• Von Wüsten und Kamelen

    11. december 2024, Indien ⋅ 🌙 14 °C

    Heute Vormittag besuchen wir noch den berühmten Stufenbrunnen, den wir gestern irgendwie verpasst haben. Am Weg dorthin begegnen uns noch ein paar schmucke blaue Wände und schlafende Hunde, sowie ein nettes Kleidergeschäft, wo wir tatsächlich fündig werden.

    Dann heißt es auch schon zurück zum Hotel zu gehen. Ein flotter Chai dauert dann doch ein bissi länger, aber ich kann ihn in mein Thermoshäferl umfüllen, damit wir unseren neuen Fahrer nicht gleich am ersten Tag versetzen! Jetzt geht es ab nach Osian, wo wir Raj treffen, der zunächst zwei Tempel mit uns besichtigt und uns dann zu seiner Farm mitnimmt, wo wir heute übernachten werden.

    Er erzählt uns einige Geschichten zum Tempel, aber leider ist sein English etwas schwerer zu verstehen, sodass ich manchmal nur freundlich nicke und aufgebe, alles verstehen zu wollen. Aber so viel habe ich mitbekommen: die Götter wollen, dass ihre Gläubigen kein Fleisch verzehren und auf Alkohol verzichten. Glaube ich 😇

    Auf der letzten Etappe fahren wir über unbefestigte Straßen, zwischen ein paar Karotten- & Zwiebelfeldern durch und dann erblicken wir unsere Reittiere: Jigger, 12 Jahre, und Papuu, 7 Jahre alt. Der schüchterne Moti begleitet uns zu Fuß, wovon er nicht so begeistert ist, habe ich den Eindruck. Leider ist sein English quasi nicht vorhanden, deshalb fällt es uns auch schwer ihn aufzuheitern. Aber das Trinkgeld am Ende unserer Tour stimmt ihn dann doch um. 😉
    Als wir mit den Kamelen dann an der Farm ankommen, bekommen wir einen klassischen roten Turban aufgesetzt und Chai auf dem Rooftop serviert, wo wir dem Sonnenuntergang beiwohnen dürfen. Danach wird es schnell frisch und wir finden uns mit den anderen Gästen, die noch zum Abendessen bleiben, am Lagerfeuer ein, bis die Damen des Hauses zum Essen ins Haus rufen. Hierzu wurden im Wohnzimmer zwei große Decken ausgerollt und so niedrige, kleine Holztischchen aufgestellt, wovon jede/r sein eigenes bekommt. Als alle Platz genommen haben, gehen Raj und sein Bruder reihum und teilen das Essen aus. Dal aus dunklen Linsen und Blättern des Sangri Baumes (?), Allo Gajar (Kartoffel-Karotten-Gemüse), Reis, Rotis aus Weizen und Hirse und natürlich ein scharfes Chutney. Wir bekommen so lange nach, bis wir vehement abwehren. Köstlich!
    Hinter uns saßen die Kinder am eiskalten Steinboden und schrieben ihre Hausaufgaben. Anita zeigte uns stolz, was sie schon kann. Und wir warfen dann noch einen Blick in die Küche zu den fleißigen Frauen am Herd und durften uns ebenfalls im Roti rollen und braten versuchen.

    Währenddessen wurden draußen unsere Betten unter freiem Himmel gerichtet. Wir wollten es wagen! Zur Not, sollte zu viele Wind aufkommen, könnten wir uns jederzeit in unsere (ebenfalls ungeheizte) Hütte zurückziehen. Die Luft war schon wirklich seehr kalt, aber die schweren Baumwolldecken gaben ihr Bestes und das war ausreichend. Bis auf Nasenspitzerl und Augenlider war mir kuschelig warm. Der Sternenhimmel wurde von der beinahe vollen Mondin ein wenig ausgebremst, war aber trotzdem wunderschön ✨✨
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