• Rissani und in die Wüste "Erg Chebbi"

    March 18, 2019 in Morocco ⋅ ☀️ 23 °C

    wir verlassen gegen Mittag den schönen Campingplatz Karla, nördlich von Erfoud und fahren nach Er Rissani.

    Rissani liegt unweit der Ruinen der ehemaligen Karawanenstadt Sidschilmasa, die im Mittelalter für Marokko von großer Bedeutung war. Der Ursprung von Rissani ist eng verbunden mit der Dynastie der Alawiden, die seit dem 17. Jahrhundert über Marokko regiert. Die Alawiden zeigen sich auch heute noch sehr heimatverbunden, denn immer wieder werden die Stadt und ihre Umgebung mit einem neuen Bauwerk (Monumentaltor) geschmückt, oder aber ältere Bauten werden instand gehalten (Mausoleum) oder restauriert (Ksar Abouam).

    Hier war gerade der grosse Sonntagsmarkt, den wir natürlich sehen mussten. Wir haben ja schon viele Märkte gesehen, aber dieser war wirklich marokkanisch, Ein Gezeter überall, praktisch keine Touristen und man konnte, wenn man die Verkäufer einfach nicht beachtete, alles in Ruhe anschauen. Wir wollten hier noch ein paar Kilo Orangen, Erdbeeren und ein paar Bananen einkaufen, aber erst am Schluss. Etwas Neues für uns war der Ziegen und Schaf Markt. Am Boden des eingezäunten Geländes lagen Seile, an denen jedes einzelne Tier an einem Bein fest angezurrt war, nur die Lämmer und Geisslein blieben frei bei ihren Müttern. Draussen waren grosse Haufen von Grünzeug aufgeschichtet, wir hatten keine Ahnung, ob man das Zeug essen kann, also: fragen. Es war Futter für die Tiere, welches man für die langen Transporte auch gleich hier kaufen konnte.
    Beim Verlassen des Marktes hielten wir beim Früchtestand und wollten Orangen kaufen. Wir wollten - da kam der Herr Mohamed, der gut deutsch sprach. Er lud uns spontan zu einem Tee ein und riet uns, die Früchte weiter drinnen im Markt zu kaufen, dort seien sie viel besser. Er gab sich als offizieller Führer zu erkennen, mit Ausweis. Wir kauften also Orangen und Bananen beim "besseren" Händler. Da wir es recht lustig mit Mohamed hatten, fragten wir ihn, ob man hier auch grosse Blech-Laternen kaufen könne. Klar, sagte er und führte uns prompt zu einem Nomaden Depot (der geneigte Leser ahnt schon, wie es weiter geht). Nun, im Depot fanden wir wirklich die gesuchten Laternen und wie es sich gehört, begann jetzt der grosse Handel. Wir waren ja wirklich keine Experten, aber wir wussten von anderen Leuten, wo wir am Ende etwa landen sollten. Er bot uns 2 Laternen für 2'300 DH an, das war natürlich viel zu viel, ich bot ihm 800 DH an (wir wollten bei etwa 1'200 DH landen). Jetzt begann das Spiel, mit Tee und viel reden. Er war zufrieden und wir gingen ebenfalls zufrieden mit 3 statt 2 Laternen für 1'800 DH aus dem Nomaden Depot. Der Verkäufer sagte uns, dass es sehr schön war, mit uns zu handeln und schenkte uns dafür zwei schöne Gewürzschalen.
    Mit der ganzen Bagage, Mohamed half uns beim tragen, landeten wir beim WoMo - und jetzt kommt der Clou. Mohamed bedankte sich ebenfalls für die gute Zeit, wünschte uns eine gute Weiterreis, und er wäre froh, wenn wir ihn als Stadtführer weiterempfehlen würden - klar, machen wir. Man trifft Mohamed am Markt, im Restaurant, gegenüber der Banque Agricol. (er wollte übrigens nichts für seine Unterstützung)
    Vielleicht werden wir ihn auf der Rückfahrt treffen und mit ihm zusammen das Karavanenviertel anschauen und eine Pizza Berbère backen. (Insh' allah)

    Nach diesem Abenteuer fuhren wir wieder der Einsamkeit entgegen, wieder an den Rand der Wüste "Erg Chebbi", diesmal weiter südlich. Wir fanden einen schönen Platz in der Kasbah Mohayut, etwas nördlich von Merzouga. Der Chef Berber, Hassan, spricht deutsch und sogar einige Brocken lustiges schweizerdeutsch. Das Hotel ist sehr sauber und schön eingerichtet, wir Camper dürfen die gesamte Infrastruktur kostenlos mitbenutzen.
    Gegen Abend zeigten sich plötzlich Wolken am Himmel. Wolken in der Wüste ? Eigentlich ungewohnt. Die entfernteren Berge verschwanden in einem Nebel und die Sonne verschwand ganz - nichts gutes! Es baute sich tatsächlich ein Sturm auf - ein Sandsturm! Da heisste es "Schotten dicht" und warten, bis es vorbei geht. Draussen wurde die Luft immer trüber und im WoMo immer heisser - es war bereits 31°C draussen. Zum Glück ging der grösste Teil des Sandsturmes an uns vorbei, aber man konnte dennoch meinen, wir wohnen in einem Sandkasten.
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