• Tag 1: Hanoi

    June 18, 2023 in Vietnam ⋅ ☁️ 31 °C

    Das Schmetterlingshaus im Luisenpark in Mannheim ist die erste Assoziation, als wir den Flieger verlassen. Obwohl es erst halb 7 Ortszeit ist und stark bewölkt, wirkt die schwüle feuchte Luft sehr drückend. Zum Glück sind wir nach dem kurzen Gang durch den Tunnel direkt im klimatisierten Flughafengebäude, wo wir unseren Einreisestempel in die Pässe bekommen. Auf die Koffer müssen wir kurz warten, aber tatsächlich sind alle da und kein Gepäck wird vermisst.

    Direkt am Ausgang erwarten uns dann das befreundete Paar, für dessen Hochzeit wir hergeflogen sind, gemeinsam mit den Eltern der Braut, um uns zu begrüßen. Die Schwester der Braut und die Mutter des Bräutigams sind mit uns zusammen im Flieger gewesen und bekommen ebenso wie wir erst mal einen großen Strauß Blumen überreicht. Nach einem ausführlichen Willkommen werden eine Menge gemeinsame Fotos in allen Kombinationen geschossen, während man gleichzeitig versucht, uns schon möglichst viele Informationen zu geben.

    Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft sind wirklich toll, man hat nicht nur gleich frische Wasserflaschen und Baguettes für uns mitgebracht, sondern auch für jeden schon eine lokale SIM-Karte organisiert. Vermutlich haben sie Angst, dass wir in den nächsten Tagen ohne Kontaktmöglichkeit irgendwo verloren gehen, denn man schärft uns auch direkt in den ersten Minuten ein, uns bei allen Fragen gerne zu melden. Dann werden wir in ein Taxi verfrachtet, dass zuerst uns an unserem Hotel absetzt. Hier können wir nach der netten Begrüßung und den vielen Geschenken auch unser Mitbringsel loswerden: Spülmaschinentabs. Die Eltern der Braut haben eine Spülmaschine geschenkt bekommen und man hat uns informiert, dass passende Tabs und Salz in Vietnam nur sehr schwierig zu bekommen sind, weshalb wir jeweils ein großes Paket eingeflogen haben. Die Eltern freuen sich riesig darüber und lassen ihren Dank mehrfach übersetzen, bevor alle weiterfahren und wir den Rest des Tages für uns sind.

    Ins Hotel einchecken können wir so früh leider noch nicht, aber wir haben nichts dagegen uns nach dem langen Flug erst mal ein wenig zu bewegen. Die Koffer können wir zum Glück dort lassen und so machen wir uns mit leichtem Gepäck, aber leider noch in warmen Jeans und ohne Sonnencreme, auf, um die Gegend zu erkunden.

    In der Nähe des Hotels befindet sich der Hoan Kiem See, den wir umrunden und in dessen Nähe wir auch einen Geldautomaten finden. Am Wochenende werden die Straßen um den See für den Verkehr gesperrt und augenscheinlich nutzen vor allem viele Familien den See für einen gemeinsamen Spaziergang.
    Als wir am See sitzen, spricht uns eine junge Frau mit zwei ca. Siebenjährigen Kindern an, ob wir Englisch sprechen. Es stellt sich heraus, dass sie Tutorin der beiden ist und die Kinder ihr Englisch üben sollen. Natürlich sind wir dazu bereit und lassen uns von den beiden zu unserer Herkunft, Hobbys, Lieblingsort, -tier, -reiseziel und weiteren Themen löchern. Für ihr Alter sind die beiden schon erstaunlich gut.

    Im Laufe des Tages werden wir noch häufiger von Kindern oder deren Begleitpersonen angesprochen und je nach Alter der Kinder schafft Michael es sogar, vom vorgesehenen Fragenkatalog abzuweichen und einen richtigen Dialog mit ihnen zu führen. Auch ein Interview einer Gruppe Jugendlicher zum Thema Pride Month für ein Schulprojekt führt er bereitwillig durch. Mir wird es mit den vielen Menschen aber langsam zu viel und so überlasse ich Michael die meisten Gespräche.
    Spannend finde ich, dass ausnahmslos alle nach einem Gespräch gerne ein Foto mit dir machen wollen und die Jugendlichen ihr Interview sogar einfach filmen und uns informieren, dass ihr Projekt auf Facebook veröffentlicht werden wird. DSGVO oder ähnliches scheint hier überhaupt kein Thema zu sein.

    Nachdem wir uns noch mit einer großen Flasche Wasser eingedeckt haben, checken wir um halb 2 Uhr Ortszeit endlich im Hotel ein. Die Energie reicht gerade noch für eine erfrischende Dusche und um endlich in ein paar passendere Klamotten zu wechseln, aber sobald ich mich aufs Bett lege, schlafe ich ein. Die kurzen Nächte in den letzten Tagen, die Zeitverschiebung und die Menge an neuen Eindrücken fordern ihren Tribut.

    Nach etwa zwei Stunden wache ich auf und bemühe mich, nicht wieder einzuschlafen, um Nachts nicht wachzuliegen. Da ich durch die Zeitverschiebung und das ungewohnte Wetter nicht richtig Hunger habe, gehen wir relativ früh nochmal aus dem Haus und nur eine Kleinigkeit essen.
    Die Tage hier sind deutlich kürzer und es wird um halb 7 schon dunkel. Wir gehen deshalb bald zurück ins Hotel und schauen ein bisschen Fernsehen, bevor wir unsere Sachen für den morgigen Ausflug richten. Da wir um sechs schon aufstehen müssen, versuchen wir früh zu schlafen, auch um uns der Zeitzone anzupassen. Müde genug bin ich auf jeden Fall.
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