• Eine schöne Sage

    December 9, 2025 in Sweden ⋅ ☁️ 1 °C

    Die Winter-Sage von Lycksele: „Der Hüter des Gefrorenen Lichts“

    Man erzählt sich, dass es in den tiefsten Winternächten rund um Lycksele einen Geist gab, den man Frostljusaren nannte – den Hüter des gefrorenen Lichts.

    Dieser Geist wanderte über die zugefrorenen Seen und durch die verschneiten Wälder. Seine Aufgabe war es, das Nordlicht zu schützen. Denn das Nordlicht, so sagte man, sei nicht nur ein Himmelsphänomen – es sei ein uraltes Lebewesen, das in jeder Winternacht durch Lappland ziehe.

    Eines Jahres wurde der Winter so dunkel, dass das Nordlicht tagelang ausblieb.
    Die Menschen in Lycksele fürchteten, dass die Sonne nie zurückkehren würde.

    Da erschien der Frostljusaren im Traum einer jungen Jägerin namens Aila. Er sagte ihr:

    „Ein Schatten hat das Licht gefangen. Nur ein Herz, das mutiger ist als die Winterkälte, kann es befreien.“

    Aila folgte den Spuren des Frostljusaren nordwärts, über den zugefrorenen Umeälven, bis zum Berg Gammplatsberget.
    Dort fand sie eine Höhle, in der ein dunkles Wesen lebte – Mörkmannen, der Mann aus Finsternis, der in langen Wintern stärker wurde.

    Aila konnte ihn nicht mit Waffen besiegen. Doch sie erinnerte sich an die Worte ihres Großvaters:
    „Finsternis fürchtet ein warmes Herz.“

    Sie nahm eine glühende Kohle aus ihrem Feuerbeutel – das einzige Licht, das sie mit sich getragen hatte – und hielt sie dem Schatten entgegen.
    Die Höhle begann zu beben, und der Mörkmann wich zurück, bis er sich im Fels verlor.

    In diesem Moment brach über ihr der Himmel auf – das Nordlicht tanzte wieder. Der Frostljusaren erschien ihr ein letztes Mal und sprach:

    „Solange Mut in den Menschen von Lycksele lebt, wird das Licht niemals verschwinden.“

    Seitdem sagt man in Lycksele, dass das erste Nordlicht im Winter Ailas Feuerherz ist – und dass in besonders klaren Nächten eine Gestalt über die zugefrorenen Seen wandelt, die glitzernde Spuren hinterlässt.
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