• 16. Tag auf See 09.08.2026

    August 9, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    2°30'12.179056"S
    108°9'53.571864"W

    Versegelt: 2096 sm
    Zum Ziel: 1890 sm

    Bergfest!
    Zumindest auf unserer Seekarte. Fast 2.000 Seemeilen liegen inzwischen hinter uns – und noch einmal knapp 2.000 Seemeilen vor uns. Wir haben damit ziemlich genau die Hälfte unserer langen Pazifiküberquerung geschafft.
    Ein Moment, der eigentlich Grund zum Feiern ist.
    Gleichzeitig ist es aber auch einer dieser Augenblicke, in denen einem erst so richtig bewusst wird, wie unglaublich weit draußen wir inzwischen sind.
    Irgendwo mitten im gewaltigen Pazifik. Vor uns fast 2.000 Seemeilen Wasser, hinter uns ebenso viele. Kein Hafen um die Ecke, kein Land am Horizont, keine Stadt, keine Straße, kein Supermarkt – nichts als Wasser, Himmel und die Hägar.
    Der nächste feste Boden liegt viele Tage entfernt.
    Zeitlich betrachtet haben wir unser Bergfest allerdings schon längst hinter uns. Die Doldrums mit ihren Flauten, Squalls und ständig wechselnden Winden haben uns einiges an Zeit gekostet. Manchmal kämpften wir mühsam um jede einzelne Seemeile, nur um anschließend festzustellen, dass uns die Strömung einen Teil davon wieder abgenommen hatte.
    Doch diese Zeiten scheinen nun endgültig hinter uns zu liegen.
    Inzwischen hat uns der beständige Pazifikwind fest im Griff. Die Hägar läuft seit Tagen zuverlässig und schnell, häufig mit mehr als sieben Knoten Richtung Westen. Und da sich an der grundsätzlichen Windsituation auf unserer weiteren Route voraussichtlich nicht mehr allzu viel ändern wird, können wir langsam beginnen, etwas konkreter mit unserer Ankunft zu rechnen.
    Wenn alles so weiterläuft, erscheint ein ETA um den 21. August durchaus realistisch.
    Also noch ungefähr zehn Tage auf See.
    Zehn weitere Sonnenaufgänge über dem Pazifik. Zehn Sonnenuntergänge. Zehn Nächte unter einem Sternenhimmel, wie man ihn vermutlich nur weit draußen auf dem Ozean erleben kann. Und noch viele hundert Seemeilen, bevor irgendwann am Horizont hoffentlich die ersten steilen Berge der Marquesas aus dem Dunst auftauchen.
    Auch unsere tierischen Mitsegler zeigen uns inzwischen, wie weit wir uns vom Festland entfernt haben.
    Unsere Tölpel, die uns über viele Tage begleitet, auf Bugkorb, Anker und Solarpanel übernachtet und die Hägar zeitweise fast zu einem schwimmenden Vogelhotel gemacht hatten, haben uns nun endgültig verlassen. Auch die Seeschwalben, die lange regelmäßig um uns herum zu beobachten waren, sind inzwischen selten geworden.
    Heute ließ sich lediglich ein einzelner Tropikvogel blicken. Für kurze Zeit zog er über uns seine Kreise, bevor auch er wieder in der unendlichen Weite des Pazifiks verschwand.
    Auch das ist ein Zeichen dafür, wie weit draußen auf See wir inzwischen sind.
    Nun beginnt für uns gewissermaßen das Warten auf die nächsten gefiederten Besucher.
    Denn irgendwann werden wieder mehr Vögel auftauchen. Vielleicht zunächst einzelne, dann immer häufiger. Und dann werden sie für uns zu einem ganz besonderen Zeichen: Land ist nicht mehr weit.
    Schon die alten Polynesier nutzten auf ihren unglaublichen Reisen über diesen riesigen Ozean das Verhalten der Seevögel zur Navigation. Sie beobachteten, welche Arten auftauchten, aus welcher Richtung sie am Morgen kamen und wohin sie am Abend zurückflogen. Zusammen mit Sternen, Sonne, Dünung, Wolken und Strömungen konnten ihnen die Vögel Hinweise auf Inseln geben, die noch weit hinter dem Horizont verborgen lagen.
    Und so werden auch wir in den kommenden Tagen genauer hinschauen.
    Vielleicht wird irgendwann ein Vogel auftauchen, der am Abend nicht hinaus auf den offenen Pazifik fliegt, sondern zielstrebig in eine bestimmte Richtung verschwindet.
    Vielleicht werden es zwei.
    Dann zehn.
    Und irgendwann wissen wir:
    Da vorne muss Land sein.
    Bis dahin rauscht die Hägar weiter durch den Pazifik. Der Bug zeigt nach Westen, das Kielwasser zieht sich hinter uns scheinbar endlos bis zum Horizont – und mit jeder Stunde wird die Zahl der Seemeilen vor uns ein wenig kleiner.
    Knapp 2.000 liegen hinter uns. Knapp 2.000 noch vor uns.
    Bergfest.
    Und ab jetzt segeln wir nicht mehr von Panama weg.
    Ab jetzt segeln wir den Marquesas entgegen!
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