• Cañon del Colca 4900 m

    September 1, 2025 in Peru ⋅ ⛅ 7 °C

    Um 3 Uhr morgens geht es zu dem ca. 160 km entfernten, tiefsten Canyon in Peru und einem der tiefsten der Welt – dem Colca-Cañon. Die Nacht ist frostig, die Tour ist organisiert. Für die Hinweise sind ca. 3 Stunden eingeplant. Allerdings dauert allein das Tanken ca. 30 Minuten...

    Wir machen die Tour aus zwei Gründen. Vorrangig möchten wir den Cañon sehen, der in einem Nationalpark liegt. Zweitens werden wir die Anden auf ca. 5000 m durchqueren, was für uns der nächste Schritt zur Akklimatisierung ist.

    Eine Stunde später lassen sich in der Dunkelheit der Nacht die ersten Konturen der Berge erkennen. Der Tag bricht an. Es ist schwer vorstellbar, dass in dieser gottverlassenen, kahlen Landschaft ein Leben existieren sollte. Inzwischen ist der Himmel babyblau mit zarten rosa-weißen Farben überzogen. Majestätisch erheben sich die Berge vor uns. Jetzt lässt sich auch die Flora der Gegend erkennen. Der Boden ist gefroren, was man an den Eiszapfen sieht, die an den Rändern der Bäche hängen. Bei jeder Kurve der Serpentinen ändert sich die Landschaft. Keine Kamera, oder zumindest keine unserer Handykameras, kann diese Eindrücke erfassen.

    Die erste 5000-m-Passage merke ich nur daran, dass mir wieder schwindelig ist und es in den Ohren knallt. Ich habe meinen Coca-Tee dabei. Das Kauen der Coca-Blätter hilft auch. Nach nur ca. 10 Minuten sind die Beschwerden fast weg, bis sie bei der nächsten Anstrengung zurückkommen. Mit Anstrengung meine ich, auf die Toilette zu gehen oder ein paar Schritte zu laufen.

    Irgendwann geht es wieder nach unten. Vom Weiten erkennt man die Siedlungen. Mein Staunen darüber, dass hier Menschen leben, nimmt kein Ende. Es ist schon hell, ca. 7 Uhr. Wir sind die Ersten in dem Restaurant, wo uns unser Frühstück serviert wird. Die Brötchen sind so kalt, dass man denkt, sie seien gefroren, obwohl sie frisch sind. Doch die Portion kultureller Unterhaltung wärmt mich schnell auf. Bei der Vorführung eines Tanzes werde ich zum Mitmachen eingeladen. Das kurze Hüpfen fühlte sich in der Höhe von 3200 m wie ein Marathonlauf an.

    In diesem Teil von Peru beginnt jetzt der Frühling. Mit Ende August ist die kälteste Zeit vorbei. Im Tal sehen wir viele Felder, die aber erst im Dezember bestellt werden können, damit die Pflanzen während der 3 Monate Regenzeit (Januar-März) wachsen können. Es werden Kartoffeln – bis zu 200 Sorten, Mais und Quinoa – angebaut. Weiter in den tropischen Gebieten wachsen Avocados, Orangen und Äpfel.

    Am Cruz del Condor könnten wir Kondore in ihrem natürlichen Lebensraum sehen. Wir haben Glück: Zwischen Mai und September fliegen die Kondore in der Colca-Schlucht von 8 bis 10 Uhr morgens. Das verschafft uns mehr Zeit für die weiteren Aktivitäten des Tages. Kurz nach unserer Ankunft kreisen auch schon die Kondore, zusammen mit anderen Aasfressern, majestätisch über unseren Köpfen. Sie erscheinen mir kleiner als die in Patagonien. Trotzdem sind sie mit 2,5 m Spannweite und 1,7 m Körpergröße riesig. Kondore sind monogam; stirbt eines der Paare, suizidiert sich das andere. Sie leben ca. 80 Jahre und ernähren sich ausschließlich von Aas.

    Auf dem Rückweg besuchen wir ein kleines Dörfchen namens Maka. Hier probieren wir den Saft, der aus den Kakteen gewonnen wird. Also genieße ich am frühen Morgen einen Pisco Sour. Trotz der frühen Stunde bevorzuge ich die alkoholische Variante. :) Eine der Zutaten des typisch peruanischen Getränks ist der Kakteensaft. Er sieht aus wie Kiwi-Saft und schmeckt etwas säuerlich.
    Übrigens; seit einiger Ewigkeit streiten die Peruaner mit den Chilenen von wem der Pisco Sauer eigentlich stammt;))

    Mittlerweile ist es fast Mittag. Die Sonne scheint, und ohne es zu merken, droht ein Sonnenbrand. In den Thermalquellen von La Calera ist Entspannung angesagt. Und ich habe meinen Bikini vergessen. :(

    Neben dem Baden kann man hier auch Kajak und Quat fahren und auf einer Leine in der Luft Fahrradfahren. Verrückt!

    Wir haben eine Verzögerung von ca. 30 Minuten. Einige der peruanischen Reiseteilnehmer kommen immer zu spät. Liegt das an der Nationalität? Unser Guide nimmt das sehr gelassen.

    Es bleibt genügend Zeit für ein Mittagessen in Form eines Buffet.
    Mein Fazit: Die peruanische Küche ist die beste, die ich in Südamerika probiert habe.

    Auf dem Rückweg gibt es noch viel Wissenswertes über die Vulkane, Kultur und zahlreiche Gelegenheiten, in der Höhe von fast 5000 m Fotos zu machen und Inka-Mate zu trinken. Jeder Schritt fühlt sich an wie zehn Minuten Joggen. Das Kauen der Coca-Blätter hilft wieder. Mein Coca-Tee ist bereits alle.

    Zurück in Arequipa geht es zunächst in die Apotheke. Dort gibt es Kräuterkapseln, die auch "Touristenkapseln" genannt werden. Sie enthalten eine Reihe von Kräutern, die helfen, die Beschwerden der Höhenkrankheit zu lindern und die Akklimatisierungsphase besser zu meistern. Ich frage mich, wie das die Touristen machen, die nur 14 Tage zur Verfügung haben....
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