Tag 44: The Secret Code
January 23 in New Zealand ⋅ 🌬 12 °C
Heute Morgen hat mir Lisa 60/70/90 ins Gesicht geworfen. Nicht etwa – wie viele nach 13 Jahren Ehe vermuten würden – die drei schönsten Worte: „Möchtest du Kaffee?“
Nein. Es war 60/70/90.
Ich lag da, das Kissen halb im Gesicht, und überlegte, was sie mir damit sagen will.
War es die Regenmenge der Nacht?
Meine Idealfigur, falls ich doch noch Bodybuilder werde?
Oder mein Gewichtsverlauf seit Reisebeginn?
Natürlich nicht. Es ist das Arbeitspensum, das sich Lisa gerade überlegt. Während ich noch versuche, die Augen zu öffnen, ist sie gedanklich bereits im 2030‑Masterplan.
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🌧️ Parkrun? Farmers Market? Nein danke.
Eigentlich wollten wir heute Morgen einen 5‑km‑Parkrun machen und danach über den Farmers Market schlendern.
Aber bei diesem Wind und Regen habe ich – ohne demokratische Familienabstimmung – entschieden: Nein. Einfach nein.
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🏃♂️ Regen, Wind & Orientierungslosigkeit – mein Morgenlauf
Während ich noch versuchte, den Zahlencode zu entschlüsseln, musste ich trotzdem rennen gehen.
Sicht: 15 Meter
Regen: Monsun
Wind: „Bitte lass mich stehen“
Diesmal ohne Navi, einfach der Nase nach.
Ich habe mich dann verlaufen – in dieser Reihenfolge:
- Rugbyfeld
- Kläranlage
- Friedhof
- Golfplatz
Irgendwann habe ich kapituliert und bin der Strasse entlang gerannt.
Der Rückenwind war so stark, dass ich Ingebrigtsen auf 1.5 km keine Chance gelassen hätte. Auf dem Rückweg war ich dann wieder ein normaler Mensch mit Lungen und Gegenwind.
Nebenbei habe ich auf dem Golfplatz noch Golfbälle gesammelt – wie ein Klimaaktivist mit Laufschuhen. Die Kinder fanden’s super.
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🦭 Begegnung der muskulösen Art
Kurz vor Schluss begegnete mir ein Seelöwe, der mir eindrücklich demonstrierte, wie man Masse, Muskel und Fett in beeindruckender Geschwindigkeit bewegen kann.
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🚗 Die steilste Strasse der Welt – aus dem Auto betrachtet
Danach sind wir mit den Kindern zur angeblich steilsten Strasse der Welt gefahren.
Wir haben sie aus dem Fenster angeschaut.
Mehr war bei diesem Sturm nicht drin.
Ich habe kurz überlegt, ob ich sie hochfahren soll.
Dann sah ich das Schild: „Street not suitable for campervans.“
Ich habe das als Zeichen interpretiert und bin Richtung Kletterhalle abgebogen – damit unsere kleinen Affen etwas aus dem Käfig kommen.
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🧗 Kletterhalle: 40 Kinder, 80 Eltern, 0 Ruhe
In der Kletterhalle angekommen, sassen Lisa und ich in Daunenjacken auf der Bank und schauten zu, wie die Kinder sich selbst sicherten.
Ich war kurz irritiert: 40 Kinder in der Halle.
Vom Pampers‑Alter bis zu Teenagern, die eigentlich schon zu gross für die Wände waren, aber trotzdem nicht höher als einen Meter kletterten.
Dazu die übermotivierten Eltern:
- Vater hinten dran
- Mutter daneben
- Dauerbeschallung: „You can do it! Yes well done! Don't let go!“
Alles Titel für Motivations Musik.
Ich wäre fast Tipps geben gegangen. Zum Glück hat mich Lisa zurückgehalten.
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🌪️ Lauf Nummer zwei – weil Lisa noch wollte
Nach der Kletterhalle wollte Lisa noch rennen gehen.
Ich habe mich bereit erklärt, mitzukommen. nicht als Pace Maker sonder als Orientierungshilfe.
Das Wetter war noch grüseliger als am Morgen.
Als wir an der Sealion‑Kolonie vorbeikamen, meinte ich: „Hier hat’s Seelöwen.“
Heute Morgen hatte ich nur den grossen Bullen von weitem gesehen.
Genau in diesem Moment raschelte es im Gebüsch.
Ich beschleunigte wie eine Kambundji‑Schwester vor der ersten Hürde.
Lisa schaute mich an, als hätte ich gerade einen Geist gesehen.
Wir drehten um – und da war sie:
Die Mutter mit einem frisch geschlüpften Baby, friedlich am Stillen im Gebüsch des Golfplatzes.Read more




