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Weltreise

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  • 4. Tag Der „Stille Ozean“ zeigt Zähne

    September 1 in French Polynesia ⋅ 🌬 26 °C

    01. September 2026 – Überfahrt Marquesas → Tuamotus

    Endlich finde ich wieder ein wenig Muße, um etwas in unser Seetagebuch zu schreiben. Die vergangenen beiden Tage war daran kaum zu denken – der Pazifik hatte andere Pläne mit uns.
    Nur einen Tag, nachdem wir die Marquesas hinter uns gelassen hatten, zeigte uns der sogenannte „Stille Ozean“, dass man seinen Namen besser nicht allzu wörtlich nehmen sollte.
    Am Sonntagabend nahm der Seegang merklich zu. Am Horizont standen einige Squalls, aber zunächst machten wir uns darüber keine großen Gedanken. Ein paar dunkle Wolken und Regenschauer gehören schließlich zum Segleralltag in den Tropen.
    Allerdings hat man ja irgendwann einmal gelernt: Wenn der Seegang zunimmt, hat das meistens einen Grund. Und häufig ist mehr Wind im Anmarsch.
    Genau so kam es.
    Mit Einbruch der Dunkelheit frischte der Wind immer weiter auf. Das Großsegel stand bereits im zweiten Reff, doch irgendwann war klar: Das Ding muss runter.
    Keine besonders verlockende Aufgabe mitten in der Nacht, bei inzwischen rund drei Meter hohen Wellen und mehr als 25 Knoten Wind.
    Also raus ins Cockpit, Lifebelts einpicken und los.
    Dazu gab es das volle Wellnessprogramm des Pazifiks: Gischt von vorne – schmeckt salzig und hinterlässt hübsche weiße Salzränder auf dem T-Shirt. Kurz darauf tropischer Platzregen – schmeckt süß und wäscht die Salzränder gleich wieder heraus. Sehr praktisch eigentlich.
    Trotz der Bedingungen gelang es uns, das Großsegel sicher zu bergen.
    Und das war definitiv die richtige Entscheidung.
    Denn in den folgenden Stunden legte der Pazifik noch einmal ordentlich nach. Wind und See bauten sich immer weiter auf. Schließlich liefen wir nur noch mit einem auf ein Minimum gerefften Yankee – und trotzdem rauschte die Hägar zeitweise mit fast neun Knoten durch die Nacht.
    An Schlaf war nun nicht mehr zu denken.
    Der Wind mit Böen bis 34 Knoten war dabei gar nicht das eigentliche Problem. Viel unangenehmer war die See. Die Wellen hatten inzwischen geschätzte fünf Meter erreicht und ließen die Hägar kräftig arbeiten.
    Das Leben an Bord wurde entsprechend sportlich.
    Nicht nur, dass man sich unter Deck bei jedem Schritt irgendwo festhalten musste – einige Brecher stiegen auch immer wieder über und füllten die Plicht mit Wasser. Für kurze Zeit stand man dort teilweise knietief in den Fluten.
    Immerhin Pazifikwasser.
    Atlantikwasser wäre hier schließlich etwas beunruhigend gewesen.
    Und als wäre das alles noch nicht abwechslungsreich genug, zogen weiterhin Squalls durch. Sie brachten zusätzlichen Wind, drehten die Windrichtung und sorgten dafür, dass man ständig aufmerksam bleiben musste.
    Anders als wir es vom Atlantik kannten, waren diese Squalls auf dem Radar nur schwer auszumachen. Manche tauchten scheinbar aus dem Nichts auf, und auch ihre Zugrichtung ließ sich kaum zuverlässig einschätzen.
    Irgendwann kam dann der Morgen.
    Das Wetter war zwar nicht wirklich besser geworden, aber die ersten Sonnenstrahlen zwischen den dunklen Wolken taten trotzdem gut. Nach einer langen Nacht gibt Tageslicht einfach ein völlig anderes Gefühl.
    Allerdings hatte es auch einen Nachteil:
    Jetzt konnte man sehen, was draußen eigentlich los war.
    Rings um die Hägar türmte sich die See, weiße Gischt flog von den Wellenkämmen und dazwischen standen die dunklen Wolken der nächsten Squalls.
    Manchmal ist es vielleicht doch besser, wenn man nicht alles sieht.
    Im Laufe des Nachmittags ließ der Wind schließlich etwas nach. Auch die Wellen schienen langsam kleiner zu werden.
    Wir dachten schon: Das war’s.
    Zu früh gefreut.
    Denn kaum beginnt man, sich wieder ein wenig sicherer zu fühlen, denkt sich ein Segelboot offenbar:
    „Da geht doch noch was.“
    Plötzlich gab es einen lauten Knall.
    Der Yankee rauschte aus – und stand innerhalb weniger Sekunden nahezu vollständig vor dem Wind.
    Die Reffleine war gerissen.
    Nun hatten wir ein ziemlich großes Problem: Vorne stand ein großes Segel, das wir weder vernünftig reffen noch auf normalem Wege bergen konnten.
    Bei immer noch ordentlich Wind und Seegang keine Situation, die man sich unbedingt wünscht.
    Also wieder Rettungsweste an, Lifebelt einpicken und zunächst den Kurs ändern. Wir gingen auf einen Kurs vor dem Wind, um möglichst viel Ruhe ins Boot zu bekommen.
    Dann ging es aufs Vordeck.
    Dort vorne war die Hägar noch immer kräftig in Bewegung. Das Vorschiff hob sich auf den Wellen und tauchte anschließend wieder ins nächste Wellental. Zwischendurch gab es regelmäßig eine kostenlose Pazifikdusche.
    Mit einer Ersatzleine gelang es mir schließlich, eine provisorische Reffmöglichkeit um das Vorstag zu basteln. Stück für Stück konnte ich damit den Yankee einrollen, notdürftig bergen und sichern.
    Geschafft.
    Der Yankee war damit zwar zunächst außer Betrieb – aber zumindest war das Segel sicher.
    Also setzten wir die Fock. Mit ihr liefen wir anschließend immerhin noch mit rund fünf Knoten weiter in Richtung Tuamotus.
    Bei all dem hat sich unsere Hydrovane-Windfahnensteuerung übrigens hervorragend geschlagen. Selbst bei diesem Wetter hielt sie die Hägar zuverlässig auf Kurs und verrichtete ihren Dienst.
    Und auch unsere Hägar selbst hat wieder einmal gezeigt, was in ihr steckt.
    Trotz Wind, fünf Meter See, Squalls, Wasser in der Plicht und einer gerissenen Reffleine hatten wir zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Situation für das Schiff kritisch wurde. Sie arbeitete sich souverän durch die See und vermittelte uns auch unter diesen Bedingungen ein erstaunlich sicheres Gefühl.
    Bequem war es allerdings nicht.
    Aber nach dem vielen „Champagnersegeln“ der vergangenen Wochen war das zumindest mal wieder etwas Abwechslung.
    Und nachdem alle Manöver beendet, die Leinen aufgeräumt und die Segel wieder unter Kontrolle waren, gab es natürlich noch einen ordentlichen Rumpunsch.
    Rein medizinisch selbstverständlich.
    Man muss schließlich den Salzhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen.
    In der vergangenen Nacht hatte der Pazifik dann offenbar genug von uns. Der Wind ließ nach, die See beruhigte sich langsam und wir konnten endlich wieder ein paar Stunden Schlaf nachholen.
    Und heute Morgen zeigte sich derselbe Ozean, der uns wenige Stunden zuvor noch ordentlich durchgeschüttelt hatte, plötzlich wieder von seiner freundlichen Seite.
    Den Sonnenaufgang konnten wir bei einer leichten Brise genießen. Unter Fock glitt die Hägar mit gemütlichen vier bis fünf Knoten dahin, die Wellen waren auf rund zwei Meter zusammengeschrumpft und an Bord kehrte langsam wieder Ruhe ein.
    Fast schon wieder Champagnersegeln.
    Vor uns liegen nun die letzten Meilen zu den Tuamotus.
    Wenn alles nach Plan läuft – und der Pazifik nicht noch eine weitere Überraschung für uns bereithält – werden wir morgen Mittag Fakarava erreichen.
    Nach den vergangenen Tagen hätten wir gegen eine vollkommen unspektakuläre Ankunft überhaupt nichts einzuwenden.
    Einfach den Pass ins Atoll passieren, einen sicheren Ankerplatz finden, den Anker fallen lassen …
    … und dann darf es gerne wieder heißen:
    Ankerbier auf!
    Denn das hätten wir uns diesmal wirklich verdient.
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  • 29. Tag auf See 22.08.2026

