Tag 188, 0 Km/23956 Km
5. marts 2025, Congo ⋅ ☁️ 31 °C
Jan organisiert am Morgen zwei Mototaxis und gemeinsam mit einem seiner Mitarbeiter fahren wir tief hinein in den Wald. Die Straße ist schlecht, super schlecht. Ich bin mir sicher, dass die Straße mit einem Auto unpassierbar ist, die schlechteste Straße der ganzen Reise. Viele Male muss ich absteigen, weil das Motorrad im tiefen Schlamm stecken bleibt oder weil es zu gefährlich ist, zu zweit auf einem Motorrad weiter zu fahren. Nach rund einer Stunde Fahrzeit kommen wir in einer winzigen Goldgräberstadt an, viel kleiner als Dimonika. Häuser aus Holz und Wellblech sind rund um die Lehmstraße gebaut, es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser, kein Empfang, weshalb das Dorf auch Noreseau (zu Deutsch: Kein-Netz) genannt wird. Die Stimmung in dem Dorf ist unglaublich bedrückend, fast alle Anwesenden sind schon am frühen Morgen von hartem Alkohol betrunken oder auf irgendwelchen Drogen - und jetzt fährt hier ein Weißer durch das Dorf. Wir gehen zum Dorfchef, der als einziger noch nicht betrunken ist und zahlen für sein Bier, schmieren ihn mit 5000 Franc (7.50€), damit wir akzeptiert werden. Auch wenn wir von vollkommen zugedröhnten Goldgräbern umringt sind, lässt man uns in Ruhe.
Auch rund um das Dorf gibt es Stollen, wir besichtigen einen davon. In den Stollen wird noch immer nach Gold gegraben, erst kürzlich ist einer eingestürzt und hat ein Kind begraben. Ich bin froh, als wir wieder draußen sind. Wir besuchen schließlich die Goldgräber. Im Gegensatz zu gestern arbeitet man hier tief im Wald, nutzt Pumpen und Waschstraßen um das Gold zu finden. Die Umweltverschmutzung ist massiv, Bäume werden gefällt, der gesamte Boden umgegraben. Das Wasser ist braun vom darin aufgelösten Sand und Lehm, auslaufende Betriebsstoffe der Generatoren und Pumpen färben das Wasser in allen Farben des Regenbogens. Schon das Mitführen einer Kamera in der Tasche sorgt für heftige Anfeindungen, niemand möchte hier fotografiert werden. Alle Goldgräber sind von der harten Arbeit extrem durchtrainiert, schon die Kinder sind muskulös. Täglich über zehn Stunden schwere körperliche Arbeit, oft im knietiefen Wasser, dazu ständig in Lebensgefahr durch einbrechende Stollen, herunterfallende Steine und die laufenden Maschinen ist für mich persönlich unvorstellbar.
Wir besichtigen noch eine weitere Ausgrabungsstelle, an der die Arbeiter gerade eine Schildkröte im Wald gefunden haben. Die Schildkröte ist bereits gekocht, als wir eintreffen, wird anschließend samt Innereien aufgeteilt und verspeist. Man bietet mir ein Stück der Schildkröte an, anschließend wildes Marihuana, angeblich viel stärker in der Wirkung als gezüchtetes Marihuana. Ich lehne beides ab.
Ich war an vielen schlimmen Orten in Afrika, habe viele schlechte Arbeitsbedingungen gesehen und auch hier wird mir wieder einmal bewusst, dass das Gold, was wir zu Hause haben oder welches für irgendwelche Technik notwendig ist, nicht einfach irgendwo herkommt sondern unter härtesten Bedingungen und größtmöglicher Umweltzerstörung hier im Wald vom Kongo gefunden wird.
Zum Abschluss frage ich einen der anwesenden, wie oft denn Touristen herkommen. "Sehr oft" seine mich überraschende Antwort. "Erst letztes Jahr waren zwei Chinesen da".
Meine Reise in der Republik Kongo endet mit einem letzten Abendessen bei Jan. Die drei Tage in seinem Haus und in der Gegend der Goldgräber waren für mich persönlich das Highlight vom Kongo, vielleicht sogar der ganzen Reise. Ich könnte hier durchaus noch Tage oder gar Wochen bleiben, irgendwas macht der Ort mit mir. Leider muss ich morgen weiter.
So wird dies die letzte Nacht in der Republik Kongo sein. Sollte alles nach Plan laufen, fahre ich morgen über die Grenze nach Angola in die Exklave Cabinda. Mit Grenzübertritt beginnt gleichzeitig auch die dritte und letzte schwierige Phase dieser Reise: Cabinda und die anschließende Durchquerung der Demokratischen Republik Kongo.Læs mere























Unvorstellbar wie die Menschen dort leben und wie hart sie arbeiten müssen. [E.L.]