• Tag 131, 40 Km/17470 Km

    7 Januari 2025, Untuk pergi ⋅ ☀️ 33 °C

    Am Abend brennen die Buschfeuer rundherum, eines bereitet mir besonders Sorgen, ist es keine 200 Meter entfernt. Das Knacken vom verbrennenden Holz soll mich die ganze Nacht immer mal wieder aufwecken. Philipp ist noch entspannt, also kann ich es eigentlich auch sein.
    Ohne in der Nacht abgebrannt zu sein, gehe ich am Morgen mit Philipp rund um seine Farm. Auch wenn er sich hier ein kleines Paradies für sich geschaffen hat und die Zeit hier für mich toll ist, ist es für mich gleichzeitig unvorstellbar hier dauerhaft zu leben, am Berghang in Togo, ohne Wasser, ohne Strom. Gegessen wird zu 99% das, was der Hof hergibt, wie Tomaten, Südfrüchte, Eier. Jeden Morgen muss Philipp rund 15 Minuten steil den Berg herunterlaufen und an einer kleinen Felsspalte Trinkwasser schöpfen. Die 10 Liter schleppt er anschließend wieder den Berg hinauf. Jeden Morgen, 365 Tage im Jahr. Immerhin hat er vor einigen Jahren eine mechanische Pumpe im Tal installiert, welche ihm Brauchwasser für den Abwasch und zum Duschen den Berg heraufpumpt. Durch die schwarze Schlauchleitung ist das Wasser kochend heiß, wenn es oben ankommt.
    Am Nachmittag mache ich mich mit seiner Frau Gloria auf zu einem kleinen Kloster in der Nähe. Die Strecke ist wunderschön zu fahren, immer wieder gibt es tolle Blicke ins Tal und winzige Bergdörfer, die von der Zivilisation abgeschnitten scheinen. Die Strecke mit einer einheimischen Frau auf dem Beifahrersitz zu fahren, hat einen vollkommen anderen Charakter als die 17.000 Kilometer zuvor, Gloria kennt hier natürlich fast jeden und wir halten immer mal wieder an um zu plaudern oder eine Kleinigkeit zu kaufen.
    Auch im Kloster kennt Gloria eine der Nonnen, nur macht diese leider gerade Mittagsschlaf. Ich denke mir nichts dabei und gehe unbedarft in die Klosterkapelle, als sich plötzlich die auf dem Boden liegenden Nonnen alle gleichzeitig aufrichten. Während mir das total unangenehm ist, dass ich gerade derart ungehobelt in das Gebet geplatzt bin, bekommt sich Gloria vor der Tür nicht mehr ein vor Lachen. Nach einer halben Stunde ist besagte Nonne erwacht und total über unseren Besuch erfreut. Sie führt uns herum, zeigt mir das Kloster, die Schlafsäle und den kleinen Shop. Wir setzen uns und bekommen etwas hingestellt, was ich seit fast 5 Monaten nicht mehr gegessen habe: es gibt selbstgebackenen Kuchen. Dieser schmeckt im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch.
    Auf dem Rückweg fahren wir an einer Stelle vorbei, wo mal wieder ein Seil quer über die Straße gespannt ist. An der einen Seite ist das Seil am Baum festgebunden, das andere Ende hält ein Mann in der Hand, der in einem kleinen Verschlag sitzt. Ich Frage Gloria, was das zu bedeuten hat, wir werden gestoppt, dürfen aber direkt weiterfahren. Sie sagt, dass sie seit 3 Jahren hier wohnt und noch nie jemanden an dieser Stelle etwas hat machen sehen. Weder Papiere zeigen, noch Geld zahlen, noch sonst irgendetwas. Es sitzt halt einfach jemand dort in dieser Hütte und lässt das Seil runter, wenn jemand über die Straße fahren möchte und niemand weiß, warum er da ist.
    Wieder zurück auf dem Hof gibt es abends eine warme Eimerdusche und Gloria kocht Nudeln mit Fisch und Tofu - schmeckt besser als es klingt. Eigentlich wollte ich nur eine Nacht hier auf dem Hof bleiben, aber entscheide mich am Abend noch, mindestens noch eine weitere und damit dritte Nacht zu bleiben. Die Zeit bei Philipp und Gloria ist für mich etwas ganz besonderes.
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