    August 22 in French Polynesia ⋅ ⛅ 27 °C

    08°55,6 S
    138°32,1 W

    Versegelt: 4011 sm
    Zum Ziel: 33.7 sm

    Der Landfall!

    Nach fast vier Wochen auf dem offenen Pazifik war es gestern endlich so weit: Land in Sicht! Am Horizont tauchten die schroffen, grünen Berge der Marquesas auf. Nach all den Wochen, in denen es um uns herum nichts als Wasser, Himmel und Horizont gab, war dieser Anblick fast unwirklich.

    Unser erstes Ziel war Ua Huka. Am Nachmittag erreichten wir die Insel – stilecht im warmen Inselregen. Die Wolken hingen tief zwischen den hohen, steilen Bergen, als wir langsam in unsere Ankerbucht einliefen. Plötzlich war da wieder Land ganz nah: Felsen, sattes Grün und an den Berghängen tatsächlich die ersten Ziegen. Nach Tausenden Seemeilen über den Pazifik eine völlig neue Kulisse.

    Dann fiel endlich der Anker.
    Und damit war auch der Moment gekommen, auf den wir uns schon seit Tagen gefreut hatten: das legendäre Ankerbier! Vier Dosen hatten wir eisern für diesen Augenblick aufgespart. Jetzt, sicher vor Anker und mit festem Land vor Augen, schmeckte das kalte Bier vermutlich besser als jedes noch so edle Getränk an Land.
    Auch das Abendessen bekam gleich eine neue Qualität. Im Omnia-Ofen gab es eine selbst gemachte Pizza. Und plötzlich stellten wir fest, wie einfach Kochen sein kann, wenn sich die Küche nicht permanent bewegt, Töpfe nicht festgeklemmt werden müssen und man beim Teigkneten nicht gleichzeitig versucht, sich irgendwo mit Knie oder Hüfte abzustützen. Nach Wochen auf See ist ein ruhig stehender Teller schon fast Luxus.
    Die erste Nacht vor Anker war entsprechend ungewohnt. Kein Rollen und Stampfen mehr durch die Pazifikdünung, kein permanentes Rauschen des Wassers am Rumpf und kein Blick auf die endlose Weite. Stattdessen liegen um uns herum die dunklen Berge von Ua Huka.

    Doch ganz angekommen sind wir noch nicht.
    Heute steht die letzte Etappe unserer großen Pazifiküberquerung an. Noch einmal wird der Anker gelichtet, noch einmal werden die Segel gesetzt. Rund 35 Seemeilen liegen zwischen uns und unserem endgültigen Ziel: Nuku Hiva.
    Dort soll nach fast 4.000 Seemeilen und rund vier Wochen auf See unsere Pazifiküberquerung endgültig zu Ende gehen. Zunächst wartet allerdings noch die Bürokratie auf uns: zur Gendarmerie, einklarieren und den ersehnten Stempel in den Pass bekommen.

    Und dann?
    Dann können wir endlich richtig ankommen. Die Schuhe ausziehen, festen Boden unter den Füßen spüren und die Marquesas erkunden – jene Südseeinseln, die in den vergangenen Wochen nur ein kleiner Punkt auf unserer Seekarte und ein weit entferntes Ziel hinter dem Horizont waren.
    Nur noch 35 Seemeilen. Dann heißt es für die Hägar endgültig: Willkommen in der Südsee!
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  • 28. Tag auf See 21.08.2026

    August 21, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 26 °C

    08°40,5´S
    138°45,1´W

    Versegelt: 3962 sm
    Zum Ziel: 81 sm

    Heute wird ein ganz besonderer Tag: Nach fast vier Wochen auf See werden wir zum ersten Mal wieder Land sehen. Nach all den Tagen, an denen um uns herum nichts als Wasser und Horizont zu sehen war, werden irgendwann die schroffen, grünen Berge der Marquesas aus dem Dunst auftauchen. Ein Anblick, auf den wir lange gewartet haben.

    Ganz am Ziel sind wir allerdings noch nicht. Der Wind meint es auf den letzten Meilen nicht besonders gut mit uns und lässt uns weiterhin nur langsam vorankommen. Für Nuku Hiva wird es heute deshalb nicht mehr reichen. Stattdessen werden wir Kurs auf Ua Huka nehmen und dort für die Nacht vor Anker gehen. Nach Wochen, in denen die Hägar ununterbrochen in Bewegung war, wird es ein ungewohntes Gefühl sein, plötzlich wieder festen Grund – zumindest unter dem Anker – zu haben.

    Morgen soll es dann weitergehen: die letzten Seemeilen hinüber nach Nuku Hiva, wo wir offiziell einklarieren und damit unsere große Pazifikpassage endgültig abschließen werden.

    Doch schon heute gibt es an Bord ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich etwas verändern: Wir verlassen die internationalen Gewässer und fahren in die Hoheitsgewässer von Französisch-Polynesien ein. Also heißt es nach langer Zeit auf hoher See wieder: Flaggen setzen!

    Am Heck weht wieder unsere deutsche Flagge. An der Steuerbordsaling setzen wir als Zeichen des Respekts gegenüber unserem Gastland die **Flagge von Französisch-Polynesien**. Darunter kommt zunächst noch die gelbe **Q-Flagge** – „Quebec“ im internationalen Flaggenalphabet. Sie signalisiert, dass wir aus dem Ausland angekommen und noch nicht offiziell einklariert sind. Erst wenn die Formalitäten in Nuku Hiva erledigt und die Stempel in den Pässen sind, darf sie wieder herunter.

    An die Backbordsaling kommen außerdem der Vereinsstander von Trans-Ocean und natürlich darf auch ein kleines Stück Heimat mitten im Südpazifik nicht fehlen: die Schwerter Flagge.

    Nach Wochen, in denen über uns meist nur Segel und unter uns mehrere tausend Meter Pazifik waren, wird die Hägar heute also wieder bunt beflaggt sein.

