• Wir sind gestrandet

    March 2 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 28 °C

    SONNTAG
    01.03.2026
    Im Hinterkopf hatten wir natürlich immer schon, dass so etwas passieren kann. Nun ist die Gefahr, irgendwo sitzen geblieben zu sein, zu unserer Wirklichkeit geworden.

    Nachts schrieb mir eine Freundin. Sie fragte, wo wir sind, und ob wir schon die Neuigkeiten mitbekommen hätten. Ja, am Nachmittag hatte Iran ein Hotel in Dubai bombardiert. Laut unseren Airline-Infos hatten noch an dem Tag Flugzeuge den arabischen Luftraum verlassen. Cristina meinte, aus Italien seien alle Flüge nach Dubai, Katar, Oman etc. gestrichen.

    Da waren wir noch recht naiv. Ich beruhigte sie und wollte nur noch schlafen. Dennoch gelang mir das eher schlecht. Morgens waren wir auf dem Weg zum Flughafen.

    180 km quer über Land. Zum ersten Mal sah ich, wie Reis getrocknet wurde. Wie alles andere geht auch das Trocknen der Reisernte einfach. Ein Teil der einer Straßenseite wird blockiert. Man zerstreut die Reiskörner und sie trocknen an der Sonne. Alle Fahrzeuge umfahren die "Trockenstellen".

    Sri Lanka inland ist wunderschön und sauber! Üppige Vegetation, Photovoltaikanlagen. Uns fallen die immer länger werdenden Schlangen vor den Tankstellen auf. Wie früher in Polen... Die Fahrt dauert, währenddessen suchen wir im Internet nach Informationen. Später werden wir feststellen müssen, dass alles, was wir fanden, veraltet war. In solchen Situationen werden drei Stunden alte Infos Geschichte. Die Qatar Airways App lässt sich nicht laden, ist aber der Schlüssel zur Umbuchung.

    Wir möchten niemanden beunruhigen. Deshalb halten wir uns mit Mitteilungen bedeckt. Nur meine Freundin Magda muss dran glauben. Irgendwo musste ich mit meinen Gefühlen hin. Dafür werde ich ihr für immer dankbar sein ❤️

    Unterwegs entschieden wir, direkt den Flughafen anzusteuern. Wir haben alle unsere Sachen dabei. Wir könnten den morgigen Flug sausen lassen und sofort fliegen. Wenn das nicht klappt, werden wir zu dem unterwegs gebuchten Hotel fahren.

    Am Nachmittag erreichen wir den Flughafen. Viele Menschen warten vor dem recht kleinen, etwas in die Jahre gekommenen Gebäude.
    Die meisten hatten übrigens Reisebüros ihren Urlaub gebucht. Haben jetzt keinen Ansprechpartner, fühlen sich alleine gelassen, haben keine Ahnung was sie tun sollen. Die Anmeldung beim Auswertiegm Amt und vergleichbaren Ämten andere Länder bringt nicht viel. Ich mache das, was ich am besten kann: quatschen mit Leuten. So quatsche ich mich durch und wir werden sogar in den Flughafen reingelassen. So banal das auch klingen mag, ist das jetzt und hier ein Privileg, keine Selbstverständlichkeit. Später treffen wir Leute, denen der Zugang in das Flughafengebäude verwehrt gewesen war, obwohl sie an dem Tag hätten fliegen sollen!

    Ein beklemmendes Gefühl. Am liebsten würde ich heulen. Bin aufgeregt. Wir treffen auf einen netten Mitarbeiter unserer Fluggesellschaft. Er ist sehr darauf bedacht, uns zu helfen. Über 30 Minuten installieren wir die Qatar Airways App zusammen. Als es dann klappt, stellt sich allerdings heraus, dass sie momentan nichts taugt. Wir bekommen dazu mehrere Telefonnummern, die wir anrufen können, um die Flüge umzubuchen. Klasse! Mit unseren Handys können wir hier nur WhatsApp-Anrufe tätigen. Die Telefonnummern sind aus Indien, Katar und noch irgendeinem Land, was uns nicht weiterhilft. Inzwischen werden wir von Expedia angemailt. Wir können stornieren oder anrufen. Die angegebenen Telefonnummern funktionieren nicht!

    Am Schalter der SriLankan Airlines könnten wir versuchen, einen direkten Flug nach Frankfurt zu bekommen- so der Ratschlag den wir bekommen von dem netten Mann.

