Ein Langer Tag mit 168 km ⛴️⛴️
Yesterday, Ostsee ⋅ ☀️ 18 °C
Samstag, 22. August, 9 Uhr, 16 Grad, Sonnen-Wolken-Mix.
Also wettertechnisch alles dabei – ausser einer klaren Meinung. 😂
Unser heutiges Ziel heisst: Gotland! 🇸🇪⛴️
Klingt nach Aufbruch, Abenteuer und sofortiger Weiterreise. Kleines Detail am Rande: Unsere Fähre ab Nynäshamn fährt erst um 20 Uhr.
Wir haben also Zeit.
Viel Zeit.
Sehr viel Zeit.
Eigentlich viel zu viel Zeit. 😜
Ganz gemütlich verlassen wir unseren letzten Übernachtungsplatz in Södertälje und machen uns mit unserer Perle 🚐 auf den Weg Richtung Nynäshamn. Bloss keine Hektik! Wäre ja peinlich, wenn wir zehn Stunden vor Abfahrt schon am Fährterminal stehen würden.
Unterwegs machen wir bei der Kirche von Sorunda einen Zwischenhalt.
Als wir durch die offene Tür treten, empfängt uns Orgelmusik. Die ansonsten eher kompromisslos harten Holzbänke sind mit Blumen geschmückt und alles wirkt irgendwie verdächtig festlich.
Vom Organisten erfahren wir dann auch den Grund: In wenigen Minuten möchte sich hier ein Paar das Jawort geben.
Nun … dann machen wir geschwind ein paar Fotos und verschwinden wieder. Wäre ja auch etwas dreist, sich ungefragt in die erste Reihe zu setzen und später beim Apéro zu behaupten, wir seien entfernte Verwandte aus der Schweiz. 😂
Die Kirche hat eine beeindruckend lange Geschichte. Die Pfarrei Sorunda wurde erstmals 1281 erwähnt, die Kirche selbst – damals noch eine kleine Kapelle – im Jahr 1292. Über die Jahrhunderte wurde sie immer wieder erweitert und erreichte um 1500 ihre heutige Grösse.
Auch bei der Nutzung war man offenbar ziemlich flexibel. Im Spätmittelalter wurde in einer Kapelle sogar eine Waffenkammer eingerichtet.
Beten, heiraten, Waffen lagern – Hauptsache, das Gebäude war ausgelastet. 🤣
Überall entdecken wir Relikte vergangener Jahrhunderte sowie wunderschöne Wand- und Deckenmalereien.
Nach mehreren Bränden wurde die Kirche zwischen 1898 und 1901 umfassend renoviert. Heute steht sie wieder wunderschön da – bereit für Touristen wie uns und, noch etwas wichtiger, für das Brautpaar, das vermutlich schon nervös auf seinen grossen Auftritt wartet.
Also nichts wie weg. Wir wollen schliesslich nicht schuld sein, wenn die Braut plötzlich denkt, ihre Schweizer Verwandtschaft sei unangemeldet angereist. 😂
Weiter geht unsere Fahrt durch die landwirtschaftlich geprägte Landschaft.
Inzwischen tröpfelt es leider.
Bei Sonnenschein würden sich die noch nicht gedroschenen Getreidefelder vermutlich sanft im Wind wiegen und golden leuchten – wie im schwedischen Hochglanz-Reiseprospekt.
Heute machen wir allerdings Realismus.
Die Felder präsentieren sich in einem Farbton, den man mit sehr viel Fantasie vielleicht „spätsommerliches Ocker“ nennen könnte.
Oder, wenn wir ehrlich sind:
Braun. Einfach braun.
Aber auch Braun ist schliesslich eine Farbe. 🤎😂
Gegen Mittag erreichen wir Nynäshamn.
Natürlich sind wir viel zu früh dran. Unsere Fähre fährt schliesslich erst in ungefähr acht Stunden.
Aber lieber acht Stunden zu früh als drei Minuten zu spät. Das scheint heute jedenfalls unser Reisemotto zu sein. 😜
Also fahren wir mit unserer Perle 🚐 ein bisschen durch die Gegend. Wir kommen am Jachthafen vorbei und entdecken schliesslich eine wunderschöne Küstenstrasse.
Sehr eng.
Sehr kurvig.
Rauf.
Runter.
Und immer wieder traumhafte Ausblicke auf die Schären vor Nynäshamn.
Was zunächst nach „Mal schauen, wo diese Strasse hinführt“ aussieht, entpuppt sich als echtes Highlight.
Manchmal sind die schönsten Reiseerlebnisse eben genau die, die man gar nicht geplant hat.
Am Ende der Strasse finden wir beim Lövhagen Café & Hostel einen Parkplatz für unsere Perle.
Perfekt!
Und weil es inzwischen Mittag ist, machen wir jetzt erst einmal …
Frühstück! 🍳☕
Andere Menschen würden das vermutlich Mittagessen nennen. Aber wir lassen uns von gesellschaftlich vorgeschriebenen Essenszeiten nicht unter Druck setzen. 😂
Danach schnüren wir unsere Wanderschuhe und machen uns auf den Weg durch eine Landschaft, die einfach wunderschön ist.
Mal stehen wir an einem Sandstrand direkt an der Ostsee, mal klettern wir über Felsen, dann stolpern wir wieder über Stock und Stein mitten durch einen wunderschönen Mischwald.
Alte Eichen und Kiefern begleiten unseren Weg.
Die Heidelbeeren sind definitiv Geschichte. 🫐
Das Farnkraut hat offenbar ebenfalls beschlossen, dass es für dieses Jahr genug geleistet hat, und lässt sich bereits braun und erschöpft zu Boden hängen.
Und selbst die Birken beginnen teilweise schon, ihre Blätter fallen zu lassen.
Hallo?! Wir haben August! 😳
Aber gut. Offenbar hat der schwedische Herbst den Kalender nicht gelesen.
Er kommt jedenfalls mit grossen Schritten. 🍂
Kaum haben wir unsere Wanderung beendet, beginnt es zu regnen.
Timing können wir. 😂
Wir fahren mit unserer Perle aus den Wäldern heraus und finden am Stadtrand einen Parkplatz. Kaum steht unser treues Zuhause ordentlich an seinem Platz, geht es los.
Und zwar richtig!
Ein Donnerwetter zieht über uns hinweg, als hätte jemand beschlossen, sämtliche verfügbaren Wettereffekte gleichzeitig einzuschalten.
Es schüttet wie aus Kübeln.
Es blitzt.
Es donnert.
Und die Temperatur fällt mal eben auf 12 Grad.
Vor ein paar Stunden noch spätsommerliche Wanderung am Ostseestrand – und jetzt sitzen wir mitten in einer nordischen Weltuntergangsinszenierung. 🌧️⚡🤣
Draussen läuft das kostenlose Sound-&-Light-Spektakel, während der Regen gegen unsere Perle prasselt.
Nun ja …
Wir wollten heute Abend nach Gotland. ⛴️
Von einer Sintflut war in unserem Reiseplan allerdings keine Rede.
Aber bis 20 Uhr ist ja noch etwas Zeit.
Vielleicht schwimmt die Fähre bis dahin einfach zu uns. 😂😂
Gute Nacht 😴 Freunde 👯♂️Read more





























