• Die Höhenkrankheit

    September 3, 2025 in Peru ⋅ ☀️ 15 °C

    Laut Wikipedia bezeichnet man als Höhenkrankheit ein Syndrom bei Menschen, die sich in große Höhen begeben, ohne sich physiologisch an die verminderte Sauerstoffkonzentration der Atemluft anzupassen. Eine andere Bezeichnung ist D’Acosta-Krankheit (nach José de Acosta). Die Höhe, bei der erste Symptome auftreten, ist individuell verschieden und stark konstitutionsabhängig; sehr selten kann eine Höhenkrankheit bereits zwischen 2000 und 2500 m auftreten.

    Leitsymptome sind Kopfschmerzen. Dazu kommen häufig Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Schwäche, Atemnot, Schwindel, Tachykardie, Benommenheit bis zur Apathie, Tinnitus und Schlafstörungen.

    Die Höhenkrankheit kann in ein akutes und lebensbedrohliches Höhenhirnödem (HACE) übergehen; auch kann sich ein ebenfalls lebensgefährliches Höhenlungenödem (HAPE) bilden.

    So viel zur Theorie...

    Und hier sind meine Erfahrungen...

    Tatsächlich haben wir uns gleich nach der Landung in Arequipa "komisch" gefühlt. Der Ausdruck "komisch" trifft es am besten. Ein leichter Schwindel, etwas Druck in der Brust – aber nichts wirklich Greifbares. Das "komische Gefühl" verstärkte sich bereits bei der kleinsten Belastung, wie zum Beispiel, wenn ich mich schnell ins Bett legen oder ohne darüber nachzudenken ein paar Schritte schneller zur Toilette gehen wollte.

    In Cusco wachte ich bereits mit diesem "komischen Gefühl" auf. Das Kauen der Coca-Blätter hilft, zumindest bedingt, egal was die Wissenschaft dazu sagt. Einfach kauen, sich setzen oder hinlegen und abwarten. Irgendwann merkt man, dass es wieder besser wird… dachte ich…

    Am ersten Tag in Cusco endete unser Spaziergang zum Zentrum in der ersten Bar, die nur ca. 50 m vom Hotel entfernt war. Auf dem Weg von der vierten Etage nach unten musste ich in der dritten Etage eine Pause einlegen. Ich hatte das Gefühl, als läge ein Stein auf meiner Brust, mir war schwindelig, die Luft war knapp, und ich konnte einfach nicht weitergehen. Einige Minuten später legte ich an der Rezeption die nächste Pause ein. Auf der Suche nach einem Restaurant schaffte ich es dann zur nächsten Bar, Gott sei Dank war die nur drei Häuser entfernt. Schließlich war ich froh, satt wieder ins Zimmer und ins Bett geschafft zu haben, begleitet von vielen Coca-Blättern, Inka-Mate, Touristenkapseln und der liebevollen Fürsorge unserer Gastgeberin.

    Erstaunlicherweise ging es Alfred recht gut. Mit wenigen Verschnaufpausen, ein paar Touristenkapseln und ein paar Coca-Blättern hatte er die Akklimatisationsphase problemlos überstanden.

    Drei Tage später machten wir eine Tour zu sämtlichen archäologischen Stätten der Inkas. Mit dem Auto wechselten wir innerhalb von wenigen Minuten mehrere Hundert Höhenmeter. Eine der Sehenswürdigkeiten lag plötzlich 300 Meter tiefer als unser Hotel. Beim Aussteigen aus dem Auto bekam auch ich wieder dieses "komische Gefühl". Offensichtlich gibt es die Symptome des "komischen Gefühls" auch beim Absteigen… Das dachte ich. Diesmal verging das Gefühl schnell. Heute erklärte uns unser Guide, dass die Coca-Blätter nur einen Placebo-Effekt haben und nicht wirklich helfen…

    Wie auch immer, ich finde, sie haben mir schon etwas gebracht, auch wenn es nur für meinen Kopf war ;) und außerdem hatte ich gaaanz viel Durst ;)))

    Auf der Route über die archäologische Stätte warf ich so manchen Blick in die Räumlichkeiten der Service-Center. Es scheint, als wären sie tatsächlich gut auf Notfälle vorbereitet… Trotzdem hatten wir unseren Sauerstoff immer dabei.

    Ein paar Tage später.

    Um Machu Picchu zu besuchen, mussten wir wieder auf ca. 2400 m hinuntergehen. Heute geht's zurück nach Cusco: 3400 m.

