Tag 138, 162 Km/18031 Km
14 Januari 2025, Benin ⋅ ☀️ 35 °C
In der Nacht steigt die Luftfeuchtigkeit dermaßen an, dass ich ab 4 Uhr denke es würde regnen. Ich stehe unter Palmen und die Luftfeuchtigkeit sammelt sich an dem Palmenblättern und tropft aufs Auto runter. Als ich um 6 Uhr aufstehe hole ich zum ersten Mal auf dieser Reise den Regenschirm raus, dermaßen stark tropft es von den Palmen. Die Sichtweite beträgt durch den dichten Nebel und die Feuchtigkeit keine 20 Meter. Bevor die Sonne aufgeht und irgendwann den Nebel vertreibt gehe ich zu Fuß durch das kleine Dorf zur Schildkrötenstation, wo am frühen Morgen die mittlerweile vier Tage alten Schildkröten ins Meer gelassen werden. Instinktiv krabbeln die kleinen etwas unbeholfen mit den Flossen in Richtung Wasser. Was ein schöner Anblick.
Wieder zurück widme ich mich dem Patienten namens Heiner. Ich starte den Motor: kein Klopfen mehr. Ein kurzes Stück auf und ab, Vollgas: läuft wie immer. Anschließend weiter rund 150 Kilometer nach Abomey, während der Fahrt messe ich mit dem Diagnosegerät den Ladedruck am Turbo: alles normal. Vielleicht habe ich gerade noch einmal Glück gehabt und der Sand bzw. der Staub hat tatsächlich gerade noch keinen Schaden angerichtet.
In Abomey fahre ich zum Hotel Royal, was ein Name, das muss gut sein. Hinter der Rezeption ein unfreundlicher, gelangweilter Herr. Alles ist ziemlich heruntergekommen, wie Hotels halt in Afrika so sind. Ich darf im Innenhof im Auto übernachten, die Zimmer möchte ich gar nicht erst sehen. Es gibt eine Eimerdusche und eine Toilette, aber in beiden leider kein Wasser. Wenn ich Wasser brauche, muss ich erst an der Rezeption Bescheid geben, dann kommt jemand und dreht das Wasser auf.
Im Restaurant nebenan gibt es zwei Gerichte: Spaghetti mit Fleisch oder mit Wurst, alternative Eier. Ich bestelle die Spaghetti ohne Fleisch, versteht die Kellnerin aber nicht. Sie holt den Kerl von der Rezeption, der versteht es auch nicht. "Ohne Fleisch?" werde ich mehrfach gefragt. "Ja, nur Nudeln und Soße." Zehn Minuten geschieht nichts, bis die Köchin kommt. "Spaghetti ohne Fleisch? Also dann mit Wurst!" "Nein, nur Soße und Nudeln". Sowas hat sie noch nie gehört. Während wir über das Essen sprechen legt sich die Kellnerin, die zuerst gefragt hat, was ich essen möchte eine Runde zwischen Küche und Theke hin und macht einen Mittagsschlaf. Das Essen erscheint und ich bekomme: zwei Spiegeleier, darunter sind die Spaghetti. Immerhin ohne Wurst und ohne Fleisch. Kaum auszuhalten, so scharf, für 90 Cent kann ich aber nicht meckern.
Am Nachmittag treffe ich Marc, einen lokalen Guide aus Abomey. Marc soll mich am Abend zu einer Voodoo-Zeremonie bringen. Der Voodoopriester reist von Dorf zu Dorf und hält dort die Zeremonie ab, Marc ruft ihn an. Dann muss alles schnell gehen, die Zeremonie beginnt gleich. Wir verlassen mit Heiner das Stadtzentrum, die Straße wird immer kleiner und immer schlechter. Marc kennt den Weg selber nicht, war hier auch noch nie, fragt viele Male nach dem richtigen Weg. Irgendwann kommen wir in einem abgelegenen, winzigen Dorf an. Kinder rennen panisch, schreiend vor mir davon, ich bin überzeugt, dass hier noch niemals ein Tourist gewesen ist. Auf dem Dorfplatz sind fast 100 Leute versammelt, alle gucken mich an. Zwei Kinder bringen mir einen kaputten Holzstuhl, eines der beiden Kinder dreht 10 Meter vorher um und rennt heulend zurück, das zweite Kind stellt mir schließlich den Stuhl hin. Dann beginnt die Zeremonie. Mittlerweile sind rund 500 Leute anwesend. Als das Voodoo, eine mit Fasern geschmückte Puppe auf den Dorfplatz kommt, bin ich nicht mehr die interessanteste Gestalt. Jetzt haben auch die Erwachsenen Angst, kommt ihnen das Voodoo zu nahe. Es kommen weitere Voodoos hinzu und schließlich auch irgendwann der Priester. Ein Huhn wird geschlachtet, es wird mit Schlangen hantiert, hochprozentigen Alkohol getrunken. Die Masse singt, die Voodoos tanzen, ich werde gesegnet und darf mir etwas wünschen. Das Huhn ist mittlerweile gekocht und wird zerrissen und gegessen, mehr aus Spiritualität statt zum Hunger stillen. Nach 3 Stunden ist schließlich alles beendet. Der Dorfchef kommt zu mir, bedankt sich dafür, dass ich dabei war und gemeinsam mit Marc fahre ich schließlich zurück zum Hotelstellplatz, was ein einmaliges Erlebnis.Baca lagi






















