Lago Titicaca
September 13, 2025 in Peru ⋅ 🌙 10 °C
Lago Titicaca ist mit seinen über 8000 Quadratkilometern der größte und am höchsten gelegene See der Welt. Titi bedeutet Puma, Caca bedeutet Fisch. Soweit zum Namen. Als wir am Morgen ankommen, ist das Wasser ruhig und die Sonne scheint. Doch der Schein trügt. Ab 16 Uhr ist es verboten, über den See zu navigieren. Der heftige Wind formt gefährliche Wellen, die verhängnisvoll sein können.
Hierher zu kommen und auf den schwimmenden Inseln zu übernachten, habe ich immer geträumt. Auf das Übernachten muss ich allerdings verzichten. Dennoch bin ich hier. Dennoch habe ich einen Blick in den Lebensraum der Uros werfen dürfen. Was für eine Geschichte! Seit ca. 1000 Jahren leben die Uros in ihren schwimmenden Häusern auf dem Titicaca-See. Anfangs lebten sie auf schwimmenden Boten, deren Häuser noch kleiner und rund waren. Nachdem die Inkas sie versklavt hatten, bauten sie Inseln auf dem Wasser, immer weiter weg vom Festland. Laut der Geschichte nutzten die Inkas ihre Boote, um die Osterinsel zu erreichen. Neben den Uros gab es wohl auch andere ethnische Gruppen, die aber ausgestorben sind.
Auf die schwimmenden Inseln flüchteten sich die Uros vor etwa 800 Jahren, um den Konquistadoren und Königen zu entkommen, und weil diese Lebensform kostengünstig ist. Bis 1990 lebten sie in Abgeschiedenheit. 1990 wollte die peruanische Regierung ihnen einen Lebensraum auf dem Festland anbieten. Dies lehnten sie ab. Die Uros bevorzugen es weiterhin, auf den schwimmenden Inseln zu leben und zu wohnen. Heute gibt es 130 Inseln, auf denen ca. 2600 Menschen leben. Auf jeder Insel leben 4 bis 5 Familien. Die Häuschen sind klein. Auf engstem Raum wird gelebt, und sie sind geschaffen, um der Kälte entgegenzuwirken. So wärmen sich die Menschen gegenseitig. Die Küche ist der zentrale Punkt.
Natürlich kann man sich als „Landratte“ so ein Leben nicht vorstellen. Die Nächte sind kalt, häufig regnet es, und der starke Wind ist wohl auch immer präsent. Dennoch entscheiden sich immer mehr junge Menschen, so wie ihre Vorfahren auf dem Wasser zu leben. Die Rollen der Geschlechter sind hier klar deklariert. Auf der Insel treffen wir nur Frauen und Kinder. Die Uros-Frauen hüten die Kinder, das Feuer und... Seit die Touristen kommen, machen sie ein gutes Geschäft. Die Männer widmen sich dem Jagen (nach Vögeln) und dem Sammeln (Eier). Wir haben unterwegs tatsächlich auch auf dem See grasen Schweine gesehen.
Als unser Schnellboot die schwimmenden Inseln erreicht, wird uns eine bestimmte Route zwischen den Inseln zugewiesen, damit alle Mitglieder der Uros an den Touristen verdienen können. Dann darf auf einer Insel eine kleine Touristengruppe aussteigen. Beim Betreten der Insel ist der Untergrund ein wenig instabil. Es fühlt sich so an, als ob meine Füße gleich nass werden würden, weil das Wasser von unten hochkommt. Aber nichts dergleichen passiert. Wir dürfen uns mitten auf dem Platz setzen. Alles fühlt sich wackelig und instabil an. Die Bewohner laufen barfuß. Den Untergrund würde ich mit trockenem Stroh vergleichen.
Melanie, meine Gastgeberin, erklärt uns während einer Vorführung, wie die Inseln gebaut werden. Sie hält den Vortrag in der Uro-Sprache. Abel, unser Guide, übersetzt auf Spanisch.