    Hoffnungsvoll und offen für die ganze Welt erfahren wir am Schalter Folgendes:
    Nach Afrika gibt es keine direkte Verbindung.
    Nach Singapur könnten wir in ein paar Tagen fliegen. Bringt uns aber nicht weiter, da die Anschlussflüge nach Europa nicht buchbar sind.
    Nach Frankfurt direkt ist bis zum 13.03. alles ausgebucht.
    Wir könnten nach Indien, was uns nichts bringt.
    Wir könnten nach Thailand, da ist aber die Situation am Flughafen wohl noch schlimmer und Anschlussflüge sind ebenfalls fraglich.
    Wir können nicht über Aserbaidschan, Usbekistan und so weiter fliegen wegen dem Krieg in der Ukraine.

    In Sri Lanka sind wir über die vier Wochen ein wenig "heimisch" geworden. Sicher ist es hier auch. Wir bleiben.

    Das Internet ist so schwach, dass wir nicht viel erreichen können. Wir entscheiden uns doch, Marco zu kontaktieren. Bevor wir im Hotel angekommen sind, hat er auch schon eine Alternative gefunden. Wir können in einer Woche über Hongkong nach Frankfurt fliegen. Die Chinesen können über Russland fliegen. Wir kaufen diesen Flug. Somit haben wir wenigstens die Option, in einer Woche nach Hause aufzubrechen.

    Ich versuchte noch, meine Chefin zu kontaktieren, um mitzuteilen dass ich bestimmt nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurückkomme. Doch am Sonntag sie zu stören ist auch nicht schön. Trotzdem schreibe ich ihr eine E-Mail.

    Inzwischen ist tiefste Nacht hier. In unserer Unterkunft gibt es wegen technischer Probleme kein Wasser. Bin erledigt.

    MONTAG
    02.03.2026
    Am nächsten Morgen treffen wir unsere Hotelnachbarin. Gestern beim Check-in hatten wir uns getroffen. Die sympathische 40-Jährige kommt aus Manchester. Sie hat es gerade geschafft, ihren Flug über die Airlines-App umzubuchen.
    Nach zehn Minuten gelingt es mir, unsere Flüge ebenfalls neu zu buchen, allerdings über den Luftraum, der momentan noch geschlossen ist. Absichtlich habe ich erst den 6. März gewählt. Da gab es mehrere Möglichkeiten der Buchung, und bis dahin hat sich die Lage vielleicht entspannt, so meine Hoffnung. Eilen reist alleine. Wir quatschen noch eine Weile und sind froh, sich austauschen zu können.

    Gerüstet mit bereits zwei eventuellen Möglichkeiten, in ein paar Tagen zurück nach Hause zu kommen, erreichen wir gegen Mittag unser Hotel am Meer.

    Volltreffer! Hier lässt es sich aushalten! Das Hotel ist direkt am Meer. Eine Yogahalle und ein Pool laden zum Verweilen ein. Alfred hat jemanden, mit wem er deutsch reden kann.
    Wir treffen nämlich auf ein paar sehr nette Deutsche, die ebenfalls gestrandet sind: Wiwi, Cäcilia und Helmut. Deren Lage ist weit schlimmer als unsere. Sie durften gestern die Flughafenhalle nicht betreten, obwohl sie eigentlich einen Flug gehabt hätten. Die Airlines-Applikation konnten sie nicht laden. Einen Flug nach Deutschland haben sie auch noch nicht.

    Inzwischen haben sich meine Chefin und mein direkter Vorgesetzter gemeldet. Ich soll mir wegen der Arbeit keine Sorgen machen. Das beruhigt. Die lieben Worte der Familie und Freunde tun ebenfalls gut.

    DIENSTAG
    03.03.2026
    Wir können uns glücklich schätzen! Wir sind gestrandet, aber sicher. Haben das Meer vor der Nase und zwei Optionen. Davon ist die erste Option, am 6. März 2026 nach Hause zu fliegen, sehr unwahrscheinlich. Beim 9. März 2026 bin ich recht zuversichtlich.

    Unsere Freunde aus Trier haben immer noch keinen Rückflug finden können. Die Flüge über Hongkong, die wir noch am Sonntag gebucht hatten, sind mittlerweile fünfmal teurer. Der Preis liegt aktuell über 5000 € pro Person! Ein Bekannter war zum Zeitpunkt, als die Bomben fielen, in Dubai.

    In Ruhe besprechen wir mit Alfred unsere weitere Vorgehensweise. Es bleiben noch ein paar Dinge zu erledigen: Visum verlängern, Telefonkarte aufladen etc. Für den Flug über China müssen wir noch unsere Daten ergänzen. Jetzt wird mir klar, dass der Fall eintritt, wegen dem ich nie nach China wollte. Unsere Handys werden da "gefilzt". Teilweise kennen wir das aus Vietnam. Wir haben keine Wahl. :/ All das sind Nichtigkeiten im Vergleich mit Problemen, die andere Menschen haben.
    Read more