    Und irgendwann voraus wird dann endlich das erscheinen, worauf wir seit fast 4.000 Seemeilen warten:

    Land.
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  • 27. Tag auf See 20.08.2026

    August 20 ⋅ ⛅ 27 °C

    8°18'46.895807"S
    136°58'27.488113"W

    Versegelt: 3853 sm
    Zum Ziel: 189 sm

    Kurz vor dem Ziel scheint der Pazifik noch einmal unsere Geduld testen zu wollen.
    Ausgerechnet jetzt, auf den letzten Seemeilen unserer langen Überfahrt, hat uns der Wind weitgehend verlassen. Nach den schnellen Tagen mit sieben und acht Knoten Fahrt dümpeln wir derzeit nur noch mit gemütlichen drei bis vier Knoten über einen nahezu spiegelglatten Pazifik. Kaum eine Welle bewegt die Wasseroberfläche, die Segel stehen gerade noch so – und unser Ziel kommt nur quälend langsam näher.
    Jetzt heißt es: Geduld bewahren.

    Zum Motoren ist es uns noch etwas zu weit. Nach all den Wochen unter Segeln wollen wir schließlich nicht ausgerechnet auf den letzten Meilen unnötig Diesel verbrennen. Also nehmen wir es, wie es kommt, lassen die Hägar weiter Richtung Marquesas gleiten und schauen regelmäßig auf die verbleibenden Seemeilen. Auch wenn die sich im Moment gefühlt deutlich langsamer herunterzählen als noch vor ein paar Tagen.

    Aber selbst eine Flaute hat ihre guten Seiten. Die See ist ruhig, das Wasser fast glatt – ideale Bedingungen, um noch einmal die Angel auszubringen. Vielleicht meint es der Pazifik zum Abschluss ja doch noch gut mit uns und spendiert uns einen schönen Fisch für die Pfanne. Nach all den Vorräten aus Dosen und den langsam zur Neige gehenden Luxusgütern an Bord wäre ein frischer Mahi-Mahi oder Thunfisch jedenfalls ein ziemlich würdiges Abschlussessen für diese Überfahrt.

    Während die Hägar also gemächlich ihrem Ziel entgegenschaukelt, sind zumindest die bürokratischen Vorbereitungen für unseren Landfall abgeschlossen. In meiner vergangenen Nachtwache habe ich die letzten Papiere und Einreiseformulare ausgefüllt, hochgeladen beziehungsweise per E-Mail verschickt. Damit sollte von dieser Seite aus alles vorbereitet sein.

    Wenn wir Nuku Hiva dann irgendwann tatsächlich erreichen, müssen wir nur noch zur Gendarmerie, dort offiziell einklarieren und uns den ersehnten Stempel in den Pass holen.
    Eigentlich ist also alles bereit: die Papiere, die Einreiseformalitäten, die Vorfreude auf festen Boden unter den Füßen – und wahrscheinlich auch schon die ersten Gedanken an ein kaltes Getränk und etwas richtig Frisches zu essen.

    Nur einer scheint es nicht besonders eilig zu haben: der Wind.

    Aber nach fast 4.000 Seemeilen Pazifik kommt es auf ein paar Stunden oder einen Tag mehr wohl auch nicht mehr an.

    Also Angel raus, Horizont beobachten und weiter Richtung Westen.
    Irgendwann müssen diese verdammten Inseln schließlich vor uns auftauchen.
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  • 26. Tag auf See 19.08.2026

    August 19, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    07°57,2 S
    134°47.5 W

    Versegelt 3722 sm
    Zum Ziel: 321 sm

    Mitten in der Nacht tauchte nach langer Zeit tatsächlich wieder ein Kontakt auf unserem AIS auf. Und was für einer: Die „New Dream“, eine 74 Meter lange Megayacht, war ebenfalls auf dem Weg von Panama nach Französisch-Polynesien und zog irgendwann an uns vorbei.
    74 Meter Yacht, rund 14 Knoten Reisegeschwindigkeit – damit schafft sie die Strecke nach Papeete wohl in etwa 14 Tagen. Wir brauchen dafür ein kleines bisschen länger.
    Dafür dürfte es an Bord der „New Dream“ vermutlich an nichts fehlen: Koch, Klimaanlage, gut gefüllte Kühlschränke und wahrscheinlich sogar ein ordentlich sortiertes Weinregal. Zum Frühstück gibt es vermutlich ein Ei, vielleicht sogar frisch zubereitet und nicht aus irgendeiner Dose. Und – besonders schmerzhaft für uns – Rum werden sie wahrscheinlich auch noch an Bord haben!

    Der kleine Unterschied: Für diesen Luxus genehmigt sich die Yacht angeblich rund 400 Liter Diesel – nicht am Tag, sondern pro Stunde!
    Da bekommt unser derzeit etwas eingeschränktes Bordleben doch gleich eine ganz neue Qualität. Wir segeln schließlich nahezu ausschließlich mit Windkraft über den Pazifik und sparen dabei jede Menge Energie fürs Klima. Irgendjemand muss das ja tun – damit andere sie anschließend mit 400 Litern pro Stunde wieder verblasen können. 😉

    Aber auch auf der Hägar muss schließlich niemand hungern.
    Heute gab es Gouda, Ananasmarmelade und Dosenschinken auf frischem Brot. Und das Brot kam nicht etwa aus irgendeiner Luxus-Kombüse, sondern wurde während meiner Nachtwache frisch gebacken. Wenn man seit Wochen auf See ist, kann so eine Scheibe selbst gebackenes Brot plötzlich ziemlich luxuriös schmecken. Ein Sternekoch hätte vielleicht noch etwas Petersilie daneben gelegt – aber die ist leider auch aus.
    Ansonsten hat der Wind inzwischen etwas nachgelassen. Und damit beginnt so langsam die nächste Phase unserer Reise: die Vorbereitung auf den Landfall.
    Nach Wochen, in denen es eigentlich nur darum ging, Wind, Wetter und Kurs im Auge zu behalten und möglichst viele Meilen in Richtung Westen zu machen, rückt nun tatsächlich wieder Land in den Mittelpunkt. Welchen Kurs nehmen wir für die Einfahrt? Wie sehen die Gegebenheiten vor Ort aus? Wo können wir sicher ankern? Welche Formalitäten müssen erledigt werden? Welche Papiere müssen vorbereitet sein?
    Plötzlich beschäftigt man sich wieder mit Dingen, die während der vergangenen Wochen irgendwo ganz weit weg waren.

    Und wahrscheinlich wird sich bald auch auf unseren Bildschirmen etwas verändern. Seit fast drei Wochen waren Radar und AIS praktisch leer. Kein Frachter, kein Fischer, keine Segelyacht – nichts. Nur Wasser bis zum Horizont.
    Dass nun ausgerechnet eine 74-Meter-Megayacht als einer der ersten Kontakte auftaucht, ist schon irgendwie passend.

    Aber je näher wir unserem Ziel kommen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wieder Schiffe auf dem AIS erscheinen, vielleicht Fischerboote auf dem Radar auftauchen und irgendwann die ersten Lichter am Horizont zu sehen sind.

    Und dann wartet der Moment, auf den wir seit fast 4.000 Seemeilen hinarbeiten:
    Land voraus!
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  • 25. Tag auf See 18.08.2026

    August 18, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    Versegelt: 3556 sm
    Zum Ziel: 486 sm

    07°25,0‘ S
    132°04,1‘ W

    Der Wind ist zurück – der Endspurt beginnt!

    Seit gestern Nachmittag ist er endlich wieder da: der Wind!* Und diesmal meint er es gut mit uns. Mit konstanten 7 bis 8 Knoten Fahrt rauscht die Hägar wieder durch den Pazifik, und plötzlich purzeln die verbleibenden Seemeilen deutlich schneller vom Zähler.