    Morgen steht einer meiner absoluten Träume auf dem Programm: Vinicunca – der Berg der sieben Farben in 5000 m Höhe.

    Auf 4600 m über dem Meeresspiegel kommen wir mit dem Auto. Beim Aussteigen aus dem Van wird mir ein wenig schwindelig. Ich habe vorsichtshalber ca. 2 Stunden vor Ankunft auf dem Parkplatz zwei "Touristenkapseln" eingenommen. Unser Guide gibt uns einen Überblick über das Zeitmanagement.

    Während wir über 3 Stunden auf einer Distanz von 2 km einen Anstieg von 400 m bewältigen müssen – inklusive Rückweg – wird die Luft mit jedem Schritt wörtlich dünner. Der Schwindel ist weg, ich bin aber tachykard. Ich versuche, sehr langsam zu laufen, bin aber immer noch zu schnell für meinen Körper. Nach nur ein paar hundert Metern wird mir klar: Ich muss auf ein Pferd umsatteln. Andernfalls komme ich nicht rechtzeitig an. Durch das Ausweichen auf das Pferd gewinne ich 30 Minuten Zeit, was mir oben am Aussichtspunkt ermöglicht. Bei den letzten Schritten, kurz vor 5000 m, fühle ich mich eigentlich gut. Aber nach fast jedem Schritt brauche ich eine Pause, sonst habe ich das Gefühl, umzufallen. Diese Pausen nutze ich, um die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen.

    Der Abstieg geht erstaunlich leicht. Trotzdem muss ich mich abbremsen. Ich fühle mich einfach nur unendlich müde. Irgendwann, auf dem halben Weg zurück zum Parkplatz, fällt mir das Atmen wieder schwer. Für die 2 km nach unten zurück brauche ich eine ganze Stunde. Auf meiner Brust liegt ein virtueller Stein. Ich habe Kopfschmerzen. Ob die vom Schlafmangel, der Höhe oder der Erschöpfung kommen, ist mir in diesem Moment egal.

    Zurück in Cusco sind wir immer noch auf 3500 m. Irgendwie merkt man die Höhe trotzdem, obwohl wir schon ein paar Tage hier wohnen.

    12.9.25 Zurück in Arequipa geht es Alfred aufgrund der Luftverschmutzung schlecht. Wir fahren am nächsten Tag wieder auf 4000 m, um die Salineras zu besichtigen. Es scheint, als ob er immer noch nicht an die Höhe adaptiert ist. Er hat Schwindel. Anderseits weigert er sich, ausreichend isotonische Getränke zu trinken, und provoziert mit seinem unvernünftigen, sturen Verhalten eine Verschärfung der Symptome. Allerdings kann er gut atmen, sagt er. In der Höhe angekommen, bleibt er aufgrund des Schwindels in der Nähe des Vans. Das Laufen ist ihm zu viel. Mir ist ein wenig schwindelig, ich kann aber gut langsam gehen.

    13.9.25 Der Besuch des Titicaca-Sees wird ein Marathon für uns beide. Da Alfred mit zum See will, aber nicht auf 4000 m übernachten möchte, verbringen wir 2 Nächte im Nachtbus. Zwar sind die Busse mit (fast) Betten ausgestattet, aber wir sind kontinuierlich unterwegs. Es geht ihm sehr schlecht, sowohl aufgrund des Schwindels als auch von der Seite der Lunge. Deshalb bleibt er während des gesamten Ausflugs auf dem Boot, ohne die Inseln zu erkunden. Ich werde immer fitter.

    15.9.25 Nach ca. 2 Wochen kommen wir zurück auf Meeresspiegelhöhe. Der Schwindel begleitet uns. Die letzten 3 Nächte haben wir im Bus verbracht und kaum gefrühstückt. Vielleicht liegt es am Druck des Meeres oder an der Höhe, die hier unten herrscht.

    Wie auch immer, die hohen Gebiete, vor denen wir Respekt hatten, haben wir hinter uns gelassen. An den Druck des Meeresspiegels muss ich mich wieder gewöhnen.

    Alfred hat die dünne Luft mit wenig Sauerstoff für seine Verhältnisse sehr gut überstanden. Die Sauerstoffflasche mussten wir nicht benutzen, wir haben sie in Arequipa an ein Krankenhaus verschenkt. Wir beide hätten nicht gedacht, dass er zu vielen unserer Reiseziele mitkommen würde. Was Alfred zusetzt, ist die Umweltverschmutzung. In dem Smog der großen Städte fällt ihm das Atmen schwer
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