• Endlich gutes Wetter

    February 20 in Sri Lanka ⋅ 🌧 24 °C

    Am dritten Tag, nachdem wir in Sigiriya angekommen waren, konnten wir die Felsen endlich gut von unserem Zimmer aus sehen. Zwei riesige Felsen, die fantastische Aussichten bieten. Wir beschlossen, hochzulaufen.

    Beim Lion Rock handelt es sich um eine Stätte von historischer und archäologischer Bedeutung. Laut der alten sri-lankischen Chronik war dieses Gebiet einst ein ausgedehnter Wald. Nach Stürmen und Erdrutschen wurde es zu einem Hügel geformt – dem heutigen Lion Rock. König Kashyapa (477–495 n. Chr.) wählte ihn zu seiner neuen Hauptstadt. Er errichtete seinen Palast auf diesem Felsen und schmückte dessen Wände mit farbenprächtigen Fresken, auf denen allerdings nur Frauen abgebildet sind. Glaubt man gewissen Quellen, dann war ein Teil des Palastes ein Vergnügungsort. Auf einem kleinen Plateau, etwa auf halber Höhe des Felsens, ließ er ein Tor in Form eines riesigen Löwen errichten. Der Name des Ortes leitet sich von diesem Bauwerk ab: Sinhagiri, der Löwenfelsen. Die Hauptstadt und der Königspalast wurden nach dem Tod des Königs verlassen. Bis ins 14. Jahrhundert diente der Ort als buddhistisches Kloster. Sigiriya ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und eines der am besten erhaltenen Beispiele antiker Stadtplanung.

    Unterhalb des Felsens erstreckt sich eine gepflegte Gartenanlage, deren Betreten kostenfrei ist. Das Besteigen der 180 Meter hohen Granitsäule kostet rund 30 $. Nicht gerade wenig. Dennoch werden überall Restaurierungsarbeiten vorgenommen, was vermuten lässt, dass die Gebühren gut investiert werden. Der Weg zur Plattform führt über Treppen und ist einfach. Unmengen an Menschen tummeln sich an der schmalen Metalltreppe. Dicht an der langsamen Schlange derer, die nach oben möchten, pressen sich die, die nach unten wollen. Es riecht nach Schweiß. Dafür wird man mit einer atemberaubenden, schönen Aussicht belohnt.

    Wir verweilen hier fast zwei Stunden, genießen die Aussicht und unterhalten uns mit Patricia und ihre Freundin. Die beiden Deutschen sind für drei Wochen hier. Es macht Spaß, sich mit ihnen auszutauschen.

    Leider werden wir auch Zeugen, wie respektlos Touristen gegenüber der Natur sind. Eine ungarische Touristin reicht einem Affen ihre Hand. Das Tier klettert ihr auf den Kopf. Um es dann irgendwie loszuwerden, wird dem Tier ein Stück Plastik gereicht, was vom Affen natürlich als Futter definiert wird. Polnische Touristen verdrängen fast eine stillende Affenmutter von einem Ast mit der Kamera, um Bilder zu machen. Das Tier weicht aus. Die Tiere verlieren die gesunde Distanz zu den Menschen. Sie werden frech. Ich beobachte, wie ein Affe einem Deutschen einen Schokoriegel aus dem Rucksack klaut. Ich spreche den Touristen an. Er findet das nicht schlimm, weil der Riegel für ihn nichts wert ist. Der Affe verspeist den Riegel samt Verpackung. Daran, dass es für die Tiere schädlich ist, denkt der Tourist nicht. Ein Tag zuvor versucht ein Affe mir den Eis, den ich gerade esse zu klauen und kommt frontal auf mich zu. Dank einer Warnung kann ich dem Tier noch rechtzeitig Ausweichen. Nach dem heutigen Abstieg hatte ein Affe versucht den Orangen Saft mir aus der Hand zu entreißen.

    Beim Absteigen sehen wir uns noch die Fresken an. Eigentlich ist es verboten, sie zu fotografieren. Dennoch mache ich ein paar Fotos. Dann geht es runter und mit dem Fahrrad zum nächsten Felsen.

    Der Pidurangala Felsen liegt circa 1 km vom Lion Rock entfernt und ist circa 190 Meter hohen.
    In den Höhlen befindet sich der Tempel Sigiri Pidurangala Raja Maha Viharaya, der vermutlich im 5. Jahrhundert von König Kashyapa erbaut wurde, sowie eine monumentale Ziegelstatue eines liegenden Buddha. Die Grabstätte von König Kashyapa liegt in der Nähe des Klostereingangs, und auf dem Felsvorsprung befinden sich die Überreste einer weiteren Stupa.

    Der Eintritt kostet umgerechnet 3 $. Für viele Touristen ist das der Grund für den Aufstieg. Hier gibt es keine Treppen. Unten ist der Weg noch sehr moderat, etwas undeutlich gekennzeichnet. Ich verlaufe mich noch ziemlich am Anfang und stoße auf eine offensichtlich immer noch genutzte Lagerstätte eines Mönches.

    Weiter oben laufe ich an dem liegenden Buddha vorbei. Auf der halben Strecke schnüre ich meine Wanderschuhe bis nach oben fest zu. Gut, dass ich die angezogen hatte. Es sind viele Touristen unterwegs. Die Hälfte läuft in Flip-Flops...

    Die letzten Meter des Aufstiegs lassen den Weg kaum erkennen. Wir spekulieren mit mehreren, wie wir das Klettern am besten bewältigen. Eine Familie hat vier kleine Kinder dabei. Am Ende schafften wir mit gegenseitiger Unterstützung alle bis nach oben. Es kommt allerdings öfter vor, dass auf den letzten Metern die Wanderung abgebrochen wird. Manchmal ist weniger eben mehr...
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