Als Basis für den Bau der Inseln werden die schwimmenden Wurzeln der hier wachsenden Totora-Pflanzen genutzt. Daraus bilden die Uros ca. 1x1 m große Blöcke, die ca. 3 m tief ins Wasser reichen. Die Blöcke werden dann mit den trockenen Trieben der Totora bedeckt. Obenauf werden die Häuser gebaut. Der Bau einer Insel dauert ca. ein Jahr. Die Lebensdauer einer solchen Insel beträgt ca. 50-60 Jahre, eine Generation. Nach dem Vortrag sucht Melanie mich und zwei weitere Gäste aus. Sie lädt uns in ihr Haus ein. Das Haus ist ca. 2x5 m groß. Wir sind eingeladen, uns auf die am Boden liegenden Matratzen zu setzen, die gleichzeitig das einzige und beste „Möbelstück“ in dem Haus sind. Melanie setzt sich uns gegenüber auf den Boden. Dann kommen zwischendurch ihre Töchter rein.
Erstaunlicherweise spricht Melanie mit uns Spanisch. Sie kann schreiben und malen – erzählt sie uns. Es ist ihr wichtig, dass ihre Kinder zur Schule gehen und eine Ausbildung machen können. Sie wollen eine Ausbildung zum Guide machen. Aber bei sieben Geschwistern konnten ihre Eltern das nicht bezahlen.
Zwischen den einzelnen Inseln gibt es eine Schule, einen medizinischen Versorgungspunkt und sogar einen Fußballplatz. Zur Schule gehören mehrere Häuschen. Jedes Kind benutzt selbstständig ein Boot, um zur Schule zu kommen. Was die medizinische Versorgung angeht, war es früher besser – sagt uns Melanie. Seit der neuen Regierung kommt der Arzt leider nur einmal pro Woche aus Puno hierher. Die meisten gesundheitlichen Probleme haben die Menschen hier wegen der vielen Feuchtigkeit: Arthritis, Pneumonie, Husten und Grippe.
Mit fünf Jahren schwamm die 32-jährige Melanie wie ein Fisch. Ihre Kinder gehen heute nicht mehr ins Wasser. Der See ist zu kalt. Um sich zu waschen, wärmen sie das Wasser auf. Ich gebe vor, zur Toilette gehen zu müssen. Das versetzt die Frauen in Stress. Nach 10 langen Minuten darf ich schließlich auf die für Touristen gemachte Toilette. Die Einheimischen erledigen ihre Geschäfte auf kleinen extra Inseln, wird mir gesagt. Schade, ich wollte wissen, wie das genau funktioniert. Es bleiben viele Fragen offen. Nachdem Isabel, eine andere Touristin, die mit mir ins Haus von Melanie durfte, und ich ein paar Sachen, die wir nicht brauchen, zu völlig überteuerten Preisen gekauft haben, geht es weiter auf ihre großen, gelben Boote. Wir sind uns mit Isabel einig, dass wir die Dinge nur gekauft haben, weil es der Bildung der Kinder zugutekommt. Wollen wir mal hoffen...
Die Uros betrachten sich als arm. Die Bootsfahrt kostet extra. Auf dem Boot begleiten uns zunächst viele Kinder. Sie singen und tanzen. Nachdem sich schließlich ihre Spenden gesammelt haben, wird ein kleines Boot mit ca. 8 Kindern, davon das kleinste ca. 2 Jahre alt, einfach abgeseilt. Mit Isabel glauben wir unseren Augen nicht. Die Kinder können nicht schwimmen, das Wasser ist sehr kalt, und die Kinder driften unbeaufsichtigt davon... „Die können das seit klein auf“, sagt mir später Melanie, als ich sie darauf anspreche. Einfach unglaublich!!!
In meinen Augen verdienen die Uros ganz gut an der Vermarktung ihres Lebens. Denn es gibt sogar die Möglichkeit, dort zu übernachten. Die Touristengebäude gleichen allerdings dem Standard, den wir gewohnt sind.
Unser Reise geht weiter zur nächsten Insel.Read more


















TravelerDanke für deine Information 🫶Ich habe bei TV/Arte einen Film gesehen , die über das Leben des Urus berichtet haben . Auch wir die Kinder jeden Tag mit dem Boot zur Schule fahren . Eine unglaubliche Weltgeschichte . Ich bewundere die Menschen die weiter so leben wollen . Und was über Preise man sagt , für mich persönlich ist es ok . Auch wenn es teure ist , vielleicht gut so ! Weil hoffentlich die Urus keinen Massentourismus erwarten müssen 🙏🙏