• Tag 149, 379 Km/19010 Km

    25. januar 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 35 °C

    Mit dem ersten Tageslicht geht es los, raus aus Lagos. Es ist noch ziemlich früh als wir uns durch den bereits dichten Verkehr in den Randbezirken kämpfen. Rund um Lagos wird der Müll aus der Stadt an den Seiten der Straßen ausgekippt, dieser türmt sich Meterhoch und über viele Kilometer auf. Der Müll wird durch die dort wohnenden Menschen nach Verwertbarem durchsucht, der Rest wird in kleinen Haufen zu Tausenden verbrannt. Über Kilometer ist die Luft diesig durch den sich ausbreitenden Rauch. Insgesamt ist Nigeria, insbesondere aber rund um Lagos, wirklich extrem verschmutzt. Einer der Orte mit der schlimmsten Umweltverschmutzung an denen ich jemals war. Die Gewässer sind pechschwarz, der Boden zum Teil auch, die Luft stinkt und ist diesig durch die verbrannten Müllberge und die ungefilterten Abgase, überall türmt sich der Plastikmüll an den Seiten der Straße auf. Die Einwohner verrichten ihren Toilettengang direkt ungeniert überall, ich sehe wie die Seitentür eines LKWs aufgeht und während der Fahrt direkt aus der Tür heraus auf die Straße gepinkelt wird.
    Ich tanke noch einmal rund um Lagos voll, die Qualität des Diesels ist ziemlich mies, ich spüre unmittelbar danach den Leistungsverlust des Autos. Nigeria ist leider bekannt für seine schlechte Kraftstoffqualität. Auf dem Weg nach Benin-City gibt es ungefähr alle 5 Kilometer einen Checkpoint, davor staut sich der Verkehr fast jedesmal und es wird vor jedem Checkpoint extrem hektisch. Vorlassen, reinlassen, durchlassen gibt es in Nigeria nicht, jede Lücke wird ausgefüllt, bis zum Kontakt mit dem Nachbarauto. Rund jedes zweite Privatfahrzeug hat ein Blaulicht um sich hier irgendwie einen Vorteil zu verschaffen. An einem Checkpoint schneidet mich ein LKW dermaßen von der Seite, dass ich sofort den Rückwärtsgang einlegen muss, sonst würde mich der Auflieger mitnehmen.
    Nicht jeder Checkpoint ist durch die Polizei besetzt und so gibt es zwischendrin immer mal Checkpoints, die temporär durch Banditen übernommen werden. An keinem Checkpoint in Zivil schafft man es, uns anzuhalten, auch wenn man zum Teil mit Stöcken hinter uns herläuft. Die offiziellen Polizisten sind hingegen alle ausnahmslos freundlich, kein einziges Mal werden wir nach Geld gefragt.
    Sunday verlässt uns nach etwa 200 Kilometern, macht sich anschließend weiter auf den Weg mit dem Sammeltaxi in sein Dorf, wir fahren weiter bis zum Tagesziel Benin-City. Hier kommen wir schon am Mittag an, die Straße war trotz schlechten Abschnitten besser als gedacht. Also entscheiden wir uns, noch rund 100 Kilometer weiter bis Agbor zu reisen. Hier gibt es ein Hotel, ziemlich einfach aber immerhin mit zwei bewaffneten Polizisten direkt am Tor, wir dürfen auf dem Hof im Auto schlafen. Kein schöner Ort, laut und mit dröhnenden Bässen von allen Seiten, aber immerhin gut gesichert.
    Wir essen im Restaurant, es gibt eine riesen Speisekarte mit allen möglichen Gerichten, verfügbar sind jedoch mal wieder nur Nudel und Eier. Soße gibt es keine. Während wir essen hören wir aggressives Geschrei aus dem Hof, die beiden Security sind mit einem Mann zugange und alle drei brüllen sich gegenseitig an. Schließlich lädt der eine der beiden Sicherheitsleute sein Maschinengewehr durch und richtet die Waffe auf den Mann. Unter lautem Schimpfen verlässt dieser schließlich den Hof. Als wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch einmal ein paar hundert Meter nach links und rechts vor dem Hotel zu Fuß gehen möchten, lässt uns der Sicherheitsdienst nicht gehen. Außerhalb vom Hotel sei es in der Stadt "Not safe". Leider ist dies Alltag in Nigeria.
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