• Tag 145, 0 Km/18433 Km

    21 Januari 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 32 °C

    Ich treffe am Morgen Sunday wieder und vollgepumpt mit Medikamenten geht es ins Zentrum von Lagos. Wir fahren zunächst ein Stück mit dem lokalen Minibus, neben uns sind noch 6 weitere Passagiere anwesend, dicht zusammengepfercht auf den zwei vorhandenen Sitzreihen. Nach einigen Minuten Fahrzeit macht der Fahrer plötzlich mitten auf der Straße eine Vollbremsung und schlägt einen der Passagiere, der eine Reihe hinter ihm sitzt mit der Faust. Dieser schlägt zurück, beide schreien sich einige Sekunden an, bevor die Fahrt fortgesetzt wird, als sei nichts geschehen. Sunday erklärt mir nachher, dass es wohl ein Problem mit der Haltestelle und dem vereinbarten Preis gab. Geht ja schon gut los.
    Wir steigen in Oshodi aus, einem nicht allzu sicheren Teil der Stadt. Sunday empfiehlt mir, mein Handy nicht aus der Tasche zu holen, da es rund um die Busstation Banditen gibt, die einem das Telefon aus der Hand schlagen. An einzelnen ausgewählten Stellen traue ich mich zu fotografieren, was jedes Mal massive Aggressionen aller Drumherumstehenden zur Folge hat. Der Ort wirkt auf mich nicht wirklich gut und schon gar nicht sicher, also bestellen wir uns nach rund 30 Minuten ein Uber um in den Süden von Lagos zu fahren. Während wir warten, kommen vier Männer zu uns, fragen wieso wir fotografieren würden. Sunday erklärt die Situation, schafft es aber nicht die Situation zu entschärfen, ganz im Gegenteil. Er zahlt schließlich einem der Typen 1000 Naira, rund 70 Cent, was dazu führt das die Vier uns schließlich in Ruhe lassen. Später erklärt er mir, dass die Männer sogenannte 'Area Boys' sind, die von der Regierung dazu aufgefordert wurden, in schlechten Stadtteilend für Ordnung zu sorgen. Sie gehören jedoch weder zur Polizei, noch zum Militär, eine Art bewaffneter Bürgerwehr die offiziell nicht existiert und ihr Geld durch Aktionen wie gerade verdient.
    Wir fahren weiter zum Idumota Markt, dem größten Markt von Lagos. Auch wenn die Gegend etwas besser sein soll, fühlt es sich nicht unbedingt besser an. Lagos ist eines der übelsten Dreckslöcher in denen ich jemals war. Auf dem Markt sind viel zu viele Menschen auf zu kleinem Raum, Obdachlose, Bettler, komplett nackte und zugedröhnte Männer die mit den Armen wild herumfuchteln, 'White Man'-Rufe, Kleinkinder krabbeln schreiend durch die Menschenmasse. An den Seiten der Straßen fließt durch die offene Kanalisation eine tiefschwarze, stinkende Brühe, überall wird der Toilettengang mitten am Tag direkt in diese Rinnen erledigt, deren Gemisch aus Fäkalien und Müll dann irgendwo ins Meer fließt. Ein paar hundert Meter weiter spielen Kinder in der schwarzen Jauche und spritzen sich mit der Flüssigkeit gegenseitig voll, während andere bis zu den Knien im Wasser stehen und nach irgendetwas verwertbarem fischen. Der Gestank der Abgase sorgt dann am Mittag dafür, dass meine Überlkeit wieder zurückkommt, dazu die Hitze, der Lärm, einfach die Gesamtatmosphäre. Wir besichtigen die Moschee in Idumota und mittlerweile hat es sich rumgesprochen, dass ein Weißer anwesend ist. In Begleitung von einem Pulk von rund 20 Personen geht es in den Keller der Moschee, es gibt keine Beleuchtung außer dem Licht der Handytaschenlampen. In den Kellerräumen gibt es eine Art Schule, viel zu viele Kinder werden in den kleinen Räumen unterrichtet. In den immerhin beleuchteten Zimmern ist die Temperatur noch einmal rund 10 Grad wärmer als oben, die Ventilatoren funktionieren seit Jahren nicht mehr.
    Mit dem Tuktuk, welches hier Ke-Ke genannt wird, geht weiter zum Nationalmuseum, in denen einzelne der kürzlich von Deutschland an Nigeria zurückgegebenen Benin-Bronzen ausgestellt sind, der erste und einzige schöne Ort von Lagos. Am Nachmittag habe ich genug und Sunday bringt mich zu einem Restaurant in einem Vorort, in dem es nigerianisches Essen gibt. Das Essen ist unfassbar preiswert und ziemlich gut, entsprechend auch hier der Andrang. Schließlich geht es vor Einbruch der Dunkelheit mit dem Uber zurück zum Hotel. Der Fahrer erzählt uns, dass es nachts so gut wie keine Taxi oder öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Niemand möchte sich dem offensichtlichen Risiko von Lagos in der Nacht aussetzen, alle schließen sich irgendwo ein. Auf dem Weg zum Hotel kommen uns drei Gefängnisfahrzeuge entgegen. Die geschlossene Ladefläche hat einzelne vergitterte Öffnungen aus denen die eingesperrten ihre Arme raushängen lassen. In den sieben Stunden, die wir im Stadtzentrum unterwegs waren, habe ich keinen einzigen anderen Weißen gesehen.
    Die Wäscherei ein paar hundert Meter neben dem Hotel hat mittlerweile meine am Morgen angegebene Wäsche fertig und irgendwie schafft es Sunday mir am frühen Abend auch noch zwei neue Ölfilter für den Defender zu besorgen. Was ein Tag in der vielleicht schlimmsten Stadt der Welt.
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