• Tag 130, 67 Km/17430 Km

    January 6, 2025 in Togo ⋅ ⛅ 34 °C

    Am Morgen geht es als allererstes zur Grenze, das Grenzhäuschen ist keine 500 Meter vom Stellplatz weg. Ich komme um 10:00 Uhr an und bin neben den Grenzbeamten der Einzige. Die Polizistin mustert in aller Ruhe jede Seite und jedes Visum meiner Reise, stellt dann den Datumsstempel ein (was mir sagt, dass ich nicht nur der Einzige, sondern an dem Tag auch der Erste bin). 10 Meter weiter zum Zoll, alles läuft langsam aber reibungslos. Bei der Einreise in Togo ein ähnliches Bild, niemand außer den Beamten ist anwesend. In einem kleinen Bretterverschlag sitzt ein einzelner Beamter, Fliegen tanzen um den kleinen Deckenventilator, draußen kräht ein Hahn. Von den vier Ausdrucken des E-Visums braucht er nur eines, die Info, dass das Visum ab dem 1.1. viermal auszudrucken ist, ist scheinbar noch nicht bis hierher angekommen. Zuletzt zum Zoll, wo man mir erklärt, dass das Carnet de Passage 50 Kilometer weiter in der Stadt gestempelt werden muss. Alle meine Fragen wie 'wo genau, was ist zwischendrin, ist dort wirklich jemand, ist auch geöffnet' werden beantwortet, dann erscheint plötzlich ein Stempel aus der Schublade. Der Herr erbarmt sich doch, das Carnet zu stempeln, weiß aber nicht wie. Er möchte eine Seite herausreißen, was ich mit einem lauten "Stopp" unterbinde. Ich zeige ihm, wo er stempeln soll und trotzdem schafft er es, den Stempel (zumindest zur Hälfte) auch noch zusätzlich im Ausreisefeld hineinzudrücken. Mal sehen, ob das bei der tatsächlichen Ausreise in einer Woche zu Problemen führt. Es geht weiter über eine Offroadpiste in die Berge Togos, bei der Steigung kommt das Fahrzeug mit der Beladung knapp an seine Grenze. Noch unten kann ich es kaum glauben, dass es auf diesen Berg überhaupt eine Straße gibt.
    Auf der Bergkuppe ist ein Seil quer über die Straße gespannt, die vier wartenden Herren tragen Zivilkleidung und Warnwesten. Manchmal muss man innerhalb einer Sekunde erkennen, ob es sich um einen legalen oder illegalen Checkpoint handelt, also fahre ich zügig auf das Seil zu und aus Angst, ich würde das Seil kaputt machen, lässt man es unter lautem Gebrüll kurz vorher schnell ab und wartet lieber auf den Nächsten der vorbeikommt. Auf der anderen Seite geht es genauso steil bergab wie vorher bergauf und aufgrund der Kombination aus Kurven, Gefälle und Schlaglöchern kann ich die warme Bremse nach einigen Kilometern bis in den Innenraum riechen.
    Es geht weiter ins Hochland Togos, die Straße ist wunderschön und auch wenn nicht asphaltiert, nach vielen Wochen in Ghana ein Genuss zu fahren. Auf dem Berggipfel gibt es eine kleine Farm, in der Philipp aus Deutschland Obst und Gemüse anpflanzt. Philipp ist ein sehr spezieller Typ, läuft eigentlich nur Barfuß, hat schonmal bei Bauer sucht Frau mitgemacht und ist auf dem Weg nach Südafrika irgendwann einmal hier gestrandet. Auch wenn er ein wirklich cooler Typ ist, ist es schon speziell hier in den Bergen von Togo zu leben. Seine Einstellung beweist mal wieder, dass es viele verschiedene Lebenseinstellung gibt. Einen richtigen Stellplatz hat Philipp nicht, ich kann aber den Hang ein Stück über die Sträucher und Gräser fahren und dort mit Blick ins Tal stehen. Leider setze ich bei der Einfahrt auf das kleine Plateau zweimal heftig auf - zum Glück ohne ernsthaft etwas kaputt zu machen.
    Am Abend machen wir gemeinsam Pizza, Phillips Frau Gloria kümmert sich um den Teig. Leider gibt es rundherum Buschfeuer, deren Rauch den Berg hochzieht und somit die Luftqualität extrem schlecht werden lässt.
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