    Damit schrumpft auch unsere voraussichtliche Ankunftszeit: Noch ungefähr drei Tage!Nach fast 4.000 Seemeilen über den größten Ozean der Erde beginnt nun tatsächlich der Endspurt. Noch ein paar Sonnenaufgänge, noch ein paar Nachtwachen – und dann sollten irgendwann die markanten Berge der Marquesas am Horizont auftauchen.

    So langsam wird es also Zeit, sich wieder mit den Dingen der Zivilisation zu beschäftigen. Heute werde ich mich schon einmal durch die Einreiseformalitäten für Französisch-Polynesien arbeiten. Eine kleine zusätzliche Herausforderung gibt es allerdings: Nach vielen Monaten mit Spanisch heißt es jetzt plötzlich wieder umdenken – Französisch ist angesagt!* Wer von euch also richtig fit in Französisch ist und Lust hat, uns bei der einen oder anderen sprachlichen Frage aus der Ferne zu unterstützen, darf sich gerne melden. Wir könnten in den nächsten Tagen vielleicht einen kleinen „Übersetzungsdienst an Land“ gebrauchen. 😉

    Ansonsten ist es draußen auf dem Pazifik weiterhin erstaunlich ruhig. Hin und wieder ziehen ein paar Seevögel an uns vorbei, doch im Gegensatz zu unseren früheren gefiederten Mitreisenden zeigen sie keinerlei Interesse an der Hägar. Kein Landeanflug, kein neugieriges Kreisen, kein Versuch, sich für die Nacht einen Platz auf dem Bugkorb zu sichern. Sie fliegen einfach weiter.

    Auch unsere Tageszeiten zeigen inzwischen sehr deutlich, wie weit wir seit Panama nach Westen gesegelt sind. Sonnenaufgang ist nach unserer Bordzeit mittlerweile erst um 09:53 Uhr, Sonnenuntergang um 21:54 Uhr. Unsere Uhren laufen nämlich immer noch stur nach Panamazeit. Irgendwie gefällt uns der Gedanke, die Zeit erst dann umzustellen, wenn wir wirklich angekommen sind.

    Wenn der Anker schließlich in Nuku Hiva fällt, werden deshalb nicht nur die Segel geborgen – auch die Uhren bekommen endlich ihren großen Sprung. Dann stellen wir auf die Ortszeit der Marquesas um. Der Zeitunterschied zur mitteleuropäischen Sommerzeit beträgt dort stolze 1½ Stunden. Zeitzone Marquesas: MART UTC-9:30 - MESZ UTC+2
    Aber bis dahin zählt ohnehin eine ganz andere Zeitrechnung:

    Noch ungefähr drei Tage. Noch ein paar hundert Seemeilen. Noch einige Nachtwachen.

    Und irgendwo, nicht mehr weit voraus, warten bereits die Marquesas.

    Der Wind ist zurück – jetzt heißt es: Endspurt!

    Und nochmal alles Gute zum 60., alter Mann!
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  • 24. Tag auf See 17.08. 2026

    August 17, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    Versegelt: 3399sm
    Zum Ziel: 643sm

    7°2'17.411135"S
    129°27'21.749222"W

    Über das Wochenende hat der Pazifik endlich ein wenig von seiner ruppigen Seite abgelegt. Die See hat sich deutlich beruhigt, und auch der Wind hat inzwischen auf Ost gedreht. Damit hat sich unser Bordleben wieder etwas entspannt. Statt kräftigem Schaukeln und Rollen laufen wir nun vergleichsweise gemütlich vor dem Wind unserem Ziel entgegen.
    Seglerisch haben wir es uns dabei so einfach wie möglich gemacht: Das Groß bleibt geborgen, und wir fahren nur noch mit dem ausgebaumten Yankee. Der Wind kommt mit etwa 4 Beaufort aus Ost, die Bedingungen sind angenehm – allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: Wir sind jetzt auch ein bis zwei Knoten langsamer unterwegs.
    Was für den Komfort an Bord willkommen ist, gefällt unserer Reiseplanung weniger. Die verbleibenden Seemeilen ziehen sich dadurch etwas länger hin, und aus der ursprünglich erhofften Ankunft werden wohl noch zwei bis drei zusätzliche Tage auf See. Unser neues ETA für die Marquesas liegt damit voraussichtlich am kommenden Wochenende.
    Eigentlich kein großes Problem. Nach inzwischen mehr als drei Wochen auf See kommt es auf ein paar Tage schließlich auch nicht mehr an.
    Eigentlich.
    Denn langsam entwickelt sich an Bord eine ganz andere Form der Versorgungskrise.
    Nicht etwa Wasser, Reis oder Mehl werden knapp. Nein – es trifft uns viel härter:
    Die schönen Dinge des Lebens gehen zur Neige!
    Unsere Bestandsaufnahme fällt inzwischen erschreckend übersichtlich aus: Ganze vier Dosen Cola befinden sich noch an Bord. Die Schokolade ist bereits restlos verschwunden. Die Säfte sind ausgetrunken, und auch bei der Wurst ist die Auswahl mittlerweile auf das reduziert, was vermutlich jede längere Ozeanüberquerung überlebt: Schinken aus der Dose.
    Immerhin befinden sich noch vier Dosen Bier in den Tiefen unserer Vorräte. Doch die stehen unter strengstem Verschluss. Hier gibt es keine Diskussion und keine vorzeitige Freigabe: Die werden erst geöffnet, wenn der Anker vor den Marquesas gefallen ist!
    Und dann wäre da noch die wirklich dramatische Nachricht dieser Tage:
    Der Rum ist alle!
    Ausgerechnet jetzt.
    Damit ist auch unser liebgewonnenes Ritual des Sundowners vorerst Geschichte. Kein kleiner Rum mehr im Cockpit, während die Sonne glutrot im Pazifik versinkt. Stattdessen gibt es Wasser – und einen sehnsüchtigen Blick nach Westen.
    Man könnte sagen: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Schließlich warten irgendwo hinter dem Horizont die Marquesas. Und dort wird eine unserer ersten wichtigen Aufgaben nach dem Landfall wohl darin bestehen, die strategischen Rumreserven der Hägar wieder aufzufüllen.
    Bei allen Luxusproblemen ist unsere eigentliche Versorgungslage allerdings ausgesprochen komfortabel. Trinkwasser, Nudeln, Reis, Mehl, Hefe, Kekse und andere Grundnahrungsmittel haben wir noch für viele Wochen an Bord. Verhungern oder verdursten werden wir also ganz sicher nicht. Es fehlt lediglich zunehmend an Dingen, die das Leben auf See ein kleines bisschen schöner machen.
    Nach inzwischen mehr als drei Wochen auf dem Pazifik ist es aber auch einmal Zeit für eine kleine Bilanz – und die finden wir durchaus bemerkenswert.
    Wir haben mittlerweile weit über 3.000 Seemeilen zurückgelegt. Das entspricht ungefähr 6.000 Kilometern – und dafür haben wir gerade einmal rund fünf Liter Diesel verbraucht.
    Fünf Liter für eine Strecke, die auf dem Land ungefähr der Entfernung von Deutschland bis weit hinter den Ural entsprechen würde.
    Und selbst diese fünf Liter haben wir nicht gebraucht, um Strecke zu machen. Der Diesel wurde im Wesentlichen für kurze Manöver unter Maschine, sowie für Tests des Wassermachers benötigt. Den Rest erledigen seit Wochen ausschließlich Wind und Segel.
    Mehr als 3.000 Seemeilen nur mit der Kraft des Windes – wenn man sich das einmal bewusst macht, ist es immer wieder faszinierend, wie effizient ein Segelschiff sein kann.
    Auch beim Müll zeigt sich inzwischen, wie sehr sich eine gute Vorbereitung auszahlt. Erst vor drei Tagen haben wir unsere zweite Mülltüte seit Beginn der Überfahrt angefangen.
    Das funktioniert natürlich nur, weil wir bereits vor der Abfahrt versucht haben, möglichst verpackungsarm einzukaufen. Kartons, unnötige Umverpackungen und vieles andere haben wir schon an Land gelassen. Was gar nicht erst an Bord kommt, muss später auch nicht über Tausende Seemeilen transportiert werden.
    Und dann gibt es natürlich noch unser berühmtes „blaues Regal“.
    Dort landen die biologischen Abfälle, die zurück ins Meer dürfen. Sie werden Teil dessen, was Meeresbiologen als „marinen Schnee“ bezeichnen: organisches Material, das langsam durch die Wassersäule in die Tiefe sinkt und dort Bestandteil eines gewaltigen natürlichen Stoffkreislaufs wird.
    Und tief ist es hier wirklich.
    Unter unserem Kiel liegen momentan stellenweise über 4.000 Meter Wasser.
    Vier Kilometer!
    Während wir oben mit unserem kleinen Segelschiff über den Pazifik ziehen, beginnt unter uns eine Welt, von der wir bis heute erstaunlich wenig wissen. Mit jedem Meter wird es dunkler, kälter und der Druck größer. Irgendwann verschwindet das letzte Sonnenlicht vollständig – und weit unten liegt der Tiefseeboden in ewiger Dunkelheit.
    Dort leben Lebewesen, die perfekt an diese extreme Umgebung angepasst sind. Fast alle davon haben noch nie ein Mensch gesehen. Ganze Lebensgemeinschaften existieren Kilometer unter unserem Kiel, während wir ahnungslos über sie hinweg segeln.
    Und wer dort unten tatsächlich alles lebt?
    So genau weiß das bis heute niemand.
    Vielleicht ist gerade das eines der faszinierendsten Gefühle auf einer solchen Pazifiküberquerung: Wir sind seit Wochen weit entfernt von jedem Land und jeder Zivilisation. Über uns spannt sich nachts der Sternenhimmel, um uns herum reicht der Horizont scheinbar endlos in alle Richtungen – und unter uns liegen vier Kilometer nahezu unbekannter Ozean.
    Wir bewegen uns nur mit der Kraft des Windes durch diese gewaltige Welt.

