• Tag 134, 106 Km/17800 Km

    10 Januari 2025, Benin ⋅ ☀️ 32 °C

    Es geht los, raus aus Togo, rein nach Benin - soweit am Morgen die Theorie. Schon vor der eigentlichen Grenze geht es los, ich muss den Pass zeigen, sitze noch im Auto, Grenze ca. 600 Meter weiter. "Wo ist das Visum???" Werde ich angepamt. "Es gibt kein Visum, ich habe ein e-Visum online beantragt und bin nicht länger als 7 Tage im Land." Ab dem 8. Tag hätte ich bei der Einwanderungsbehörde in Lomé vorstellig werden und ein offizielles Visum bekommen müssen. Ich erkläre den 3 Polizisten die Situation. "Not okay!" die Antwort. Dann kommt der Chef: Glatze, dick, Sterne auf der Schulter. Er nimmt meinen Pass, gleiche Frage: "Wo ist das Visum?" Gleiche Antwort. Mit seinem Kollegen in einer mir nicht verständlichen Sprache diskutierend ist es irgendwann doch okay, also weiter zum Zoll. "Hier gibt es keinen Stempel ins Carnet de Passage, erst in 600 Metern." sagt man mir. Ohne irgendein Dokument bislang gestempelt bekommen zu haben geht es weiter zur nächsten Station. Die Grenze ist riesig, viele Leute wollen rüber, Chaos an allen Schaltern, die vollste und unübersichtlichste Grenze seit dem Grenzübertritt zwischen Marokko und Mauretanien. Nächster Stopp, Passkontrolle. Irgendwann bin ich dran, das Handy des Beamten ist ihm wichtiger als der Stempel, also dauert es ewig bis der Pass dann irgendwann einmal in die Hand genommen wird und ich aus Togo ausgestempelt werde. Dann weiter zur nächsten Station: Einreise nach Benin. Jetzt wird es spannend, das Visum startet ja erst in 5 Tagen. Alles wird fein säuberlich in ein Buch geschrieben, plötzlich sehe ich das Feld: 'Gültigkeit Visum'. Der Beamte schreibt das Datum der Gültigkeit in das Buch und sagt zu sich selber: "No". Dann zu mir: "Das Visum ist nicht gültig, du darfst nicht einreisen." Kurze Diskussion, ich möchte unbedingt zum Voodoo-Festival doch keine Chance. "Non, retournez au Togo!" - zurück nach Togo. Er wirft mir den Pass hin. "Gibt es keine Alternative?" Doch, die gibt es. "50€, keinen Cent weniger. 50€ zahlen, oder umdrehen". 50€ ärmer geht es zum Zoll. "Hier wird das Carnet nicht gestempelt, du musst 600 Meter zurück". Da war ich ja eigentlich schon, also zu Fuß wieder nach Togo zurück, die Ausreise ist ja schon gestempelt und es gibt eine riesige Diskussion mit mehreren Beamten, eigentlich darf ich nicht wieder zurück. Schließlich lässt man mich doch gehen, doch beim Zoll die gleiche Antwort: "600 Meter weiter wird gestempelt". Also zum dritten Mal die 600 Meter wieder zurück, dort erhalte ich 'ausnahmsweise' dann doch den Stempel. Der ganze Einreisezirkus dauert mehr als 3 Stunden. Der erste Teil des Tages ist geschafft.
    So schnell es geht fahre ich nach Ouidah, das Voodoo-Festival läuft schon in vollem Gange. Schon auf der Hinfahrt sehe ich ganze Kolonnen, die in die Stadt pilgern, tanzen, sich verkleiden. Die ganze Innenstadt ist komplett abgeriegelt, alle Straßen rundum von Polizei und Militär bewacht. Es gab heute Morgen einen schweren Anschlag in Benin und der soll sich sicherlich nicht noch einmal auf dem Voodoo-Festival wiederholen. Für die letzten 6 Kilometer ins Stadtzentrum brauche ich 2 Stunden, gefühlt ist ganz Benin auf den Beinen, alle Straßen sind komplett dicht. Es gibt einen Parkplatz am Meer, mitten im Geschehen. Das Militär hat hier für das Festival seine Basis, ich frage ob sie was dagegen haben wenn ich die Nacht direkt neben den geparkten Panzerfahrzeugen verbringe. Alle sind super freundlich und niemand hat etwas gegen meine Anwesenheit. Der Stellplatz ist zwar laut, es ist aber ungefähr so als würde man bei Rock am Ring 200 Meter neben der Hauptbühne schlafen - ich bin mittendrin.
    Auf dem Festival gibt es zwar eine große Bühne, auf der am Abend auch traditionelle Tänze aufgeführt werden, hauptsächlich lebt das Festival jedoch von den vielen kleinen Tänzen am Strand und auch wenn ich überhaupt nicht verstehe was hier passiert oder welchem Sinn die speziellen Tänze haben, ist es trotzdem toll dabei zu sein.
    Baca lagi