• Ein bisschen Geschichte

    1. marts, Tyskland ⋅ ⛅ 11 °C

    Schloss Lübbenau und Familie Lynar

    1621 erwarb die Witwe des Grafen Johann Casimir zu Lynar die Lübbenauer Besitztümer. Die Contes di Linari waren eine angesehene Adelsfamilie aus Italien. Rochus Guerrini Graf zu Lynar hatte seit 1578 im Dienste des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, als dessen geschätzter Festungsbaumeister gestanden. Unter anderem war er am Bau des Berliner Stadtschlosses und der Spandauer Zitadelle bei Berlin beteilig.
    Rochus Enkel Johann Siegmund Gral zu Lynar organisierte im 17. Jahrhundert den Wiederaufbau der durch den dreisigishrigen Krieg schwer zerstörten Stadt Lübbenau und war als Landrichter der Niederlausitz titig, 1818 übernahm Hermann Rochus Graf zu Lynar die Standesherrschaft in Lübbenau. Er ließ das Schloss vom Architekten Carl August Benjamin Siegel zeitgemaß im klassizistischen Stil umgestalten, Abgesehen von den beiden später angefügen Türmen an der Rückseite präsentiert sich das Gebäude bis heute in der damals erbauten Form. Auch die Orangerie wurde um 1820 errichtet. Bei späteren Schlossumbauten wurde der Rat des namhaften Berliner Achitekten Karl Fredrich Schinkel hinzugezogen.
    1928 wurde Wilhelm Friednich Rochus Graf zu Lynar, genannt Wilfried, Standesherr. Trotzdem er sich voll und ganz der Verwaltung des Familienbesitzes widmete, waren die wirtschaftlichen Probleme 1930 jedoch dermaßen angewachsen, dass die Grafenfamilie in das kleinere Schloss Seese umzog. Die seit Jahrhunderten gesammelten Kunstgegenstände im Schloss Lübbenau bildeten den Grundstock des Schlossmuseums, das 1932 eröffnet wurde.
    Nach Kriegsbeginn war Graf Wilfried im Rang eines Majors beim Generalkommando in Berlin für das Personalwesen zuständig. Diese Tätigkeit brachte ihn in Verbindung mit den Militärs, die ein Attentat auf Hitler planten.
    Nach dem Scheitern des Attentats am 20. Juli 1944 wurde Wiliried Graf zu Lynar er verhaftet und nach der Verhängung des Todesurteils am 29. September 1944 mit weiteren am Umsturzversuch Beteiligten durch den Strang hingerichtet.
    Das Nazitegime verfügte die Enteignung des Familienbesitzes. 1945 fiel die ehemalige Standesherrschaft Lübbenau - die Graf Wilfried schuldenfrei hinterlassen hatte - unter die Bodenreform. Unter der Parole „Junkerland in Bauernhand“ wurde der gräfliche Besitz verteilt. Das Lazarett im Schloss wurde als Behelfskrankenhaus und nach Umbauten als Kinderkurheim weitergeführt. Später diente es als Mütter- und Säuglingsheim und als Schulungs- und Computerausbildungszentrum.
    1990 wurden schließlich Teile des Lübbenauer Schlosses als Hotel ausgebaut. Noch im selben Jahr stellte die Lynarsche Familie den Antrag auf Rückübereignung des ehemaligen Besitzes der Standesherrschaft. Dazu ermutigte sie das Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen, welches zwischen der BRD und der DDR vereinbart worden war, wodurch Angehörige von Verfolgten des Naziregimes enteigneten Besitz zurück fordern konnten.
    Im November 1991 erhielten die Grafen zu Lynar wesentliche Teile ihres einstiges Eigentums zurück. Damit war die Famlie gefordert, sich um die anspruchsvolle Aufgabe der Wiederbelebung eines heruntergewirtschafteten Besitzes zu kümmern. 1992 begann eine schrittweise Renovierung des Schlosses und der Ausbau zum Vier-Sterne-Hotel.
    [www.schloss-luebbenau.de]
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