    Wir sind nicht die Retter ohne Ruhm, wir sind die Segler ohne Rum.

    Also setzen wir weiter Kurs nach Westen, hüten unsere letzten vier Dosen Cola, lassen die vier Biere unangetastet und hoffen, dass irgendwann am Horizont endlich die ersten steilen Berge der Marquesas auftauchen.

    Und wenn dann der Anker fällt, wird eine dieser vier Dosen Bier vermutlich das beste Bier der gesamten Reise sein.
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  • 21. Tag auf See 14.08.2026

    August 14, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    Versegelt: 2963
    Zum Ziel: 1021

    05°40,5‘S
    122°19,1‘W

    Eine anstrengende und vor allem ziemlich unruhige Nacht liegt hinter uns. Der Wind hat inzwischen weiter auf Ost gedreht und kommt nun raum von achtern. Eigentlich eine komfortable Windrichtung, könnte man meinen – wenn da nicht die Wellen wären.

    Bereits am Nachmittag hatten wir das Großsegel geborgen und sind seitdem nur noch unter Yankee unterwegs. Damit läuft die Hägar zwar weiterhin gut in Richtung Marquesas, doch die See hat sich noch längst nicht vollständig auf die neue Windrichtung eingestellt. Ein Teil der Wellen kommt nach wie vor aus Süden und trifft uns damit unangenehm von der Seite.

    Und genau das macht die Sache an Bord ziemlich ungemütlich.

    Durch das geborgene Großsegel fehlt uns der seitliche Segeldruck, der die Hägar normalerweise etwas stabilisiert und auf eine Seite legt. Stattdessen rollt sie nun kräftig von einer Seite auf die andere. Mal geht es weit nach Backbord, im nächsten Augenblick ebenso weit nach Steuerbord. Alles, was nicht wirklich seefest verstaut ist, macht sich dabei selbstständig – und auch wir müssen bei jedem Schritt aufpassen, wo wir uns festhalten.

    Zwischendurch hat uns dann eine besonders große Welle genau von der Seite erwischt. Sie war hoch genug, um über die Bordwand direkt in die Plicht einzusteigen. Für einen kurzen Moment stand dort alles unter Wasser und schwamm fröhlich durcheinander, bevor das Wasser durch die Abläufe wieder seinen Weg zurück in den Pazifik fand.

    Aber wie so oft auf See hatte auch diese Welle etwas Gutes.

    Unsere gefiederten Mitreisenden, die Tölpel, hatten uns vor einigen Tagen zwar verlassen, ihre zahlreichen Hinterlassenschaften auf Deck und Doger jedoch großzügigerweise zurückgelassen. Die kräftige Salzwasserdusche hat nun ganze Arbeit geleistet: Deck, Plicht und Doger sind wieder erstaunlich sauber. Eine kostenlose Hochdruckwäsche mitten auf dem Pazifik – bestellt hatten wir sie zwar nicht, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

    So hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

    Im Moment scheint sich die See zumindest ein wenig zu beruhigen. Das Rollen ist etwas erträglicher geworden und wir hoffen, dass sich Wind und Wellen in den kommenden Stunden endlich auf eine gemeinsame Richtung einigen. Denn bis zu den Marquesas liegen noch einige Seemeilen vor uns.

    Und wenn die See ihre derzeitige Meinung nicht noch einmal ändert, könnten die letzten Tage dieser langen Pazifiküberquerung noch einmal ziemlich anstrengend werden.

    Aber das Ziel rückt näher – und irgendwo vor uns, noch hinter dem Horizont verborgen, warten bereits die hohen, grünen Vulkanberge der Marquesas auf uns.
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  • 20. Tag auf See 13.08.2026

    August 13, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    05°02,7´S
    119°47,38,0´W

    Versegelt: 2808 sm
    Zum Ziel: 1176 sm

    Nun hat uns auch der letzte unserer gefiederten Mitsegler verlassen. Der Tölpel, der uns über viele Tage hinweg begleitet und die **Hägar** immer wieder als willkommenen Rastplatz genutzt hatte, ist endgültig in den Weiten des Pazifiks verschwunden. Irgendwann hob er ab, zog noch eine Weile über dem Meer seine Kreise – und war schließlich nur noch ein kleiner Punkt am Horizont.

    Seitdem sind wir wieder allein. Kein Vogel mehr am Bugkorb, kein Flügelschlag über dem Deck. Nur die Hägar, der Wind, das Meer – und über uns ein Himmel, der in diesen Nächten eine ganz besondere Vorstellung bietet.

