• Tag 107, 159 Km/15177 Km

    December 14, 2024 in Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Am Morgen ist die Luftfeuchtigkeit dermaßen hoch, dass das Wasser im Hubdach an der Innenseite die Wände herunterläuft. Eigentlich ist alles im Dach klamm, Matratze, Kissen, Decke. Es wird Zeit, alles zu waschen. Bevor ich aufbreche erhalte ich 'Post' aus Deutschland. Eine wunderschöne Weihnachtskarte (in digitaler Form) einer meiner Leserinnen aus der Heimat.
    Ich fahre am Vormittag in Richtung Accra, die Straße ist die ersten 80 Kilometer super und wird dann zu einer Schlaglochpiste, wie ich sie seit Senegal nicht mehr gesehen habe. Ein Monster-Schlagloch folgt dem Anderen und in dem kurzen Stück wo wie durch ein Wunder mal kein Schlagloch ist, gibt es Hubbel. Ich brauche für die ersten 80 Kilometer eine Stunde, für die zweiten 80 Kilometer fast vier. Die Hitze, der Staub, die unzähligen LKW, der Lärm und die schlechte Straße sorgen dafür, dass ich ziemlich schnell genug habe. Potenziell eignet sich der Vormittag bei mir für einen Amoklauf. Tatsächlich gibt es Tage, an denen ich von 'all dem' genug habe, heute gehört dazu.
    Ich sehe auf dem Weg Einheimische, die eine weiße Masse in Plastiksäcken verpackt aus dem Urwald holen - Kautschuk aus den unzähligen Kautschukplantagen. Die Kautschuk-Masse stinkt unglaublich widerlich, so als hätte man sich vier Wochen die Zähne nicht geputzt. Ich kann oft schon hunderte Meter vorher riechen, dass eines der Tuktuks auf der Straße die Masse geladen hat.
    Als ich durch die Stadt Shama Junction fahre, gerate ich in eine Demonstration. In der letzten Woche gab es Wahlen in Ghana und die unterlegene Opposition hat zum Protest aufgerufen. Glücklicherweise bleibt es friedlich, während ich durch die auf der Straße tanzende Menge fahre.
    Auf einem schlechten Streckenabschnitt sehe ich, wie ein LKW auf die Seite gekippt ist. Der LKW hat Kraftstoff geladen, der jetzt herausläuft. Der Sand, auf dem der Tank liegt ist durch den Kraftstoff bereits hunderte Meter vorher schwarz gefärbt. Es hat sich eine Menschentraube von mehreren hunderten Zivilisten um den LKW gebildet und man versucht den auslaufenden Kraftstoff mit Wasserflaschen, alten Kanistern und allem was es sonst so gibt aufzufangen und zu stehlen. Sicherlich keine ungefährliche Situation, verunfallte Tanklaster fordern in Afrika immer wieder schwere Unfälle mit hunderten Toten, wie vor ein paar Wochen zuletzt in Nigeria. Die 300 Kilometer bis nach Accra sind eigentlich in einem Tag nicht zu schaffen, also mache ich zwei Nächte Pause am Ko-Sa Beach, einem bekannten Treffpunkt für Afrikareisende. Tatsächlich treffe ich zufällig zwei Reisebegleitungen, die ich bereits aus Mauretanien kenne. Der Stellplatz wird von zwei Niederländern betrieben und sieht genauso aus wie ein Campingplatz in Holland. Zumindest, wenn man sich die Palmen wegdenkt. Ich werde in der kommenden Woche hierher zurückkehren, ein toller Ort um Weihnachten zu feiern.
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