• Tag 189, 276 Km/24232 Km

    6. marts 2025, Angola ⋅ ☁️ 28 °C

    Jan fragt mich am Abend, ob ich wohl seine Frau am kommenden Morgen mit nach Pointe Noire nehmen könnte. Für mich kein Problem, schließlich ist der Platz neben mir zur Zeit sowieso frei. Sein Schwiegervater wohnt 50 Meter von der Grenze zu Angola entfernt, im Gegenzug soll dieser schon alles für die Einreise organisieren. Wir fahren also am Morgen zu zweit die anfangs noch gute Straße bis nach Pointe Noire. Alles das, was die Republik Kongo bislang zu bieten hatte, verschwindet bei der Einfahrt in die Stadt. Es ist plötzlich heiß und schwül, die Straße schlagartig unglaublich schlecht. Es gibt Staus und ein Chaos, welches ich seit Yaoundé nicht mehr hatte. Wir brauchen über zwei Stunden um die Stadt zu passieren. Die Straße zur Grenze bleibt schlecht, der Schmuggel von Kraftstoffen aus Cabinda in Richtung der Republik Kongo ist deutlich zu sehen, alles was fahren kann wird genutzt um Diesel und Benzin für 14 Cent in Cabinda zu kaufen, über die Grenze zu bringen und dann für über einen Euro im Kongo zu verkaufen.
    Ich treffe Jans Schwiegervater an der Grenze, ein alter Mann mit Krückstock und Gehfehler. Er kennt jeden an der Grenze, stellt mich überall als seinen Sohn vor. Der 'Sohn' eines der Dorfältesten der Grenzstadt wird dermaßen bevorzugt behandelt, dass ich an den langen Schlangen direkt nach vorne darf und innerhalb von 5 Minuten aus dem Kongo ausgereist bin. Zum Glück hat niemand den Schwindel bemerkt, keiner hat gesehen, dass ich eigentlich weiß bin.
    Auf der Seite Angolas bleibt Jans Schwiegervater bei mir, hat hier aber keine Macht mehr. Der Einreiseprozess ist unglaublich zäh, nichts ist optimiert. Ein ökonomisches Kalkül, der Prozess wird unnötig in die Länge gezogen um die illegale Ausfuhr von Diesel und Benzin so wenig reizvoll wie möglich zu machen. Als Beispiel werden die Passdaten mal wieder in irgendein Buch geschrieben, die unfreundliche Dame kann nur leider nicht schreiben und malt so Buchstabe für Buchstabe nach. Auch wird das Auto fotografiert, dieses muss dafür in einer zuvor exakt beschrieben Stelle geparkt werden. Ich stehe einen Meter zu weit hinten, darf also wieder einsteigen, den Motor anmachen und den Meter vorfahren.
    Den Pass abstempeln zu lassen und die Einfuhr des Fahrzeuges zu organisieren dauert samt dem Zirkus drumherum mehr als zwei Stunden. Am späten Nachmittag ist die Einreise endlich irgendwann erledigt, Jans Schwiegervater verlässt mich ohne irgendwas für seine Dienste zu verlangen. Schließlich bin ich sein Sohn! Er bekommt trotzdem etwas als Gegenleistung.
    Ich versuche an der Grenze eine Versicherung für das Auto zu bekommen, es gibt jedoch keine. Mir bleibt also nicht übrig als die nächsten zwei Tage ohne Haftpflichtversicherung bis in die Demokratische Republik Kongo zu fahren. Versicherungen zahlen bei einem Unfall in Afrika generell sowieso nicht, der Nachweis wird ausschließlich für Polizeikontrollen benötigt.
    Es ist schon ziemlich spät, als wir am Abend kurz vor Cabinda-Stadt unser Hotel erreichen. Leider ist das Hotel ausgebucht. Es ist Donnerstag, es gibt 50 Zimmer, es steht kein einziges Auto vor dem Hotel aber 'es ist ausgebucht'. Die Frage, ob es möglich ist im Auto zu übernachten wird natürlich verneint und nach 10 Stunden Fahrzeit samt Grenzübertritt ist uns nicht danach, das kurze Stück im fast Dunkeln weiter nach Cabinda-Stadt zu fahren. Wir drehen also um und fragen an einem Restaurant, ob wir die Nacht auf dem Parkplatz stehen dürfen, welcher überraschend ruhig und schön ist. Eine Alternative hätte es zu der Uhrzeit nicht mehr gegeben, wir sind froh, überhaupt einen Platz für die Nacht gefunden zu haben.
    Es geht morgen direkt wieder raus aus Cabinda und über die Grenze in die Demokratische Republik Kongo. Cabinda fühlt sich aktuell gut an, auch wenn es Probleme mit Separatisten und Rebellen in diesem kleinen Abschnitt Angolas gibt, auf den Straßen gibt es eine hohe Militärpräsenz.
    Ab heute reise ich wieder in Begleitung.
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