    Eigentlich hatten wir gehofft, von unserer Position aus zumindest etwas von der Sonnenfinsternis mitzubekommen. Doch daraus wurde leider nichts. Dafür machte uns der Neumond ein anderes Geschenk: **eine nahezu vollkommen dunkle, sternenklare Nacht mitten auf dem Pazifik.**

    Und wenn man Tausende Seemeilen vom nächsten Kontinent entfernt ist, fernab von Städten, Straßenlaternen und jeder anderen künstlichen Lichtquelle, bekommt der Begriff „Sternenhimmel“ plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

    Also wird es heute einmal ein wenig astronomisch.

    Wir segeln nicht nur nach Westen – wir segeln der Zeit hinterher

    Seit unserer Abfahrt in Panama haben wir inzwischen rund 40 Längengrade nach Westen zurückgelegt. Eine Zahl, die zunächst recht abstrakt klingt, deren Auswirkungen wir aber jeden Tag unmittelbar erleben.

    Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre Achse, also um 360 Grad. Damit entsprechen 15 Längengrade ziemlich genau einer Stunde**.

    Mit unseren 40 Grad Westkurs haben wir die Sonne also bereits um rund 2 Stunden und 40 Minuten nach hinten verschoben. Sonnenauf- und Sonnenuntergang finden – bezogen auf die Zeit von Panama – inzwischen fast drei Stunden später statt.

    Und noch sind wir nicht am Ziel.

    Die Marquesas liegen ungefähr bei 140° westlicher Länge. Vor uns liegt also noch einmal etwas mehr als eine „Sonnenstunde“. Wenn wir auch die hinter uns gebracht haben, dann sollten irgendwann die gewaltigen Vulkanberge der Marquesas aus dem Horizont wachsen.

    Doch bis dahin bestimmt weiterhin der Pazifik unseren Tagesrhythmus.

    Kurz nach Sonnenuntergang beginnt über uns die große Vorstellung.

    Noch bevor der Himmel vollkommen dunkel geworden ist, erscheint im Westen die Venus. Sie steht derzeit im Bereich des Sternbildes Jungfrau und ist mit ungefähr **−4 mag** so hell, dass sie kaum zu übersehen ist. In den kommenden Tagen wird sich noch der junge Mond dazu gesellen.

    Hier draußen, wo am Horizont kein einziges künstliches Licht stört, ist ihr Schein beeindruckend. Bei ruhiger See zeichnet sich ihr Licht sogar als schimmernde Spur auf der Wasseroberfläche ab – fast wie eine kleine, silberne Straße, die von unserem Schiff bis zum westlichen Horizont führt.

    Nach einiger Zeit versinkt auch die Venus im Meer.

    Und dann gehört der Himmel endgültig den Sternen.

    Im Osten steigt dann die Milchstraße empor. Zunächst nur als heller, diffuser Schleier zu erkennen, wird sie mit zunehmender Dunkelheit immer deutlicher. Milliarden Sterne verschmelzen zu einem leuchtenden Band, das sich über den Himmel spannt.

    Um Mitternacht zieht sie sich vom östlichen Horizont hoch durch den Zenit, direkt über unseren Köpfen, und weiter bis in den Westen.

    Manchmal steht man während der Nachtwache einfach nur im Cockpit und schaut nach oben.

    Kein Streulicht. Keine Stadt am Horizont. Kein beleuchteter Hafen. Nur die Positionslichter der Hägar, das schwache Leuchten der Instrumente – und darüber dieser gewaltige Sternenhimmel.

    Erst gegen Morgen verändert sich das Bild wieder und die Milchstraße neigt sich weiter dem Horizont entgegen.

    Einige unserer vertrauten Sternbilder begleiten uns auch hier.
    Vor Sonnenaufgang erscheinen am Osthimmel die Plejaden, der Stier mit seinem roten Auge, dem Aldebaran, und schließlich der Orion. Sternbilder, die wir seit unserer Kindheit kennen und die plötzlich auf der anderen Seite der Erde über einem völlig anderen Ozean stehen.

    Im Norden zieht der Schwanseine Bahn, gefegt von der Leier mit der Vega. Auch dies sind alte Bekannter aus unseren heimischen Nächten.

    Doch je weiter wir nach Süden und Westen gekommen sind, desto mehr verändert sich der Sternenhimmel.

    Plötzlich tauchen Sternbilder auf, mit denen wir bisher kaum etwas anfangen konnten. Pfau, Oktant und andere Sternbilder des Südhimmels gehören hier ganz selbstverständlich zum nächtlichen Firmament. Noch müssen wir uns daran gewöhnen, sie zwischen all den Sternen zu erkennen.

    Besonders beeindruckend bleibt natürlich das Kreuz des Südens.

    In der ersten Nachthälfte steht es noch gut sichtbar am Himmel. Für Generationen von Seefahrern war es weit mehr als nur ein schönes Sternbild: Es war ein Wegweiser. Seine Längsachse weist – entsprechend verlängert – in Richtung des südlichen Himmelspols und half den Navigatoren früherer Zeiten, auf der Südhalbkugel ihre Orientierung zu finden.

    Und nun steht es Nacht für Nacht auch über unserer Hägar.

    Als wäre dieser Himmel nicht schon eindrucksvoll genug, wird die Dunkelheit derzeit immer wieder von Sternschnuppen durchschnitten.

    Manchmal nur ein kurzer Lichtstrich am Rand des Blickfeldes. Manchmal eine helle Spur, die scheinbar quer über den halben Himmel zieht und für einen Augenblick nachleuchtet.

    Und manchmal folgen gleich mehrere kurz hintereinander.

    So sitzen wir während der Nachtwachen im Cockpit, während die Hägar mit gleichmäßigem Tempo durch den dunklen Pazifik rauscht. Das Kielwasser leuchtet schwach hinter uns, über dem Mast spannt sich die Milchstraße, im Westen versinkt die Venus im Meer und irgendwo dazwischen ziehen Sternschnuppen ihre leuchtenden Bahnen.

    Der Tölpel hat uns verlassen. Die Seeschwalben sind verschwunden. Um uns herum liegen Tausende Quadratkilometer offener Ozean.

    Aber allein sind wir deshalb noch lange nicht
    Über uns begleiten uns Nacht für Nacht Milliarden Sterne.
    Und irgendwo vor unserem Bug, noch verborgen hinter dem Horizont, warten die Marquesas.

    Vielleicht werden es am Ende wieder die Vögel sein, die uns als Erste verraten, dass das Land näher kommt.

    Bis dahin schauen wir nachts eben nach oben.
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  • 19. Tag auf See 12.08.2026

    August 12, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    04°30,3´N
    117°01,1´N

    Versegelt: 2638 sm
    Zum Ziel: 1346 sm

    Der Speiseplan an Bord einer Langstrecke gleicht einem spannenden Roman: Die ersten Kapitel sind süß, fruchtig und farbenfroh, mit Ananas, Mango, Rabutan und Co. – eine Explosion an Frische, die die Mannschaft wach hält.
    Doch irgendwann bröckelt das Obst, die Tropenhitze macht seine Spuren, und die länger haltbaren Schätze rücken in den Vordergrund: Kohl, Möhren, Tomaten.
    Wenn auch die Lagerbestände sich dem Ende neigen, gibt es eine neue Heldenfigur: Kartoffeln. Und wir wissen, was dann folgt – Kartoffelsalat, würzig, mit Zwiebeln, Gurken und Bockwürstchen samt Senf. Die heutige Bordaufgabe lautet:
    Kartoffeln kochen, pellen und zu Kartoffelsalat verarbeiten.
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  • 18.Tag auf dem Pazifik 11.08.2026

    August 11, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    3°49'29.041355"S
    113°56'13.483521"W

    Versegelt: 2449sm
    Zum Zuel: 1535 sm

    Auch am 18. Tag hält sich das große Abenteuer heute eher dezent zurück: Vor uns nichts als endloser Pazifik, hinter uns ebenfalls. In der Nacht gab es etwas Nieselregen, und der Tag beginnt bewölkt und ruhig.

