• Tag 202, 145 Km/26402 Km

    19 Mac 2025, Angola ⋅ ⛅ 30 °C

    Auf traumhaften Bergstraßen geht es nach und nach wieder zurück ins Flachland. Die Straße windet sich Kurve für Kurve um die kleinen Dörfer, alle Anwohner sind super freundlich, winken, lachen und rufen uns zu während wir vorbeifahren. An einer Kreuzung steht ein alter Panzer, ein Relikt aus vergangenen Tages des Bürgerkriegs. Dann führt die Straße steil hinab ins Tal, es ist glücklicherweise noch kühl, die Bremsen überhitzen aufgrund des konstanten Gefälles über viele Kilometer trotzdem, sodass ich ab und an eine Pause machen muss, zumindest solange bis es im Innenraum nicht mehr nach verbranntem Bremsstaub riecht.
    Wir erreichen am Mittag die Grutas da Sassa, ein weiteres Highlight Angolas. Der Ort ist eigentlich einfach zugänglich, die vielen Kinder und Jugendlichen die in einem der benachbarten Dörfer wohnen sollen Touristen jedoch das Leben schwer machen. Noch nicht einmal auf der Zufahrtsstraße zur Höhle fahrend, läuft schon der erste Jugendliche neben dem Auto her. Die Traube an Kindern und Jugendlichen wird immer größer, als wir ankommen sind es rund 30 Personen. Da ich schon weiß, was hier blüht gehe ich direkt zum Ältesten der Runde und sage ihm, dass ich ihm 4€ gebe, wenn er uns zur Höhle bringt und uns alle Anderen vom Leib hält. Außerdem soll einer der Älteren auf das Auto aufpassen, ich biete ihm 2€ dafür. Leider sind hier in der Vergangenheit Autos aufgebrochen worden, während Reisende die Höhle besichtigt haben. Die beiden willigen ein.
    Zu Fuß geht es steil bergab, nach rund einer halben Stunde sind wir am Höhleneingang. Hier möchte der selbsternannte Führer noch einmal 5€ Eintritt. Auch das wusste ich schon, also dürfen wir die Höhle betreten. Ich habe schon einige Höhlen in meinem Leben gesehen aber diese sprengt alle Dimensionen. Die Höhlenkammern sind rund 200 Meter hoch, ich habe die stärkste Taschenlampe dabei und schaffe es nicht, damit bis zur Decke zu leuchten. Immer wieder gibt es Einbrüche in die riesigen Kammern, durch die Licht hineinfällt. Der Boden ist übersät mit Ausscheidungen der Fledermäuse, die zu Tausenden an der Decke hängen. Der Gestank ist unglaublich, unbeschreiblich. Es fühlt sich an, als könnte Indiana Jones in dieser Höhle den heiligen Gral suchen.
    Plötzlich fällt eine der Fledermäuse wie ein Stein zu Boden, was dazu führt, dass die restlichen Tiere plötzlich wie von Sinnen einmal umherfliegen.
    Ich bin voll mit Fledermauskot an Armen und Rücken, da dies direkt über unseren Köpfen geschieht. Ein Regenschirm hätte geholfen, ich habe natürlich keinen dabei. Als wir diesen einmaligen Ort irgendwann verlassen, denke ich noch, dass das Marburg- oder Ebolavirus bestimmt irgendwann einmal in einer solchen Höhle in Afrika entstanden ist.
    Bevor wir uns auf den Weg zum Auto machen, möchte der Führer natürlich noch einmal extra für den Rückweg bezahlt werden, aber spätestens jetzt ist auch mal gut. Es bleibt also nach kurzer Diskussion bei den vereinbarten 9€, was ich ihm deutlich mache.
    Zurück am Auto ist Heiner rundum voll von Abdrücken von Gesichtern und Händen, alle Scheiben sind eingesaut. Die 2€ für den Aufpasser waren vermutlich gut investiert.
    Die Hauptaufgabe am Nachmittag lautet in der ersten größeren Stadt seit Luanda: Bargeld auftreiben. Bisher habe ich erst an einem einzigen Geldautomaten im ganzen Land Bargeld bekommen und das geht langsam zu Neige. Ich fahre jede Bank der ganzen Stadt an, aber an keiner einzigen Bank gibt es Bargeld. Alle Automaten sind leer, oft höre ich schon beim Aussteigen aus dem Auto "No Dinheiro". Ich frage bei zwei Banken, ob ich Euro oder Dollar tauschen kann, geht aber auch nicht. Ich frage mich also ernsthaft, was man in einer Bank machen kann, an der ich kein Geld tauschen und auch kein Geld bekommen kann. Vielleicht ein Konto eröffnen, aber was mache ich mit einem Konto bei einer Bank, die dann kein Geld auszahlt?
    Ohne frisches Bargeld fahren wir am Abend zum Binga Wasserfall, finden einen Stellplatz am Ufer keine 50 Meter vom Wasserfall weg und auch wenn es schon zu spät ist um den Wasserfall zu erkunden bin ich sicher, dass für Morgen ein weiteres Highlight Angolas auf uns wartet.
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