• Tag 120, 344 Km/16366 Km

    December 27, 2024 in Ghana ⋅ ☀️ 35 °C

    Es geht früh los, denn ein elendig langer Fahrtag bis in die Stadt Kumasi steht bevor. Kurz nach dem Start bei Paul fahren wir durch eine etwas größere Stadt. Die Straße ist breit, zwei Fahrzeuge passen locker in jede Richtung auf die Fahrbahn, jedoch ist nichts markiert, weder die Spuren, noch die Mitte. Ich überhole ein langsam fahrendes Tuk-Tuk als ich keine 100 Meter später unsanft von der Polizei angehalten werde. Kein Checkpoint, sondern eine Verkehrskontrolle. Officer Joel tritt an mein Fenster, meine Begrüßung und meinen Wunsch, frohe Weihnachten gehabt zu haben werden nicht erwidert. "Tuktuks sind auch Verkehrsteilnehmer! Das Überholen war sehr gefährlich gerade." Ich weiß noch gar nicht so richtig was falsch war, also antworte ich, dass beide Tuktuks langsam waren und die Situation nicht gefährlich war. Keine Gute Idee, Officer Joel möchte wohl lieber, dass ich, was auch immer, eingestehe. Er holt ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Km/h aus seiner Mappe und zeigt mir das Schild. "Ich bin nicht schneller als 50 gefahren. Aber okay, das überholen war natürlich gefährlich, mache ich sicherlich nie mehr wieder." Er möchte meinen Führerschein sehen, nimmt das Dokument und sagt mir ich soll rechts am Rand parken. Im Rückspiegel sehe ich, wie er mit meinem Führerschein in der Hand den Verkehr regelt, ab und an auf sein Handy schaut irgendwann ein Papier aus seiner Mappe holt und es ausfüllt. 20 Minuten geht gar nichts mehr, bis es mir reicht und ich aussteige und zu ihm gehe. Den Strafzettel hat er schon ausgefüllt, Tatvorwurf: 'Dangerous Driving'. "Du musst zum Gericht und da verhört werden. Das dauert vermutlich mehrere Tage. Danach erst kannst du weiterfahren." Ich sage ihm, dass ich gerne die Strafe direkt zahle. Er soll den Zettel fertig ausfüllen und dann fahre ich zur nächsten Bank und überweise das Geld. "Das geht nicht." sagt er. Er könnte mir aber aus diesem Dilemma heraushelfen und mir die Strafe erlassen, wenn ich 'etwas für ihn hätte'. Ich bin mittlerweile zu lange in Afrika, um hier diesem billigen Versuch einer Schmiergeldzahlung nachzugeben. "Da gibt es ein Problem. Ich habe nur noch 50 Cedi (3€) dabei. Ich muss zuerst zur Bank." "Da vorne ist eine Bank" antwortet Officer Joel. Shit, da ist wirklich eine Bank ... und nun? "Bei dieser Bank funktioniert meine Karte aus Europa nicht" lüge ich. "Ich muss zu einer Eurobank, die gibt es nur in Accra und in Kumasi." Den Namen der Bank lasse ich mir schnell einfallen und auch wenn Herr Joel komisch guckt, glaubt er mir die Geschichte. "Gut, dann gib mir die 50 Cedi." "Dann habe ich kein Geld mehr bis ich heute Abend ankomme. Und wenn was passiert, oder ich irgendwo Maut zahlen muss?" Natürlich habe ich noch genug Geld dabei...."Okay, dann überweis mir doch einfach heute Abend das Geld. Hier ist meine Telefonnummer, ich habe ein Account bei Western Union." Klar, mache ich. Ganz bestimmt.
    30 Minuten später geht es endlich ohne Zahlung weiter, Marvin 1, Officer Joel 0. Vielleicht hat ja jemand anderes ein Erbarmen mit Officer Joel.
    Die Straße nach Kumasi hat in der Folge alles zu bieten, was Ghanas Straßen so können. Tausende Hubbel, Staub, Schlaglöcher, Stau und diverse Checkpoints die zwischen Durchwinken und der Frage nach einem nachträglichen Weihnachtsgeschenk für den armen Polizisten alles zu bieten haben. Die 350 Kilometer nach Kumasi ziehen sich elendig hin, Stop and Go von Anfang bis zum Ende. In Kumasi gibt es eine Möglichkeit zum Campen direkt in der Stadt, aber nach einem ganzen Tag Lärm und Hektik tut es hier auch das klimatisierte Zimmer für ein paar Euro mehr.
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