    Immerhin sorgt ein Tölpel am Vordeck für etwas Gesellschaft. Er scheint unseren Kurs offenbar interessant zu finden und macht es sich weiterhin bei uns bequem.

    Ansonsten: Wasser, Himmel und Horizont – so weit das Auge reicht. 🌊

    Doch der Countdown läuft: Noch 9 Tage bis Nuku Hiva!
    Die Marquesas rücken langsam, aber sicher näher.

    Ihr könnt uns übrigens doch über VesselFinder verfolgen, auch wenn ihr nicht für die Satellitenortung freigeschaltet seid. Ihr müsst nur ungefähr wissen, wo wir uns gerade befinden. Wir sind dort magenta dargestellt – vor uns seht ihr noch zwei weitere Katamarane, ebenfalls in Magenta. Auf dem Foto könnt ihr das gut erkennen.
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  • 17. Tag an Bord 10.07.2026

    August 10, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    3°12'27.765668"S
    111°5'41.724141"W

    Versegelt: 2276 sm
    Zum Ziel: 1709 sm

    An Bord gibt’s momentan nicht allzu viel Neues – und genau das ist irgendwie auch schön. 🌊
    Unser tierischer Besuch beschränkt sich weiterhin auf einen einzigen Tölpel, der sich offenbar noch nicht entscheiden konnte, ob er bleiben möchte. 😄

    Der Wind hat etwas nachgelassen, deshalb dümpeln wir derzeit mit gemütlichen 6 Knoten dahin. Dazu ist der Himmel ziemlich bedeckt, sodass wir zwischendurch den Diesel anschmeißen müssen, um wieder etwas Strom nachzuladen.

    Und weil heute Montag ist, steht natürlich das Unvermeidliche an: Putztag! 🙄🧽

    Ansonsten genießen wir die entschleunigte Zeit an Bord. Wir schneiden Filme, hören Hörspiele, lesen – und natürlich schauen wir immer wieder einfach aufs Meer hinaus. 🌊💙

    Viel passiert gerade nicht. Aber manchmal ist genau das der schönste Teil einer Reise.
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  • 16. Tag auf See 09.08.2026

    August 9, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    2°30'12.179056"S
    108°9'53.571864"W

    Versegelt: 2096 sm
    Zum Ziel: 1890 sm

    Bergfest!
    Zumindest auf unserer Seekarte. Fast 2.000 Seemeilen liegen inzwischen hinter uns – und noch einmal knapp 2.000 Seemeilen vor uns. Wir haben damit ziemlich genau die Hälfte unserer langen Pazifiküberquerung geschafft.
    Ein Moment, der eigentlich Grund zum Feiern ist.
    Gleichzeitig ist es aber auch einer dieser Augenblicke, in denen einem erst so richtig bewusst wird, wie unglaublich weit draußen wir inzwischen sind.
    Irgendwo mitten im gewaltigen Pazifik. Vor uns fast 2.000 Seemeilen Wasser, hinter uns ebenso viele. Kein Hafen um die Ecke, kein Land am Horizont, keine Stadt, keine Straße, kein Supermarkt – nichts als Wasser, Himmel und die Hägar.
    Der nächste feste Boden liegt viele Tage entfernt.
    Zeitlich betrachtet haben wir unser Bergfest allerdings schon längst hinter uns. Die Doldrums mit ihren Flauten, Squalls und ständig wechselnden Winden haben uns einiges an Zeit gekostet. Manchmal kämpften wir mühsam um jede einzelne Seemeile, nur um anschließend festzustellen, dass uns die Strömung einen Teil davon wieder abgenommen hatte.
    Doch diese Zeiten scheinen nun endgültig hinter uns zu liegen.
    Inzwischen hat uns der beständige Pazifikwind fest im Griff. Die Hägar läuft seit Tagen zuverlässig und schnell, häufig mit mehr als sieben Knoten Richtung Westen. Und da sich an der grundsätzlichen Windsituation auf unserer weiteren Route voraussichtlich nicht mehr allzu viel ändern wird, können wir langsam beginnen, etwas konkreter mit unserer Ankunft zu rechnen.
    Wenn alles so weiterläuft, erscheint ein ETA um den 21. August durchaus realistisch.
    Also noch ungefähr zehn Tage auf See.
    Zehn weitere Sonnenaufgänge über dem Pazifik. Zehn Sonnenuntergänge. Zehn Nächte unter einem Sternenhimmel, wie man ihn vermutlich nur weit draußen auf dem Ozean erleben kann. Und noch viele hundert Seemeilen, bevor irgendwann am Horizont hoffentlich die ersten steilen Berge der Marquesas aus dem Dunst auftauchen.
    Auch unsere tierischen Mitsegler zeigen uns inzwischen, wie weit wir uns vom Festland entfernt haben.
    Unsere Tölpel, die uns über viele Tage begleitet, auf Bugkorb, Anker und Solarpanel übernachtet und die Hägar zeitweise fast zu einem schwimmenden Vogelhotel gemacht hatten, haben uns nun endgültig verlassen. Auch die Seeschwalben, die lange regelmäßig um uns herum zu beobachten waren, sind inzwischen selten geworden.
    Heute ließ sich lediglich ein einzelner Tropikvogel blicken. Für kurze Zeit zog er über uns seine Kreise, bevor auch er wieder in der unendlichen Weite des Pazifiks verschwand.
    Auch das ist ein Zeichen dafür, wie weit draußen auf See wir inzwischen sind.
    Nun beginnt für uns gewissermaßen das Warten auf die nächsten gefiederten Besucher.
    Denn irgendwann werden wieder mehr Vögel auftauchen. Vielleicht zunächst einzelne, dann immer häufiger. Und dann werden sie für uns zu einem ganz besonderen Zeichen: Land ist nicht mehr weit.
    Schon die alten Polynesier nutzten auf ihren unglaublichen Reisen über diesen riesigen Ozean das Verhalten der Seevögel zur Navigation. Sie beobachteten, welche Arten auftauchten, aus welcher Richtung sie am Morgen kamen und wohin sie am Abend zurückflogen. Zusammen mit Sternen, Sonne, Dünung, Wolken und Strömungen konnten ihnen die Vögel Hinweise auf Inseln geben, die noch weit hinter dem Horizont verborgen lagen.
    Und so werden auch wir in den kommenden Tagen genauer hinschauen.
    Vielleicht wird irgendwann ein Vogel auftauchen, der am Abend nicht hinaus auf den offenen Pazifik fliegt, sondern zielstrebig in eine bestimmte Richtung verschwindet.
    Vielleicht werden es zwei.
    Dann zehn.
    Und irgendwann wissen wir:
    Da vorne muss Land sein.
    Bis dahin rauscht die Hägar weiter durch den Pazifik. Der Bug zeigt nach Westen, das Kielwasser zieht sich hinter uns scheinbar endlos bis zum Horizont – und mit jeder Stunde wird die Zahl der Seemeilen vor uns ein wenig kleiner.
    Knapp 2.000 liegen hinter uns. Knapp 2.000 noch vor uns.
    Bergfest.
    Und ab jetzt segeln wir nicht mehr von Panama weg.
    Ab jetzt segeln wir den Marquesas entgegen!
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  • 15. Tag auf See 08.08.2026

    August 8, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 26 °C

    1°42'45.076135"S
    105°16'36.652682"W

    Versegelt: 1916 sm
    Zum Ziel: 2070 sm

    Das Wetter klart immer weiter auf. Die Nacht war sternenklar und die Milchstraße erhellte den gesamten Himmel.

