• Tag 111, 0 Km/15440 Km

    December 18, 2024 in Ghana ⋅ ☀️ 31 °C

    Ich werde am Morgen von Paul, einem lokalen Guide am Appartement abgeholt. Wir fahren zusammen nach Agbogbloshie, der größten Müllhalde für Elektroschrott in ganz Afrika. Sein Bruder wartet schon, ich hab mich hier mit vier mir bekannten Reisenden verabredet, die tatsächlich zufällig meinen Reisepass aus der Botschaft der Demokratischen Republik Kongo mitgebracht haben. So läuft das halt in Afrika, da wird der Reisepass einfach 'den anderen Weißen' mitgegeben, ich hab dadurch glücklicherweise einen freien Nachmittag gewonnen und tatsächlich alle Visa der Reise jetzt zusammen! Wir treffen uns mit einem weiteren lokalen Guide, der direkt in dem Viertel wohnt. Ohne den dritten Guide wäre es aus meiner Sicht sehr schwierig, Agbogbloshie zu besichtigen. Der lokale Führer kennt die wichtigen Leute und führt uns ohne Probleme durch sein Viertel. Die Verschmutzung in Agbogbloshie ist unfassbar und schon weit vor der eigentlichen Deponie zu sehen. Der durch den Stadtteil fließende Fluss ist tiefschwarz, der Gestank ist eine Mischung aus faulen Eiern, Kloake und verbranntem Gummi. Wir biegen zu Fuß von der Hauptstraße ab, die Recyclingbereiche beginnen. Es wird hauptsächlich Elektroschrott aus Europa verwertet, dazu wird der Elektroschrott mit Hammer und Meißel aufgebrochen, Kupfer, Aluminium und alle weiteren Metalle von Hand getrennt. So gut wie alle Materialien die nicht aus Metall bestehen werden irgendwie verwertet. Es gibt Haufen aus Plastik und Gummi, Stoffresten und Sperrmüll. Der Boden ist schwarz von den vielen Chemikalien und dem über die Jahre in den Boden ausgelaufenen Betriebsmitteln der Kühlschränke oder der alten Autos. Durch die vielen Brände rund um Agbogbloshie ist die Luftqualität extrem schlecht, 2013 wurde der Ort zu einem der schlimmsten verseuchten Orte der Welt erklärt. Um das Kupfer aus den alten Kabeln zu gewinnen gibt es Bereiche in denen die Kabel von Hand soweit zurechtgeschnitten werden, bis alles wie Stecker oder sonstiger Elektronik verschwunden ist, die Kabel werden dann auf einem Haufen gesammelt, angezündet und somit die Isolierung abgebrannt. Arbeitsschutz ist nicht existent, weder beim Zerteilen der Elektronik, noch beim Abbrennen der Kabel. Viele der Arbeiter haben rote aufgequollene Hände, Narben überall am Körper oder Brandmale.
    Am hinteren Rand von Agbogbloshie gibt es einen Berg aus unverwertbaren Resten, in denen Einzelne noch nach Verwertbarem suchen. Dazwischen Wohnhäuser, Ziegen, Rinder. Eines der übelsten Orte die ich jemals gesehen habe.
    Ich besichtige am Nachmittag das Nationalmuseum von Ghana, welches im Vergleich zum Vormittag langweilig und teuer ist.
    Den freien Nachmittag nutze ich schließlich zum Reinigen des Autos von Innen, unglaublich wie schnell die staubigen Straßen dafür sorgen, dass das Fahrzeug von innen wie von außen dreckig wird.
    Read more