch, weshalb sie so gut Englisch kann. Mit 12 konnte ich „Bonjour Piero und Pierrette et les marionnettes“ aufsagen – aber nur, weil ich es auswendig gelernt hatte. Heute Nacht träume ich sicher von Monsieur und Madame Chatelain, die mich wieder durch die Vokabelprüfung jagen.

    🏄‍♂️ Surfen, der 3‑Sekunden-Sturm und die Badehosenkrise
    Die Kids und ich gingen surfen – was sonst. Bis der Wind von null auf gefühlt 100 km/h in drei Sekunden beschleunigte. Jeder Sportwagen träumt von solchen Werten. Jetzt weiss ich, weshalb die Neuseeländer keine Sportwagen brauchen: Man legt sich einfach an den Strand und wartet. Wichtig ist nur, dass die Badehose gut sitzt. Sonst wird’s ein sehr internationaler Auftritt.

    🏖️ Die Massenflucht und das perfekte Timing
    Ich habe noch nie so viele Leute so schnell den Strand flüchten sehen. Das Fluchtkonzept scheint zu funktionieren. 30 Minuten später war der Wind weg – und der Strand leer. Perfekt für uns. Timing ist alles.
    Und ach ja: Lisa ist heute bien cuit. Also wirklich. Aussen knusprig, innen weich, und definitiv bereit fürs Kühlregal.
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