    Doch bei tausenden von Sternen fehlt mir hier die Übersicht und die charakteristischen Sternbilder vom heimischen Himmel.

    Überraschend ist, dass man hier keine Satelliten sieht. Zumindest konnte ich in der heutigen Nacht keine entdecken.

    Auch Starlink scheint hier keine so hohe Abdeckung zu haben. Immer wieder kommt es zu Ausfällen.

    Dafür war am Morgen das Deck voll mit Frutti de Mare. Jede Menge fliegende Fische und Tintenfische. Leider waren sie schon alle angetrocknet, sodass sie wieder ins Meer gingen.

    Mitsegler haben wir nur einen. Blauer Schnabel rote Füße.
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  • 14. Tag auf See 07.08.2026

    August 7, Pazifischer Ozean ⋅ ☁️ 26 °C

    Versegelt: 1759 nm
    Zum Ziel: 2228 nm

    0°58'33.321877"S
    102°44'59.130287"W

    Zwei Wochen auf See.
    Die Tage kommen und gehen. Wenn der Wind so bleibt, haben wir zeitlich über die Hälfte geschafft. Noch ca. 13 Tage.
    Durch den Halbwindkurs ist der Bordalltag etwas einfacher und unter Deck ist alles nicht mehr so schräg.
    Das Wetter wird schöner. Es ist nicht mehr ganz so warm und es zeigt sich eine leichte Cumulus Bewölkung . Heute Morgen konnten wir seit langem mal wieder die Sonne aufgehen sehen.
    Unsere Mitsegler werden auch weniger. Jetzt sitzen nur noch maximal 2-3 Tölpel nachts auf dem Bugkorb. Tagsüber sind sie jagen.
    Unverändert sind die Seeschwalben die in Bootsnähe jagen. Sie sehen aus wie unsere Mehlschwalben, kommen aber nicht an Bord.
    Durch den angenehmeren Kurs können wir jetzt wieder die Zeit nutzen um Filme zu schneiden, zu schreiben und zu Angeln . Das verkürzt die Zeit auch etwas….
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  • 13. Tag auf See 06.08.2026

    August 6, Pazifischer Ozean ⋅ ☁️ 26 °C

    Etmal: 152

    0°19'53.374558"S
    100°11'37.271549"W

    Heute Nacht, am 06.08.2026 genau um 05:00 UTC haben wir auf einer Länge von 099°12,3‘W den Äquator Richtung Süden passiert. Nun sind wir im Südpazifik und haben Winter.
    Der Wind hat leicht zurück gedreht, sodass wir nun mit fast halben Wind segeln können.
    Nächstes Highlight is Bergfest so in 2-3 Tagen.
    An Bord alles gesund und guter Laune.
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  • 12. Tag auf See 05.08. 2026

    August 5, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    Etmal: 174sm
    0°30‘N
    97°50'W

    An diesem Tag haben wir unser Etmalrekord auf dieser Reise gebrochen. Der Wind ist nun sehr konstant und die Windvane hält uns konstant auf Kurs.

    Heute Nacht werden wir den Äquator passieren und die Südhalbkugel erreichen. Ein Grund, mal wieder zu Duschen, damit uns die Meeresgötter gnädig sind.

    Unser frisches Obst und Gemüse geht nun auch langsam zu Ende. Bananen sind weg, zwei Ananas mussten wir über Bord geben, waren schlecht geworden. Jetzt haben wir noch Äpfel und Kohl.

    Und nochmal zu den Leuchtmöwen: Es waren Gabelschwanzmöwen. Diese Möwen jagen ausschließlich in Gruppen in der Nacht und auf hoher See.
    Wir sind uns beide absolut sicher, dass sie aktiv geleuchtet haben. Allerdings so schwach, dass das menschliche Auge es nur bei absoluter Dunkelheit wahrnehmen kann.
    Auf Galapagos leben viele endemische Arten, die ihre eigene Entwicklung hinter sich haben. Leguane, die unter Wasser grasen, flugunfähige Kormorane, etc….
    Und es leuchtet so viel auf dieser Welt. Pilze, Insekten und in der Tiefsee fast alles. Für die Evolution ein Klacks. Dazu kommt, wenn man das Jagdverhalten der Hochseevögel beobachtet, so jagen sie dort, wo andere sind. Unsere Bordtölpel starten auch, wenn sie andere auf See jagen sehen. Also wenn sich die Möwen bei dunkler Nacht sich untereinander sehen können, wäre dies ein großer Vorteil.
    Und warum hat das noch nie jemand gesehen? Hier ist kaum jemand. Und dann sieht man das nur, wenn es komplett Dunkel ist und dann weit draußen auf See. Egal was die KI und Wikipedia sagt, für uns ist es eindeutig, dass sie leuchten können. Ich werde die Beobachtung mal an entsprechende ornithologische Forschungseinrichtungen berichten. Bin mal gespannt.

    Jetzt bereiten wir uns aber erstmal auf den Äquator vor.
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  • 11. Tag auf See 04.08.2026

    August 4, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    Etmal: 132 sm
    01° 21,1´N
    095°02,8W

    Wieder mal ein Tag mit vielen Squalls und Segelmanövern. Da wir jetzt Halbmond haben, geht der Mond erst gegen Mitternacht auf. In der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang ist es absolut finster. Zum Segeln nicht so schön, aber man sieht das Meeresleuchten sehr gut. Neben dem Schiff flitzen tausende kleine Sterne durch das Wasser und immer wieder tauchen helle, leuchtenden Flecken auf dem Meer auf. Ob diese durch Wellen oder durch irgendwelche Meeresbewohner entstehen können wir nicht so genau sagen.
    Und dann haben wir noch etwas sehr Befremdliches beobachtet: Über dem Wasser bewegen sich helle, fluoreszierende Punkte über der Meeresoberfläche. Zunächst dachten wir an Lichter von Schiffen. Konnte aber eigentlich von der Entfernung und der Geschwindigkeit nicht sein. Also nahmen wird die starke LED-Taschenlampe, übrigens ein Geschenk von Micha, und leuchteten in die entsprechende Richtung.
    Es waren Möwen. Weiße Möwen mit einem schwarzen Kopf und roten Augen und einem schwarzen Schnabel mit weißem Strich, ähnlich wie ein Tordalk. Diese Möwen begleiten uns seit einem Tag und: Sie leuchten tatsächlich in der Nacht. Von so einer Erscheinung habe ich noch nie gehört. Vielleicht hat von euch schon mal jemand von so etwas gehört?
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  • 10. Tag auf See 03.08.2027

    August 3, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    Etmal: 165 sm
    02° 08,5´N
    093° 10´

    Heute gegen 02:00 hatten wir die Nord-West-Spitze des Galapagos Naturschutzgebietes passiert und können nun direkten Kurs auf die Marquesas nehmen.

    Derzeit laufen wir eine Kurs von 245° mit 5-6 kn bei einem Amwindkurs im 2. Reff.Read more